Yevamot 85

Kapitel 85

א וכי רבי לא שנאה ר' חייא מנין לו
1 Wenn Rabbi es nicht gelehrt hat, woher sollte R. Ḥija es wissen.
ב אמר ליה והא תנן מסרק של פשתן שניטלו שיניו ונשתיירו בו שתים טמאות ואחת טהורה וכולן שניטלו אחת אחת בפני עצמן טמאות
2 [Er sprach zu ihm:] Wir haben gelernt: Eine Flachshechel, der die Zähne fehlen, ist, wenn zwei zurückgeblieben sind, verunreinigungsfähig, und wenn einer, nicht verunreinigungsfähig; jeder einzelne entfernte [Zahn] für sich ist verunreinigungsfähig.
ג של צמר שניטלו שיניו אחת מבינתים טהור נשתיירו בו ג' במקום אחד טמא היתה החיצונה אחת מהן טהור ניטלו ב' ועשאן למלקט טמאות אחת והתקינה לנר או למיתוח טמאה
3 Ein Woll[kamm], dem ein Zahn um den anderen fehlt, ist nicht verunreinigungsfähig. Sind drei neben einander zurückgeblieben, so ist er verunreinigungsfähig; ist aber einer von ihnen der äußerste, so ist er nicht verunreinigungsfähig. Wenn aus zweien eine Pinzette gemacht wird, so sind sie verunreinigungsfähig; wenn einer zu einer Leuchte oder zum Spannen hergerichtet wird, so ist er verunreinigungsfähig.
ד וקי"ל דאין הלכה כאותה משנה אמר ליה בר מינה דההיא דר' יוחנן ור"ל דאמרי תרוייהו זו אינה משנה
4 Uns ist es bekannt, daß die Halakha nicht nach dieser Mišna zu entscheiden ist!? Dieser erwiderte: Diese ausgenommen, denn R. Joḥanan und Reš Laqis sagten beide, sie sei keine [korrekte] Mišna. –
ה מ"ט אמר רב הונא בר מנוח משמיה דרב אידי בריה דרב איקא משום דקשיא רישא לסיפא דקתני של צמר שניטלו שיניו אחת מבינתים טהור הא נשתיירו בו שתים במקום אחד טמא והדר תני נשתיירו בו ג' טמא ג' אין שתים לא
5 Weshalb? R. Hona b. Manoaḥ erwiderte im Namen R. Idis, des Sohnes R. Iqas: Weil der Anfangsatz und der Schlußsatz einander widersprchen. Er lehrt, daß ein Woll[kamm], dem ein Zahn um den anderen fehlt, nicht verunreinigungsfähig sei, wonach er verunreinigungsfähig ist, wenn zwei neben einander zurückgeblieben sind, und darauf lehrt er, wenn drei zurückgeblieben sind, sei er verunreinigungsfähig, nur drei und nicht zwei!? –
ו ומאי קושיא דלמא הא בגווייתא הא בברייתא
6 Was ist dies für ein Widerspruch, vielleicht gilt das eine von den inneren und das andere von den äußeren!? –
ז אלא מהכא דקתני וכולן שניטלו אחת אחת בפני עצמן טמאות ואע"ג דלא התקינה אימא סיפא אחת והתקינה לנר או למיתוח טמאה התקינה אין לא התקינה לא
7 Vielmehr, [der Widerspruch besteht] darin: er lehrt, jeder einzelne entfernte [Zahn] sei für sich verunreinigungsfähig, auch wenn man ihn nicht hergerichtet hat, und im Schlußsatze heißt es, daß, wenn man einen zu einer Leuchte oder zum Spannen hergerichtet hat, er verunreinigungsfähig sei, nur wenn man ihn hergerichtet hat, sonst aber nicht!?
ח אמר אביי ומאי קושיא דלמא הא בקתייהו הא בלא קתייהו
8 Abajje erwiderte: Was ist dies für ein Widerspruch, vielleicht gilt das eine von einem mit Griff und das andere von einem ohne Griff!?
ט א"ר פפא ומאי קושיא ודלמא הא בקטינתא הא באלימתא
9 R. Papa erwiderte: Was ist dies für ein Widerspruch, vielleicht gilt das eine von kleineren und das andere von größeren!? –
י אלא משום דמסיימי בה דווקני זו דברי ר"ש
10 Vielmehr, weil Kundige hinzufügen: dies sind die Worte R. Šimons.
יא שלח ר' חייא בר אבין מארסין תוך ג' וכן עושים מעשה
11 R. Ḥija b. Abin ließ mitteilen: Sie dürfen sich innerhalb der drei Monate verloben, und so entschied man auch.
יב וכן היה ר' אלעזר מלמדנו משום רבי חנינא הגדול רובו של ראשון ורובו של שלישי ואמצעי שלם
12 Ebenso lehrte uns R. Elea͑zar im Namen R. Ḥanina des Großen: der erste größtenteils, der dritte größtenteils und der mittelste vollständig.
יג אמימר שרא ליארס ביום תשעים אמר ליה רב אשי לאמימר והא רב ושמואל דאמרי תרוייהו צריכה להמתין ג' חדשים חוץ מיום שמת בו וחוץ מיום שנתארסה בו ההוא לענין מינקת איתמר דרב ושמואל דאמרי תרוייהו צריכה להמתין כ"ד חודש חוץ מיום שנולד בו וחוץ מיום שנתארסה בו
13 Amemar erlaubte, sich am neunzigsten Tage zu verloben. Da sprach R. Aši zu Amemar: Rabh und Šemuél sagten ja beide, sie müsse drei Monate warten, außer dem Tage, an dem [ihr Mann] gestorben ist, und dem Tage, an dem sie sich verlobt!? – Dies wurde von der Säugenden gelehrt; hinsichtlich dieser sagten Rabh und Šemuél, sie müsse vierundzwanzig Monate warten, außer dem Tage, an dem [das Kind] geboren wurde, und dem Tage, an dem sie sich verlobt. –
יד והא ההוא דעבד סעודת אירוסין ביום תשעים ואפסדיה רבא לסעודתיה ההיא סעודת נשואין הואי
14 Aber einst veranstaltete ja jemand ein Verlobungsmahl am neunzigsten Tage und Raba verdarb ihm sein Gastmahl!? – Es war ein Hochzeitsmahl.
טו והלכתא צריכה להמתין כ"ד חודש חוץ מיום שנולד בו וחוץ מיום שנתארסה בו וצריכה להמתין ג' חדשים חוץ מיום שמת בו וחוץ מיום שנתארסה בו:
15 Die Halakha ist: sie muß vierundzwanzig Monate warten, außer dem Tage, an dem [das Kind] geboren wurde, und dem Tage, an dem sie sich verlobt. Ebenso muß sie drei Monate warten, außer dem Tage, an dem [ihr Mann] gestorben ist, und dem Tage, an dem sie sich verlobt.
טז חוץ מן האלמנה וכו': אמר רב חסדא ק"ו ומה במקום שאסור לכבס מותר ליארס מקום שמותר לכבס אינו דין שמותר ליארס
16 A<small>USGENOMMEN DIE</small> W<small>ITWE</small> &amp;<small>C</small>. R. Ḥisda sagte: Es ist ja [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn in einem Falle, wo das Waschen verboten ist, die Verlobung erlaubt ist, um wieviel mehr sollte in einem Falle, wo das Waschen erlaubt ist, die Verlobung erlaubt sein!? – Welches Bewenden hat es damit? –
יז מאי היא דתנן שבת שחל תשעה באב בתוכה אסור לספר ולכבס ובחמישי מותר מפני כבוד השבת ותניא קודם הזמן הזה העם ממעטין בעסקיהם מלישא ומליתן מלבנות ולנטוע ומארסין אבל לא כונסין ואין עושין סעודת אירוסין
17 Wir haben gelernt: In der Woche, in die der Neunte Ab fällt, ist das Haarschneiden und das Waschen verboten; am Donnerstag ist es wegen der Ehrung des Šabbaths erlaubt. Hierzu wird gelehrt: Vor dieser Zeit schränke das Volk seine Geschäfte ein, Handel, Bauarbeit und Pflanzung; man darf sich verloben, aber nicht heiraten, auch veranstalte man kein Verlobungsmahl. –
יח כי תניא ההיא קודם דקודם (תניא)
18 Diese Lehre bezieht sich auf die Zeit vor der Vorzeit.
יט אמר רבא וקודם דקודם נמי ק"ו ומה במקום שאסור לישא וליתן מותר ליארס מקום שמותר לישא וליתן אינו דין שמותר ליארס
19 Raba sprach: Auch hinsichtlich der Zeit vor der Vorzeit ist ja [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn in einem Falle, wo der Handel verboten ist, die Verlobung erlaubt ist, um wieviel mehr ist in einem Falle, wo der Handel erlaubt ist, die Verlobung erlaubt!? –
כ לא תימא דרבי יוסי אומר כל הנשים יתארסו אלא אימא כל הנשים ינשאו
20 Lies nicht: R. Jose sagt, jede Frau dürfe sich verloben, sondern: jede Frau dürfe sich verheiraten. –