Berakhot 4

Kapitel 4

א דילמא ביאת אורו הוא ומאי וטהר טהר גברא
1 vielleicht ist hier das Schwinden des Sonnenlichtes und (was heißt: <i>er ist rein</i>?) das Reinwerden der Person zu verstehen?
ב אמר רבה בר רב שילא אם כן לימא קרא ויטהר מאי וטהר טהר יומא כדאמרי אינשי איערב שמשא ואדכי יומא.
2 Rabba b. R. Šila erwiderte: Demnach hätte die Schrift sagen sollen: <i>er soll rein werden</i>; unter: <i>er ist rein</i> [verstehe man] das Reinsein des Tages. So spricht auch das Volk: die Sonne ist untergegangen, der Tag ist gesäubert.
ג במערבא הא דרבה בר רב שילא לא שמיע להו ובעו לה מיבעיא האי ובא השמש ביאת שמשו הוא ומאי וטהר טהר יומא או דילמא ביאת אורו הוא ומאי וטהר טהר גברא
3 Im Westen hatten sie von der Erklärung des Rabba b. R. Šila nicht gehört und stellten folgende Frage: <i>Wenn die Sonne untergegangen</i>; ist hier der [völlige] Untergang der Sonne und (was heißt: <i>er ist rein</i>?) das Reinsein des Tages, oder aber das Schwinden des Sonnenlichtes und (was heißt: <i>er ist rein</i>?) das Reinwerden der Person zu verstehen?
ד והדר פשטו לה מברייתא מדקתני בברייתא סימן לדבר צאת הכוכבים שמע מינה ביאת שמשו הוא ומאי וטהר טהר יומא:
4 Sie entschieden dies nachher aus einer Barajtha. Eine Barajtha lehrt: Ein Zeichen dafür ist das Hervortreten der Sterne. Schließe daraus, daß hier der [völlige] Untergang der Sonne und (was heißt: <i>er ist rein</i>?) das Reinsein des Tages zu verstehen ist.
ה אמר מר משעה שהכהנים נכנסין לאכול בתרומתן ורמינהו מאימתי קורין את שמע בערבין משהעני נכנס לאכול פיתו במלח עד שעה שעומד ליפטר מתוך סעודתו.
5 Der Meister sagte: Von der Stunde an, da die Priester eintreten, von ihrer Hebe zu essen. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Von wann an liest man das Šema͑ am Abend? – von der Stunde an, da der Arme eintritt, sein Brot mit Salz zu essen, bis zur Stunde, da er aufsteht, sich von seiner Mahlzeit zu entfernen.
ו סיפא ודאי פליגא אמתניתין. רישא מי לימא פליגא אמתניתין.
6 Der Schlußsatz widerspricht entschieden unserer Mišna; ist aber anzunehmen, daß auch der Anfangssatz unserer Mišna widerspricht? –
ז לא עני וכהן חד שיעורא הוא.
7 Nein, der Arme und der Priester haben eine Zeit.
ח ורמינהו מאימתי מתחילין לקרות קריאת שמע בערבית משעה שבני אדם נכנסין לאכול פתן בערבי שבתות דברי רבי מאיר וחכמים אומרים משעה שהכהנים זכאין לאכול בתרומתן סימן לדבר צאת הכוכבים. ואף על פי שאין ראיה לדבר זכר לדבר שנאמר ואנחנו עושים במלאכה וחצים מחזיקים ברמחים מעלות השחר עד צאת הכוכבים ואומר והיו לנו הלילה משמר והיום מלאכה
8 Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Von wann an beginnt man das Šema͑ am Abend zu lesen? – von der Stunde an, da die Leute an den Vorabenden der Šabbathe eintreten, ihr Brot zu essen – so R. Meír. Die Weisen sagen, von der Stunde an, da die Priester berechtigt sind, von ihrer Hebe zu essen. Ein Zeichen dafür ist das Hervortreten der Sterne. Und obgleich es hierfür keinen Beweis gibt, so gibt es doch eine Andeutung, denn es heißt: <i>wir arbeiteten bei dem Werke, und ihre Hälfte hielten die Lanzen vom Anfang der Morgenröte bis zum Hervortreten der Sterne</i>. Ferner heißt es: <i>es war uns die Nacht zur Wache und der Tag zur Arbeit</i>. –
ט מאי ואומר
9 Wozu das ‘ferner’? –
י וכי תימא מכי ערבא שמשא ליליא הוא ואינהו דמחשכי ומקדמי תא שמע והיו לנו הלילה משמר והיום מלאכה
10 Man könnte sagen, die Nacht beginne tatsächlich mit dem Sonnenuntergang, nur hätten sie früh und spät gearbeitet, so heißt es: <i>es war uns die Nacht zur Wache und der Tag zur Arbeit</i>.
יא קא סלקא דעתך דעני ובני אדם חד שעורא הוא ואי אמרת עני וכהן חד שעורא הוא חכמים היינו רבי מאיר
11 Er glaubte, der Arme und die [gewöhnlichen] Menschen haben eine Zeit, und wenn man sagen wollte, auch der Arme und der Priester haben eine Zeit, so wären ja die Weisen [derselben Ansicht wie] R. Meír!?
יב אלא שמע מינה עני שעורא לחוד וכהן שעורא לחוד לא עני וכהן חד שעורא הוא ועני ובני אדם לאו חד שעורא הוא.
12 Vielmehr schließe man hieraus, daß die Zeitangabe des Armen eine andere ist, als die der Priester. – Nein, der Arme und der Priester haben eine Zeit, nicht aber haben der Arme und die [gewöhnlichen] Menschen eine Zeit. –
יג ועני וכהן חד שעורא הוא ורמינהו מאימתי מתחילין לקרות שמע בערבין משעה שקדש היום בערבי שבתות דברי רבי אליעזר רבי יהושע אומר משעה שהכהנים מטוהרים לאכול בתרומתן רבי מאיר אומר משעה שהכהנים טובלין לאכול בתרומתן אמר לו ר' יהודה והלא כהנים מבעוד יום הם טובלים ר' חנינא אומר משעה שעני נכנס לאכול פתו במלח ר' אחאי ואמרי לה ר' אחא אומר משעה שרוב בני אדם נכנסין להסב.
13 Haben etwa der Arme und der Priester eine Zeit, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Von wann an beginnt man das Šema͑ am Abend zu lesen? – von der Stunde an, da der Tag an den Vorabenden der Šabbathe heilig wird – so R. Elie͑zer. R. Jehošua͑ sagt, von der Stunde an, da die Priester rein sind, von ihrer Hebe zu essen. R. Meír sagt, von der Stunde an, da die Priester untertauchen, um von ihrer Hebe zu essen. R. Jehuda sprach zu ihm: Die Priester tauchen ja noch am Tage unter!? R. Ḥanina sagt, von der Stunde an, da der Arme eintritt, sein Brot und Salz zu essen. R. Aḥaj, nach anderen R. Aḥa, sagt, von der Stunde an, da die meisten Menschen zur Mahlzeit eintreten.
יד ואי אמרת עני וכהן חד שעורא הוא ר' חנינא היינו ר' יהושע
14 Wenn du sagen wolltest, der Arme und der Priester haben eine Zeit, so wäre ja R. Ḥanina [derselben Ansicht wie] R. Jehošua͑!?
טו אלא לאו שמע מינה שעורא דעני לחוד ושעורא דכהן לחוד שמע מינה.
15 Vielmehr ist hieraus zu schließen, daß die Zeitangabe des Armen eine andere ist, als die der Priester. Schließe hieraus. –
טז הי מנייהו מאוחר מסתברא דעני מאוחר דאי אמרת דעני מוקדם ר' חנינא היינו ר' אליעזר אלא לאו שמע מינה דעני מאוחר שמע מינה:
16 Welche von ihnen ist später? – Es ist anzunehmen, daß die des Armen später ist; wollte man sagen, die des Armen sei früher, so wäre ja R. Ḥanina [derselben Ansicht wie] R. Elie͑zer!? Vielmehr ist hieraus zu schließen, daß die des Armen später ist. Schließe hieraus.
יז אמר מר אמר ליה רבי יהודה והלא כהנים מבעוד יום הם טובלים
17 Der Meister sagte: R. Jehuda sprach zu ihm: Die Priester tauchen ja noch am Tage unter!?
יח שפיר קאמר ליה רבי יהודה לרבי מאיר
18 Zutreffend entgegnete ja R. Jehuda dem R. Meír!? –
יט ורבי מאיר הכי קאמר ליה מי סברת דאנא אבין השמשות דידך קא אמינא אנא אבין השמשות דרבי יוסי קא אמינא דאמר רבי יוסי בין השמשות כהרף עין זה נכנס וזה יוצא ואי אפשר לעמוד עליו
19 R. Meír erwiderte ihm folgendes: Du glaubst wohl, ich meine deine Dämmerung, ich meine die Dämmerung R. Joses, denn R. Jose sagt, die Dämmerung währe einen Augenblick: diese kommt und jener geht, es ist nicht möglich, es auseinander zu halten. –