Zevachim 64

Kapitel 64

א סמיכה נמי כתיב לפני ה' אפשר דמעייל ידיה וסמיך שחיטה נמי אפשר דעביד סכין ארוכה ושחיט
1 und auch beim Stützen heißt es ja: <i>vor dem Herrn</i>!? – Man kann mit der Hand hineinlangen und stützen. – Auch beim Schlachten kann man ja ein langes Messer anfertigen und schlachten!? –
ב הא מני שמעון התימני היא דתניא ושחט את בן הבקר לפני ה' ולא השוחט לפני ה' שמעון התימני אומר מנין שיהיו ידיו של שוחט לפנים מן הנשחט ת"ל ושחט את בן הבקר לפני ה' שוחט את בן הבקר יהא לפני ה'
2 Hier ist die Ansicht Šimo͑n des Temaniten vertreten, denn es wird gelehrt: <i>Er schlachte das junge Rind vor dem Herrn,</i> der Schlachtende aber braucht sich nicht vor dem Herrnzu befinden. Šimo͑n der Temanite sagte: Woher, daß die Hände des Schlachtenden einwärts vom Geschlachtetensich befinden müssen? Es heißt: <i>er schlachte das junge Rind vor dem Herrn,</i> der das junge Rind schlachtet, muß sich vor dem Herrn befinden.
ג אמר עולא אמר ריש לקיש טמא שהכניס ידו לפנים לוקה שנאמר (ויקרא יב, ד) בכל קדש לא תגע וגו' מקיש ביאה לנגיעה מה נגיעה במקצת שמה נגיעה אף ביאה במקצת שמה ביאה
3 U͑la sagte im Namen des Reš Laqiš: Wenn ein Unreiner mit der Hand in das Innerehineingelangt hat, so ist er zu geißeln, denn es heißt:<i>nichts Geheiligtes darf sie</i><i>berühren &amp;c.;</i> er vergleichtdas Eintreten mit dem Berühren, wie die teilweise Berührung als Berührung gilt, ebenso gilt auch der teilweise Eintritt als Eintritt.
ד איתיביה רב הושעיא לעולא מצורע שחל שמיני שלו להיות בערב הפסח וראה קרי בו ביום וטבל
4 R. Hoša͑ja wandte gegen U͑la ein: Wenn der achte Tag eines Aussätzigenauf den Vorabend des Pesaḥfestes fällt, und er an diesem Tage Samenerguß bekommenhat und untergetaucht ist,
ה אמרו חכמים אע"פ שאין טבול יום אחר נכנס זה נכנס מוטב יבוא עשה שיש בו כרת וידחה עשה שאין בו כרת
5 so darf er, wie die Weisen sagen, obgleich ein anderer, der am selben Tage untergetauchtist, nicht [den Tempelberg] betreten darf, ihn betreten, denn es ist besser, daß ein Gebot, [dessen Unterlassung] mit der Ausrottung bedrohtist, ein Gebot verdränge, [dessen Unterlassung] nicht mit der Ausrottung bedrohtist.
ו ורבי יוחנן אמר דבר תורה אפי' עשה אין בו שנאמר (דברי הימים ב כ, ה) ויעמד יהושפט בקהל יהודה וירושלם בבית ה' לפני החצר החדשה מאי חצר החדשה אמר ר' יוחנן שחידשו בה דברים (הרבה) ואמרו טבול יום אל יכנס למחנה לויה
6 R. Joḥanan aber sagte: nach der Tora ist diesüberhaupt kein Gebot, denn es heißt:<i>Jehošaphaṭ aber trat</i> <i>in der Volksmenge Jehudas und Jerušalems, im Tempel des Herrn, vor den neuen Vorhof hin,</i> und [die Bezeichnung] ‘neuer Vorhof’ erklärte R. Joḥanan, sie haben da Neuerungen getroffen und angeordnet, daß, wer am selben Tage untergetaucht ist, in das levitische Lager nicht eintreten dürfe.
ז ואי אמרת ביאה במקצת שמה ביאה היכי מעייל ידיה בבהונות אידי ואידי עשה שיש בו כרת הוא
7 Wieso darf er nun, wenn man sagen wollte, der teilweise Eintritt gelte als Eintritt, mit den Händen wegen der Daumenhinein-langen, beidesind ja Gebote, [deren Unterlassung] mit der Ausrottung bedroht ist!?
ח א"ל מטונך שאני מצורע הואיל והותר לצרעתו הותר לקיריו
8 Dieser erwiderte: Aus deiner Last; anders verhält es sich bei einem Aussätzigen, da es ihm aussatzbehaftet erlaubt wordenist, so ist es ihm auch ergußbehaftet erlaubt.
ט אמר רב יוסף קסבר עולא רובן זבים ונעשו טמאי מתים הואיל והותרו לטומאתן הותרו לזיבתן
9 R. Joseph sagte: U͑la ist der Ansicht, wenn die meistenflußbehaftetwaren und leichenunrein geworden sind, so sind sie, da sie in Unreinheit zulässigsind, auch flußbehaftet zulässig.
י אמר ליה אביי מי דמי טומאה אישתראי זיבה לא אישתראי
10 Abajje sprach zu ihm: Ist es denn gleich; in Unreinheit ist es zwar erlaubt, flußbehaftet aber ist es ja nicht erlaubt!?
יא אמר ליה דלמא הכי קאמר מר רובן טמאי מתים ונעשו זבים הואיל והותרו לטומאתן הותרו לזיבתן אמר ליה אין
11 Vielleicht meint es der Meister wie folgt: wenn die meisten leichenunrein waren und flußbehaftet geworden sind, so bleiben sie, da sie in Unreinheit zulässig waren, auch flußbehaftet zulässig. Jener erwiderte: Jawohl. –
יב ואכתי לא דמי מצורע היתירא הוא הואיל ואישתרי אישתרי טומאה דחויה היא להא אידחאי להא לא אידחאי
12 Aber immerhin ist es ja nicht gleich; beim Aussätzigen ist diesvollständig erlaubt, und die Erlaubnis bleibtbestehen, hierbeiaber wird die Unreinheit nur verdrängt, und die einewird verdrängt, die andere aber nicht.
יג אמר ליה רבא אדרבה איפכא מסתברא מצורע היתירא הוא להא אישתראי ולהא לא אישתראי טומאה דחויה הוא מה לי חד דחויא מה לי שתי דחיות
13 Raba erwiderte: Im Gegenteil, das Entgegengesetzte leuchtet ja ein; beim Aussätzigen ist es vollständig erlaubt, und die Erlaubnis erstreckt sich nur auf das eine und nicht auf das andere, hierbei aber wird die Unreinheitnur verdrängt, und es ist einerlei, ob die Verdrängung eine einfache oder eine zweifache ist.