Berakhot 31

Kapitel 31

א אהלים לנחלים דכתיב (במדבר כד, ו) כנחלים נטיו כגנות עלי נהר כאהלים נטע וגו' לומר לך מה נחלים מעלין את האדם מטומאה לטהרה אף אהלים מעלין את האדם מכף חובה לכף זכות:
1 Zelte und Bäche stehen deshalb nebeneinander, wie es heißt: <i>wie Bäche sich hinstrecken, wie Gärten am Fluß, wie Zelte auf geschlagen</i> <i>&amp;c.</i>, um dir zu sagen: wie die Bäche den Menschen aus Unreinheit in Reinheit bringen, so bringen auch die Zelte den Menschen aus der Wagschale der Schuld in die Wagschale des Verdienstes.
ב הקורא למפרע לא יצא וכו':
2 W<small>ER RÜCKWÄRTS LIEST, GENÜGT SEINER</small> P<small>FLICHT NICHT</small>.
ג רבי אמי ורבי אסי הוו קא קטרין ליה גננא לר' אלעזר אמר להו אדהכי והכי איזיל ואשמע מלתא דבי מדרשא ואיתי ואימא לכו אזל אשכחיה לתנא דקתני קמיה דר' יוחנן
3 R. Ami und R. Asi errichteten für R. Elea͑zar einen Hochzeitsbaldachin, und er sprach zu ihnen: Mittlerweile will ich ins Lehrhaus gehen, um etwas zu hören; dann komme ich zurück und sage es euch. Da ging er hin und traf einen Schüler vor R. Joḥanan rezitieren:
ד קרא וטעה ואינו יודע להיכן טעה באמצע הפרק יחזור לראש בין פרק לפרק יחזור לפרק ראשון בין כתיבה לכתיבה יחזור לכתיבה ראשונה
4 Wer beim Šema͑lesen sich verirrt und nicht weiß, an welcher Stelle er sich verirrt hat, beginne wieder, falls es in der Mitte des Absatzes geschehen, mit dem Anfang des Absatzes, falls zwischen zwei Absätzen, mit dem ersteren Absätze, und wenn zwischen den beiden [Sätzen] vom Schreiben, mit dem ersten.
ה אמר ליה ר' יוחנן לא שנו אלא שלא פתח בלמען ירבו ימיכם אבל פתח בלמען ירבו ימיכם סרכיה נקט ואתי
5 R. Joḥanan rief ihm zu: Sie lehrten dies nur von dem Falle, wenn er [den Satz:] <i>damit sich mehren euere Tage</i>, noch nicht begonnen, hat er ihn aber begonnen, so wird er wohl gewohnheitsmäßig fortgesetzt haben.
ו אתא ואמר להו אמרו ליה אלו לא באנו אלא לשמוע דבר זה דיינו:
6 Als er zurück kam und es ihnen sagte, sprachen sie zu ihm: Wären wir gekommen, nur um diese Sache zu hören, so hätten wir genug.
ז <big><strong>מתני׳</strong></big> האומנין קורין בראש האילן ובראש הנדבך מה שאינן רשאין לעשות כן בתפלה
7 <b>H</b><small>ANDWERKER DÜRFEN AUF DER</small> S<small>PITZE DES</small> B<small>AUMES UND AUF DER</small> H<small>ÖHE DES</small> G<small>ERÜSTES DAS</small> Š<small>EMA͑ LESEN, NICHT ABER SO DAS</small> G<small>EBET VERRICHTEN</small>.
ח חתן פטור מק"ש לילה הראשונה ועד מוצאי שבת אם לא עשה מעשה ומעשה בר"ג שנשא אשה וקרא לילה הראשונה אמרו לו תלמידיו למדתנו רבינו שחתן פטור מק"ש אמר להם איני שומע לכם לבטל הימני מלכות שמים אפי' שעה אחת:
8 D<small>ER</small> B<small>RÄUTIGAM IST IN DER ERSTEN</small> N<small>ACHT, UND FALLS ER DEN</small> A<small>KT NOCH NICHT VOLLZOGEN HAT, BIS ZUM</small> Š<small>ABBATHAUSGANGE, VOM</small> Š<small>EMAA͑LESEN BEFREIT</small>. A<small>LS EINST</small> R. G<small>AMLIÉL, ALS ER EINE</small> F<small>RAU NAHM, IN DER ERSTEN</small> N<small>ACHT DAS</small> Š<small>EMA͑ LAS, SPRACHEN SEINE</small> S<small>CHÜLER ZU IHM</small>: M<small>EISTER, DU HAST UNS JA GELEHRT, EIN</small> B<small>RÄUTIGAM SEI VOM</small> Š<small>EMA͑LESEN BEFREIT</small>. E<small>R ERWIDERTE IHNEN</small>: I<small>CH GEBE EUCH NICHT NACH, DAS HLMMLISCHE</small> J<small>OCH AUCH NUR EINE</small> S<small>TUNDE VON MIR ABZULEGEN</small>.
ט <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר האומנין קורין בראש האילן ובראש הנדבך ומתפללין בראש הזית ובראש התאנה ושאר כל האילנות יורדים למטה ומתפללין ובעל הבית בין כך ובין כך יורד למטה ומתפלל לפי שאין דעתו מיושבת עליו
9 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Handwerker dürfen auf der Spitze des Baumes und auf der Höhe des Gerüstes das Šema͑ lesen, sowie auf der Spitze des Olivenbaumes und des Feigenbaumes beten; von allen anderen Bäumen müssen sie herabsteigen und beten. Der Hausherr hingegen muß in jedem Falle herabsteigen und beten, weil seine Gedanken zerstreut sind.
י רמי ליה רב מרי ברה דבת שמואל לרבא תנן האומנין קורין בראש האילן ובראש הנדבך אלמא לא בעי כונה ורמינהי הקורא את שמע צריך שיכוין את לבו שנאמר שמע ישראל ולהלן הוא אומר (דברים כז, ט) הסכת ושמע ישראל מה להלן בהסכת אף כאן בהסכת
10 R. Mari, Sohn der Tochter Šemuéls, wies Raba auf einen Widerspruch hin: Wir haben gelernt, Handwerker dürfen auf der Spitze des Baumes und auf der Höhe des Gerüstes das Šema͑ lesen, wonach die Intensität nicht erforderlich ist, und dem widersprechend wird gelehrt: Wer das Šema͑ liest, muß sein Herz darauf richten, denn hier heißt es: <i>höre Jisraél</i> und dort heißt es: <i>merke auf und höre, Jisraél</i>, wie dort mit Aufmerksamkeit, so auch hier mit Aufmerksamkeit.
יא אשתיק א"ל מידי שמיע לך בהא א"ל הכי אמר רב ששת והוא שבטלין ממלאכתן וקורין
11 Dieser schwieg. Hierauf sprach er zu ihm: Hast du etwas hierüber gehört? Jener erwiderte: Folgendes sagte R. Šešeth, nur wenn sie die Arbeit unterbrechen und lesen. –
יב והתניא בית הלל אומרים עוסקין במלאכתן וקורין
12 Es wird ja aber gelehrt: Die Schule Hillels sagt, sie verrichten ihre Arbeit und lesen!? –
יג לא קשיא הא בפרק ראשון הא בפרק שני
13 Das ist kein Einwand; dies vom ersten und jenes vom zweiten Absätze.
יד ת"ר הפועלים שהיו עושין מלאכה אצל בעל הבית קורין ק"ש ומברכין לפניה ולאחריה ואוכלין פתן ומברכין לפניה ולאחריה ומתפללין תפלה של שמונה עשרה אבל אין יורדין לפני התיבה ואין נושאין כפיהם
14 Die Rabbanan lehrten: Arbeiter, die für den Hausherrn Arbeit verrichten, lesen das Šema͑ samt den vorangehenden und folgenden Segenssprüchen, essen ihr Brot und lesen vor und nachher die Segenssprüche und beten das Achtzehngebet; sie dürfen aber nicht vor das Vorbetpult treten noch die Hände [zum Priestersegen] erheben.
טו והתניא מעין י"ח אמר רב ששת לא קשיא הא ר"ג הא ר' יהושע
15 Es wird ja aber gelehrt, daß sie nur den Auszug des Achtzehngebetes beten!? R. Šešeth erwiderte: Das ist kein Einwand; das Eine nach R. Gamliél und das Andere nach R. Jehošua͑.
טז אי ר' יהושע מאי איריא פועלים אפילו כל אדם נמי
16 Wieso spricht er, wenn nach R. Jehošua͑, von Arbeitern, dies gilt ja [nach ihm] auch von jedem Menschen!? –
יז אלא אידי ואידי ר"ג ולא קשיא כאן בעושין בשכרן כאן בעושין בסעודתן
17 Vielmehr, beides nach R. Gamliél, dennoch ist dies kein Widerspruch; das Eine, wenn sie für Lohn, das Andere, wenn sie nur für das Essen arbeiten.
יח והתניא הפועלים שהיו עושים מלאכה אצל בעל הבית קורין ק"ש ומתפללין ואוכלין פתן ואין מברכים לפניה אבל מברכין לאחריה שתים כיצד ברכה ראשונה כתקונה שניה פותח בברכת הארץ וכוללין בונה ירושלים בברכת הארץ
18 So wird auch gelehrt: Arbeiter, die für den Hausherrn Arbeit verrichten, lesen das Šema͑, beten und essen ihr Brot, lesen aber vorher keinen Segensspruch und nachher nur zwei, und zwar, den ersten Segensspruch vorschriftsmäßig, während der zweite mit dem Segen über das Land begonnen wird, in den man [den Segen] ‘Erbauer Jerušalems’ einschalte.
יט במה דברים אמורים בעושין בשכרן אבל עושין בסעודתן או שהיה בעל הבית מיסב עמהן מברכין כתיקונה:
19 Diese Worte gelten nur, wenn sie für Lohn arbeiten; arbeiten sie aber nur für das Essen, oder speist der Hausherr mit ihnen, so lesen sie [alle] Segenssprüche vorschriftsmäßig.
כ חתן פטור מק"ש: תנו רבנן בשבתך בביתך פרט לעוסק במצוה ובלכתך בדרך פרט לחתן מכאן אמרו הכונס את הבתולה פטור ואת האלמנה חייב
20 D<small>ER</small> B<small>RÄUTIGAM IST VOM</small> Š<small>EMA͑LESEN BEFREIT</small>. Die Rabbanan lehrten: <i>Wenn du in deinem Hause sitzest</i>, ausgenommen derjenige, der sich mit der Ausübung eines Gebotes befaßt; <i>wenn du auf dem Wege gehst</i>, ausgenommen der Bräutigam. Hieraus folgerten die Weisen: wer eine Jungfrau ehelicht, ist frei, wer eine Witwe, ist verpflichtet.
כא מאי משמע אמר רב פפא כי דרך מה דרך רשות אף הכא נמי רשות
21 Wieso ist dies erwiesen? R. Papa erwiderte: Aus [dem Worte] <i>Weg</i>; wie der Weg Freigestelltes ist, so auch [bei allem anderen], was freigestellt. –
כב מי לא עסקינן דקאזיל לדבר מצוה ואפילו הכי אמר רחמנא ליקרי
22 Es kann ja auch vorkommen, daß einer zur Ausübung eines Gebotes geht, dennoch sagt der Allbarmherzige, daß er das Šema͑ lese!? –
כג אם כן לימא קרא בלכת מאי בלכתך שמע מינה בלכת דידך הוא דמחייבת הא דמצוה פטירת
23 Demnach müßte der Schriftvers lauten ‘beim Gehen’, wenn es aber heißt: wenn du gehst, [so bedeutet dies:] wenn du für dich gehst, bist du verpflichtet, wenn aber zur Ausübung eines Gebotes, bist du befreit. –