Beitzah 8

Kapitel 8

א איכו השתא אשתלאי ואמרי לך רב ורבי יוחנן הלכה כרבי יוחנן הא אמר רבא הלכתא כותיה דרב בהני תלת בין לקולא בין לחומרא
1 Hätte ich sofort entschieden, so würde ich mich geirrt und gesagt haben, [bei einem Streite zwischen] Rabh und R. Joḥanan sei die Halakha wie R. Joḥanan zu entscheiden, während Raba gesagt hat, bei diesen drei Dingen sei die Halakha wie Rabh, sowohl erleichternd als auch erschwerend.
ב אמר רבי יוחנן עצים שנשרו מן הדקל בשבת אסור להסיקן ביום טוב ואל תשיבני ביצה מאי טעמא ביצה משום דביומא נמי חזיא לגומעה ולא קא שרי לה עד למחר מידע ידיע דבת יומא אסורה עצים דלא חזו ליומייהו אי שרי להו למחר אתי למימר ביומייהו נמי שרו ואתמול משום שבת הוא דלא חזו להסקה
2 R. Joḥanan sagte: Wenn am Šabbath Holz vom Baume abfällt, so darf man es am [darauffolgenden] Festtage nicht verheizen. Du darfst mir aber nicht [meine Lehre über] das Ei entgegenhalten. – Weshalb? – Das Ei ist auch am selben Tage zum Trinken verwendbar, und wenn es erst am folgenden Tage erlaubt ist, so weiß man, daß es am selben Tage verboten ist, das Holz aber ist für denselben Tag nicht verwendbar, und wenn man es am folgenden Tage erlauben würde, könnte man glauben, es sei sonst auch am selben Tage erlaubt, und nur [in diesem Falle nicht], wegen des Šabbaths, weil es dann zum Heizen nicht verwendbar ist.
ג אמר רב מתנה עצים שנשרו מן הדקל לתוך התנור ביום טוב מרבה עליהם עצים מוכנים ומסיקן והא קא מהפך באיסורא כיון דרובא דהיתרא נינהו כי קא מהפך בהיתרא קא מהפך
3 R. Mathna sagte: Wenn am Festtage Holz vom Baume in den Ofen fällt, so darf man vorrätiges Holz zufügen und jenes mitheizen. – Man verwendet ja aber Verbotenes? – Da das meiste aus Erlaubtem besteht, so schürt man Erlaubtes. –
ד והא קא מבטל איסורא לכתחלה ותנן אין מבטלין איסור לכתחלה הני מילי בדאורייתא אבל בדרבנן מבטלין
4 Man hebt ja direkt ein Verbot auf, und wir haben ja gelernt, man dürfe ein Verbot nicht direkt aufheben!? – Dies nur bei einem [Verbote] der Tora, ein rabbanitisches aber darf man aufheben. –
ה ולרב אשי דאמר כל דבר שיש לו מתירין אפילו בדרבנן לא בטיל מאי איכא למימר הני מילי היכא דאיתיה לאיסורא בעיניה הכא מקלא קלי איסורא
5 Wie ist es aber nach R. Aši zu erklären, welcher sagt, wofür es ein Erlaubtwerden gibt, werde nicht aufgehoben, auch wenn [das Verbot] rabbanitisch ist!? – Dies nur, wo das Verbotene bestehen bleibt, hier aber wird ja das Verbotene verbrannt.
ו אתמר שני ימים טובים של גליות רב אמר נולדה בזה מותרת בזה ורב אסי אמר נולדה בזה אסורה בזה
6 Es wurde gelehrt: Von den beiden Festtagen in der Diaspora sagt Rabh, [das Ei], das an einem gelegt wurde, sei am anderen erlaubt; R. Aši sagt, das an einem gelegt wurde, sei am anderen verboten. –
ז לימא קא סבר רב אסי קדושה אחת היא והא רב אסי מבדיל מיומא טבא לחבריה
7 Demnach wäre R. Aši der Ansicht, die Heiligkeit beider sei die gleiche, während doch R. Aši zwischen beiden Festtagen den Unterscheidungssegen las!? –
ח רב אסי ספוקי מספקא ליה ועביד הכא לחומרא והכא לחומרא
8 R. Aši war es zweifelhaft, daher verfuhr er in der einen Hinsicht erschwerend und in der anderen Hinsicht erschwerend.
ט אמר ר' זירא כותיה דרב אסי מסתברא דהאידנא ידעינן בקביעא דירחא וקא עבדינן תרי יומי
9 R. Zera sagte: Die Ansicht Ašis ist einleuchtender; jetzt sind wir ja in der Festsetzung des Neumondes kundig, dennoch feiern wir zwei Tage.
י אמר אביי כותיה דרב מסתברא דתנן בראשונה היו משיאין משואות משקלקלו הכותים התקינו שיהו שלוחין יוצאין
10 Abajje sagte: Die Ansicht Rabhs ist einleuchtender; wir haben gelernt, daß man es früher durch Feuersignale anzeigte, wegen des Unfugs der Samaritaner aber angeordnet habe, daß Boten ausziehen.
יא ואילו בטלו כותים עבדינן חד יומא והיכא דמטו שלוחין עבדינן חד יומא
11 Demnach müßte man, wenn der Unfug der Samaritaner aufhört, nur einen Tag feiern, wo die Boten hinkommen, nur einen Tag feiern. –
יב והשתא דידעינן בקביעא דירחא מאי טעמא עבדינן תרי יומי משום דשלחו מתם הזהרו במנהג אבותיכם בידיכם זמנין דגזרו המלכות גזרה ואתי לאקלקולי
12 Weshalb aber feiern wir jetzt zwei Tage, wo wir in der Festsetzung des Neumondes kundig sind? – Weil sie von dort sagen ließen: Seid behutsam mit den bei euch eingeführten Bräuchen eurer Vorfahren, denn bei einer Religionsverfolgung könnte ja ein Verderb entstehen.
יג אתמר שני ימים טובים של ראש השנה רב ושמואל דאמרי תרוייהו נולדה בזה אסורה בזה דתנן בראשונה היו מקבלין עדות החדש כל היום (כולו) פעם אחת נשתהו העדים לבא
13 Es wurde gelehrt: Von den beiden Tagen des Neujahrsfestes sagten Rabh und Šemuél beide, [das Ei], das an einem gelegt wurde, sei [auch] am anderen verboten. Denn wir haben gelernt: Anfangs nahm man die Zeugenaussage [über das Erscheinen] des Neumondes den ganzen Tag entgegen; als aber einst die Zeugen sich verspäteten