Berakhot 30

Kapitel 30

א דילמא רבי יהודה היא ולכתחלה הוא דלא הא דיעבד שפיר דמי
1 vielleicht von R. Jehuda, und nur von vornherein ist dies verboten, wenn aber bereits geschehen, so ist es gültig!? –
ב לא ס"ד דקתני חרש דומיא דשוטה וקטן מה שוטה וקטן דיעבד נמי לא אף חרש דיעבד נמי לא
2 Dies ist nicht einleuchtend, denn er lehrt ja vom Tauben gleichlautend, wie vom Blöden und vom Minderjährigen, wie es beim Blöden und Minderjährigen ungültig ist, auch wenn bereits geschehen, ebenso auch beim Tauben, wenn bereits geschehen. –
ג ודילמא הא כדאיתא והא כדאיתא
3 Vielleicht aber bei diesem so und bei jenen anders!? –
ד ומי מצית לאוקמה כרבי יהודה והא מדקתני סיפא רבי יהודה מכשיר בקטן מכלל דרישא לאו רבי יהודה היא
4 Du kannst sie überhaupt nicht R. Jehuda addizieren, denn da der Schlußsatz lehrt, nach R. Jehuda sei der Minderjährige zulässig, so ist ja der Anfangssatz nicht R. Jehuda zu addizieren. –
ה ודילמא כולה ר' יהודה היא ותרי גווני קטן וחסורי מחסרא והכי קתני הכל כשרין לקרות את המגילה חוץ מחש"ו בד"א בקטן שלא הגיע לחנוך אבל קטן שהגיע לחנוך אפילו לכתחלה כשר דברי רבי יהודה שרבי יהודה מכשיר בקטן
5 Vielleicht ist die ganze [Lehre] von R. Jehuda, jedoch spricht sie von zweierlei Minderjährigen, und zwar ist sie lückenhaft und muß wie folgt lauten: Jeder ist zulässig, die Esterrolle vorzulesen, ausgenommen der Taube, der Blöde und der Minderjährige; dies gilt jedoch nur von einem Minderjährigen, der für die Einübung noch nicht reif ist, ein Minderjähriger aber, der für die Einübung reif ist, ist von vornherein zulässig – so R. Jehuda, denn nach R. Jehuda, ist der Minderjährige zulässig!? –
ו במאי אוקימתא כר"י ודיעבד אין לכתחלה לא אלא הא דתני ר"י בריה דר' שמעון בן פזי חרש המדבר ואינו שומע תורם לכתחלה
6 Du addizierst sie also R. Jehuda, und zwar, wenn bereits geschehen, nicht aber von vornherein, wie ist es demnach mit folgender Lehre R. Jehudas, Sohnes des R. Šimo͑n b. Pazi: Ein Tauber, der sprechen und nicht hören kann, darf von vornherein die Hebe abheben.
ז מני לא ר' יהודה ולא ר' יוסי אי ר' יהודה דיעבד אין לכתחלה לא אי ר' יוסי דיעבד נמי לא
7 Wer [ist der Autor]? Weder R. Jehuda noch R. Jose: nach R. Jehuda gilt es ja nur dann, wenn bereits geschehen, nicht aber von vornherein, und nach R. Jose nicht, auch wenn bereits geschehen!? –
ח אלא מאי ר' יהודה ואפילו לכתחלה נמי אלא הא דתניא לא יברך אדם ברכת המזון בלבו ואם בירך יצא מני
8 Also nach R. Jehuda, und zwar auch von vornherein; – wie ist es nun mit folgender Lehre: Man lese den Tischsegen nicht im Herzen; hat man ihn bereits gelesen, so hat man seiner Pflicht genügt. Wer [ist der Autor]?
ט לא ר' יהודה ולא ר' יוסי אי רבי יהודה הא אמר אפי' לכתחלה נמי ואי ר' יוסי הא אמר אפי' דיעבד נמי לא
9 Weder R. Jehuda noch R. Jose: nach R. Jehuda gilt es ja auch von vornherein, und nach R. Jose nicht auch, wenn bereits geschehen!? –
י לעולם ר' יהודה היא ואפילו לכתחלה נמי ולא קשיא הא דידיה הא דרביה דתניא א"ר יהודה משום ר' אלעזר בן עזריה הקורא את שמע צריך שישמיע לאזנו שנאמר שמע ישראל אמר לו ר' מאיר הרי הוא אומר אשר אנכי מצוך היום על לבבך אחר כונת הלב הן הן הדברים
10 Vielmehr tatsächlich nach R. Jehuda und zwar auch von vornherein, dennoch ist hier nichts einzuwenden; das Eine vertritt seine Ansicht, das Andere die seines Lehrers. Es wird nämlich gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja: Wer das Šema͑ liest, muß es seinem Ohre hörbar machen, denn es heißt: <i>höre Jisraél</i>. R. Meír sprach zu ihm: Es heißt: <i>das ich dir heute befehle, sei in deinem Herzen</i>, die Worte hängen also von der Intensität des Herzens ab.
יא השתא דאתית להכי אפי' תימא ר' יהודה כרביה ס"ל ולא קשיא הא ר' יהודה הא רבי מאיר
11 Jetzt, wo du darauf gekommen bist, kannst du auch sagen, R. Jehuda sei der Ansicht seines Lehrers, dennoch ist hier nichts einzuwenden, denn das Eine vertritt die Ansicht R. Jehudas und das Andere die des R. Meír.
יב א"ר חסדא אמר רב שילא הלכה כרבי יהודה שאמר משום רבי אלעזר בן עזריה והלכה כרבי יהודה
12 R. Ḥisda lehrte im Namen R. Šilas. Die Halakha ist wie R. Jehuda im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja und wie R. Jehuda selbst.
יג וצריכא דאי אשמעינן הלכה כר' יהודה הוה אמינא אפילו לכתחלה קמ"ל הלכה כר' יהודה שאמר משום ר' אלעזר בן עזריה
13 Und beides ist nötig. Hätte er nur gelehrt, die Halakha sei wie R. Jehuda, so könnte man glauben, auch von vornherein, daher lehrt er auch, die Halakha sei wie R. Jehuda im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja;
יד ואי אשמעינן הלכה כרבי יהודה שאמר משום ר' אלעזר בן עזריה הוה אמינא צריך ואין לו תקנה קמ"ל הלכה כרבי יהודה
14 und hätte er nur gelehrt, die Halakha sei wie R. Jehuda im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja, so könnte man glauben, ‘muß’, es gäbe keine Gutmachung, daher lehrt er auch, die Halakha sei wie R. Jehuda.
טו אמר רב יוסף מחלוקת בק"ש אבל בשאר מצות דברי הכל לא יצא דכתיב (דברים כז, ט) הסכת ושמע ישראל
15 R. Joseph sagte: Der Streit [besteht nur] über das Šema͑lesen, bezüglich anderer Gebote aber stimmen alle überein, daß man seiner Pflicht nicht genüge, denn es heißt: <i>merke auf und höre, Jisraél</i>.
טז מיתיבי לא יברך אדם ברכת המזון בלבו ואם בירך יצא אלא אי אתמר הכי אתמר אמר רב יוסף מחלוקת בק"ש דכתיב שמע ישראל אבל בשאר מצות דברי הכל יצא
16 Man wandte ein: Man lese den Tischsegen nicht im Herzen; hat man ihn bereits gelesen, so hat man seiner Pflicht genügt!? – Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: R. Joseph sagte: Der Streit [besteht nur] über das Šema͑lesen, denn es heißt: <i>höre Jisraél</i>, bezüglich anderer Gebote aber stimmen alle überein, daß man seiner Pflicht genüge. –
יז והכתיב הסכת ושמע ישראל
17 Es heißt ja aber: <i>merke auf und höre, Jisraél</i>!? –
יח ההוא בדברי תורה כתיב:
18 Dies bezieht sich auf Worte der Tora.
יט קרא ולא דקדק באותיותיה:
19 W<small>ER GELESEN UND DIE</small> B<small>UCHSTABEN NICHT GENAU AUSGESPROCHEN HAT</small>.
כ א"ר טבי א"ר יאשיה הלכה כדברי שניהם להקל:
20 R. Ṭabi sagte im Namen R. Jošijas: Die Halakha ist wie die erleichternde Ansicht beider.
כא וא"ר טבי א"ר יאשיה מאי דכתיב (משלי ל, טו) שלש הנה לא תשבענה שאול ועוצר רחם וכי מה ענין שאול אצל רחם אלא לומר לך מה רחם מכניס ומוציא אף שאול מכניס ומוציא
21 Ferner sagte R. Ṭabi im Namen R. Jošijas: Es heißt: <i>drei sind unersättlich: das Grab und der verschlossene Mutterschoß</i>; welcher Zusammenhang besteht zwischen Grab und Mutterschoß? Um dir zu sagen: wie der Mutterschoß aufnimmt und zurückgibt, ebenso nimmt das Grab und gibt zurück.
כב והלא דברים ק"ו ומה רחם שמכניסין בו בחשאי מוציאין ממנו בקולי קולות שאול שמכניסין בו בקולי קולות אינו דין שמוציאין ממנו בקולי קולות מכאן תשובה לאומרים אין תחיית המתים מן התורה:
22 Nun ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn der Mutterschoß, der geheim aufnimmt, unter Lärmen zurückgibt, um wieviel mehr sollte nicht das Grab, das unter Lärmen aufnimmt, erst recht unter Lärmen zurückgeben. Hieraus eine Widerlegung derer, die behaupten, die Auferstehung der Toten sei in der Tora nicht [nachweisbar].
כג תני ר' אושעיא קמיה דרבא וכתבתם הכל בכתב אפילו צואות
23 R. Oša͑ja rezitierte vor Raba: <i>Du sollst sie schreiben</i>; alles ist zu schreiben, selbst die Befehlsausdrücke.
כד א"ל דאמר לך מני ר' יהודה היא דאמר גבי סוטה אלות כותב צואות אינו כותב והתם הוא דכתיב (במדבר ה, כג) וכתב את האלות האלה אבל הכא דכתיב וכתבתם אפי' צואות נמי
24 Jener sprach zu ihm: Dies hast du wohl von R. Jehuda, welcher sagt, man schreibe bei einer Ehebruchverdächtigten nur die Flüche und nicht die Befehlsausdrücke. Nur da, weil es ausdrücklich heißt: <i>er soll diese Flüche schreiben</i>, hier aber heißt es: <i>du sollst sie schreiben</i>, auch die Befehlsausdrücke.
כה אטו טעמיה דר' יהודה משום דכתיב וכתב טעמיה דר' יהודה משום דכתיב אלות אלות אין צואות לא
25 Aber der Grund R. Jehudas ist ja nicht, weil es <i>er soll schreiben</i> heißt, sein Grund ist vielmehr, weil es <i>Flüche</i> heißt: nur die Flüche, nicht aber die Befehlsausdrücke. –
כו אצטריך סד"א נילף כתיבה כתיבה מהתם מה התם אלות אין צואות לא אף הכא נמי צואות לא כתב רחמנא וכתבתם אפי' צואות:
26 Dies ist nötig. Man könnte glauben, es sei durch [das Wort] <i>schreiben</i> von dort zu folgern, wie dort nur die Flüche, nicht aber die Befehlsausdrücke, ebenso auch hier nicht die Befehlsausdrücke, daher schrieb der Allbarmherzige: <i>du sollst sie schreiben</i>, auch die Befehlsausdrücke.
כז תני רב עובדיה קמיה דרבא ולמדתם שיהא למודך תם שיתן ריוח בין הדבקים
27 R. O͑badja rezitierte vor Raba: <i>Ihr sollt sie lehren</i>, die Lehre sei ganz; man mache eine Pause zwischen Worten, die sich einander anschließen.
כח עני רבא בתריה כגון על לבבך על לבבכם בכל לבבך בכל לבבכם עשב בשדך ואבדתם מהרה הכנף פתיל אתכם מארץ
28 Raba ergänzte ihm: Zum Beispiel: <i>a͑l-lebabkha, a͑l-lebabkhem, bekhol-lebabkha, bekhol-lebabkhem, e͑seb-besadkha, vaábadtem-mehera, hakanaph-pethil, ethkhem-meéreç</i>.
כט א"ר חמא ברבי חנינא כל הקורא ק"ש ומדקדק באותיותיה מצננין לו גיהנם שנאמר (תהלים סח, טו) בפרש שדי מלכים בה תשלג בצלמון אל תקרי בפרש אלא בפרש אל תקרי בצלמון אלא בצלמות:
29 R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Wer das Šema͑ liest und dessen Buchstaben genau ausspricht, dem kühlt man das Fegefeuer, denn es heißt: <i>wenn der Allmächtige Könige zerstreut, da schneite es auf Çalmon</i>; man lese nicht <i>bephares [zerstreut]</i>, sondern <i>bephareš [Sondern]</i>, und man lese nicht <i>beçalmon</i>, sondern <i>beçalmaveth [Totenreich]</i>.
ל ואמר רבי חמא ברבי חנינא למה נסמכו
30 Ferner sagte R. Ḥama b. Ḥanina: