Berakhot 104

Kapitel 104

א תוכו ואוגנו ואזנו וידיו טהורין נטמא תוכו נטמא כולו
1 die Innenseite, der Rand, der Henkel und die Griffe sind rein; ist seine Innenseite unrein geworden, so ist es gänzlich unrein. –
ב במאי קא מיפלגי
2 Worin besteht ihr Streit? –
ג ב"ש סברי אסור להשתמש בכלי שנטמאו אחוריו במשקין גזרה משום ניצוצות וליכא למגזר שמא יטמאו המשקין שבידים בכוס
3 Die Schule Šammajs ist der Ansicht, es sei verboten, sich eines Gefäßes zu bedienen, dessen Außenseite durch Flüssigkeit unrein wurde, weil Spritzer zu berücksichtigen sind, somit ist nicht mehr zu befürchten, die Flüssigkeit an der Hand könnte durch den Becher unrein werden.
ד וב"ה סברי מותר להשתמש בכלי שנטמאו אחוריו במשקין אמרי ניצוצות לא שכיחי ואיכא למיחש שמא יטמאו משקין שבידים מחמת הכוס
4 Die Schule Hillels aber ist der Ansicht, es sei erlaubt, sich eines Gefäßes zu bedienen, dessen Außenseite durch Flüssigkeit unrein wurde, denn Spritzer sind nicht häufig, somit ist zu befürchten, die Flüssigkeit an der Hand könnte durch den Becher unrein werden.
ה ד"א תכף לנט"י סעודה
5 Eine andere Begründung: Sofort nach dem Händewaschen folge die Mahlzeit. –
ו מאי ד"א ה"ק להו ב"ה לב"ש לדידכו דאמריתו אסור להשתמש בכלי שאחוריו טמאין דגזרינן משום ניצוצות אפ"ה הא עדיפא דתכף לנט"י סעודה:
6 Wozu die andere Begründung? – Die Schule Hillels sprach zur Schule Šammajs wie folgt: Selbst nach euerer Ansicht, es sei verboten, sich eines Gefäßes zu bedienen, dessen Außenseite unrein wurde, weil Spritzer zu berücksichtigen sind, ist dies trotzdem vorzuziehen, weil sofort nach dem Händewaschen die Mahlzeit folge.
ז ב"ש אומרים מקנח וכו':
7 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS SAGT, MAN TROCKNE &amp;C</small>.
ח ת"ר בית שמאי אומרים מקנח ידיו במפה ומניחה על השלחן שאם אתה אומר על הכסת גזרה שמא יטמאו משקין שבמפה מחמת הכסת ויחזרו ויטמאו את הידים
8 Die Rabbanan lehrten: Die Schule Šammajs sagt, man trockne die Hände mit dem Tuche ab, und man lege es auf den Tisch; denn wolltest du sagen, auf das Polster, so ist ja zu befürchten, die Flüssigkeit am Tuche könnte durch das Polster unrein werden und die Hände unrein machen. –
ט ונטמייה כסת למפה אין כלי מטמא כלי
9 Auch das Polster selber kann ja das Tuch unrein machen!? – Ein Gerät kann kein Gerät unrein machen. –
י ונטמייה כסת לגברא גופיה אין כלי מטמא אדם
10 Das Polster selber kann ja den Mann unrein machen!? – Ein Gerät kann keinen Menschen unrein machen.
יא ובה"א על הכסת שאם אתה אומר על השלחן גזרה שמא יטמאו משקים שבמפה מחמת השלחן ויחזרו ויטמאו את האוכלין
11 Die Schule Hillels sagt, [man lege es] auf das Polster, denn wolltest du sagen, auf den Tisch, so ist ja zu befürchten, die Flüssigkeit am Tuche könnte durch den Tisch unrein werden und die Speise unrein machen. –
יב ולטמא שלחן לאוכלין שבתוכו הכא בשלחן שני עסקינן ואין שני עושה שלישי בחולין אלא ע"י משקין
12 Auch der Tisch selber kann ja die auf ihm befindlichen Speisen unrein machen!? – Hier handelt es sich um einen zweitgradig [unreinen] Tisch, und bei Profanem macht das Zweitgradige nicht drittgradig, außer bei einer Flüssigkeit. –
יג במאי קמיפלגי ב"ש סברי אסור להשתמש בשלחן שני גזרה משום אוכלי תרומה
13 Worin besteht ihr Streit? – Die Schule Šammajs ist der Ansicht, es sei verboten, sich eines zweitgradig [unreinen] Tisches zu bedienen, aus Rücksicht auf solche, die Hebe essen.
יד וב"ה סברי מותר להשתמש בשלחן שני אוכלי תרומה זריזין הם
14 Die Schule Hillels aber ist der Ansicht, es sei erlaubt, sich eines zweitgradig [unreinen] Tisches zu bedienen, denn solche, die Hebe essen, sind vorsichtig.
טו ד"א אין נט"י לחולין מן התורה
15 Eine andere Begründung: Das Händewaschen ist [bei Profanem] keine Pflicht der Tora. –
טז מאי ד"א הכי קאמרי להו ב"ה לב"ש וכי תימרו מ"ש גבי אוכלין דחיישינן ומ"ש גבי ידים דלא חיישינן אפילו הכי הא עדיפא דאין נט"י לחולין מן התורה מוטב שיטמאו ידים דלית להו עיקר מדאורייתא ואל יטמאו אוכלים דאית להו עיקר מדאורייתא:
16 Wozu die andere Begründung? – Die Schule Hillels sprach zur Schule Šammajs wie folgt: Wollt ihr erwidern: womit ist es bei Speisen anders, daß bei ihnen befürchtet wird, als bei den Händen, daß bei ihnen nicht befürchtet wird, so ist dieses trotzdem vorzuziehen, denn da bei Profanem das Händewaschen nicht aus der Tora ist, so mögen lieber die Hände unrein werden, die keine Grundlage in der Tora haben, als daß die Speisen verunreinigt werden sollten, die eine Grundlage in der Tora haben.
יז בש"א מכבדין וכו':
17 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS SAGT, MAN FEGE&amp;C</small>.
יח ת"ר בש"א מכבדין את הבית ואחר כך נוטלין לידים שאם אתה אומר נוטלין לידים תחלה נמצא אתה מפסיד את האוכלין אבל נט"י לב"ש תחלה לא סבירא להו מ"ט משום פירורין
18 Die Rabbanan lehrten: Die Schule Šammajs sagt, man fege zuerst den Tisch ab, nachher wasche man die Hände; denn wolltest du sagen, man wasche die Hände zuerst, so würde man ja die Speisen verderben. (Die Schule Šammajs ist also nicht der Ansicht, daß man zuerst die Hände wasche. Aus welchem Grunde? – Wegen der Brocken.)
יט ובה"א אם שמש תלמיד חכם הוא נוטל פירורין שיש בהן כזית ומניח פירורין שאין בהן כזית
19 Die Schule Hillels sagte: Ist der Tischdiener Schriftgelehrter, so nimmt er die olivengroßen Brocken fort, und läßt nur Brocken zurück, die nicht olivengroß sind.
כ מסייע ליה לר' יוחנן דא"ר יוחנן פירורין שאין בהם כזית מותר לאבדן ביד
20 Dies ist eine Stütze für R. Jochanan, denn R. Joḥanan sagte: Brocken, die nicht olivengroß sind, darf man mit Händen vernichten. –
כא במאי קמיפלגי ב"ה סברי אסור להשתמש בשמש ע"ה וב"ש סברי מותר להשתמש בשמש ע"ה
21 Worin besteht ihr Streit? – Die Schule Hillels ist der Ansicht, es sei verboten, sich eines Tischdieners aus dem gemeinen Volke zu bedienen; die Schule Šammajs aber ist der Ansicht, es sei erlaubt, sich eines Tischdieners aus dem gemeinen Volke zu bedienen.
כב א"ר יוסי בר חנינא א"ר הונא בכוליה פרקין הלכה כב"ה בר מהא דהלכה כב"ש ור' אושעיא מתני איפכא ובהא נמי הלכה כב"ה:
22 R. Jose b. Ḥanina sagte im Namen R. Honas: im ganzen Abschnitt ist die Halakha wie die Schule Hillels, ausgenommen diese [Lehre], wobei die Halakha wie die Schule Šammajs ist. R. Oša͑ja lehrte dies entgegengesetzt, und auch hierbei ist die Halakha wie die Schule Hillels.
כג בש"א נר ומזון וכו':
23 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS SAGT</small>: L<small>ICHT, SPEISE &amp;C</small>.
כד רב הונא בר יהודה איקלע לבי רבא חזייה לרבא דבריך אבשמים ברישא א"ל מכדי ב"ש וב"ה אמאור לא פליגי דתניא בש"א נר ומזון בשמים והבדלה ובה"א נר ובשמים מזון והבדלה
24 R. Hona b. Jehuda war bei Raba eingekehrt und bemerkte, daß Raba den Segen über die Wohlgerüche zuerst sprach. Da sprach er zu ihm: Merke, über das Licht streiten ja nicht einmal die Schule Šammajs und die Schule Hillels!? Denn wir haben ja gelernt: Die Schule Šammajs sagt: Licht, Speise, Wohlgerüche, Unterscheidungssegen; die Schule Hillels sagt: Licht, Wohlgerüche, Speise, Unterscheidungssegen.
כה עני רבא בתריה זו דברי ר"מ אבל ר' יהודה אומר לא נחלקו ב"ש וב"ה על המזון שהוא בתחלה ועל הבדלה שהיא בסוף על מה נחלקו על המאור ועל הבשמים שבש"א על המאור ואח"כ בשמים ובה"א בשמים ואח"כ מאור
25 Da fuhr Raba fort: Das sind die Worte R. Meírs, R. Jehuda aber sagte: Die Schule Šammajs und die Schule Hillels sind einig, daß man [den Segen über] die Speise zuerst und den Unterscheidungssegen zuletzt spreche; sie streiten nur über das Licht und über die Wohlgerüche; die Schule Šammajs sagt, zuerst über das Licht und nachher über die Wohlgerüche, und die Schule Hillels sagt, zuerst über die Wohlgerüche, und nachher über das Licht.
כו וא"ר יוחנן נהגו העם כב"ה אליבא דרבי יהודה:
26 Hierzu sagte R. Joḥanan: Das Volk verfährt nach der Schule Hillels und zwar nach dem Ausspruche R. Jehudas.
כז בש"א שברא כו':
27 D<small>IE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS SAGT</small>: ‘D<small>ASS ER &amp;C. ERSCHAFFEN HAT</small>’.
כח אמר רבא בברא כ"ע לא פליגי דברא משמע כי פליגי בבורא ב"ש סברי בורא דעתיד למברא וב"ה סברי בורא נמי דברא משמע
28 Raba sagte: Bezüglich [des Wortes] <i>bara</i> sind alle einig, daß es die Bedeutung ‘bereits erschaffen’ hat, sie streiten nur über [das Wort] <i>bore.</i> Die Schule Šammajs ist der Ansicht, <i>bore</i> habe die Bedeutung ‘wird erschaffen’, die Schule Hillels aber ist der Ansicht, auch <i>bore</i> habe die Bedeutung ‘bereits erschaffen’.
כט מתיב רב יוסף (ישעיהו מה, ז) יוצר אור ובורא חשך (עמוס ד, יג) יוצר הרים ובורא רוח (ישעיהו מב, ה) בורא השמים ונוטיהם אלא א"ר יוסף בברא ובורא כ"ע לא פליגי דברא משמע כי פליגי במאור ומאורי דב"ש סברי חדא נהורא איכא בנורא וב"ה סברי טובא נהורי איכא בנורא תנ"ה אמרו להם ב"ה לב"ש הרבה מאורות יש באור:
29 R. Joseph wandte ein: [Es heißt ja:] <i>er bildet das Licht und erschafft [bore] die Finsternis</i>. <i>Er bildet Gebirge und erschafft [bore] den Wind</i>. <i>Er erschafft [bore] den Himmel und spannt ihn aus</i>!? – Vielmehr, sagte R. Joseph, bezüglich [der Worte] <i>bara</i> und <i>bore</i> sind alle einig, daß sie die Bedeutung ‘bereits erschaffen’ haben, sie streiten nur über [die Worte] <i>Licht</i> und <i>Lichter.</i> Die Schule Šammajs ist der Ansicht, das Feuer habe ein Licht, und die Schule Hillels ist der Ansicht, das Feuer habe mehrere Lichter. Desgleichen wird gelehrt: Die Schule Hillels sprach zur Schule Šammajs: Im Feuer sind mehrere Lichter enthalten.
ל אין מברכין כו': בשלמא נר משום דלא שבת אלא בשמים מ"ט לא
30 M<small>AN SPRECHE DEN</small> S<small>EGEN NICHT &amp;C</small>. Einleuchtend ist dies bezüglich des Lichtes, da es ja nicht gefeiert hat, warum aber nicht über Wohlgerüche!?
לא אמר רב יהודה אמר רב הכא במסבת עובדי כוכבים עסקינן מפני שסתם מסבת עובדי כוכבים לע"ז היא
31 R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Hier handelt es sich um eine Tischgesellschaft von Nichtjuden, und bei einer Tischgesellschaft von Nichtjuden ist es gewöhnlich den Götzen gewidmet. –
לב הא מדקתני סיפא אין מברכין לא על הנר ולא על הבשמים של ע"ז מכלל דרישא לאו בע"ז עסקינן
32 Wenn er aber im Schlußsatze lehrt, man spreche den Segen nicht über ein Licht und über Wohlgerüche eines Götzen, so handelt wohl der Anfangssatz nicht von einem Götzen!? –
לג א"ר חנינא מסורא מה טעם קאמר מה טעם אין מברכין לא על הנר ולא על הבשמים של עכו"ם מפני שסתם מסבת עובדי כוכבים לע"ז
33 R. Ḥanina aus Sura erwiderte: Er gibt den Grund an: aus welchem Grunde spreche man nicht den Segen über das Licht und über Wohlgerüche der Nichtjuden? – weil es bei einer Tischgesellschaft von Nichtjuden gewöhnlich den Götzen gewidmet ist.
לד ת"ר אור ששבת מברכין עליו ושלא שבת אין מברכין עליו (מאי שבת) ומאי לא שבת
34 Die Rabbanan lehrten: Über ein Licht, das gefeiert hat, spreche man den Segen, das nicht gefeiert hat, spreche man den Segen nicht. Was heißt ‘gefeiert’ und was heißt ‘nicht gefeiert’: