Berakhot 69

Kapitel 69

א מתני׳ <big><strong>כיצד</strong></big> מברכין על הפירות על פירות האילן הוא אומר בורא פרי העץ חוץ מן היין שעל היין הוא אומר בורא פרי הגפן ועל פירות הארץ הוא אומר בורא פרי האדמה חוץ מן הפת שעל הפת הוא אומר המוציא לחם מן הארץ ועל הירקות הוא אומר בורא פרי האדמה רבי יהודה אומר בורא מיני דשאים:
1 <b>W</b>IE <small>SPRECHE MAN DEN</small> S<small>EGEN ÜBER</small> F<small>RÜCHTE</small>? Ü<small>BER</small> B<small>AUMFRÜCHTE SPRECHE MAN</small> ‘D<small>ER DIE</small> B<small>AUMFRUCHT ERSCHAFFT</small>’, <small>AUSGENOMMEN DER</small> W<small>EIN, DENN ÜBER DEN</small> W<small>EIN SPRECHE MAN</small> ‘D<small>ER DIE</small> R<small>EBENFRUCHT ERSCHAFFT</small>’. Ü<small>BER</small> B<small>ODENFRÜCHTE SPRECHE MAN</small> ‘D<small>ER DIE</small> B<small>ODENFRUCHT ERSCHAFFT</small>’, <small>AUSGENOMMEN DAS</small> B<small>ROT, DENN ÜBER DAS</small> B<small>ROT SPRECHE MAN</small> ‘D<small>ER</small> B<small>ROT AUS DER</small> E<small>RDE HERVORBRINGT</small>’. Ü<small>BER</small> K<small>RÄUTER SPRECHE MAN</small> ‘D<small>ER DIE</small> B<small>ODENFRUCHT ERSCHAFFT</small>’; R. J<small>EHUDA SAGT</small>, [<small>MAN SPRECHE</small>] ‘D<small>ER ALLERLEI</small> G<small>RASARTEN ERSCHAFFT</small>’.
ב <big><strong>גמ׳</strong></big> מנא ה"מ דתנו רבנן (ויקרא יט, כד) קדש הלולים לה' מלמד שטעונים ברכה לפניהם ולאחריהם מכאן אמר ר"ע אסור לאדם שיטעום כלום קודם שיברך
2 GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: <i>Heilig, Lobpreisungen des Herrn</i>; dies lehrt, daß sie eines Segensspruches vorher und nachher benötigen. Hieraus folgerte R. A͑qiba, daß es verboten ist, etwas zu genießen, bevor er den Segensspruch gesprochen hat.
ג והאי קדש הלולים להכי הוא דאתא האי מיבעי ליה חד דאמר רחמנא אחליה והדר אכליה ואידך דבר הטעון שירה טעון חלול ושאינו טעון שירה אין טעון חלול וכדר' שמואל בר נחמני א"ר יונתן דאמר ר' שמואל בר נחמני א"ר יונתן מנין שאין אומרים שירה אלא על היין שנאמר (שופטים ט, יג) ותאמר להם הגפן החדלתי את תירושי המשמח אלהים ואנשים אם אנשים משמח אלהים במה משמח מכאן שאין אומרים שירה אלא על היין
3 Sind denn [die Worte] <i>Heilig, Lobpreisungen</i> hierfür zu verwenden, diese deuten ja erstens, daß der Allbarmherzige angeordnet hat, ausweihen und nachher essen, und zweitens, daß das, was des Lobgesanges benötigt, des Ausweihens benötige, und was des Lobgesanges nicht benötigt, des Ausweihens nicht benötige!? Dies nach R. Šemuél b. Naḥmani im Namen R. Jonathans, denn R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Woher, daß man einen Lobgesang nur über den Wein spreche? Es heißt: <i>die Rebe sprach zu ihnen: Soll ich meinen Most lassen, der Gott und Menschen erfreut?</i> Wenn er auch Menschen erfreut, wieso aber erfreut er Gott? Hieraus, daß man nur über den Wein einen Lobgesang spreche.
ד הניחא למאן דתני נטע רבעי אלא למאן דתני כרם רבעי מאי איכא למימר דאתמר ר' חייא ור' שמעון ברבי חד תני כרם רבעי וחד תני נטע רבעי
4 Allerdings nach demjenigen, der ‘vierjährige Pflanze’ liest, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, der ‘vierjähriger Weinberg’ liest!? Es wurde nämlich gelehrt: R. Ḥija und R. Šimo͑n b. Rabbi [streiten]; einer liest ‘vierjähriger Weinberg’, und einer liest ‘vierjährige Pflanze’.
ה ולמאן דתני כרם רבעי הניחא אי יליף ג"ש דתניא ר' אומר נאמר כאן (ויקרא יט, כה) להוסיף לכם תבואתו ונאמר להלן (דברים כב, ט) ותבואת הכרם מה להלן כרם אף כאן כרם אייתר ליה חד הלול לברכה
5 Und auch nach demjenigen, der ‘vierjähriger Weinberg’ liest, nur dann, wenn er durch Wortanalogie folgert. Es wird nämlich gelehrt: Rabbi sagte: Hier heißt es: <i>euch seinen Ertrag zu vermehren</i>, und dort heißt es: <i>und der Ertrag des Weinberges</i>, wie dort vom Weinberge die Rede ist, ebenso hier vom Weinberge. Danach bleibt ihm eine ‘Lobpreisung’, um [die Pflicht] des Segensspruches zu folgern; wenn er aber durch Wortanalogie nicht folgert, woraus folgert er [die Pflicht] des Segensspruches!?
ו ואי לא יליף גזרה שוה ברכה מנא ליה ואי נמי יליף גזרה שוה אשכחן לאחריו לפניו מנין
6 Und auch wenn er durch Wortanalogie folgert, wissen wir es nur [vom Segen] nachher, woher aber vom vorherigen!? –
ז הא לא קשיא דאתיא בקל וחומר כשהוא שבע מברך כשהוא רעב לא כל שכן
7 Das ist kein Einwand; es ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn man satt einen Segen sprechen muß, um wieviel mehr hungrig. –
ח אשכחן כרם שאר מינין מנין
8 Wir wissen dies vom Weinberge, woher dies von den übrigen Arten? –
ט דיליף מכרם מה כרם דבר שנהנה וטעון ברכה אף כל דבר שנהנה טעון ברכה
9 Er folgert dies vom Weinberge: wie der Weinberg eine Sache des Genusses ist und eines Segensspruches benötigt, ebenso benötigt jede andere Sache des Genusses eines Segensspruches.
י איכא למפרך מה לכרם שכן חייב בעוללות
10 Widerlegt man: wohl der Weinberg, der zur Nachlese pflichtig ist,
יא קמה תוכיח מה לקמה שכן חייבת בחלה
11 so ist vom Getreide ein Gegenbeweis zu erbringen; [erwidert man:] wohl das Getreide, weil es zur Teighebe pflichtig ist,
יב כרם יוכיח וחזר הדין לא ראי זה כראי זה ולא ראי זה כראי זה הצד השוה שבהן דבר שנהנה וטעון ברכה אף כל דבר שנהנה טעון ברכה
12 so ist vom Weinberge ein Gegenbeweis zu erbringen. Die Replikation wiederholt sich. Die Eigenheit des einen gleicht nicht der Eigenheit des anderen, die Eigenheit des anderen gleicht nicht der Eigenheit des ersten; das Gemeinsame an ihnen ist: eine Sache des Genusses, und sie benötigen eines Segensspruches, ebenso benötigt jede andere Sache des Genusses eines Segensspruches. –
יג מה להצד השוה שבהן שכן יש בו צד מזבח ואתי נמי זית דאית ביה צד מזבח
13 Das Gemeinsame an ihnen ist ja aber, daß sie Beziehung zum Altar haben, somit komme die Olive hinzu, die auch Beziehung zum Altar hat!? –
יד וזית מצד מזבח אתי והא בהדיא כתיב ביה כרם דכתיב (שופטים טו, ה) ויבער מגדיש ועד קמה ועד כרם זית אמר רב פפא כרם זית אקרי כרם סתמא לא אקרי
14 Ist denn die Olive wegen ihrer Beziehung zum Altar einzubegreifen, sie heißt ja ausdrücklich ‘Weinberg’, denn es heißt: <i>und er brannte nieder vom Garbenhaufen bis zum Halmgetreide und Olivenweinberge</i>!? R. Papa erwiderte: Sie heißt wohl ‘Olivenweinberg’, nicht aber ‘Weinberg’ schlechthin. –
טו מ"מ קשיא מה להצד השוה שבהן שכן יש בהן צד מזבח אלא דיליף לה משבעת המינין מה שבעת המינין דבר שנהנה וטעון ברכה אף כל דבר שנהנה טעון ברכה
15 Immerhin bleibt ja der Einwand, das Gemeinsame an ihnen sei die Beziehung zum Altar!? – Vielmehr, er folgert dies von den sieben Arten: wie die sieben Arten Sachen des Genusses sind und eines Segensspruches benötigen, ebenso benötigt jede andere Sache des Genusses eines Segensspruches. –
טז מה לשבעת המינין שכן חייבין בבכורים ועוד התינח לאחריו לפניו מנין
16 Wohl die sieben Arten, weil sie zur Erstlingsgabe pflichtig sind!? Ferner gilt dies allerdings [vom Segen] nachher, woher dies vom vorherigen!? –
יז הא לא קשיא דאתי בקל וחומר כשהוא שבע מברך כשהוא רעב לכ"ש
17 Das ist kein Einwand, denn es ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn man satt einen Segen sprechen muß, um wieviel mehr hungrig. –
יח ולמאן דתני נטע רבעי הא תינח כל דבר נטיעה דלאו בר נטיעה כגון בשר ביצים ודגים מנא ליה אלא סברא הוא אסור לו לאדם שיהנה מן העולם הזה בלא ברכה:
18 Auch nach demjenigen, der ‘vierjährige Pflanze’ liest, ist dies von allem Gepflanzten erklärlich, woher aber von dem, was nicht gepflanzt wird, beispielsweise Fleisch, Eier, Fische!? – Vielmehr, es ist begreiflich, daß es dem Menschen verboten ist, von dieser Welt ohne Segensspruch zu genießen.
יט ת"ר אסור לו לאדם שיהנה מן העוה"ז בלא ברכה וכל הנהנה מן העוה"ז בלא ברכה מעל מאי תקנתיה ילך אצל חכם
19 Die Rabbanan lehrten: Es ist dem Menschen verboten, von dieser Welt ohne Segensspruch zu genießen; wer von dieser Welt ohne Segensspruch genießt, begeht eine Veruntreuung. – Welche Gutmachung gibt es hierfür? – Er gehe zu einem Gelehrten. –
כ ילך אצל חכם מאי עביד ליה הא עביד ליה איסורא אלא אמר רבא ילך אצל חכם מעיקרא וילמדנו ברכות כדי שלא יבא לידי מעילה
20 «Er gehe zu einem Gelehrten», was kann dieser ihm helfen, wo er das Verbotene bereits begangen hat!? Vielmehr, sagte Raba, man gehe vorher zu einem Gelehrten, daß er einen die Segenssprüche lehre, damit man zu keiner Veruntreuung komme.
כא אמר רב יהודה אמר שמואל כל הנהנה מן העוה"ז בלא ברכה כאילו נהנה מקדשי שמים שנא' (תהלים כד, א) לה' הארץ ומלואה ר' לוי רמי כתיב לה' הארץ ומלואה וכתיב (תהלים קטו, טז) השמים שמים לה' והארץ נתן לבני אדם לא קשיא כאן קודם ברכה
21 R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wenn jemand von dieser Welt ohne Segensspruch genießt, so ist dies ebenso, als genieße er vom Heiligengute des Himmels, denn es heißt: <i>dem Herrn gehört die Erde und ihr Inhalt</i>. R. Levi wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: <i>dem Herrn gehört die Erde und ihr Inhalt</i>, dagegen heißt es: <i>der Himmel ist Himmel des Herrn, die Erde aber gab er den Menschenkindern</i>!? – Das ist kein Widerspruch; das eine vor dem Segen,