Shevuot 41

Kapitel 41

א קמ"ל כדשני ליה
1 so lehrt er uns, [daß man so erkläre,] wie dieser ihm erwiderthat.
ב ואיבעית אימא כשם שמביא קרבן על שקר כך מביא קרבן על שוא ור"ע היא דמחייב לשעבר כלהבא
2 Wenn du willst, sage ich: wie wegen des Falschschwures ein Opfer darzubringen ist, ebenso ist auch wegen des Nichtigkeitsschwures ein Opfer darzubringen, und zwar ist hier R. A͑qiba vertreten, nach dem man wegen des assertorischen [Schwures] wie wegen des promissorischen schuldig ist.
ג מיתיבי אי זו היא שבועת שוא נשבע לשנות את הידוע לאדם שבועת שקר נשבע להחליף אימא נשבע ומחליף
3 Man wandte ein: Was heißt ein Nichtigkeitsschwur? Wenn man das, was jedem Menschen bekannt ist, verkehrt beschwört. Ein Falschschwur? Wenn man etwas beschwört und es sich andersverhält!? – Lies: wenn man etwas beschwört und [nachher] anders verfährt.
ד כי אתא רבין א"ר ירמיה א"ר אבהו א"ר יוחנן אכלתי ולא אכלתי שקר ואזהרתיה (ויקרא יט, יב) מלא תשבעו בשמי לשקר אוכל ולא אוכל עובר (במדבר ל, ג) בלא יחל דברו ואי זו היא שבועת שוא נשבע לשנות את הידוע לאדם
4 Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Jirmejas im Namen R. Abahus im Namen R. Joḥanans: [Schwört jemand:] ich habe gegessen, oder: ich habe nicht gegessen, so ist dies [eventuell] ein Falsch[schwur], und das Verbot findet sich [im Schriftverse:] <i>ihr sollt nicht in meinem Namen falsch schwören</i>; [schwört jemand:] ich werde essen, oder: ich werde nicht essen, so übertritt er das Verbot: <i>er soll sein Wort nicht brechen.</i> Welches ist ein Nichtigkeitsschwur? – Wenn jemand etwas, was jedem Menschen bekannt ist, verkehrt beschwört.
ה אמר רב פפא הא דרבי אבהו לאו בפירוש איתמר אלא מכללא איתמר דאמר רב אידי בר אבין אמר רב עמרם אמר רב יצחק א"ר יוחנן ר' יהודה אומר משום ר' יוסי הגלילי כל לא תעשה שבתורה לאו שיש בו מעשה לוקין עליו ושאין בו מעשה אין לוקין עליו חוץ מנשבע ומימר ומקלל את חבירו בשם
5 R. Papa sagte: R. Abahu sagte dies nicht ausdrücklich, vielmehr ist dies durch einen Schluß gefolgert worden. R. Idi b. Abin sagte im Namen R. A͑mrams im Namen R. Jiçḥaqs im Namen R. Joḥanans: R. Jehuda sagte im Namen R. Jose des Galiläers: Wegen aller Verbote der Tora ist nur dann zu geißeln, wenn durch das Verbot eine Tätigkeit ausgeübt wird, wenn aber dadurch keine Tätigkeit ausgeübt wird, ist dieserhalb nicht zu geißeln, ausgenommen das [falsche] Schwören, das Umtauschenund das Fluchen seines Nächsten beim Gottesnamen.
ו נשבע מנלן א"ר יוחנן משום רשב"י אמר קרא (שמות כ, ו) לא תשא את שם ה' אלהיך לשוא כי לא ינקה ב"ד של מעלה אין מנקין אותו אבל ב"ד של מטה מלקין אותו ומנקין אותו
6 Woher dies vom Schwören? R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Die Schrift sagt:<i>du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes</i>, <i>nicht umsonst aussprechen, denn er reinigt nicht;</i> das himmlische Gericht reinigt ihn nicht, wohl aber geißelt und reinigt ihn das irdische Gericht.
ז א"ל רב פפא לאביי דלמא הכי קאמר רחמנא לא ינקה כלל אי כתיב כי לא ינקה כדקאמרת השתא דכתיב כי לא ינקה ה' ה' הוא דאינו מנקה אבל ב"ד של מטה מלקין אותו ומנקין אותו
7 R. Papa sprach zu Abajje: Vielleicht meint es der Allbarmherzige wie folgt: er wird überhaupt nicht gereinigt!? – Hieße es: denn er wird nicht gereinigt, so würdest du recht haben, wenn es aber heißt: denn der Herr reinigt nicht, [so erkläre man,] der Herr reinigt ihn nicht, wohl aber geißelt und reinigt ihn das irdische Gericht. –
ח אשכחן שבועת שוא שבועת שקר מנלן ר' יוחנן דידיה אמר לשוא לשוא שתי פעמים אם אינו ענין לשבועת שוא תנהו ענין לשבועת שקר
8 Wir wissen dies also vom Nichtigkeitsschwure, woher dies vom Falschschwure? R. Joḥanan erklärte in seinem eigenen Namen: Es heißt zweimal<i>umsonst</i>, und da [die Wiederholung] nicht auf den Nichtigkeitsschwur zu beziehen ist, so beziehe man sie auf den Falschschwur.
ט והוי בה ר' אבהו האי שבועת שקר ה"ד אילימא שבועה שלא אוכל ואכל לאו שיש בו מעשה הוא ואלא דאמר שבועה שאוכל ולא אכל האי מי לוקה והא איתמר שבועה שאוכל ככר זו היום ועבר היום ולא אכלה רבי יוחנן ור"ל דאמרי תרוייהו אינו לוקה
9 Dagegen wandte R. Abahu ein: Auf welchen Falschschwur: wollte man sagen, wenn jemand geschworen hat, er werde nicht essen, und gegessen hat, so ist dies ja ein Verbot, wobei eine Tätigkeit ausgeübt wird, und wollte man sagen, wenn jemand geschworen hat, er werde essen, und nicht gegessen hat, so wird er ja nicht gegeißelt!? Es wird nämlich gelehrt: [Wenn jemand gesagt hat:] ein Schwur, daß er diesen Laib an diesem Tage essen werde, und der Tag vorüber ist, ohne daß er ihn gegessen hat, so ist er, wie R. Joḥanan und Reš Laqiš übereinstimmend sagen, nicht zu geißeln.
י ר' יוחנן אמר אינו לוקה משום דהוה לאו שאין בו מעשה וכל לאו שאין בו מעשה אין לוקין עליו ור"ל אמר אינו לוקה משום דהוה התראת ספק והתראת ספק לא שמה התראה
10 R. Joḥanan sagt, er sei nicht zu geißeln, weil dies ein Verbot ist, wobei keine Tätigkeit ausgeübt worden ist, und wegen eines Verbotes, wobei keine Tätigkeit ausgeübt wird, ist nicht zu geißeln; Reš Laqiš sagt, er sei zu geißeln, weil die Warnung nur eine eventuelle sein kann, und die eventuelle Warnung gilt nicht als Warnung.
יא וא"ר אבהו תהא באכלתי ולא אכלתי ומאי שנא אמר רבא בפירוש ריבתה תורה שבועת שקר דומה לשוא מה שוא לשעבר אף שקר נמי לשעבר
11 Hierzu sagte R. Abahu: Wenn [er gesagt hat:] ich habe gegessen, oder: ich habe nicht gegessen. – Welchen Unterschied gibt es dennhierbei? Raba erwiderte: Die Tora hat ausdrücklich den Falschschwur mit dem Nichtigkeitsschwure verglichen: wie der Nichtigkeitsschwur assertorisch ist, ebenso ist auch der Falschschwur assertorisch.
יב איתיביה רבי ירמיה לרבי אבהו שבועה שלא אוכל ככר זו שבועה שלא אוכלנה שבועה שלא אוכלנה ואכלה אינו חייב אלא אחת זו היא שבועת בטוי שחייבין על זדונה מכות ועל שגגתה קרבן עולה ויורד
12 R. Jirmeja wandte gegen R. Abáhu ein: [Sagt jemand:] Ein Schwur, daß ich diesen Laib nicht essen werde, ein Schwur, daß ich ihn nicht essen werde, so ist er, wenn er ihn gegessen hat, nur einmal schuldig.
יג זו היא למעוטי מאי לאו למעוטי אכלתי ולא אכלתי דלא לקי
13 Dies ist ein Bekräftigungsschwur, wegen dessen [Verletzung] man bei Vorsatz sich der Geißelung schuldig macht, und bei Unvorsätzlichkeit ein auf- und absteigendes Opfer darbringen muß.
יד לא למעוטי אכלתי ולא אכלתי מקרבן זו היא דעל שגגתה קרבן עולה ויורד אבל אכלתי ולא אכלתי לא ור' ישמעאל היא דאמר אינו חייב אלא על העתיד לבא אבל מילקא לקי
14 [Die Worte] ‘dies ist’ schließen wohl den Fall aus, [wenn jemand geschworen hat:] ich habe gegessen, oder: ich habe nicht gegessen, daß er nämlich nicht zu geißeln ist!? – Nein, sie schließen den Fall, [wenn jemand geschworen hat:] ich habe gegessen, oder: ich habe nicht gegessen, hinsichtlich des Opfers aus; dies ist [ein Schwur,] wegen dessen [Verletzung] man bei Unvorsätzlichkeit ein auf- und absteigendes Opfer darbringen muß, nicht aber, wenn [jemand geschworen hat:] ich habe gegessen, oder: ich habe nicht gegessen. Dies nach R. Jišma͑él, welcher sagt, man sei wegen des promissorischen [Bekräftigungsschwures] nicht schuldig. – Wohl aber ist er zu geißeln;