Yevamot 176

Kapitel 176

א והבא עליה באשם תלוי קאי אמר רב ששת כגון שניסת לאחד מעדיה
1 und wer ihr beiwohnt, hat ein Schwebeschuldopfer darzubringen!? R. Šešeth erwiderte: Wenn sie sich mit einem von ihren Zeugen verheiratet hat. –
ב היא גופה באשם תלוי קיימא באומרת ברי לי אי הכי מאי למימרא אפי' רבי מנחם ברבי יוסי לא קאמר אלא כשבאו עדים ואח"כ ניסת אבל ניסת ואח"כ באו עדים לא אמר
2 Sie selber hat ja ein Schwebeschuldopfer darzubringen!? – Wenn sie sagt, sie wisse es sicher. – Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!? Auch R. Menaḥem b. R. Jose sagt es nur von dem Falle, wenn Zeugen gekommen sind und sie sich nachher verheiratet hat, nicht aber, wenn sie sich verheiratet hat und Zeugen nachher gekommen sind.
ג דתניא שנים אומרים מת ושנים אומרים לא מת שנים אומרים נתגרשה ושנים אומרים לא נתגרשה הרי זו לא תנשא ואם ניסת לא תצא ר' מנחם ברבי יוסי אמר תצא א"ר מנחם בר' יוסי אימת אני אומר תצא בזמן שבאו עדים ואח"כ ניסת אבל ניסת ואח"כ באו עדים הרי זו לא תצא
3 Es wird nämlich gelehrt: Wenn zwei bekunden, er sei gestorben, und zwei bekunden, er sei nicht gestorben, oder zwei bekunden, sie sei geschieden, und zwei bekunden, sie sei nicht geschieden, so darf sie sich nicht verheiraten; hat sie sich verheiratet, so ist sie nicht zu entfernen; R. Menaḥem b. R. Jose sagt, sie sei zu entfernen. R. Menaḥem b. R. Jose sprach: Nur hinsichtlich des Falles, wenn Zeugen gekommen sind und sie sich nachher verheiratet hat, sage ich, sie sei zu entfernen, wenn sie sich aber verheiratet hat und Zeugen nachher gekommen sind, ist sie nicht zu entfernen. –
ד כי קאמר רב נמי בזמן שבאו עדים ואחר כך ניסת לאפוקי מדר' מנחם בר' יוסי ואיכא דאמר טעמא דניסת ואחר כך באו עדים אבל באו עדים ואח"כ ניסת תצא כמאן כר' מנחם בר' יוסי
4 Rabh sagt es eben von dem Falle, wenn Zeugen gekommen sind und sie sich nachher verheiratet hat, zur Ausschließung der Ansicht des R. Menaḥem b. R. Jose. Manche lesen: Nur wenn sie sich verheiratet hat und Zeugen nachher gekommen sind, wenn aber Zeugen gekommen sind und sie sich nachher verheiratet hat, ist sie zu entfernen. Übereinstimmend mit R. Menaḥem b. R. Jose.
ה מתיב רבא מנין שאם לא רצה דפנו ת"ל (ויקרא כא, ח) וקדשתו בעל כרחו
5 Raba wandte ein: Woher, daß, wenn er nicht will, man ihn zwinge? Es heißt: <i>du sollst ihn heilig halten</i>, durch Gewalt.
ו היכי דמי אילימא דלא ניסת לאחד מעדיה ולא קאמרה ברי לי צריכא למימר דדפנו אלא לאו דניסת לאחד מעדיה וקאמרה ברי לי וקתני דפנו אלמא מפקינן לה מיניה
6 In welchem Falle; wollte man sagen, wenn sie sich mit einem verheiratet hat, der nicht zu ihren Zeugen gehört, und auch nicht sagt, sie wisse es sicher, so braucht ja nicht gelehrt zu werden, daß man ihn zwinge; doch wohl, wenn sie sich mit einem ihrer Zeugen verheiratet hat und sagt, sie wisse es sicher, und er lehrt, daß man ihn zwinge. Demnach entferne man sie von ihm!? –
ז איסור כהונה שאני ואיבעית אימא מאי דפנו דפנו בעדים ואבעית אימא כשבאו עדים ואח"כ ניסת ור' מנחם בר' יוסי היא
7 Anders verhält es sich bei einem Verbote für Priester. Wenn du willst, sage ich: unter ‘zwingen’ ist zu verstehen, man zwinge ihn durch Zeugen. Wenn du aber willst, sage ich: wenn zuerst Zeugen gekommen sind und sie sich nachher verheiratet hat, nach R. Menaḥem b. R. Jose.
ח רב אשי אומר מאי לא תצא דקאמר רב לא תצא מהיתירה הראשון
8 R. Aši erklärte: Unter ‘nicht zu entfernen’, das Rabh lehrt, ist zu verstehen, man entferne sie nicht aus ihrem früheren [Zustande des] Erlaubtseins. –
ט הא אמרה רב חדא זימנא דתנן ניסת שלא ברשות מותרת לחזור לו ואמר רב הונא אמר רב הכי הלכתא חדא מכללא דחברתה איתמר
9 Dies lehrt ja Rabh bereits einmal!? Es wird nämlich gelehrt, daß, wenn sie sich ohne Erlaubnis verheiratet hat, sie zu jenem zurückkehren dürfe, und hierzu sagte R. Hona im Namen Rabhs, so sei die Halakha. – Eines ist vom anderen gefolgert.
י אמר שמואל לא שנו אלא שלא מכחשתו אבל מכחשתו לא תצא במאי עסקינן אילימא בבי תרי כי מכחשתא ליה מאי הוי אלא בחד טעמא דמכחשתו הא שתקה תצא
10 Šemuél sagte: Dies wurde nur von dem Falle gelehrt, wenn sie es nicht bestreitet, wenn sie es aber bestreitet, ist sie nicht zu entfernen. – In welchem Falle: wollte man sagen, wenn zwei [es bekunden], so ist es ja belanglos, daß sie es bestreitet; doch wohl einer, und nur wenn sie es bestreitet, wenn sie aber schweigt, ist sie zu entfernen.
יא והאמר עולא כל מקום שהאמינה תורה עד אחד הרי כאן שנים ואין דבריו של אחד במקום שנים הכא במאי עסקינן בפסולי עדות וכדר' נחמיה
11 Nun sagte aber U͑la, daß überall, wo die Tora einem einzelnen Zeugen geglaubt hat, er als zwei gelte, und die Worte eines einzelnen haben ja zweien gegenüber keine Geltung!? – Hier wird von unzulässigen Zeugen gesprochen, nach R. Neḥemja.
יב דתניא ר' נחמיה אומר כל מקום שהאמינה תורה עד אחד הלך אחר רוב דעות ועשו שתי נשים באיש אחד כשני אנשים באיש אחד
12 Es wird nämlich gelehrt: R. Neḥemja sagte: Überall, wo die Tora einem einzelnen Zeugen geglaubt hat, richte man sich nach der Mehrheit der Personen, und zwei Frauen gegenüber einem Manne haben dieselbe Bedeutung wie zwei Männer gegenüber einem Manne.
יג ואיבעית אימא כל היכא דאתא עד אחד כשר מעיקרא אפילו מאה נשים כעד אחד דמיין הכא במאי עסקינן כגון דאתיא אשה מעיקרא
13 Wenn du aber willst, sage ich: wenn zuerst ein einzelner gültiger Zeuge gekommen ist, gelten auch hundert Frauen als ein Zeuge, hier aber wird von dem Falle gesprochen, wenn zuerst eine Frau gekommen war.
יד ותרצה לדר' נחמיה הכי ר' נחמיה אומר כל מקום שהאמינה תורה עד אחד הלך אחר רוב דעות ועשו שתי נשים באשה אחת כשני אנשים באיש אחד אבל שתי נשים באיש אחד כפלגא ופלגא דמי:
14 Die Worte R. Neḥemjas sind wie folgt zu erklären: R. Neḥemja sagte: Überall wo die Tora einem einzelnen Zeugen geglaubt hat, richte man sich nach der Mehrheit der Personen, und zwei Frauen gegenüber einer Frau haben dieselbe Bedeutung wie zwei Männer gegenüber einem Manne; zwei Frauen aber gegenüber einem Manne gelten als Hälfte gegen Hälfte.
טו צריכה גט מזה ומזה: בשלמא מראשון תבעי גט אלא משני אמאי זנות בעלמא הוא
15 U<small>ND BENÖTIGT VON DIESEM UND VON JENEM EINES</small> S<small>CHEIDEBRIEFES</small>. Erklärlich ist es, daß sie vom ersten eines Scheidebriefes benötigt, weshalb aber vom zweiten, es war ja nichts weiter als Unzucht!?
טז אמר רב הונא גזירה שמא יאמרו גירש זה ונשא זה ונמצאת אשת איש יוצאה בלא גט אי הכי סיפא דקתני אמרו לה מת בעלך ונתקדשה ואח"כ בא בעלה מותרת לחזור לו התם נמי נימא גירש זה וקדש זה ונמצאת אשת איש יוצאה שלא בגט
16 R. Hona erwiderte: Mit Rücksicht darauf, man könnte sagen, jener habe sich von ihr geschieden und dieser sie geheiratet, und eine Ehefrau gehe ohne Scheidebrief aus. – Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären, welcher lehrt, daß, wenn man ihr berichtete, ihr Mann sei gestorben, und sie sich antrauen ließ, und darauf ihr Mann gekommen ist, sie zu ihm zurückkehren dürfe. Auch hierbei kann man ja sagen, jener habe sich von ihr geschieden und dieser sie sich angetraut, und eine Ehefrau gehe ohne Scheidebrief aus!? –
יז לעולם בעיא גט אי הכי נמצא זה מחזיר גרושתו משנתארסה כר' יוסי בן כיפר דאמר מן הנשואין אסורה מן האירוסין מותרת
17 Tatsächlich benötigt sie eines Scheidebriefes. – Demnach ergibt es sich ja, daß dieser seine Geschiedene wiedernimmt, nachdem sie einem anderen angetraut war!? – Nach R. Jose b. Kiper, welcher sagt, nach der Verheiratung sei sie verboten, nach der Antrauung sei sie erlaubt. –
יח הא מדקתני סיפא אע"פ
18 Wenn er aber im Schlußsatze lehrt, daß der andere, auch wenn er ihr