Bekhorot 84

Kapitel 84

א בן יהודה למימר טומטום בריה הוא ולא קדוש לא דכולי עלמא טומטום בבריה לא מספקא זכר ונקבה הוא דמספקא
1 b. Jehuda, das Geschlechtslose sei ein Wesen für sich und nicht heilig. – Nein, alle sind der Ansicht, über das Wesen des Geschlechtslosen bestehe kein Zweifel, der Zweifel besteht nur, ob es männlich oder weiblich ist.
ב מטיל מים במקום זכרות דכולי עלמא לא פליגי דזכר הוא כי פליגי במטיל מים במקום נקבות מר סבר חיישינן שמא נהפכה זכרותו לנקבותו ומר סבר לא חיישינן כי הא דהורה רבי אלעזר בבהמה מטיל מים במקום נקבות חולין
2 Uriniert es aus der männlichen Stelle, so stimmen alle überein, daß es männlich ist, sie streiten nur über den Fall, wenn es aus der weiblichen Stelle uriniert; einer ist der Ansicht, man berücksichtige, seine Männlichkeit könnte in Weiblichkeit verwandelt worden sein, und einer ist der Ansicht, man berücksichtige dies nicht. So lehrte auch R. Elea͑zar: Wenn ein [geschlechtsloses] Vieh aus der weiblichen Stelle uriniert, so ist es profan.
ג תהי בה ר' יוחנן מאן דלא חש לתנא קמא ולרבי ישמעאל ולימא רבי יוחנן נמי מאן דלא חש לרבנן בתראי דא"ר חסדא מחלוקת באנדרוגינוס אבל בטומטום דברי הכל ספיקא
3 R. Joḥanan staunte darüber: wer ist es, der weder den ersten Autor noch R. Jišma͑él beachtet!? – Sollte doch R. Joḥanan auch gesagt haben: und nicht die letzteren Rabbanan beachtet, denn R. Ḥisda sagte, der Streit bestehe nur über den Zwitter, während über das Geschlechtslose alle übereinstimmen, daß es zweifelhaft sei!? –
ד רבי יוחנן לא ס"ל דרב חסדא אי לא ס"ל לימא הוא דאמר כרבנן בתראי הכי נמי קאמר מאן שביק תרי ועביד כחד
4 R. Joḥanan hält nichts von dem, was R. Ḥisda gesagt hat. – Wenn er davon nichts hält, sollte er doch gesagt haben, ersei der Ansicht der letzten Rabbanan!? – Das sagte er auch: wer übergeht zwei und entscheidet nach einem. –
ה ורבי אלעזר כמאן סברא כי הא דאמר ריש לקיש לא אמרו טומטום ספק אלא באדם הואיל וזכרותו ונקבותו במקום אחד אבל בהמה מטיל מים במקום זכרות זכר מטיל מים במקום נקבות נקבה
5 Wessen Ansicht ist R. Elea͑zar? – Wie Reš Laqiš gesagt hat: Daß über den Geschlechtslosen ein Zweifel bestehe, sagten sie nur vom Menschen, weil bei ihm die Männlichkeit und die Weiblichkeit an derselben Stellesind, beim Vieh aber ist es, wenn es aus der männlichen Stelle uriniert, männlich, und wenn es aus der weiblichen Stelle uriniert, weiblich.
ו מתקיף לה רב אושעיא וליחוש שמא נהפכה זכרותו לנקבותו א"ל כמאן כר"מ דחייש למיעוטא
6 R. Oša͑ja wandte ein: Es ist ja zu berücksichtigen, seine Männlichkeit könnte in Weiblichkeit verwandelt worden sein!? Jener erwiderte: Also nach R. Meír, der die Minderheit berücksichtigt!?
ז אביי בר אבין ורב חנניא בר אבין דאמרי תרוייהו אפי' תימא רבנן הואיל ואישתני אישתני אית דאמר אישתני ואית דאמר לא אישתני
7 Abajje b. Abin und R. Ḥananja b. Abin sagten beide: Du kannst auch sagen, nach den Rabbanan, denn da es anormal ist, ist es anormal. – Manche sagen, es sei eine Verwandlung anzunehmen, und manche sagen, eine Verwandlung sei nicht anzunehmen.
ח לימא אישתני ולא אישתני תנאי דתניא טומטום שקידש קדושיו קדושין נתקדש קדושיו קדושין
8 Es wäre anzunehmen, daß darüber, ob eine Verwandlung anzunehmen ist oder eine Verwandlung nicht anzunehmen ist, Tannaím streiten. Es wird nämlich gelehrt: Hat ein Geschlechtsloser sich [eine Frau] angetraut, so ist die Antrauung gültig, hat man ihn angetraut, so ist die Antrauung gültig;
ט וחולץ וחולצין לאשתו ומיבמים לאשתו ותניא אידך אשת טומטום חולצת ולא מתייבמת
9 er kann die Ḥaliça vollziehen, man kann an seiner Frau die Ḥaliça vollziehen, und man kann an seiner Frau die Schwagerehe vollziehen. Dagegen lehrt ein Andres: An der Frau eines Geschlechtslosen ist die Ḥaliça zu vollziehen, nicht aber ist an ihr die Schwagerehe zu vollziehen.
י סברוה דכ"ע כר"ע דאמר סריס חמה לא חולץ ולא מייבם
10 Sie glaubten, alle seien der Ansicht R. A͑qibas, welcher sagt, der Naturkastratkönne weder die Ḥaliça noch die Schwagerehe vollziehen.
יא מאי לאו בהא קמיפלגי דמ"ד חולץ וחולצין לאשתו ומיבמים את אשתו לא אמרינן הואיל ואישתני אישתני
11 Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: nach demjenigen, welcher sagt, er vollziehe die Ḥaliça und man vollziehe an seiner Frau die Ḥaliça und die Schwagerehe, sage man nicht, da er anormal ist, kann an ihm eine Verwandlung eingetreten sein,
יב ומ"ד חולצת ולא מתייבמת אמרינן הואיל ואישתני אישתני
12 und nach demjenigen, welcher sagt, an ihr sei die Ḥaliça und nicht die Schwagerehe zu vollziehen, sage man, da er anormal ist, kann an ihm eine Verwandlung eingetreten sein. –
יג לא דכ"ע אמרינן הואיל ואישתני אישתני הא ר"א והא ר"ע
13 Nein, alle sind der Ansicht, man sage, da er anormal ist, kann an ihm eine Verwandlung eingetreten sein, nur lehrt eines nach R. Elie͑zer und eines nach R. A͑qiba. –
יד ומאן תנא אליבא דר"ע אילימא ר' יהודה הא ודאי סריס משוי ליה
14 Wer lehrt nach R. A͑qiba, wollte man sagen, R. Jehuda, so macht er ihn ja entschieden zum Kastraten,
טו דתנן רבי יהודה אומר טומטום שנקרע ונמצא זכר ה"ז לא יחלוץ מפני שהוא כסריס
15 denn wir haben gelernt: R. Jehuda sagt, wenn ein Geschlechtsloser aufgerissenund als Mann befunden wird, dürfe er die Ḥaliça nicht vollziehen, weil er einem Kastraten gleicht. –
טז אלא רבי יוסי ברבי יהודה היא דתניא ר' יוסי בר' יהודה אומר טומטום לא חולץ שמא יקרע וימצא סריס חמה
16 Vielmehr, es ist R. Jose b. R. Jehuda, denn es wird gelehrt: R. Jose b. R. Jehuda sagt, der Geschlechtslose vollziehe nicht die Ḥaliça, denn er kann aufgerissen und als Naturkastrat befunden werden. –
יז אטו כל דמיקרע זכר משתכח נקבה לא משתכח שמא קאמר שמא יקרע וימצא נקבה
17 Wird denn jeder, der aufgerissen wird, nur als Mann und nicht als Weib befunden!? – Er meint: vielleicht; er kann aufgerissen und vielleicht als Weib befunden werden,
יח א"נ זכר נמי שמא ימצא סריס חמה מאי בינייהו אמר רבא
18 und selbst wenn als Mann, kann er vielleicht als Naturkastrat befunden werden. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Raba erwiderte: