Berakhot 59

Kapitel 59

א לישתף איניש נפשיה בהדי צבורא היכי נימא יהי רצון מלפניך ה' אלהינו שתוליכנו לשלום וכו'
1 mit der Gesamtheit. — Wie sage man? — Möge es dein Wille sein, o Herr, unser Gott, daß du uns in Frieden führest &c. —
ב אימת מצלי אמר רבי יעקב אמר רב חסדא משעה שמהלך בדרך עד כמה אמר רבי יעקב אמר רב חסדא עד פרסה והיכי מצלי לה רב חסדא אמר מעומד רב ששת אמר אפילו מהלך
2 Wann bete man es? R. Ja͑qob erwiderte im Namen R. Ḥisdas: Von der Stunde, da man seine Reise antritt. — Wie weit? R. Ja͑qob erwiderte im Namen R. Ḥisdas: Bis zu einer Parasange. — Wie bete man? R. Ḥisda sagt, stehend; R. Šešeth sagt, auch gehend.
ג רב חסדא ורב ששת הוו קאזלי באורחא קם רב חסדא וקא מצלי א"ל רב ששת לשמעיה מאי קא עביד רב חסדא אמר ליה קאי ומצלי א"ל אוקמן נמי לדידי ואצלי מהיות טוב אל תקרא רע.
3 R. Ḥisda und R. Šešeth befanden sich auf der Reise, und R. Ḥisda blieb stehen und betete. Da fragte R. Šešeth seinen Diener: Was tut R. Ḥisda? Dieser erwiderte: Er steht und betet. Hierauf sprach jener: Laß mich ebenfalls stehen bleiben, und ich werde beten. Kannst du ein Guter sein, laß dich nicht einen Schlechten nennen.
ד מאי איכא בין הביננו לתפלה קצרה הביננו בעי לצלויי ג' קמייתא וג' בתרייתא וכי מטי לביתיה לא בעי למהדר לצלויי בתפלה קצרה לא בעי לצלויי לא ג' קמייתא ולא ג' בתרייתא וכי מטי לביתיה בעי למהדר לצלויי
4 Was ist der Unterschied zwischen ‘Mache uns verständig’ und dem kurzen Gebet? — Zu ‘Mache uns verständig’ müssen die drei ersten und die drei letzten [Segenssprüche] gesprochen werden, und wenn man nach Hause kommt, braucht man nicht nochmal zu beten, beim kurzen Gebete aber braucht man die drei ersten und die drei letzten nicht zu sagen, und wenn man nach Hause kommt, muß man nochmal beten.
ה והלכתא הביננו מעומד תפלה קצרה בין מעומד בין מהלך:
5 Die Halakha ist: ‘Mache uns verständig’ [bete man] stehend, das kurze Gebet sowohl stehend als auch gehend.
ו היה רוכב על החמור וכו': ת"ר היה רוכב על החמור והגיע זמן תפלה אם יש לו מי שיאחז את חמורו ירד למטה ויתפלל ואם לאו ישב במקומו ויתפלל רבי אומר בין כך ובין כך ישב במקומו ויתפלל לפי שאין דעתו מיושבת עליו
6 W<small>ER AUF EINEM</small> E<small>SEL REITET &amp;C</small>. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand auf einem Esel reitet und die Zeit des Gebetes heranreicht, so steige er ab und bete, falls er jemand hat, der ihm den Esel hält, wenn aber nicht, bleibe er auf seinem Platze sitzen und bete. Rabbi sagt, ob so oder so, bleibe er auf seinem Platze sitzen und bete, weil er seine Gedanken nicht beisammen hat.
ז אמר רבא ואיתימא רבי יהושע בן לוי הלכה כרבי:
7 Raba, manche sagen, R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Die Halakha ist wie Rabbi.
ח ת"ר סומא ומי שאינו יכול לכוין את הרוחות יכוין לבו כנגד אביו שבשמים שנא' (מלכים א ח, לה) והתפללו אל ה'
8 Die Rabbanan lehrten: Ein Blinder, oder jemand, der die Richtungen nicht genau zu bestimmen vermag, richte sein Herz auf seinen Vater im Himmel, denn es heißt: <i>sie werden zum Herrn, ihrem Gott, beten</i>.
ט היה עומד בח"ל יכוין את לבו כנגד ארץ ישראל שנא' (מלכים א ח, מח) והתפללו אליך דרך ארצם היה עומד בארץ ישראל יכוין את לבו כנגד ירושלים שנאמר (מלכים א ח, מד) והתפללו אל ה' דרך העיר אשר בחרת היה עומד בירושלים יכוין את לבו כנגד בית המקדש שנאמר (דברי הימים ב ו, לב) והתפללו אל הבית הזה היה עומד בבית המקדש יכוין את לבו כנגד בית קדשי הקדשים שנאמר (מלכים א ח, לה) והתפללו אל המקום הזה היה עומד בבית קדשי הקדשים יכוין את לבו כנגד בית הכפורת היה עומד אחורי בית הכפורת יראה עצמו כאילו לפני הכפורת נמצא עומד במזרח מחזיר פניו למערב במערב מחזיר פניו למזרח בדרום מחזיר פניו לצפון בצפון מחזיר פניו לדרום נמצאו כל ישראל מכוונין את לבם למקום אחד
9 Steht er außerhalb des Landes, so richte er sein Herz auf das Jisraélland, denn es heißt: <i>sie werden zu dir beten, durch ihr Land</i>. Steht er im Jisraélland, so richte er sein Herz auf Jerušalem, denn es heißt: <i>sie werden zu dir beten, durch diese Stadt, die du erwählt hast</i>. Steht er in Jerušalem, so richte er sein Herz auf das Heiligtum, denn es heißt: <i>sie werden zu diesem Hause beten</i>. Steht er im Heiligtum, so richte er sein Herz auf das Allerheiligste, denn es heißt: <i>sie werden zu diesem Orte beten</i>. Steht er im Allerheiligsten, so richte er sein Herz auf die Gnadenkammer. Steht er hinter der Gnadenkammer, so denke er sich, er stehe vor der Gnadenkammer. Es ergibt sich also, daß, wer östlich steht, das Gesicht nach dem Westen wende, wer westlich, das Gesicht nach dem Osten wende, wer südlich, das Gesicht nach dem Norden wende, wer nördlich, das Gesicht nach dem Süden wende; so richtet ganz Jisraél sein Herz nach einem Punkt.
י א"ר אבין ואיתימא ר' אבינא מאי קראה (שיר השירים ד, ד) כמגדל דויד צוארך בנוי לתלפיות תל שכל פיות פונים בו:
10 R. Abin, manche sagen, R. Abina, sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: <i>Wie der Davidsturm, ist dein Hals, als Waffenburg [talpijoth] gebaut</i>; ein Hügel [tel], dem alles sich zuwendet [ponim].
יא אבוה דשמואל ולוי כי הוו בעו למיפק לאורחא הוו מקדמי ומצלי וכי הוה מטי זמן ק"ש קרו
11 So oft der Vater Šemuéls und Levi sich zur Reise vorbereiteten, machten sie sich früh auf und beteten, und als die Zeit des Šema͑lesens heranreichte, lasen sie. —
יב כמאן כי האי תנא דתניא השכים לצאת לדרך מביאין לו שופר ותוקע לולב ומנענע מגילה וקורא בה וכשיגיע זמן ק"ש קורא השכים לישב בקרון או בספינה מתפלל וכשיגיע זמן ק"ש קורא
12 Nach wessen Ansicht? — Nach dem Tanna der folgenden Lehre: Wer sich früh aufmacht, um eine Reise anzutreten, dem hole man das Blashorn, und er blase, den Feststrauß, und er schüttele, oder die Esterrolle, und er lese, und sobald die Zeit des Šema͑lesens heranreicht, lese er. Wer sich früh aufmacht, um sich in einen Wagen oder in ein Schiff zu setzen, bete, und sobald die Zeit des Šema͑lesens heranreicht, lese er.
יג רשב"א אומר בין כך ובין כך קורא ק"ש ומתפלל כדי שיסמוך גאולה לתפלה
13 R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, ob so oder so, lese er [zuerst] das Šema͑ und bete [nachher], um an den Erlösungssegen das Gebet anzuschließen.
יד במאי קמיפלגי מר סבר תפלה מעומד עדיף ומר סבר מסמך גאולה לתפלה עדיף
14 Worin besteht ihr Streit? — Einer ist der Ansicht, das Beten stehend sei zu bevorzugen, und der andere ist der Ansicht, die Verbindung des Erlösungssegens mit dem Gebete sei zu bevorzugen.
טו מרימר ומר זוטרא הוו מכנפי בי עשרה בשבתא דרגלא ומצלו והדר נפקא לפרקא
15 Meremar und Mar Zuṭra pflegten an einem Festšabbath zehn [Personen] zu sammeln und zu beten, dann zur Vorlesung zu gehen.
טז רב אשי מצלי בהדי צבורא ביחיד מיושב כי הוה אתי לביתיה הדר ומצלי מעומד אמרי ליה רבנן ולעביד מר כמרימר ומר זוטרא אמר להו טריחא לי מלתא ולעביד מר כאבוה דשמואל ולוי אמר להו לא חזינא להו לרבנן קשישי מינן דעבדי הכי:
16 R. Aši pflegte vor der Versammlung sitzend allein zu beten, und wenn er nach Hause kam, betete er nochmals stehend. Die Rabbanan sprachen zu ihm: Möge doch der Meister ebenso wie Meremar und Mar Zuṭra verfahren! Er erwiderte ihnen: Dies ist mir zu beschwerlich. — Der Meister kann ja aber ebenso wie der Vater Šemuéls und Levi verfahren! Er erwiderte ihnen: Wir haben nicht gesehen, daß die Rabbanan, die älter als wir, so verfahren hätten.
יז <big><strong>מתני׳</strong></big> ר' אלעזר בן עזריה אומר אין תפלת המוספין אלא בחבר עיר וחכ"א בחבר עיר ושלא בחבר עיר ר' יהודה אומר משמו כל מקום שיש שם חבר עיר יחיד פטור מתפלת המוספין:
17 R. E<small>LEA͑ZAR B</small>. A͑<small>ZARJA SAGT, DAS</small> Z<small>ÜSATZGEBET SEI NUR FÜR DIE</small> S<small>TADTGEMEINDE</small> <small>; DIE</small> W<small>EISEN SAGEN, FÜR DIE</small> S<small>TADTGEMEINDE, AUCH WO KEINE</small> S<small>TADTGEMEINDE</small>. R. J<small>EHUDA SAGT IN DESSEN</small> N<small>AMEN, WO SICH EINE</small> S<small>TADTGEMEINDE BEFINDET, SEI DER EINZELNE VOM</small> Z<small>USATZGEBETE BEFREIT</small>.
יח <big><strong>גמ׳</strong></big> ר' יהודה היינו ת"ק איכא בינייהו יחיד שלא בחבר עיר ת"ק סבר פטור ור' יהודה סבר חייב
18 GEMARA. R. Jehuda sagt ja dasselbe, was der erste Tanna!? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen bezüglich eines einzelnen, wo keine Stadtgemeinde; der erste Tanna ist der Ansicht, er sei befreit, und R. Jehuda ist der Ansicht, er sei verpflichtet.
יט א"ר הונא בר חיננא אמר ר' חייא בר רב הלכה כר' יהודה שאמר משום ראב"ע א"ל רב חייא בר אבין שפיר קאמרת דאמר שמואל מימי לא מצלינא צלותא דמוספין ביחיד
19 R. Hona b. Ḥenana sagte im Namen des R. Ḥija b. Rabh: Die Halakha ist wie R. Jehuda, der im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja lehrte. R. Ḥija b. Abin sprach zu ihm: Du hast recht, denn auch Šemuél sagte: Nie im Leben habe ich in Nehardea͑ das Zusatzgebet einzeln verrichtet,