Yevamot 214

Kapitel 214

א ומציא עקרא אלא ביאה ומאמר דהוא קעביד מציא עקרא זיקה דרחמנא רמא עלה לא מציא עקרא עולא אמר ממאנת אף לזיקתו מאי טעמא נישואי קמאי קא עקרא
1 und sie kann sie aufheben!? – Vielmehr, die Beiwohnung und die Eheformel, die durch ihn erfolgt, kann sie aufheben, die Gebundenheit aber, die der Allbarmherzige ihr auferlegt hat, kann sie nicht aufheben. U͑la aber sagte: Sie kann die Weigerung erklären auch gegen die Gebundenheit, denn damit hebt sie die frühere Heirat auf.
ב איתיביה רבא לעולא כל שיכולה למאן ולא מיאנה צרתה חולצת ולא מתייבמת ואמאי תמאן השתא ותעקרינהו לנישואי קמאי ותתייבם צרתה צרת ערוה שאני דתני רמי בר יחזקאל מיאנה בבעל מותרת לאביו ביבם אסורה לאביו
2 Raba wandte gegen U͑la ein: Wenn eine zur Weigerungserklärung berechtigt war, und dies nicht getan hat, so ist an ihrer Nebenbuhlerin die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe zu vollziehen. Weshalb denn, sie kann ja die Weigerung jetzt erklären und die frühere Heirat aufheben, sodann darf an ihrer Nebenbuhlerin die Schwagerehe vollzogen werden!? – Anders verhält es sich bei der Nebenbuhlerin einer Inzestuösen. Rami b. Jeḥezqel lehrte: Hat sie dem Ehemanne die Weigerung erklärt, so ist sie seinem Vater erlaubt, wenn aber dem Schwager, so ist sie seinem Vater verboten.
ג אלמא בשעת נפילה נראית ככלתו הכא נמי בשעת נפילה נראית כצרת בתו
3 Demnach gilt sie schon beim Zufallen als seine Schwiegertochter, ebenso gilt jene schon beim Zufallen als Nebenbuhlerin seiner Tochter.
ד אמר רב מיאנה בזה אסורה לזה מידי דהוה אבעלת הגט בעלת הגט לאו כיון דאיתסרא לה לחד איתסרא להו לכולהו הכא נמי לא שנא
4 Rabh sagte: Hat sie die Weigerung einem erklärt, so ist sie auch dem anderen verboten, wie dies auch bei der, die einen Scheidebrief erhalten hat, der Fall ist. Ist doch die, die einen Scheidebrief erhalten hat, sobald sie dem einen verboten worden ist, auch allen anderen verboten, ebenso jene.
ה ושמואל אמר מיאנה בזה מותרת לזה ולא דמיא לבעלת הגט בעלת הגט הוא דקא עביד בה הכא היא קעבדא ביה דאמרה לא רעינא בך ולא צבינא בך בך הוא דלא רעינא הא בחברך רעינא
5 Šemuél sagte: Wenn sie diesem die Weigerung erklärt hat, so ist sie dem anderen erlaubt. Sie ist mit der, die einen Scheidebrief erhalten hat, nicht zu vergleichen; bei der, die einen Scheidebrief erhalten, hat er an ihr die Handlung begangen, hierbei aber hat sie an ihm die Handlung begangen. Sie sagte zu ihm: ich will dich nicht und ich verlange dich nicht; dich will ich nicht, deinen Genossen aber will ich wohl.
ו רב אסי אמר מיאנה בזה מותרת אפילו לו לימא כרבי אושעיא סבירא ליה דאמר אינה ממאנת לזיקתו בחד יבם הכי נמי דמציא עקרא הכא בשני יבמין עסקינן דאין מיאון לחצי זיקה
6 R. Asi sagte: Wenn sie einem die Weigerung erklärt hat, so ist sie sogar ihm selber erlaubt. – Es wäre anzunehmen, daß er der Ansicht R. Oša͑jas ist, welcher sagt, sie könne die Weigerung nicht gegen die Gebundenheit erklären? – Bei einem Schwager kann sie sie aufheben, hier aber wird von zwei Schwägern gesprochen, und gegen die Hälfte der Gebundenheit gibt es keine Weigerungserklärung.
ז כי אתא רבין אמר רבי יוחנן מיאנה בזה מותרת לאחין ולא הודו לו מאן לא הודו לו אמר אביי רב רבא אמר רבי אושעיא ואמרי לה רב אסי:
7 Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans, wenn sie einem die Weigerung erklärt hat, sei sie den übrigen Brüdern erlaubt. Man pflichtete ihm aber nicht bei. – Wer ist es, der ihm nicht beipflichtete? – Abajje sagt, es sei Rabh; Raba sagt, es sei R. Oša͑ja; manche sagen, es sei R. Aši.
ח בית שמאי אומרים בפניו וכו': תניא אמרו להן בית הלל לבית שמאי והלא פישון הגמל מיאנה אשתו שלא בפניו אמרו להן ב"ש לבית הלל פישון הגמל במדה כפושה מדד לפיכך מדדו לו במדה כפושה
8 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS SAGT, NUR IN SEINER</small> G<small>EGENWART &amp;C</small>. Es wird gelehrt: Die Schule Hillels sprach zu der Schule Šammajs: Die Frau Pišon des Kameltreibers erklärte ja die Weigerung in seiner Abwesenheit!? Die Schule Šammajs erwiderte der Schule Hillels: Pišon der Kameltreiber maß mit einem geränderten Korbe, daher maß man ihm ebenfalls mit einem geränderten Korbe. –
ט מדקא אכיל פירי פשיטא נשואה היא והאמרי ב"ש נשואה לא ממאנה תרי קיטרי עבדו ביה:
9 Wenn er die Früchte verzehrte, war sie wohl verheiratet, und die Schule Šammajs sagt ja, die Verheiratete könne die Weigerung nicht erklären!? – Man band ihm zwei Schlingen.
י בית שמאי אומרים בפני בית דין וכו': תנן התם החליצה והמיאונין בשלשה מאן תנא אמר רבה בית שמאי היא אביי אמר אפי' תימא בית הלל עד כאן לא קאמרי בית הלל אלא דלא בעינן מומחין אבל שלשה בעינן
10 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS SAGT, NUR VOR</small> G<small>ERICHT &amp;C</small>. Dort wird gelehrt: Die Ḥaliça und die Weigerungserklärung müssen vor dreien erfolgen. Wer ist der Autor? Rabba erwiderte: Die Schule Šammajs. Abajje erwiderte: Du kannst auch sagen, die Schule Hillels, denn die Schule Hillels sagt nur, es seien keine Autorisierten erforderlich, drei [Personen] aber sind erforderlich.
יא כדתניא בית שמאי אומרים בפני בית דין וב"ה אומרים בפני בית דין ושלא בפני בית דין ואלו ואלו מודים שצריך שלשה רבי יוסי בר יהודה ורבי אלעזר ברבי שמעון מכשירין בשנים אמר רב יוסף בר מניומי אמר רב נחמן הלכה כאותו הזוג:
11 Es wird auch gelehrt: Die Schule Šammajs sagt, nur vor Gericht, die Schule Hillels sagt, vor Gericht und außer Gericht; diese und jene stimmen jedoch überein, daß drei [Personen] erforderlich sind. Nach R. Jose b. R. Jehuda und R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n ist es auch vor zwei gültig. R. Joseph b. Minjomi sagte im Namen R. Naḥmans: Die Halakha ist wie dieses Paar.
יב בית שמאי אומרים תמאן וכו': והא מיאנה חדא זימנא אמר שמואל עד שתגדיל ותאמר רוצה אני במיאונים הראשונים
12 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS ERWIDERTE &amp;C. ERKLÄRE SIE DIE</small> W<small>EIGERUNG &amp;C</small>. Sie hat ja bereits einmal die Weigerung erklärt!? Šemuél erwiderte: Bis sie großjährig ist und sagt, sie billige die frühere Weigerungserklärung.
יג עולא אמר תרתי קתני או שתמאן ותגדיל ותיארס או שתמאן ותנשא לאלתר
13 U͑la erwiderte: Er lehrt zweierlei: entweder sie erklärt die Weigerung und verlobt sich erst großjährige, oder sie erklärt die Weigerung und verheiratet sich sofort. –
יד בשלמא עולא היינו דקתני עד שתגדיל ותנשא אלא לשמואל עד שתגדיל ותאמר מיבעי ליה קשיא:
14 Erklärlich ist es nach U͑la, daß es heißt: bis sie großjährig ist &amp;c. und verheiratet sich, nach Šemuél aber sollte es doch heißen: bis sie großjährig ist und sagt!? – Ein Einwand.
טו <big><strong>מתני׳</strong></big> אי זו היא קטנה שצריכה למאן כל שהשיאוה אמה ואחיה לדעתה השיאוה שלא לדעתה אינה צריכה למאן רבי חנינא בן אנטיגנוס אומר כל תינוקת שאינה יכולה לשמור קידושיה אינה צריכה למאן
15 <b>W</b><small>ELCHE</small> M<small>INDERJÄHRIGE MUSS DIE</small> W<small>EIGERUNG</small> <small>ERKLÄREN</small>? D<small>IE IHRE</small> M<small>UTTER ODER IHRE</small> B<small>RÜDER MIT IHRER</small> W<small>ILLIGUNG VERHEIRATET</small> <small>HABEN; HABEN SIE SIE OHNE IHRE</small> W<small>ILLIGUNG VERHEIRATET, SO BRAUCHT SIE DIE</small> W<small>EIGERUNG NICHT</small> <small>ZU ERKLÄREN</small>. R. Ḥ<small>ANINA B.</small> A<small>NTIGONOS SAGT, EIN</small> K<small>IND, DAS SEIN</small> A<small>NTRAUUNGS</small>[<small>OBJEKT</small>] <small>NICHT ZU VERWAHREN</small> <small>VERSTEHT, BRAUCHE DIE</small> W<small>EIGERUNG NICHT ZU ERKLÄREN</small>.
טז ר' אלעזר אומר אין מעשה קטנה כלום אלא כמפותה בת ישראל לכהן לא תאכל בתרומה בת כהן לישראל תאכל בתרומה
16 R. E<small>LIE͑ZER SAGT, DIE</small> H<small>ANDLUNG EINER</small> M<small>INDERJÄHRIGEN SEI WIRKUNGSLOS, SIE GELTE NUR ALS</small> V<small>ERFÜHRTE</small>. I<small>ST SIE EINE MIT EINEM</small> P<small>RIESTER</small> [<small>VERHEIRATETE</small>] T<small>OCHTER EINES</small> J<small>ISRAÉLITEN, SO DARF SIE KEINE</small> H<small>EBE ESSEN, UND IST SIE EINE MIT EINEM</small> J<small>ISRAÉLITEN</small> [<small>VERHEIRATETE</small>] T<small>OCHTER EINES</small> P<small>RIESTERS, SO DARF SIE</small> H<small>EBE ESSEN</small>.
יז רבי אליעזר בן יעקב אומר כל עכבה שהיא מן האיש כאילו היא אשתו כל עכבה שאינה מן האיש כאילו אינה אשתו:
17 R. E<small>LIE͑ZER B.</small> J<small>A͑QOB SAGTE</small>: W<small>AR DAS</small> V<small>ERBLEIBEN</small> [<small>BEI IHM</small>] <small>VOM</small> E<small>HEMANNE VERANLASST WORDEN, SO GILT SIE ALS SEINE</small> [<small>FRÜHERE</small>] F<small>RAU, UND WAR DAS</small> V<small>ERBLEIBEN NICHT VOM</small> E<small>HEMANNE VERANLASST WORDEN, SO GILT SIE NICHT ALS SEINE</small> [<small>FRÜHERE</small>] F<small>RAU</small>.
יח <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר רב יהודה ואמרי לה במתניתא תנא בראשונה היו כותבין גט מיאון לא רעינא ביה ולא צבינא ביה ולית אנא בעיא להתנסבא ליה כיון דחזו דנפיש דיבורא אמרי
18 GEMARA. R. Jehuda sagte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Früher schrieb man die Weigerungsurkunde [wie folgt]: Ich will ihn nicht, ich verlange ihn nicht, und ich will mit ihm nicht verheiratet sein. Als man aber einsah, daß die Formel zu lang ist,