Berakhot 29

Kapitel 29

א יפנה ויטול ידיו ויניח תפילין ויקרא ק"ש ויתפלל וזו היא מלכות שמים שלמה
1 verrichte die Notdurft, wasche die Hände, lege die Tephillin an, lese das Šema͑ und bete. Dies ist das Joch der himmlischen Herrschaft in seiner Vollkommenheit.
ב א"ר חייא בר אבא א"ר יוחנן כל הנפנה ונוטל ידיו ומניח תפילין וקורא ק"ש ומתפלל מעלה עליו הכתוב כאלו בנה מזבח והקריב עליו קרבן דכתיב (תהלים כו, ו) ארחץ בנקיון כפי ואסובבה את מזבחך ה' א"ל רבא לא סבר לה מר כאילו טבל דכתיב ארחץ [בנקיון] ולא כתב ארחיץ [כפי]
2 R. Ḥija b. Abba sagte im Namen des R. Joḥanan: Wer seine Notdurft verrichtet, die Hände wäscht, die Tephillin anlegt, das Šema͑ liest und betet, dem rechnet die Schrift es an, als hätte er einen Altar errichtet und darauf ein Opfer dargebracht, denn es heißt: <i>ich wasche meine Hände rein und umkreise deinen Altar, o Herr</i>. Raba sprach zu ihm: Glaubt der Meister nicht, daß dies auch ebenso sei, als hätte er untergetaucht, weil es <i>ich wasche</i> heißt und nicht <i>ich begieße</i>?
ג א"ל רבינא לרבא חזי מר האי צורבא מרבנן דאתא ממערבא ואמר מי שאין לו מים לרחוץ ידיו מקנח ידיו בעפר ובצרור ובקסמית
3 Rabina sprach zu Raba: Hat der Herr den Gelehrten jünger gesehen, der aus dem Westen kam und gesagt hat, wer kein Wasser zum Waschen der Hände hat, reibe seine Hände mit Sand, Kies oder Spänen ab?
ד א"ל שפיר קאמר מי כתיב ארחץ במים בנקיון כתיב כל מידי דמנקי דהא רב חסדא לייט אמאן דמהדר אמיא בעידן צלותא
4 Dieser erwiderte: Er hat recht, denn es heißt nicht: <i>ich wasche mit Wasser</i>, vielmehr heißt es: <i>ich wasche rein</i>, mit allem, was reinigt. So fluchte auch R. Ḥisda demjenigen, der zur Zeit des Gebetes nach Wasser suchte.
ה והני מילי לק"ש אבל לתפלה מהדר ועד כמה עד פרסה והנ"מ לקמיה אבל לאחוריה אפילו מיל אינו חוזר [ומינה] מיל הוא דאינו חוזר הא פחות ממיל חוזר:
5 Dies gilt aber nur vom Šema͑lesen, zum Beten suche man wohl darnach. – Wie weit? – Eine Parasange weit. Dies jedoch nur vorwärts, zurück aber braucht man nicht einmal ein Mil umzukehren. – Ein Mil braucht man nicht umzukehren, weniger als ein Mil aber kehre man wohl um.
ו <big><strong>מתני׳</strong></big> הקורא את שמע ולא השמיע לאזנו יצא ר' יוסי אומר לא יצא
6 <b>W</b><small>ER DAS</small> Š<small>EMA͑ LIEST, OHNE ES SEINEM</small> O<small>HRE HÖRBAR ZU MACHEN, GENÜGT SEINER</small> P<small>FLICHT</small>; R. J<small>OSE SAGT, ER GENÜGE IHR NICHT</small>.
ז קרא ולא דקדק באותיותיה ר' יוסי אומר יצא רבי יהודה אומר לא יצא
7 W<small>ER ES GELESEN UND DIE</small> B<small>UCHSTABEN NICHT GENAU AUSGESPROCHEN HAT, HAT, WIE</small> R. J<small>OSE SAGT, SEINER</small> P<small>FLICHT GENÜGT, UND WIE</small> R. J<small>EHUDA SAGT, IHR NIGHT GENÜGT</small>.
ח הקורא למפרע לא יצא קרא וטעה יחזור למקום שטעה:
8 W<small>ER RÜCKWÄRTS LIEST, GENÜGT SEINER</small> P<small>FLICHT NIGHT</small>. W<small>ER GELESEN UND SICH VERIRRT HAT, FANGE VON DER</small> S<small>TELLE WIEDER AN, WO ER SICH VERIRRT HAT</small>.
ט <big><strong>גמ׳</strong></big> מאי טעמא דר' יוסי משום דכתיב שמע השמע לאזנך מה שאתה מוציא מפיך ות"ק סבר שמע בכל לשון שאתה שומע
9 GEMARA. Was ist der Grund des R. Jose? – Weil es <i>höre</i> heißt; laß deine Ohren hören, was du aus deinem Munde hervorbringst. – Und der erste Tanna!? – Er erklärt das Wort <i>höre</i>: in jeder Sprache, die du verstehst. –
י ור' יוסי תרתי שמע מינה.
10 Und R. Jose!? – Hieraus ist beides zu entnehmen.
יא תנן התם חרש המדבר ואינו שומע לא יתרום ואם תרם תרומתו תרומה
11 Dort haben wir gelernt: Ein Tauber, der sprechen und nicht hören kann, darf die Hebe nicht abheben; hat er sie abgehoben, so ist seine Hebe gültig.
יב מאן תנא חרש המדבר ואינו שומע דיעבד אין לכתחלה לא
12 Wer lehrt, daß [die Verrichtung] eines Tauben, der sprechen und nicht hören kann, gültig ist, wenn sie bereits geschehen ist, nicht aber von vornherein?
יג אמר רב חסדא ר' יוסי היא דתנן הקורא את שמע ולא השמיע לאזנו יצא דברי רבי יהודה ר' יוסי אומר לא יצא
13 R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Jose, denn wir haben gelernt: Wer das Šema͑ liest, ohne es seinem Ohre hörbar zu machen, genügt seiner Pflicht – so R. Jehuda; R. Jose sagt, er genüge ihr nicht.
יד עד כאן לא קאמר ר' יוסי לא יצא אלא גבי ק"ש דאורייתא אבל תרומה משום ברכה הוא וברכה דרבנן ולא בברכה תליא מילתא
14 Nur hier, beim Šema͑lesen, sagt R. Jose, daß er seiner Pflicht nicht genüge, weil es [ein Gebot] der Tora ist, bei der Hebe aber handelt es sich ja nur um den Segensspruch, der ein rabbanitisches [Gebot] ist, während die Sache selbst vom Segensspruch nicht abhängt. –
טו וממאי דר' יוסי היא דילמא ר' יהודה היא ואמר גבי ק"ש נמי דיעבד אין לכתחלה לא תדע דקתני הקורא דיעבד אין לכתחלה לא
15 Woher, daß sie die Ansicht R. Joses vertritt, vielleicht die des R. Jehuda, und auch er ist der Ansicht, daß man beim Šema͑lesen nur dann seiner Pflicht genügt hat, wenn es bereits geschehen ist, nicht aber von vornherein!? Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt ‘liest’, wenn es bereits geschieht, von vornherein aber nicht. –
טז אמרי האי דקתני הקורא להודיעך כחו דר' יוסי דאמר דיעבד נמי לא דאי ר' יהודה אפי' לכתחלה נמי יצא
16 Ich will dir sagen, er lehrt deshalb ‘liest’, um dir die entgegengesetzte Ansicht R. Joses hervorzuheben, welcher sagt, auch wenn es bereits geschehen, habe man seiner Pflicht nicht genügt. Nach R. Jehuda aber hat man auch von vornherein seiner Pflicht genügt.
יז במאי אוקימתא כר' יוסי ואלא הא דתניא לא יברך אדם בהמ"ז בלבו ואם בירך
17 Du addizierst sie also R. Jose; wie ist es nun mit folgender Lehre: Man lese den Tischsegen nicht im Herzen; hat man ihn bereits gelesen, so hat man seiner Pflicht genügt.
יח יצא מני לא ר' יוסי ולא ר' יהודה דאי ר' יהודה הא אמר לכתחלה נמי יצא אי ר' יוסי דיעבד נמי לא
18 Wer [ist der Autor]? Weder R. Jose noch R. Jehuda: nach R. Jehuda genügt man seiner Pflicht auch von vornherein, und nach R. Jose nicht, auch wenn bereits geschehen!? –
יט אלא מאי ר' יהודה ודיעבד אין לכתחלה לא
19 Also nach R. Jehuda, und zwar nur dann, wenn bereits geschehen, nicht aber von vornherein;
כ אלא הא דתני ר' יהודה בריה דרבי שמעון בן פזי חרש המדבר ואינו שומע תורם לכתחלה מני
20 wie ist es nun mit der folgenden Lehre R. Jehudas, Sohnes des R. Šimo͑n b. Pazi: Ein Tauber, der sprechen und nicht hören kann, darf von vornherein die Hebe abheben. Wer [ist dieser Ansicht]?
כא לא ר' יהודה ולא ר' יוסי אי ר' יהודה הא אמר דיעבד אין לכתחלה לא אי ר' יוסי הא אמר דיעבד נמי לא
21 Weder R. Jehuda noch R. Jose: R. Jehuda ist ja der Ansicht, nur wenn bereits geschehen, nicht aber von vornherein, und R. Jose ist ja der Ansicht, auch nicht, wenn bereits geschehen!?
כב אלא לעולם רבי יהודה ואפי' לכתחלה נמי ולא קשיא הא דידיה הא דרביה דתנן רבי יהודה אומר משום ר' אלעזר בן עזריה הקורא את שמע צריך שישמיע לאזנו שנאמר (דברים ו, ד) שמע ישראל ה' אלהינו ה' אחד אמר ליה רבי מאיר הרי הוא אומר אשר אנכי מצוך היום על לבבך אחר כונת הלב הן הן הדברים
22 Vielmehr, tatsächlich nach R. Jehuda, und zwar auch von vornherein, dennoch ist hier nichts einzuwenden; das Eine vertritt seine Ansicht, das Andere die seines Lehrers. Wir haben nämlich gelernt: R. Jehuda sagt im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja: Wer das Šema͑ liest, muß es seinem Ohre hörbar machen, denn es heißt: <i>höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig</i>. R. Meír sprach zu ihm: Es heißt: <i>das ich dir heute befehle, sei in deinem Herzen</i>, es kommt auf die Intensität des Herzens an.
כג השתא דאתית להכי אפילו תימא רבי יהודה כרביה סבירא ליה ולא קשיא הא רבי מאיר הא רבי יהודה.
23 Jetzt nun, wo du darauf gekommen bist, kannst du auch sagen, R. Jehuda sei der Ansicht seines Lehrers, dennoch ist hier nichts einzuwenden, denn das Eine vertritt die Ansicht R. Meírs und das Andere die des R. Jehuda.
כד תנן התם הכל כשרים לקרות את המגילה חוץ מחרש שוטה וקטן ורבי יהודה מכשיר בקטן
24 Dort haben wir gelernt: Jeder ist zulässig, die Esterrolle vorzulesen, ausgenommen der Taube, der Blöde und der Minderjährige; nach R. Jehuda ist der Minderjährige zulässig.
כה מאן תנא חרש דיעבד נמי לא אמר רב מתנה רבי יוסי היא דתנן הקורא את שמע ולא השמיע לאזנו יצא דברי ר' יהודה רבי יוסי אומר לא יצא
25 Wer lehrt, daß es beim Tauben ungültig ist, auch wenn bereits geschehen? R. Mathna erwiderte: Sie ist von R. Jose, denn wir haben gelernt: Wer das Šema͑ liest, ohne es seinem Ohre hörbar zu machen, genügt seiner Pflicht – so R. Jehuda; R. Jose sagt, er genüge ihr nicht.
כו ממאי דרבי יוסי היא ודיעבד נמי לא
26 Woher, daß sie von R. Jose ist, wenn bereits geschehen,