Shabbat 9

Kapitel 9

א לא מחייב רבי אלא ברשות היחיד מקורה דאמרינן ביתא כמאן דמליא דמיא אבל שאינו מקורה לא
1 bei einem Privatgebiete mit Bedachung schuldig, weil wir das Haus als voll betrachten, nicht aber bei einem ohne Bedachung.
ב וכ"ת הכא נמי במקורה התינח ברשות היחיד מקורה בר"ה מקורה מי חייב והאמר רב שמואל בר יהודה אמר רבי אבא א"ר הונא אמר רב המעביר חפץ ד' אמות בר"ה מקורה פטור לפי שאינו דומה לדגלי מדבר
2 Wolltest du erwidern, auch hier handle es sich um [ein Gebiet] mit Bedachung, so ist zwar bei einem Privatgebiete die Bedachung [von Bedeutung], aber ist man denn bei einem öffentlichen Gebiete mit Bedachung schuldig, R. Šemuél b. Jehuda sagte ja im Namen R. Abbas im Namen R. Honas im Namen Rabhs, wer eine Sache in einem öffentlichen Gebiete mit Bedachung vier Ellen trägt, sei frei, weil dies nicht [dem Tragen] der Fahnen in der Wüste gleiche!?
ג אלא א"ר זירא הא מני אחרים היא דתניא אחרים אומרים עמד במקומו וקבל חייב עקר ממקומו וקבל פטור עמד במקומו וקבל חייב הא בעינן הנחה על גבי מקום ד' וליכא אלא שמע מינה לא בעינן מקום ארבעה
3 Vielmehr, erwiderte R. Zera, hier wird die Ansicht der Anderen vertreten. Es wird nämlich gelehrt: Andere sagen, wenn dieser [die Sache] auf seinem Orte stehend auffängt, sei jener schuldig, und wenn er seinen Ort verläßt und sie auffängt, sei jener frei. Wieso ist jener schuldig, wenn er sie auf seinem Orte stehend auffängt, beim Niederlegen ist ja ein Raum von vier [Handbreiten] erforderlich, was hierbei nicht der Fall ist? Hieraus ist also zu schließen, daß ein Raum von vier [Handbreiten] nicht erforderlich sei. –
ד ודילמא הנחה הוא דלא בעינן הא עקירה בעינן והנחה נמי דילמא דפשיט כנפיה וקיבלה דאיכא נמי הנחה
4 Vielleicht aber ist dies nur beim Niederlegen nicht erforderlich, wohl aber bei der Fortnahme. Und auch beim Niederlegen [kann dies erfolgen], wenn er seinen Rockschoß ausgebreitet und sie auffängt, somit erfolgt auch ein Niederlegen!?
ה אמר רבי אבא מתניתין כגון (שקבל בטרסקל) והניח ע"ג טרסקל דאיכא נמי הנחה והא ידו קתני תני טרסקל שבידו
5 R. Abba erwiderte: Auch unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn er es mit einem Handkorbe genommen und in einen Handkorb gelegt hat, sodaß auch ein Niederlegen erfolgt. – Es heißt ja aber ‘Hand’!? – Lies ‘mit dem Korbe in der Hand’. –
ו התינח טרסקל ברשות היחיד אלא טרסקל שבר"ה רה"י הוא
6 Allerdings mit einem Handkorbe auf Privatgebiet, wieso aber mit einem Handkorbe auf öffentlichem Gebiete, dieser ist ja Privatgebiet!? Oder man müßte sagen, daß unsere Mišna nicht die Ansicht des R. Jose b. R. Jehuda vertritt, denn es wird gelehrt:
ז לימא דלא כרבי יוסי בר' יהודה דתניא רבי יוסי בר' יהודה אומר נעץ קנה בר"ה ובראשו טרסקל זרק ונח על גביו חייב
7 R. Jose b. R. Jehuda sagte: Wenn jemand auf öffentlichem Gebiete eine Stange mit einem Korbe am Ende [in die Erde] gesteckt hat und etwas wirft, und es darin liegen bleibt, so ist er schuldig.
ח דאי כר' יוסי בר' יהודה פשט בעל הבית את ידו לחוץ ונתן לתוך ידו של עני אמאי חייב מרה"י לרה"י קא מפיק
8 Wieso kann nach R. Jose b. R. Jehuda der Hausherr, wenn er seine Hand nach außen streckt und etwas in die Hand des Armen legt, schuldig sein, er bringt es ja aus Privatgebiet in Privatgebiet!? –
ט אפילו תימא רבי יוסי בר' יהודה התם למעלה מי' הכא למטה מי'
9 Du kannst auch sagen, nach R. Jose b. R. Jehuda, denn jene [Lehre gilt von dem Falle, wenn] oberhalb zehn [Handbreiten], unsere aber, wenn innerhalb zehn [Handbreiten].
י קשיא ליה לר' אבהו מי קתני טרסקל שבידו והא ידו קתני אלא א"ר אבהו כגון ששלשל ידו למטה מג' וקבלה
10 R. Abahu wandte ein: Heißt es denn ‘Korb in der Hand’, es heißt ja ‘Hand’!? Vielmehr, erklärte R. Abahu, wenn er mit der Hand unterhalb dreier [Handbreiten] langt und es aufnimmt. –
יא והא עומד קתני בשוחה ואיבעית אימא בגומא ואב"א בננס
11 Es heißt ja ‘steht’!? – Wenn er sich bückt. Wenn du willst, sage ich: in einer Grube. Wenn du aber willst, sage ich: bei einem Zwerge.
יב אמר רבא איכפל תנא לאשמעינן כל הני אלא אמר רבא ידו של אדם חשובה לו כד' על ד' וכן כי אתא רבין א"ר יוחנן ידו של אדם חשובה לו כד' על ד'
12 Raba wandte ein: Sollte der Tanna sich bestrebt haben, nur von solchen Fällen zu lehren!? Vielmehr, erwiderte Raba, ein Mensch wertet seine Hand wie [einen Raum] von vier zu vier [Handbreiten]. Ebenso sagte Rabin, als er kam, im Namen R. Joḥanans: Ein Mensch wertet seine Hand wie [einen Raum] von vier zu vier [Handbreiten].
יג א"ר אבין א"ר אילעאי א"ר יוחנן זרק חפץ ונח בתוך ידו של חבירו חייב מאי קמ"ל ידו של אדם חשובה לו כד' על ד' והא אמרה ר' יוחנן חדא זימנא מהו דתימא ה"מ היכא דאחשבה הוא לידיה אבל היכא דלא אחשבה הוא לידיה אימא לא קא משמע לן
13 R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑js im Namen R. Joḥanans: Wenn jemand eine Sache wirft und sie in der Hand seines Nächsten liegen bleibt, so ist er schuldig. – Er lehrt uns damit, daß ein Mensch seine Hand werte, wie [einen Raum] von vier zu vier [Handbreiten], und dies sagte R. Joḥanan bereits einmal!? – Man könnte glauben, nur wenn er selber seine Hand wertet, nicht aber, wenn er selber sie nicht wertet, so lehrt er uns.
יד א"ר אבין א"ר אילעאי א"ר יוחנן עמד במקומו וקיבל חייב עקר ממקומו וקיבל פטור תניא נמי הכי אחרים אומרים עמד במקומו וקיבל חייב עקר ממקומו וקיבל פטור
14 R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑js im Namen R. Joḥanans: Wenn dieser [die Sache] auf seinem Orte stehend auffängt, so ist jener schuldig, wenn er aber seinen Ort verläßt und sie auffängt, so ist jener frei. Ebenso wird gelehrt: Andere sagen: Wenn dieser [die Sache] auf seinem Orte stehend auffängt, so ist jener schuldig, wenn er aber seinen Ort verläßt und sie auffängt, so ist jener frei.
טו בעי ר' יוחנן זרק חפץ ונעקר הוא ממקומו וחזר וקיבלו מהו
15 R. Joḥanan fragte: Wie ist es, wenn jemand eine Sache wirft, dann seinen Ort verläßt und sie auffängt? –
טז מאי קמבעיא ליה אמר רב אדא בר אהבה שני כחות באדם אחד קא מבעיא ליה שני כחות באדם אחד כאדם אחד דמי וחייב או דילמא כשני בני אדם דמי ופטור תיקו
16 Was ist ihm da fraglich? R. Ada b. Ahaba erwiderte: Er fragt inbetreff zweier Tätigkeiten einer Person: werden zwei Tätigkeiten einer Person [als Tat] einer Person betrachtet, wonach er schuldig ist, oder werden sie [als Tat] zweier Personen betrachtet, wonach er frei ist? – Dies bleibt unentschieden.
יז א"ר אבין א"ר יוחנן הכניס ידו לתוך חצר חבירו וקיבל מי גשמים והוציא חייב מתקיף לה ר' זירא מה לי הטעינו חבירו מה לי הטעינו שמים איהו לא עביד עקירה לא תימא קיבל אלא קלט והא בעינן עקירה מעל גבי מקום ד' וליכא
17 R. Abin sagte im Namen R. Joḥanans: Wer seine Hand in den Hof seines Nächsten streckt, Regen auffängt und herausholt, ist schuldig. R. Zera wandte ein: Was ist denn der Unterschied, ob ein anderer ihm etwas [in die Hand] gibt oder der Himmel ihm etwas [in die Hand] gibt, er hat ja keine Fortnahme gemacht!?– Vielmehr, sage nicht ‘auffängt’, sondern ‘aufnimmt’. – Die Fortnahme muß ja von einem vier [Handbreiten] großen Raume erfolgen, was hierbei nicht der Fall ist!?
יח אמר רבי חייא ברי' דרב הונא כגון שקלט מעל גבי הכותל על גבי כותל נמי והא לא נח כדאמר רבאבכותל משופע הכא נמי בכותל משופע והיכא איתמר דרבא אהא דתנן
18 R. Ḥija, der Sohn R. Honas, erwiderte: Wenn er [den Regen] von der Wand aufnimmt. – Und wenn schon von der Wand, er blieb ja nicht liegen!? – Wie Raba erklärte, wenn die Wand schief ist, ebenso auch hier, wenn die Wand schief ist. – Worauf bezieht sich die Erklärung Rabas? – Auf folgende Lehre: