Berakhot 61

Kapitel 61

א אייתי כסא דמוקרא בת ארבע מאה זוזי ותבר קמייהו ואעציבו
1 holte er einen kostbaren Becher im Werte von vierhundert Zuz und zerbrach ihn vor ihnen. Da wurden sie betrübt.
ב רב אשי עבד הלולא לבריה חזנהו לרבנן דהוו קא בדחי טובא אייתי כסא דזוגיתא חיורתא ותבר קמייהו ואעציבו
2 R. Aši feierte die Hochzeit seines Sohnes, und als er bemerkte, daß die Rabbanan sehr heiter waren, holte er einen Becher von weißem Krystall und zerbrach ihn vor ihnen. Da wurden sie betrübt.
ג אמרו ליה רבנן לרב המנונא זוטי בהלולא דמר בריה דרבינא לישרי לן מר אמר להו ווי לן דמיתנן ווי לן דמיתנן אמרי ליה אנן מה נעני בתרך א"ל הי תורה והי מצוה דמגנו עלן
3 Die Rabbanan sprachen zu R. Hamnuna dem Kleinen auf der Hochzeitsfeier Mars, des Sohnes Rabinas: Möge uns der Meister etwas vorsingen. Da trug er ihnen vor: Wehe uns, daß wir sterben, wehe uns, daß wir sterben! Sie sprachen zu ihm: Wie sollten wir nach dir einstimmen? Er erwiderte ihnen: Wo ist denn die Tora, wo das Gebot, die uns ja beschützen!
ד א"ר יוחנן משום רשב"י אסור לאדם שימלא שחוק פיו בעולם הזה שנאמר (תהלים קכו, ב) אז ימלא שחוק פינו ולשוננו רנה אימתי בזמן שיאמרו בגוים הגדיל ה' לעשות עם אלה אמרו עליו על ר"ל שמימיו לא מלא שחוק פיו בעוה"ז מכי שמעה מר' יוחנן רביה:
4 R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Es ist dem Menschen verboten, auf dieser Welt mit vollem Munde zu lachen, denn es heißt: <i>dann wird unser Mund des Lachens voll, und unsere Zunge voll Jubel</i>; dies dann: <i>da man unter den Völkern sprechen wird: Großes hat der Herr an diesen getan</i>. Man erzählte von Reš Laqiš, daß er, seitdem er dies von seinem Lehrer R. Joḥanan gehört, nie mehr auf dieser Welt mit vollem Munde gelacht hat.
ה ת"ר אין עומדין להתפלל לא מתוך דין ולא מתוך דבר הלכה אלא מתוך הלכה פסוקה
5 Die Rabbanan lehrten: Man stelle sich nicht zum Beten hin nach einer Rechtsverhandlung, noch nach einer Halakhaerörterung, sondern nach einer abgeschlossenen Halakha.
ו והיכי דמי הלכה פסוקה
6 Was heißt [beispielsweise] eine ‘abgeschlossene Halakha’?
ז אמר אביי כי הא דר' זירא דאמר ר' זירא בנות ישראל החמירו על עצמן שאפילו רואות טיפת דם כחרדל יושבת עליה שבעה נקיים
7 Abajje sagte: Beispielsweise die des R. Zera, denn R. Zera sagte: Die Töchter Jisraéls haben es sich erschwert; wenn sie Bluttropfen, auch nur wie ein Senfkorn, bemerken, sitzen sie daraufhin die sieben Reinheitstage.
ח רבא אמר כי הא דרב הושעיא דאמר רב הושעיא מערים אדם על תבואתו ומכניסה במוץ שלה כדי שתהא בהמתו אוכלת ופטורה מן המעשר
8 Raba sagte: Beispielsweise die des R. Hoša͑ja, denn R. Hoša͑ja sagte: Man darf mit seinem Getreide eine List anwenden, indem man es mit der Spreu einbringt, damit sein Vieh davon essen darf, ohne daß man zum Getreidezehnten verpflichtet ist.
ט ואב"א כי הא דרב הונא דא"ר הונא א"ר זעירא המקיז דם בבהמת קדשים אסור בהנאה ומועלין בו
9 Wenn du willst, sage ich: Beispielsweise die des R. Hona, denn R. Hona sagte im Namen R. Zee͑ras: Wenn man einem Vieh des Heiligtums zur Ader läßt, so ist die Nutznießung [des Blutes] verboten, und man begeht daran eine Veruntreuung.
י רבנן עבדי כמתניתין רב אשי עביד כברייתא.
10 Die Rabbanan verfuhren nach der Mišna, R. Aši verfuhr nach der Barajtha.
יא ת"ר אין עומדין להתפלל לא מתוך עצבות ולא מתוך עצלות ולא מתוך שחוק ולא מתוך שיחה ולא מתוך קלות ראש ולא מתוך דברים בטלים אלא מתוך שמחה של מצוה
11 Die Rabbanan lehrten: Man stelle sich nicht zum Beten hin in Traurigkeit, noch in Trägheit, noch im Scherzen, noch im Geplauder, noch in leichtfertigem Treiben, noch in eitlem Geschwätz, sondern in Fröhlichkeit wegen einer gottgefälligen Handlung.
יב וכן לא יפטר אדם מחברו לא מתוך שיחה ולא מתוך שחוק ולא מתוך קלות ראש ולא מתוך דברים בטלים אלא מתוך דבר הלכה שכן מצינו בנביאים הראשונים שסיימו דבריהם בדברי שבח ותנחומים
12 Desgleichen verabschiede man sich nicht von seinem Nächsten im Geplauder, noch im Scherzen, noch in leichtfertigem Treiben, sondern mit Worten einer Halakha; denn so finden wir es auch bei den früheren Propheten, daß sie ihre Reden mit Lob- und Trostworten zu beendigen pflegten.
יג וכן תנא מרי בר בריה דרב הונא בריה דר' ירמיה בר אבא אל יפטר אדם מחבירו אלא מתוך דבר הלכה שמתוך כך זוכרהו
13 Ebenso lehrte Mari, Sohnessohn R. Honas, des Sohnes des R. Jirmeja b. Abba: Man verabschiede sich von seinem Nächsten nicht anders als mit Worten der Halakha, denn dadurch gedenkt er seiner.
יד כי הא דרב כהנא אלוייה לרב שימי בר אשי מפום נהרא עד בי צניתא דבבל כי מטא להתם א"ל מר ודאי דאמרי אינשי הני צניתא דבבל איתנהו מאדם הראשון ועד השתא
14 So begleitete R. Kahana den R. Šimi b. Aši von Pum-Nahara bis Be-Çinjata in Babylonien, und als er da herankam, sprach er zu ihm: Ist es wahr, was die Leute sagen, daß diese Steinpalmen Babyloniens schon seit Adam dem Urmenschen bis jetzt bestehen?
טו א"ל אדכרתן מילתא דרבי יוסי ברבי חנינא דאמר ר' יוסי ברבי חנינא מאי דכתיב (ירמיהו ב, ו) בארץ אשר לא עבר בה איש ולא ישב אדם שם וכי מאחר דלא עבר היאך ישב אלא לומר לך כל ארץ שגזר עליה אדם הראשון לישוב נתישבה וכל ארץ שלא גזר עליה אדם הראשון לישוב לא נתישבה
15 Dieser erwiderte: Du hast mich an etwas erinnert, was R. Jose b. R. Ḥanina gesagt hat. R. Jose b. R. Ḥanina sagte nämlich: Es heißt: <i>in einem Lande, das niemand durchzogen, in dem kein Mensch gewohnt hat</i>; wenn niemand es durchzogen hat, wie sollte jemand da gewohnt haben!? Dies besagt dir vielmehr, daß jedes Land, über das Adam der Urmensch bestimmt hat, daß es bewohnt werde, bewohnt wurde, und das Land, über das Adam der Urmensch nicht bestimmt hat, daß es bewohnt werde, nicht bewohnt wurde.
טז רב מרדכי אלוייה לרב שימי בר אשי מהגרוניא ועד בי כיפי ואמרי לה עד בי דורא:
16 R. Mardekhaj begleitete R. Šimi b. Aši von Hagronja bis Be-Kephe und, wie manche sagen, bis Be-Dura.
יז ת"ר המתפלל צריך שיכוין את לבו לשמים אבא שאול אומר סימן לדבר (תהלים י, יז) תכין לבם תקשיב אזנך
17 Die Rabbanan lehrten: Der Betende muß sein Herz zum Himmel richten. Abba Šaúl sagte: Eine Andeutung hierfür: <i>du richtest ihr Herz und läßt dein Ohr horchen</i>.
יח תניא א"ר יהודה כך היה מנהגו של ר"ע כשהיה מתפלל עם הצבור היה מקצר ועולה מפני טורח צבור וכשהיה מתפלל בינו לבין עצמו אדם מניחו בזוית זו ומוצאו בזוית אחרת וכל כך למה מפני כריעות והשתחויות:
18 Es wird gelehrt: R. Jehuda erzählte: Folgendes war die Gepflogenheit R. A͑qibas: betete er mit der Gemeinde, so pflegte er wegen der Belästigung der Gemeinde abzukürzen und heraufzusteigen; betete er aber für sich allein, so fand man ihn, wenn man ihn in diesem Winkel zurückließ, in einem anderen Winkel; dies alles wegen der Verbeugungen und Bückungen.
יט א"ר חייא בר אבא לעולם יתפלל אדם בבית שיש בו חלונות שנאמר (דניאל ו, יא) וכוין פתיחן ליה וגו'
19 R. Ḥija b. Abba sagte: Man bete stets in einem Räume, wo Fenster sind, denn es heißt: <i>die Fenster in seinem Söller waren gen Jerušalem geöffnet</i>.
כ יכול יתפלל אדם כל היום כלו כבר מפורש על ידי דניאל (דניאל ו, יא) וזמנין תלתא וגו'
20 Man könnte glauben, der Mensch bete den ganzen Tag, so ist es längst durch Daniél erklärt: <i>und dreimal täglich fiel er auf seine Kniee, betete und dankte seinem Herrn</i>.
כא יכול משבא לגולה הוחלה כבר נאמר (דניאל ו, יא) די הוא עבד מן קדמת דנא
21 Man könnte glauben, der Mensch bete nach jeder beliebigen Richtung, so heißt es: <i>die Fenster waren gen Jerušalem geöffnet</i>.
כב יכול יתפלל אדם לכל רוח שירצה ת"ל (דניאל ו, יא) (לקבל) [נגד] ירושלם
22 Man könnte glauben, er habe damit begonnen, erst nachdem er in die Gefangenschaft gekommen, so heißt es längst: <i>wie er von jeher zu tun pflegte</i>.
כג יכול יהא כוללן בבת אחת כבר מפורש ע"י דוד דכתיב (תהלים נה, יח) ערב ובקר וצהרים וגו'
23 Man könnte glauben, man vereinige sie alle zusammen, so ist es längst durch David erklärt, indem es heißt: <i>abends, morgens und mittags klage ich und jammere</i>.
כד יכול ישמיע קולו בתפלתו כבר מפורש על ידי חנה שנאמר (שמואל א א, יג) וקולה לא ישמע
24 Man könnte glauben, man lasse beim Gebete die Stimme hören, so ist es längst durch Ḥanna erklärt, indem es heißt: <i>und ihre Stimme wurde nicht gehört</i>.
כה יכול ישאל אדם צרכיו ואח"כ יתפלל כבר מפורש על ידי שלמה שנאמר (מלכים א ח, כח) לשמוע אל הרנה ואל התפלה רנה זו תפלה תפלה זו בקשה אין אומר דבר (בקשה) אחר אמת ויציב אבל אחר התפלה אפי' כסדר וידוי של יה"כ אומר איתמר
25 Man könnte glauben, der Mensch bitte zuerst um seine Bedürfnisse, nachher verrichte er das Gebet, so ist es längst durch Šelomo erklärt, indem es heißt: <i>auf den Gesang und auf das Beten zu hören</i>; <i>Gesang</i>, das ist das Gebet, <i>Beten</i>, das ist die Bitte. Man spreche keine Bitte nach ‘Wahr und feststehend’; nach dem Gebete aber sogar eine, wie das Sündenbekenntnis des Versöhnungstages.
כו נמי אמר רב חייא בר אשי אמר רב אע"פ שאמרו שואל אדם צרכיו בשומע תפלה אם בא לומר אחר תפלתו אפילו כסדר יום הכפורים אומר:
26 Es wurde auch gelehrt: R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Obgleich sie gesagt haben, daß man [Bitten] um seine Bedürfnisse in ‘Der das Gebet erhört’ einschalte, so kann man, wenn man will, auch nach dem Gebete eine Bitte sprechen, wie die Bekenntnisreihe des Versöhnungstages.
כז אמר רב המנונא כמה הלכתא גברוותא איכא למשמע מהני קראי דחנה (שמואל א א, יג) וחנה היא מדברת על לבה מכאן למתפלל צריך שיכוין לבו רק שפתיה נעות מכאן למתפלל שיחתוך בשפתיו וקולה לא ישמע מכאן שאסור להגביה קולו בתפלתו ויחשבה עלי לשכורה מכאן ששכור אסור להתפלל
27 R. Hamnuna sagte: Wie viele wichtige Halakhot sind zu entnehmen aus jenen Versen von Ḥanna. <i>Sie redete in ihrem Herzen</i>; hieraus, daß der Betende sein Herz andächtig stimmen muß. <i>Nur ihre Lippen bewegten sich</i>; hieraus, daß der Betende mit seinen Lippen deutlich spreche. <i>Und ihre Stimme wurde nicht gehört</i>; hieraus, daß man beim Beten die Stimme nicht erheben darf. <i>Und E͑li hielt sie für eine Betrunkene</i>: hieraus, daß der Betrunkene das Gebet nicht verrichten darf.
כח ויאמר אליה עלי עד מתי תשתכרין וגו' א"ר אלעזר מכאן לרואה בחברו
28 <i>Und er sprach zu ihr: Wie lange noch wirst du trunken sein? Tue ab deinen Wein von dir</i>. R. Elea͑zar sagte: Hieraus, daß, wenn jemand an seinem Nächsten