Sotah 6

Kapitel 6

א ורבי עקיבא א"כ ליכתוב רחמנא לה ולישתוק יטמא למה לי ש"מ
1 Und R. A͑qiba!? — Der Allbarmherzige sollte doch <i>an</i> <i>ihr</i> geschrieben haben und nichts weiter, wenn es aber auch heißt: <i>verunreinige er sich</i>, so ist auch dies zu entnehmen. —
ב ור' ישמעאל איידי דכתב לה כתב נמי יטמא לכדתני דבי ר' ישמעאל דתנא דבי רבי ישמעאל כל פרשה שנאמרה ונישנית לא נישנית אלא בשביל דבר שנתחדש בה
2 Und R. Jišma͑él!? — Da er <i>an ihr</i> geschrieben hat, so schrieb er auch: <i>verunreinige er sich</i>. Dies nach einer Lehre R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Jeder Abschnitt, der gelehrt und wiederholt worden ist, ist nur wegen einer darin vorkommenden Neuerung wiederholt worden.
ג (ויקרא כה, מו) לעולם בהם תעבודו רשות דברי ר' ישמעאל ר"ע אומר חובה
3 «<i>Ewig haltet sie zur Arbeit</i>, dies ist freigestellt — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht.»
ד מאי טעמא דרבי ישמעאל איידי דכתיב (דברים כ, טז) לא תחיה כל נשמה איצטריך נמי למיכתב לעולם בהם תעבודו למישרי אחד מכל האומות שבא על הכנענית והוליד ממנה בן שאתה רשאי לקנותו
4 Was ist der Grund R. Jišma͑éls? — Da es heißt: <i>du sollst keine Seele am Leben lassen</i>, so muß er auch schreiben: <i>ewig haltet sie zur Arbeit</i>, um zu lehren, daß, wenn jemand von den übrigen Völkern eine Kenániterin beschlafen und von ihr einen Sohn gezeugt hat, man ihn [als Sklaven] kaufen dürfe.
ה דתניא מנין לאחד מן האומות שבא על הכנענית והוליד ממנה בן שאתה רשאי לקנותו בעבד ת"ל (ויקרא כה, מה) וגם מבני התושבים הגרים עמכם מהם תקנו
5 Es wird nämlich gelehrt: Woher, daß, wenn jemand von den übrigen Völkern eine Kena͑niterin beschlafen und von ihr einen Sohn gezeugt hat, man diesen als Sklaven kaufen dürfe? Es heißt: <i>und auch aus den Kindern der Beisassen, die bei euch weilen, aus ihnen möget ihr erwerben</i>.
ו יכול אף הכנעני שבא על אחת מן האומות והוליד ממנה בן שאתה רשאי לקנותו בעבד ת"ל (ויקרא כה, מה) אשר הולידו בארצכם מן הנולדים בארצכם ולא מן הגרים בארצכם
6 Man könnte glauben, daß, auch wenn ein Kena͑niter eine von den übrigen Völkern beschlafen und von ihr einen Sohn gezeugt hat, man diesen als Sklaven kaufen dürfe, so heißt es:<i>die sie in eurem Lande gezeugt haben</i>; von denen, die in eurem Lande gezeugt worden sind, nicht aber von denen, die in eurem Lande wohnen. —
ז ור"ע ממהם תקנו נפקא לעולם בהם תעבודו למה לי לחובה
7 Und R. A͑qiba!? — Dies geht hervor aus [den Worten]: <i>aus ihnen möget ihr erwerben</i>, und wenn es noch heißt: <i>ewig haltet sie zur Arbeit</i>, so deutet dies auf die Pflicht. —
ח ורבי ישמעאל בהם ולא באחיכם
8 Und R. Jišma͑él!? — <i>Sie</i>, nicht aber eure Brüder. —
ט ור"ע באחיכם מסיפא דקרא נפקא (ויקרא כה, מו) ובאחיכם בני ישראל איש באחיו לא תרדה בו בפרך
9 Und R. A͑qiba!? — Hinsichtlich der Brüder geht dies aus dem Schlusse des Schriftverses hervor: <i>aber bei euren Brüdern, den Kindern Jisraél, darf nicht einer den anderen mit schwerer Arbeit knechten</i>. —
י ור' ישמעאל איידי דכתי' ובאחיכם כתי' נמי בהם לכדתנ' דבי רבי ישמעאל דתנא דבי ר' ישמעאל כל פרשה שנאמרה ונישנית לא נישנית אלא בשביל דבר שנתחדש בה
10 Und R. Jišma͑él!? — Da es <i>sie</i> heißt, so heißt es auch <i>euren Brüdern</i>. Dies nach einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn m der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Jeder Abschnitt, der gelehrt und wiederholt worden ist, ist nur wegen einer darin vorkommenden Neuerung wiederholt worden.
יא א"ר חסדא זנותא בביתא כי קריא לשומשמא וא"ר חסדא תוקפא בביתא כי קריא לשומשמא אידי ואידי באיתתא אבל בגברא לית לן בה
11 R. Ḥisda sagte: Hurerei im Hause ist wie Fäulnis für den Mohn. Ferner sagte R. Ḥisda: Zank im Hause ist wie Fäulnis für den Mohn. Beides gilt jedoch nur von der Frau, beim Manne aber ist nichts dabei.
יב ואמר רב חסדא בתחילה קודם שחטאו ישראל היתה שכינה שורה עם כל אחד ואחד שנאמר (דברים כג, טו) כי ה' אלהיך מתהלך בקרב מחניך כיון שחטאו נסתלקה שכינה מהם שנאמר (דברים כג, טו) ולא יראה בך ערות דבר ושב מאחריך
12 Ferner sagte R. Ḥisda: Zuerst, bevor die Jisraéliten gesündigt haben, ruhte die Göttlichkeit über jedem einzelnen besonders, denn es heißt: <i>denn der Herr, dein Gott, zieht in deinem Lager einher</i>; nachdem sie aber gesündigt haben, wich die Göttlichkeit von ihnen, denn es heißt: <i>daß er nicht etwas Schändliches an dir sehe und sich von dir zurückziehe</i>.
יג א"ר שמואל בר נחמני א"ר יונתן כל העושה מצוה אחת בעוה"ז ממקדמתו והולכת לפניו לעוה"ב שנאמר (ישעיהו נח, ח) והלך לפניך צדקך וכל העובר עבירה אחת בעוה"ז מלפפתו והולכת לפניו ליום הדין שנאמר (איוב ו, יח) ילפתו ארחות דרכם יעלו בתוהו ויאבדו
13 R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wer ein Gebot auf dieser Welt ausübt, den empfängt es in der zukünftigen Welt und geht vor ihm einher, wie es heißt: <i>deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen</i>. Wer ein Verbot auf dieser Welt übertritt, den umschlingt es am Tage des Gerichtes und geht vor ihm einher, wie es heißt: <i>es krümmen sich die Pfade ihres Laufes, sie steigen auf in die Öde und kommen um</i>.
יד ר"א אומר קשורה בו ככלב שנאמר (בראשית לט, י) ולא שמע אליה לשכב אצלה להיות עמה לשכב אצלה בעולם הזה להיות עמה לעולם הבא
14 R. Elie͑zer sagt: Es hängt sich an ihn wie ein Hund, denn es heißt: <i>er war ihr nicht zuwillen, sich mit ihr zu legen und mit ihr zusammen zu sein; sich mit ihr zu legen</i>, auf dieser Welt, <i>und mit ihr zusammen zu sein</i>, in der zukünftigen Welt.
טו תנן התם שהיה בדין
15 Dort haben wir gelernt: Man könnte folgern: wenn das
טז ומה עדות הראשונה שאין אוסרתה איסור עולם אינה מתקיימת בפחות משנים עדות האחרונה שאוסרתה איסור עולם אינו דין שלא תתקיים בפחות משנים
16 erste Zeugnis, das sie nicht für immer verboten macht, nicht durch weniger als zwei Zeugen gültig ist, um wieviel weniger ist das letzte Zeugnis, das sie für immer verboten macht, durch weniger als zwei Zeugen gültig,
יז ת"ל (במדבר ה, יג) ועד אין בה כל שיש בה
17 daher heißt es: <i>und ein Zeuge gegen sie nicht da ist</i>, irgend [ein Zeugnis] gegen sie.
יח וק"ו לעדות הראשונה מעתה ומה עדות האחרונה שאוסרתה איסור עולם מתקיימת בעד אחד עדות הראשונה שאין אוסרתה איסור עולם אינו דין שתתקיים בעד אחד
18 Demnach könnte man [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere folgern: wenn das letzte Zeugnis, das sie für immer verboten macht, durch einen Zeugen gültig ist, um wieviel mehr ist das erste Zeugnis, das sie nicht für immer verboten macht, durch einen Zeugen gültig,
יט ת"ל (דברים כד, א) כי מצא בה ערות דבר ולהלן הוא אומר (דברים יט, טו) על פי שני עדים או על פי שלשה עדים יקום דבר מה דבר האמור להלן על פי שנים עדים אף כאן על פי שנים
19 daher heißt es: <i>denn er hat an ihr etwas Schändliches gefunden</i>, und dort heißt es: <i>durch zwei Zeugen oder durch drei Zeugen soll etwas bestätigt werden</i>; wie dort das <i>etwas</i> durch zwei Zeugen [bestätigt werden muß], ebenso auch hierbei durch zwei. —
כ האי מכי מצא בה ערות דבר נפקא מבה נפקא בה ולא בקינוי בה ולא בסתירה מיבעי ליה
20 Ist dies denn aus [den Worten:] <i>denn er hat an ihr etwas Schändliches gefunden</i>, zu entnehmen, dies wird ja gefolgert aus <i>gegen sie</i>, nicht aber bei der Verwarnung, <i>gegen sie</i>, nicht aber beim Sichverbergen!? —
כא הכי נמי קאמר תלמוד לומר בה בה ולא בקינוי בה ולא בסתירה
21 Dies sagt er auch: so heißt es <i>gegen sie</i>, gegen sie, nicht aber bei der Verwarnung, <i>gegen sie</i>, nicht aber beim Sichverbergen.
כב וטומאה בעלמא בלא קינוי ובלא סתירה דלא מהימן עד אחד מנלן נאמר כאן כי מצא בה ערות דבר ונאמר להלן על פי שני עדים או על פי שלשה עדים יקום דבר מה דבר האמור להלן עדים שנים אף כאן עדים שנים
22 Woher, daß bei einer sonstigen Verunreinigung, ohne Verwarnung und ohne Sichverbergen, ein einzelner Zeuge nicht glaubwürdig sei? Hierbei heißt es: <i>denn er hat an ihr etwas Schändliches gefunden</i>, und dort heißt es: <i>durch zwei Zeugen oder durch drei Zeugen soll etwas bestätigt werden</i>, wie dort das <i>etwas</i> durch zwei Zeugen [bestätigt werden muß], ebenso auch hierbei durch zwei Zeugen.
כג תנו רבנן אי זו היא עדות הראשונה זו עדות סתירה עדות אחרונה זו עדות טומאה
23 Die Rabbanan lehrten: Das erste Zeugnis ist das Zeugnis über das Sichverbergen, das letzte Zeugnis ist das Zeugnis über die Verunreinigung. —