Berakhot 70

Kapitel 70

א כאן לאחר ברכה
1 das andere nach dem Segen.
ב א"ר חנינא בר פפא כל הנהנה מן העוה"ז בלא ברכה כאילו גוזל להקב"ה וכנסת ישראל שנא' (משלי כח, כד) גוזל אביו ואמו ואומר אין פשע חבר הוא לאיש משחית ואין אביו אלא הקב"ה שנא' (דברים לב, ו) הלא הוא אביך קנך ואין אמו אלא כנסת ישראל שנא' (משלי א, ח) שמע בני מוסר אביך ואל תטוש תורת אמך
2 R. Ḥanina b. Papa sagte: Wenn jemand von dieser Welt ohne Segensspruch genießt, so ist dies ebenso, als beraube er den Heiligen, gepriesen sei er, und die Gemeinde Jisraél, denn es heißt: <i>wer Vater und Mutter beraubt und spricht: kein Verbrechen, ist Genosse des Verderbenden.</i> Vater bedeutet nichts weiter als der Heilige, gepriesen sei er, wie es heißt: <i>ist er nicht dein Vater, der dich geschaffen?</i> Mutter bedeutet nichts weiter als die Gemeinde Jisraél, denn es heißt: <i>höre, mein Sohn, die Strafrede deines Vaters und verlasse nicht die Lehre deiner Mutter.</i> –
ג מאי חבר הוא לאיש משחית א"ר חנינא בר פפא חבר הוא לירבעם בן נבט שהשחית את ישראל לאביהם שבשמים:
3 Was bedeutet ‘Genosse des Verderbenden’? R. Ḥanina b. Papa sagte: Er ist Genosse des Jerobea͑, Sohnes Nebaṭs, der Jisraél seinem Vater im Himmel verdorben hat.
ד ר' חנינא בר פפא רמי כתיב (הושע ב, יא) ולקחתי דגני בעתו וגו' וכתיב (דברים יא, יד) ואספת דגנך וגו'
4 R. Ḥanina b. Papa wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: <i>und ich nehme fort mein Korn zu seiner Zeit &amp;c.</i>, dagegen heißt es: <i>du wirst dein Korn einbringen</i>!? –
ה ל"ק כאן בזמן שישראל עושין רצונו של מקום כאן בזמן שאין ישראל עושין רצונו של מקום
5 Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn Jisraél den Willen Gottes ausübt, das andere, wenn Jisraél den Willen Gottes nicht ausübt.
ו ת"ר ואספת דגנך מה ת"ל לפי שנא' (יהושע א, ח) לא ימוש ספר התורה הזה מפיך יכול דברים ככתבן ת"ל ואספת דגנך הנהג בהן מנהג דרך ארץ דברי ר' ישמעאל
6 Die Rabbanan lehrten: <i>Du wirst dein Korn einbringen</i>, was lehrt dies? Es heißt: <i>nicht soll dieses Buch der Tora von deinem Munde weichen</i>, somit könnte man glauben, man nehme dies wörtlich, so heißt es: <i>du wirst dein Korn einbringen</i>, verfahre außerdem nach der Landessitte – so R. Jišma͑él.
ז ר"ש בן יוחי אומר אפשר אדם חורש בשעת חרישה וזורע בשעת זריעה וקוצר בשעת קצירה ודש בשעת דישה וזורה בשעת הרוח תורה מה תהא עליה אלא בזמן שישראל עושין רצונו של מקום מלאכתן נעשית ע"י אחרים שנא' (ישעיהו סא, ה) ועמדו זרים ורעו צאנכם וגו' ובזמן שאין ישראל עושין רצונו של מקום מלאכתן נעשית ע"י עצמן שנא' (דברים יא, יד) ואספת דגנך ולא עוד אלא שמלאכת אחרים נעשית על ידן שנא' (דברים כח, מח) ועבדת את אויביך וגו'
7 R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: Ist es denn möglich, daß ein Mensch zur Zeit des Pflügens [nur] pflüge, zur Zeit des Säens [nur] säe, zur Zeit des Mähens [nur] mähe, zur Zeit des Dreschens [nur] dresche und zur Zeit des Windes [nur] worfele, was sollte aus der Tora werden!? Vielmehr, wenn Jisraél den Willen Gottes tut, wird seine Arbeit durch andere verrichtet, wie es heißt: <i>Fremde werden auftreten und eure Schafe weiden &amp;c.</i>, und wenn Jisraél den Willen Gottes nicht tut, muß seine Arbeit durch ihn selbst verrichtet werden, wie es heißt: <i>du wirst dein Korn einbringen</i>; und nicht nur das, auch die Arbeit anderer muß durch ihn verrichtet werden, wie es heißt: <i>du wirst deinen Feinden dienen &amp;c</i>.
ח אמר אביי הרבה עשו כרבי ישמעאל ועלתה בידן כר' שמעון בן יוחי ולא עלתה בידן
8 Abajje sagte: Viele handelten nach R. Jišma͑él und es gelang ihnen, nach R. Šimo͑n b. Johaj, und es gelang ihnen nicht.
ט א"ל רבא לרבנן במטותא מינייכו ביומי ניסן וביומי תשרי לא תתחזו קמאי כי היכי דלא תטרדו במזונייכו כולא שתא:
9 Raba sprach zu den Rabbanan: Ich bitte euch, erscheinet vor mir nicht in den Tagen des Nisan und des Tišre, damit ihr nicht wegen eures Erwerbes das ganze Jahr zu sorgen habt.
י אמר רבה בר בר חנה א"ר יוחנן משום רבי יהודה בר' אלעאי בא וראה שלא כדורות הראשונים דורות האחרונים דורות הראשונים עשו תורתן קבע ומלאכתן עראי זו וזו נתקיימה בידן דורות האחרונים שעשו מלאכתן קבע ותורתן עראי זו וזו לא נתקיימה בידן
10 Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Jehuda b. R. Elea͑j: Komm und sieh, daß nicht wie die früheren Geschlechter die späteren Geschlechter sind. Die früheren Geschlechter machten ihre Lehre zur Hauptbeschäftigung und ihre Arbeit zur Nebenbeschäftigung, so blieb sowohl dieses, wie jenes in ihrer Hand bestehen, die späteren Geschlechter aber machten ihre Arbeit zur Hauptbeschäftigung und ihre Lehre zur Nebenbeschäftigung, und so blieb weder dieses, noch jenes in ihrer Hand bestehen.
יא ואמר רבה בר בר חנה אר"י משום ר"י בר' אלעאי בא וראה שלא כדורות הראשונים דורות האחרונים דורות הראשונים היו מכניסין פירותיהן דרך טרקסמון כדי לחייבן במעשר דורות האחרונים מכניסין פירותיהן דרך גגות דרך חצרות דרך קרפיפות כדי לפטרן מן המעשר דא"ר ינאי אין הטבל מתחייב במעשר עד שיראה פני הבית שנא' (דברים כו, יג) בערתי הקדש מן הבית
11 Ferner sagte Rabba b. Bar Ḥana im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Jehuda b. R. Elea͑j: Komm und sieh, daß nicht wie die früheren Geschlechter die späteren Geschlechter sind. Die früheren Geschlechter pflegten ihre Früchte durch das offene Tor zu bringen, um sie zum Zehnten pflichtig zu machen, die späteren Geschlechter aber bringen ihre Früchte über Dächer, Höfe und Hage, um sie der Zehntpflicht zu entziehen. R. Jannaj sagte nämlich: Unverzehntetes ist nicht eher zehntpflichtig, als bis es die Front des Hauses gesehen hat, denn es heißt: <i>ich habe das Heilige aus dem Hause geräumt</i>.
יב ור' יוחנן אמר אפי' חצר קובעת שנא' (דברים כו, יב) ואכלו בשעריך ושבעו:
12 R. Joḥanan aber sagte: Auch der Hof ist hierfür bestimmend, denn es heißt: <i>sie</i> <i>sollen in deinen Toren essen und satt sein</i>.
יג חוץ מן היין וכו': מאי שנא יין אילימא משום דאשתני לעלויא אשתני לברכה והרי שמן דאשתני לעלויא ולא אשתני לברכה דאמר רב יהודה אמר שמואל וכן א"ר יצחק א"ר יוחנן שמן זית מברכין עליו בפה"ע
13 A<small>USGENOMMEN DER</small> W<small>EIN</small> &amp;<small>C</small>. Womit ist der Wein anders: wollte man sagen, da er sich zum Vorteil verändert hat, verändere er sich auch bezüglich des Segensspruches, so verändert sich ja auch das Öl zum Vorteil, dennoch verändert es sich nicht bezüglich des Segensspruches, denn R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, und ebenso sagte R. Jiçḥaq im Namen R. Joḥanans, über Olivenöl spreche man den Segen ‘Der die Baumfurcht erschafft’!? –
יד אמרי התם משום דלא אפשר היכי נבריך נבריך בורא פרי הזית פירא גופיה זית אקרי
14 Ich will dir sagen, da ist es ja nicht anders möglich. Welchen Segen sollte man denn sprechen: spräche man: ‘Der die Olivenfrucht erschafft’, so wird ja nur die Frucht selbst Olive genannt. –
טו ונבריך עליה בורא פרי עץ זית אלא אמר מר זוטרא חמרא זיין משחא לא זיין
15 Spreche man doch darüber: ‘Der die Olivenbaumfrucht erschafft’!? Vielmehr, erwiderte Mar Zutra, Wein nährt, Öl dagegen nährt nicht.–
טז ומשחא לא זיין והתנן הנודר מן המזון מותר במים ובמלח והוינן בה מים ומלח הוא דלא אקרי מזון הא כל מילי אקרי מזון
16 Nährt Öl etwa nicht, wir haben ja gelernt: Wer sich Speisen abgelobt, dem sind Wasser und Salz erlaubt. Dagegen wandten wir ein: Demnach heißen nur Wasser und Salz nicht ‘Speise’, wohl aber heißt alles andere ‘Speise’,
יז נימא תיהוי תיובתא דרב ושמואל דאמרי אין מברכין בורא מיני מזונות אלא בה' המינין בלבד וא"ר הונא באומר כל הזן עלי
17 somit wäre dies eine Widerlegung Rabhs und Šemuéls, welche sagen, daß man den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’ nur über die fünf Getreidearten spreche!? Und R. Hona erwiderte: Wenn er gesagt hat ‘alles, was nährt, sei mir verboten’. Hieraus, daß Öl wohl nährt!? –
יח אלמא משחא זיין אלא חמרא סעיד ומשחא לא סעיד וחמרא מי סעיד והא רבא הוה שתי חמרי כל מעלי יומא דפסחא כי היכי דנגרריה ללביה וניכול מצה טפי טובא גריר פורתא סעיד
18 Vielmehr, Wein stärkt, Öl aber stärkt nicht. – Stärkt denn der Wein, Raba pflegte ja an jedem Vortage des Pesaḥfestes Wein zu trinken, um seinen Appetit zu reizen und desto besser das Ungesäuerte essen zu können!? – Viel reizt, wenig stärkt. –
יט ומי סעיד כלל והכתיב (תהלים קד, טו) ויין ישמח לבב אנוש ולחם לבב אנוש יסעד וגו' נהמא הוא דסעיד חמרא לא סעיד אלא חמרא אית ביה תרתי סעיד ומשמח נהמא מסעד סעיד שמוחי לא משמח
19 Aber stärkt er denn überhaupt, es heißt ja: <i>Wein erheitert des Menschen Herz</i> <i>&amp;c.</i>, also nur Brot stärkt, Wein aber stärkt nicht!? – Vielmehr, beim Wein ist beides vorhanden, er stärkt und er erheitert, Brot dagegen stärkt zwar, erheitert aber nicht. –
כ אי הכי נבריך עליה שלש ברכות לא קבעי אינשי סעודתייהו עלויה
20 Demnach sollte man über ihn die drei Segenssprüche [nachher] sprechen!? –
כא א"ל רב נחמן בר יצחק לרבא אי קבע עלויה סעודתיה מאי א"ל לכשיבא אליהו ויאמר אי הויא קביעותא השתא מיהא בטלה דעתו אצל כל אדם:
21 Die Leute setzen ihn nicht als Mahlzeit an. R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu Raba: Wie ist es, wenn jemand ihn als Mahlzeit ansetzt? Dieser erwiderte: Wenn Elijahu kommen wird, wird er entscheiden, ob er als Mahlzeit anzusetzen ist, vorläufig aber verschwindet seine Gepflogenheit gegenüber der aller anderen Menschen.
כב גופא אמר רב יהודה אמר שמואל וכן א"ר יצחק א"ר יוחנן שמן זית מברכין עליו בורא פרי העץ היכי דמי אילימא דקא שתי ליה (משתה) אוזוקי מזיק ליה דתניא השותה שמן של תרומה משלם את הקרן ואינו משלם את החומש הסך שמן של תרומה משלם את הקרן ומשלם את החומש
22 Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, und so sagte auch R. Jiçḥaq im Namen R. Joḥanans: Über Olivenöl spreche man den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft.’ Wie meint er es: wollte man sagen, wenn man es trinkt, so ist es ja schädlich, denn es wird gelehrt, daß, wenn jemand Öl von Hebe trinkt, er den Grundwert und nicht das Fünftel zahle, wenn aber jemand sich mit Öl von Hebe salbt, er den Grundwert und das Fünftel zahle!? –
כג אלא דקא אכיל ליה על ידי פת אי הכי הויא ליה פת עיקר והוא טפל ותנן זה הכלל כל שהוא עיקר ועמו טפלה מברך על העיקר ופוטר את הטפלה אלא דקא שתי ליה ע"י אניגרון דאמר רבה בר שמואל אניגרון מיא דסלקא אנסיגרון מיא
23 Vielmehr, wenn man es zum Brote ißt. – Demnach ist es ja Zukost zum Brote, das Hauptspeise ist, und wir haben gelernt, die Regel sei, bei Hauptspeise und Zukost spreche man den Segen über die Hauptspeise und dieser befreie die Zukost!? – Vielmehr, wenn man es mit Inogaron trinkt. Rabba b. Šemuél sagte: Inogaron ist eine Sauce aus Mangold, Oxygaron ist eine Sauce