Berakhot 18

Kapitel 18

א אותו צדיק (בראשית טו, יג) ועבדום וענו אותם קיים בהם ואחרי כן יצאו ברכוש גדול לא קיים בהם
1 damit nicht jener Gerechte sage: [Die Verheißung,] <i>man</i> <i>wird sie knechten und bedrücken</i>, hat er an ihnen erfüllt, [die Verheißung,] <i>nachher werden sie mit großem Besitztum ausziehen</i>, hat er an ihnen nicht erfüllt.
ב אמרו לו ולואי שנצא בעצמנו משל לאדם שהיה חבוש בבית האסורים והיו אומרים לו בני אדם מוציאין אותך למחר מבית האסורין ונותנין לך ממון הרבה ואומר להם בבקשה מכם הוציאוני היום ואיני מבקש כלום:
2 Da sprachen sie zu ihm: O, daß doch wir selbst hinauskommen könnten! Ein Gleichnis. Wenn man zu einem Menschen, der im Gefängnis eingesperrt ist, sagt: morgen wird man dich aus dem Gefängnis herausholen und dir viel Geld geben, so erwidert dieser: befreiet mich heute, und ich verlange nichts.
ג (שמות יב, לו) וישאלום א"ר אמי מלמד שהשאילום בעל כרחם איכא דאמרי בעל כרחם דמצרים וא"ד בעל כרחם דישראל
3 <i>Und sie liehen ihnen</i>. Hierzu sagte R. Ami: Dies lehrt, daß sie sie wider ihren Willen zu leihen genötigt haben. Manche sagen, wider den Willen der Miçrijim, und manche sagen, wieder den Willen der Jisraéliten.
ד מ"ד בעל כרחם דמצרים דכתיב (תהלים סח, יג) ונות בית תחלק שלל מ"ד בעל כרחם דישראל משום משוי:
4 Manche sagen, wider den Willen der Miçrijim, denn es heißt: <i>und die Mitbewohnerin des Hauses teilt die Beute</i>, und manche sagen, wider den Willen der Jisraéliten wegen der Last.
ה (שמות יב, לו) וינצלו את מצרים א"ר אמי מלמד שעשאוה כמצודה שאין בה דגן ור"ל אמר עשאוה כמצולה שאין בה דגים:
5 <i>Und sie leerten Miçrajim</i>. Hierzu sagte R. Ami: Dies lehrt, daß sie es wie ein Netz machten, das keine Getreidekörner mehr hat. Reš Laqiš sagte: Sie machten es wie eine Meerestiefe, die keine Fische hat.
ו (שמות ג, יד) אהיה אשר אהיה א"ל הקב"ה למשה לך אמור להם לישראל אני הייתי עמכם בשעבוד זה ואני אהיה עמכם בשעבוד מלכיות
6 <i>Ich werde sein, der ich sein werde</i>. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Moše: Gehe hin und sage den Jisraéliten: Ich werde mit euch in dieser Knechtschaft sein, und ich werde mit euch in der Knechtschaft der [späteren] Regierungen sein.
ז אמר לפניו רבש"ע דיה לצרה בשעתה א"ל הקב"ה לך אמור להם (שמות ג, יד) אהיה שלחני אליכם:
7 Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, es genügt die Not zu ihrer Zeit. Der Heilige, gepriesen sei er, erwiderte: Geh und sage ihnen: ‘Ich werde sein’ hat mich zu euch geschickt.
ח (מלכים א יח, לז) ענני ה' ענני א"ר אבהו למה אמר אליהו ענני ב' פעמים מלמד שאמר אליהו לפני הקב"ה רבש"ע ענני שתרד אש מן השמים ותאכל כל אשר על המזבח וענני שתסיח דעתם כדי שלא יאמרו מעשה כשפים הם שנאמר (מלכים א יח, לז) ואתה הסבות את לבם אחורנית:
8 <i>Erhöre mich, o Herr, erhöre mich</i>. R. Abahu sagte: Weshalb rief Elijahu zweimal ‘erhöre mich’? Dies lehrt, daß Elijahu vor dem Heiligen, gepriesen sei er, sprach: Herr der Welt, erhöre mich, daß ein Feuer vom Himmel herabkomme und alles verzehre, was sich auf dem Altar befindet, und erhöre mich, daß du ihre [bösen] Gedanken abwendest, damit sie nicht sagen, es sei Zauberwerk. Daher heißt es: <i>du hast ihr Herz rückwärts gewendet</i>.
ט <big><strong>מתני׳</strong></big> מאימתי קורין את שמע בשחרית משיכיר בין תכלת ללבן ר' אליעזר אומר בין תכלת לכרתי (וגומרה) עד הנץ החמה ר' יהושע אומר עד שלש שעות שכן דרך מלכים לעמוד בשלש שעות
9 <b>V</b><small>ON WANN AN LIEST MAN DAS</small> Š<small>EMA͑ AM</small> M<small>ORGEN</small>? – <small>SOBALD MAN ZWISCHEN PURPURBLAU UND WEISS UNTERSCHEIDEN KANN</small>; R. E<small>LIE͑ZER SAGT, ZWISCHEN PURPURBLAU UND LAUCHGRÜN</small>. M<small>AN BEENDE ES BIS</small> S<small>ONNENAUFGANG</small>; R. J<small>EHOŠUA͑ SAGT, BIS DREI</small> S<small>TUNDEN</small>, <small>DENN</small> K<small>ÖNIGE PFLEGEN IN DER DRITTEN</small> S<small>TUNDE AUFZUSTEHEN</small>.
י הקורא מכאן ואילך לא הפסיד כאדם הקורא בתורה:
10 W<small>ER VON DA AB LIEST, HAT NICHTS VERLOREN, ALS WENN JEMAND IN DER</small> T<small>ORA LIEST</small>.
יא <big><strong>גמ׳</strong></big> מאי בין תכלת ללבן אילימא בין גבבא דעמרא חיורא לגבבא דעמרא דתכלתא הא בליליא נמי מידע ידעי אלא בין תכלת שבה ללבן שבה.
11 GEMARA. Was heißt: zwischen purpurblau und weiß; wollte man sagen, zwischen einem weißen (Wollbündel) und einem purpurblauen Wollbündel, so ist dies ja auch nachts zu unterscheiden!? – Vielmehr, zwischen blau und weiß, das daran.
יב תניא רבי מאיר אומר משיכיר בין זאב לכלב ר"ע אומר בין חמור לערוד ואחרים אומרים משיראה את חברו רחוק ד' אמות ויכירנו
12 Es wird gelehrt: R. Meír sagt, sobald man zwischen einem Wolfe und einem Hunde unterscheiden kann; R. A͑qiba sagt, zwischen einem Esel und einem Waldesel; Andere sagen, sobald man seinen Nächsten in einer Entfernung von vier Ellen sehen und erkennen kann.
יג אמר רב הונא הלכה כאחרים אמר אביי לתפילין כאחרים לק"ש כותיקין דאמר ר' יוחנן ותיקין היו גומרין אותה עם הנץ החמה
13 R. Hona sagte: Die Halakha ist wie die Anderen. Abajja sagte: Bezüglich des Gebetes, wie die Anderen; bezüglich des Šema͑lesens, wie die Erzfrommen. R. Joḥanan sagte nämlich, die Erzfrommen pflegten es mit Sonnenaufgang zu beenden.
יד תניא נמי הכי ותיקין היו גומרין אותה עם הנץ החמה כדי שיסמוך גאולה לתפלה ונמצא מתפלל ביום
14 Desgleichen wird gelehrt: Die Erzfrommen pflegten es mit Sonnenaufgang zu beenden, um das Gebet an den Erlösungssegen anschließen zu können; man betet dann bei Tage.
טו א"ר זירא מאי קראה (תהלים עב, ה) ייראוך עם שמש ולפני ירח דור דורים
15 R. Zera sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: <i>sie mögen dich mit der Sonne fürchten, auch vor dem Monde, von Geschlecht zu Geschlecht</i>.
טז העיד ר"י בן אליקים משום קהלא קדישא דבירושלים כל הסומך גאולה לתפלה אינו נזוק כל היום כולו
16 R. Jose b. Eljaqim bekundete im Namen der heiligen Gemeinde zu Jerušalem: Wer das Gebet an den Erlösungssegen anschließt, kommt den ganzen Tag nicht zu Schaden. –
יז א"ר זירא איני והא אנא סמכי ואיתזקי א"ל במאי איתזקת דאמטיית אסא לבי מלכא התם נמי מבעי לך למיהב אגרא למחזי אפי מלכא דא"ר יוחנן לעולם ישתדל אדם לרוץ לקראת מלכי ישראל ולא לקראת מלכי ישראל בלבד אלא אפילו לקראת מלכי עכו"ם שאם יזכה יבחין בין מלכי ישראל למלכי עכו"ם.
17 Dem ist ja nicht so; R. Zera sagte ja: Ich schließe ihn an, dennoch kam ich zu Schaden. Man erwiderte ihm: Dein Schaden bestand wohl darin, daß du eine Myrte in den königlichen Palast bringen mußtest, aber du solltest noch eine Belohnung entrichten, um das Gesicht des Königs zu schauen. R. Joḥanan sagte nämlich: Man sei stets bestrebt, den jisraélitischen Königen entgegenzueilen, und nicht nur jisraélitischen Königen, sondern auch Königen der weltlichen Völker, denn, wenn es ihm beschieden sein sollte, wird er zwischen den jisraélitischen Königen und den Königen der weltlichen Völker unterscheiden können.
יח אמר ליה רבי אלעא לעולא כי עיילת להתם שאיל בשלמא דרב ברונא אחי במעמד כל החבורה דאדם גדול הוא ושמח במצות זימנא חדא סמך גאולה לתפלה ולא פסיק חוכא מפומיה כוליה יומא.
18 R. Elea͑ sagte zu U͑la: Wenn du nach dort hinaufgehst, so grüße meinen Bruder R. Bruna in Gegenwart der ganzen Genossenschaft, denn er ist ein großer Mann und freut sich der Gebote. Eines Tages hatte er das Gebet an den Erlösungssegen angeschlossen, und den ganzen Tag wich das Lächeln nicht von seinem Munde.
יט היכי מצי סמיך והא א"ר יוחנן בתחלה הוא אומר ה' שפתי תפתח ולבסוף הוא אומר יהיו לרצון אמרי פי וגו'
19 Wieso kann man anschließen, R. Joḥanan sagte ja, daß man zu Beginn sage: <i>Herr, öffne meine Lippen</i>, und zum Schluß: <i>Es mögen die Worte meines Mundes zum Wohlgefallen sein</i>!?
כ אמר ר' אלעזר תהא בתפלה של ערבית.
20 R. Elea͑zar erwiderte: Dies geschehe beim Abendgebet. –
כא והא אמר ר' יוחנן איזהו בן העוה"ב זהו הסומך גאולה של ערבית לתפלה של ערבית
21 R. Joḥanan sagte ja aber, ein Kind der zukünftigen Welt sei derjenige, der den Erlösungssegen des Abends an das Gebet des Abends anschließt!? –
כב אלא א"ר אלעזר תהא בתפלת המנחה
22 Vielmehr erwiderte R. Elea͑zar, dies geschehe beim Nachmittagsgebet.
כג רב אשי אמר אפי' תימא אכולהו וכיון דקבעוה רבנן בתפלה כתפלה אריכתא דמיא
23 R. Aši erwiderte: Du kannst auch sagen, bei allen [Gebeten], denn da die Rabbanan sie zum Gebete gefügt haben, so ist es als verlängertes Gebet zu betrachten.
כד דאי לא תימא הכי ערבית היכי מצי סמיך והא בעי למימר השכיבנו אלא כיון דתקינו רבנן השכיבנו כגאולה אריכתא דמיא ה"נ כיון דקבעוה רבנן בתפלה כתפלה אריכתא דמיא.
24 Wie könnte man, wolltest du nicht so sagen, es abends anschließen, wo man ja [das Gebet] ‘Laß uns niederlegen’ hersagen muß!? Vielmehr, wie [das Gebet] ‘Laß uns niederlegen’ als verlängerter Erlösungssegen betrachtet wird, weil die Rabbanan es angeordnet haben, ebenso ist es hierbei, da die Rabbanan sie zum Gebete gefügt haben, als verlängertes Gebet zu betrachten. –
כה מכדי האי יהיו לרצון אמרי פי משמע לבסוף ומשמע מעיקרא דבעינא למימר מ"ט תקנוהו רבנן לאחר י"ח ברכות לימרו מעיקרא
25 Merke [die Formel:] <i>Es mögen zum Wohlwollen sein die Worte meines Mundes</i>, paßt ja zu Beginn wie zum Schluß, weshalb haben sie die Rabbanan nach dem Achtzehngebet angeordnet, sollte man sie vorher sagen!?
כו א"ר יהודה בריה דר' שמעון בן פזי הואיל ולא אמרו דוד אלא לאחר י"ח פרשיות לפיכך תקינו רבנן לאחר י"ח ברכות.
26 R. Jehuda, Sohn des R. Šimo͑n b. Pazi, erwiderte; Da David sie erst nach achtzehn Abschnitten gesagt hat, so haben auch die Rabbanan sie nach dem Achtzehngebet angeordnet. –
כז הני י"ח י"ט הויין
27 Wieso achtzehn, es sind ja neunzehn!? –
כח אשרי האיש ולמה רגשו גוים חדא פרשה היא
28 [Der Psalm] <i>Heil dem Manne</i> und [der Psalm] <i>Warum toben die Völker</i> sind ein Abschnitt.
כט דאמר ר' יהודה בריה דרבי שמעון בן פזי ק"ג פרשיות אמר דוד ולא אמר הללויה עד שראה במפלתן של רשעים שנאמר (תהלים קד, לה) יתמו חטאים מן הארץ ורשעים עוד אינם ברכי נפשי את ה' הללויה.
29 R. Jehuda, Sohn des R. Šimo͑n b. Pazi, sagte nämlich: Hundertdrei Psalmen hatte David gesagt, doch sagte er nicht eher ‘Halelujah’, als bis er die Niederlage der Frevler gesehen, denn es heißt: <i>Mögen die Sünder von der Erde verschwinden und die Frevler nicht mehr da sein; preise, meine Seele, den Herrn, Halelujah</i>,
ל הני ק"ג ק"ד הויין אלא שמע מינה אשרי האיש ולמה רגשו גוים חדא פרשה היא
30 Es sind ja nicht hundertdrei, sondern hundertvier!? Hieraus ist somit zu entnehmen, daß [der Psalm] <i>Heil dem Manne</i> und [der Psalm] <i>Warum toben die Völker</i> ein Abschnitt sind.
לא דאמר ר' שמואל בר נחמני אמר רבי יוחנן
31 Ebenso sagte R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Joḥanans: