Yoma 72

Kapitel 72

א בלאו דנבילה קא מיפלגי
1 Sie streiten über das Verbot des Aases:
ב ר"ע סבר לאו מעליא הוא ורבי יוסי הגלילי סבר לאו לאו מעליא הוא
2 R. A͑qiba ist der Ansicht, dies sei ein richtiges Verbot, und R. Jose der Galiläer ist der Ansicht, dieses sei kein richtiges Verbot.
ג אביי אמר דכ"ע לאו דנבילה לאו מעליא הוי והכא בתעזוב קא מיפלגי
3 Abajje erwiderte: Alle stimmen überein, daß das Verbot des Aases ein richtiges Verbot sei, und sie streiten vielmehr über [das Gebot des] Zurücklassens:
ד דרבי עקיבא סבר תעזוב מעיקרא משמע ורבי יוסי הגלילי סבר השתא משמע
4 R. A͑qiba ist der Ansicht, man müsse es von vornherein zurücklassen, und R. Jose der Galiläer ist der Ansicht, man müsse es nachher.
ה ת"ר כיצד מתודה עויתי פשעתי וחטאתי וכן בשעיר המשתלח הוא אומר (ויקרא טז, כא) והתודה עליו את כל עונות בני ישראל ואת כל פשעיהם לכל חטאתם וכן במשה הוא אומר (שמות לד, ז) נושא עון ופשע וחטאה דברי ר' מאיר וחכ"א עונות אלו הזדונות וכן הוא אומר (במדבר טו, לא) הכרת תכרת הנפש ההיא עונה בה
5 Die Rabbanan lehrten: Wie lautet sein Sündenbekenntnis? Ich habe gesündigt, gefrevelt und gefehlt. Ebenso heißt es beim fortzuschickenden Sühnebock: <i>er soll über ihm alle Sünden der Kinder Jisraél bekennen, all ihre Freveltaten und all ihre Verfehlungen</i>; ebenso heißt es bei Moše: <i>der Sünde, Frevel und Verfehlung vergibt</i> – so R. Meír. Die Weisen sagen: Sünden sind vorsätzliche Missetaten, denn so heißt es: <i>vertilgt werde diese Seele, ihre Sünde haftet ihr an</i>;
ו פשעים אלו המרדים וכן הוא אומר (מלכים ב ג, ז) מלך מואב פשע בי ואומר (מלכים ב ח, כב) אז תפשע לבנה בעת ההיא לכל חטאתם אלו השגגות וכן הוא אומר (ויקרא ד, ב) נפש כי תחטא בשגגה ומאחר שהתודה על הזדונות ועל המרדים חוזר ומתודה על השגגות
6 Frevel sind widersetzliche Missetaten, denn so heißt es: <i>der König von Moab widersetzte sich mir</i>; ferner heißt es: <i>damals, zu jener Zeit, widersetzte sich auch Libhna</i>; Verfehlungen sind die versehentlichen Missetaten, denn so heißt es: <i>wenn jemand versehentlich fehlt</i>. Sollte er denn, nachdem er die vorsätzlichen Missetaten und die Widersetzlichkeiten bekannt hat, die versehentlichen Missetaten bekennen!?
ז אלא כך היה מתודה חטאתי ועויתי ופשעתי לפניך אני וביתי וכו' וכן בדוד הוא אומר (תהלים קו, ו) חטאנו עם אבותינו העוינו הרשענו וכן בשלמה הוא אומר (מלכים א ח, מז) חטאנו (והרשענו ומרדנו) וכן בדניאל הוא אומר (דניאל ט, ה) חטאנו (והעוינו) והרשענו ומרדנו אלא מהו שאמר משה נושא עון ופשע וחטאה אמר משה לפני הקב"ה רבש"ע בשעה שישראל חוטאין לפניך ועושין תשובה עשה להם זדונות כשגגות
7 Vielmehr lautet sein Sündenbekenntnis wie folgt: Ich habe vor dir gefehlt, gesündigt und gefrevelt, ich und mein Haus &amp;c. So heißt es auch bei David:<i>wir haben gefehlt samt unseren Vätern, wir haben gesündigt und gefrevelt</i>. Ebenso heißt es bei Šelomo:<i>wir haben gefehlt, gesündigt und gefrevelt</i>. Ebenso heißt es bei Daniél:<i>wir haben gefehlt, gesündigt, gefrevelt und uns widersetzt</i>. – Wieso sagte aber Moše: <i>der Sünde, Frevel und Verfehlung vergibt</i>!? Moše sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, wenn die Jisraéliten vor dir sündigen und Buße tun, so rechne ihnen die vorsätzlichen [Sünden] als versehentliche an!
ח אמר רבה בר שמואל אמר רב הלכה כדברי חכמים פשיטא יחיד ורבים הלכה כרבים מהו דתימא מסתבר טעמיה דר' מאיר דקמסייע ליה קרא דמשה קמ"ל
8 Rabba b.Šemuél sagte im Namen Rabhs: Die Halakha ist wie die Weisen. – Selbstverständlich, bei [einem Streite] zwischen einem Einzelnen und einer Mehrheit ist ja die Halakha nach der Mehrheit zu entscheiden!? – Man könnte glauben, der Grund R. Meírs sei einleuchtender, weil der (von Moše angewandte) Schriftvers ihn unterstützt, so lehrt er uns.
ט ההוא דנחית קמיה דרבה ועבד כר"מ א"ל שבקת רבנן ועבדת כר"מ א"ל כר"מ סבירא לי כדכתיב בספר אורייתא דמשה
9 Einst trat jemand in Gegenwart Rabas [vor das Betpult] und verfuhr nach R. Meír; da sprach dieser zu ihm: Du läßt also die Rabbanan und verfährst nach R. Meír!? Jener erwiderte: Ich bin der Ansicht R. Meírs, denn so steht es auch in der Tora Mošes.
י ת"ר וכפר בכפרת דברים הכתוב מדבר אתה אומר בכפרת דברים או אינו אלא כפרת דמים
10 Die Rabbanan lehrten: <i>Und Sühne schaffen</i>; der Schriftvers spricht von der Sühne durch Worte. Du sagst von der Sühne durch Worte, vielleicht ist dem nicht so, sondern von der Sühne durch das Blut!?
יא הרי אני דן נאמרה כאן כפרה ונאמרה להלן כפרה מה כפרה האמורה בשעיר דברים אף כפרה האמורה בפר דברים
11 Ich deduziere also: hierbei wird [der Ausdruck] <i>Sühne</i> gebraucht und dort wird [der Ausdruck] <i>Sühne</i> gebraucht, wie die beim Ziegenbocke genannte Sühne eine durch Worte ist, ebenso ist die beim Farren gebrauchte Sühne eine durch Worte.
יב ואם נפשך לומר הרי הוא אומר (ויקרא טז, ו) והקריב אהרן את פר החטאת אשר לו וכפר בעדו ובעד ביתו ועדיין לא נשחט הפר
12 Wenn du aber dagegen einwendest, so heißt es: <i>Ahron soll seinen eigenen Sündopfer-Farren darbringen und sich und seinem Hause Sühne schaffen</i>, und noch ist ja der Farre nicht geschlachtet. –
יג מאי ואם נפשך לומר וכי תימא נילף משעיר הנעשה בפנים שכפרתו בדמים הרי הוא אומר וכפר ועדיין לא נשחט הפר
13 Was heißt: wenn du dagegen einwendest? – Man könnte einwenden, es sei vom innerhalb [des Tempels] herzurichtenden Ziegenbocke zu folgern, bei dem die Sühne durch das Blut erfolgt, so heißt es: <i>und Sühne schaffen</i>, und noch ist der Farre nicht geschlachtet.