Berakhot 79

Kapitel 79

א אמר רב טול ברוך טול ברוך אינו צריך לברך הבא מלח הבא לפתן צריך לברך ור' יוחנן אמר אפי' הביאו מלח הביאו לפתן נמי א"צ לברך גביל לתורי גביל לתורי צריך לברך ורב ששת אמר אפילו גביל לתורי נמי אינו צריך לברך דאמר רב יהודה אמר רב אסור לאדם שיאכל קודם שיתן מאכל לבהמתו שנא' (דברים יא, טו) ונתתי עשב בשדך לבהמתך והדר ואכלת ושבעת:
1 Rabh sagte: [Spricht jemand:] ‘Nimm, gesegnet, nimm, gesegnet’, so braucht er den Segen nicht abermals zu sprechen; wenn aber: ‘Salz her, Zukost her’, so muß er den Segen abermals sprechen; R. Joḥanan sagt, auch wenn [er spricht:] ‘Salz her, Zukost her’, brauche er den Segen nicht abermals zu sprechen. [Spricht jemand:] ‘Mische für die Ochsen, mische für die Ochsen’, so muß er den Segen abermals sprechen; R. Šešeth sagt, auch wenn [er spricht:] ‘Mische für die Ochsen’, brauche er den Segen nicht abermals zu sprechen. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Es ist zu essen verboten, bevor er seinem Vieh Futter gegeben, denn es heißt: <i>ich werde Gras auf deinem Felde für dein Vieh geben</i>, nachher erst: <i>und du wirst essen und satt werden.</i>
ב אמר רבא בר שמואל משום רבי חייא אין הבוצע רשאי לבצוע עד שיביאו מלח או לפתן לפני כל אחד ואחד רבא בר שמואל אקלע לבי ריש גלותא אפיקו ליה ריפתא ובצע להדיא אמרו ליה הדר מר משמעתיה אמר להו לית דין צריך בשש:
2 Raba b. Šemuél sagte im Namen R. Ḥijas: Wer [das Brot] anbricht, darf nicht eher anbrechen, als bis man für jeden einzelnen Salz oder Zukost gebracht hat. Einst war Raba b. Šemuél beim Exilarchen eingetroffen, und als man ihm Brot vorsetzte, brach er es sofort an. Sie sprachen zu ihm: Ist der Meister von seiner Lehre zurückgetreten? Dieser erwiderte: Dieses heischt kein Warten.
ג ואמר רבא בר שמואל משום רבי חייא אין מי רגלים כלים אלא בישיבה אמר רב כהנא ובעפר תיחוח אפילו בעמידה ואי ליכא עפר תיחוח יעמוד במקום גבוה וישתין למקום מדרון:
3 Ferner sagte Raba b. Šemuél im Namen R. Ḥijas: Der Urin wird nicht anders entleert, als im Sitzen. R. Kahana sagte: Auf lockere Erde auch stehend. Wo keine lockere Erde da ist, stehe man auf einem hohen Orte und uriniere auf einen abschüssigen Ort.
ד ואמר רבא בר שמואל משמיה דר' חייא אחר כל אכילתך אכול מלח ואחר כל שתייתך שתה מים ואי אתה נזוק תניא נמי הכי אחר כל אכילתך אכול מלח ואחר כל שתייתך שתה מים ואי אתה נזוק תניא אידך אכל כל מאכל ולא אכל מלח שתה כל משקין ולא שתה מים ביום ידאג מן ריח הפה ובלילה ידאג מפני אסכרה:
4 Ferner sagte Raba b. Šemuél im Namen R. Ḥijas: Nach jedem Essen iß Salz, und nach jedem Trinken trinke Wasser, so wirst du nie zu Schaden kommen. Ebenso wird gelehrt: Nach jedem Essen iß Salz, und nach jedem Trinken trinke Wasser, so wirst du nie zu Schaden kommen. Ein Anderes lehrt: Wer irgend eine Speise gegessen und kein Salz gegessen hat, wer irgend ein Getränk getrunken und kein Wasser getrunken hat, der sei am Tage wegen üblen Mundgeruches und bei Nacht wegen der Bräune besorgt.
ה ת"ר המקפה אכילתו במים אינו בא לידי חולי מעים וכמה אמר רב חסדא קיתון לפת
5 Die Rabbanan lehrten: Wer sein Essen im Wasser schwimmen läßt, kommt nicht zu Leibschmerzen. – Wieviel? – Einen Trinkbecher für ein Brot.
ו אמר רב מרי א"ר יוחנן הרגיל בעדשים אחת לשלשים יום מונע אסכרה מתוך ביתו אבל כל יומא לא מ"ט משום דקשה לריח הפה
6 R. Mari sagte im Namen R. Joḥanans: Wer einmal in dreißig Tagen Linsen [zu essen] pflegt, hält die Bräune von seinem Hause zurück; jeden Tag aber nicht. – Weshalb? – Weil es wegen üblen Mundgeruches schädlich ist.
ז ואמר רב מרי אמר רבי יוחנן הרגיל בחרדל אחת לשלשים יום מונע חלאים מתוך ביתו אבל כל יומא לא מ"ט משום דקשה לחולשא דלבא
7 Ferner sagte R. Mari im Namen R. Joḥanans: Wer einmal in dreißig Tagen Senf zu essen pflegt, hält böse Krankheiten von seinem Hause zurück; jeden Tag aber nicht. – Weshalb? – Weil es wegen Herzschwäche schädlich ist.
ח אמר רב חייא בר אשי אמר רב הרגיל בדגים קטנים אינו בא לידי חולי מעים ולא עוד אלא שדגים קטנים מפרין ומרבין ומברין כל גופו של אדם
8 R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Wer kleine Fische [zu essen] pflegt, bekommt keine Leibschmerzen; und noch mehr, kleine Fische lassen auch gedeihen, nähren und kräftigen den ganzen Körper des Menschen.
ט א"ר חמא ברבי חנינא הרגיל בקצח אינו בא לידי כאב לב מיתיבי רשב"ג אומר קצח אחד מששים סמני המות הוא והישן למזרח גרנו דמו בראשו לא קשיא הא בריחו הא בטעמו אימיה דרבי ירמיה אפיא ליה ריפתא ומדבקא ליה ומקלפא ליה:
9 R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Wer Schwarzkümmel [zu essen] pflegt, kommt nicht zu Herzschmerzen. Man wandte ein: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Der Schwarzkümmel ist eines der sechzig tödlichen Gewürze, und wer im Osten seiner Tenne schläft, dessen Blut kommt über sein eigenes Haupt!? – Das ist kein Einwand; das eine gilt von seinem Geruche und das andere gilt von seinem Geschmacke. Die Mutter R. Jirmejas buk ihm Brot und streute ihn darauf, kratzte ihn aber wieder ab.
י ר' יהודה אומר בורא מיני דשאים: א"ר זירא ואיתימא ר' חיננא בר פפא אין הלכה כרבי יהודה וא"ר זירא ואיתימא ר' חיננא בר פפא מ"ט דרבי יהודה אמר קרא (תהלים סח, כ) ברוך ה' יום יום וכי ביום מברכין אותו ובלילה אין מברכין אותו אלא לומר לך כל יום ויום תן לו מעין ברכותיו הכא נמי כל מין ומין תן לו מעין ברכותיו.
10 R. J<small>EHUDA SAGT</small>, [<small>MAN SPRECHE</small>] ‘D<small>ER ALLERLEI</small> G<small>RASARTEN ERSCHAFFT</small>’. R. Zera, manche sagen, R. Ḥenana b. Papa sagte: Die Halakha ist nicht wie R. Jehuda. Ferner sagte R. Zera, manche sagen, R. Ḥenana b. Papa: Folgendes ist der Grund R. Jehudas: die Schrift sagt: <i>gepriesen sei der Herr Tag für Tag</i>; preist man ihn denn nur am Tage und [preist ihn] nicht in der Nacht? Vielmehr besagt dies: für jeden besonderen Tag gib ihm seine entsprechenden Segenssprüche; ebenso hier: für jede besondere Art gib ihm seine entsprechenden Segenssprüche.
יא וא"ר זירא ואיתימא ר' חיננא בר פפא בא וראה שלא כמדת הקב"ה מדת בשר ודם מדת בשר ודם כלי ריקן מחזיק מלא אינו מחזיק אבל הקב"ה אינו כן מלא מחזיק ריקן אינו מחזיק שנאמר (שמות טו, כו) ויאמר אם שמוע תשמע אם שמוע תשמע ואם לאו לא תשמע ד"א אם שמוע בישן תשמע בחדש ואם יפנה לבבך שוב לא תשמע:
11 Ferner sagte R. Zera, manche sagen, R. Ḥenana b. Papa: Komm und sieh, daß nicht die Art des Heiligen, gepriesen sei er, die Art des Menschen ist. Beim Menschlichen nimmt ein leeres Gefäß auf, ein volles aber nicht; bei dem des Heiligen, gepriesen sei er, ist es aber nicht so, das Volle nimmt auf, das Leere aber nimmt nicht auf, denn es heißt: <i>und er sprach: Wenn hören, wirst du hören</i>; wenn du bereits gehört hast, wirst du hören, wenn aber nicht, so wirst du nicht hören. Eine andere Erklärung: Hast du das Alte gehört, so wirst du auch das Neue hören, wendet sich aber dein Herz weg, so wirst du nichts mehr hören.
יב <big><strong>מתני׳</strong></big> בירך על פירות האילן בורא פרי האדמה יצא ועל פירות הארץ בורא פרי העץ לא יצא ועל כולם אם אמר שהכל נהיה בדברו יצא:
12 <b>H</b><small>AT JEMAND ÜBER</small> B<small>AUMFRÜCHTE</small> ‘D<small>ER DIE</small> B<small>ODENFRUCHT ERSCHAFFT</small>’ <small>GESPROCHEN, SO HAT ER SEINER</small> P<small>FLICHT GENÜGT</small>; <small>WENN ÜBER</small> B<small>ODENFRÜCHTE</small> ‘D<small>ER DIE</small> B<small>AUMFRUCHT ERSCHAFFT</small>’, <small>SO HAT ER SEINER</small> P<small>FLICHT NICHT GENÜGT</small>. B<small>EI ALLEN ABER HAT MAN SEINER</small> P<small>FLICHT GENÜGT, WENN MAN</small> ‘A<small>LLES ENTSTEHT DURCH SEIN</small> W<small>ORT</small>’ <small>GESPROCHEN HAT</small>.
יג <big><strong>גמ׳</strong></big> מאן תנא דעיקר אילן ארעא היא אמר רב נחמן בר יצחק ר' יהודה היא דתנן יבש המעין ונקצץ האילן מביא ואינו קורא ר' יהודה אומר מביא וקורא:
13 GEMARA. Wer lehrt, daß beim Baume der Boden die Hauptsache ist? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Es ist nach R. Jehuda, denn wir haben gelernt: Ist die Quelle versiegt, oder der Baum abgehauen worden, so bringe er dar und lese nicht; R. Jehuda sagt, er bringe dar und lese auch.
יד על פירות הארץ וכו': פשיטא א"ר נחמן בר יצחק לא נצרכה אלא לר' יהודה דאמר חטה מין אילן היא דתניא אילן שאכל ממנו אדם הראשון רבי מאיר אומר גפן היה שאין לך דבר שמביא יללה על האדם אלא יין שנאמר (בראשית ט, כא) וישת מן היין וישכר רבי נחמיה אומר תאנה היתה שבדבר שנתקלקלו בו נתקנו שנאמר (בראשית ג, ז) ויתפרו עלה תאנה ר"י אומר חטה היתה שאין התינוק יודע לקרות אבא ואמא עד שיטעום טעם דגן
14 W<small>ENN ÜBER</small> B<small>ODENFRÜCHTE</small> &amp;<small>C</small>. Selbstverständlich!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Dies ist nach R. Jehuda nötig, welcher sagt, der Weizen sei eine Baumart. Es wird nämlich gelehrt: Der Baum, von dem Adam, der Urmensch, gegessen hat, war, wie R. Meír sagt, ein Weinstock, denn du hast nichts, was über den Menschen Wehklage bringt, als den Wein, wie es heißt: <i>und er trank vom Weine und wurde trunken</i>. R. Neḥemja sagt, es war ein Feigenbaum, denn womit sie sich versündigt, damit wurde es ihnen gut gemacht, wie es heißt: <i>und sie nähten Feigenblätter zusammen.</i> R. Jehuda sagt, es war Weizen, denn das Kind weiß noch nicht, Vater und Mutter zu sprechen, als es schon den Geschmack des Getreides gekostet hat.
טו ס"ד אמינא הואיל ואמר רבי יהודה חטה מין אילן היא ליברך עליה בורא פרי העץ קמשמע לן היכא מברכינן בורא פרי העץ היכא דכי שקלת ליה לפירי איתיה לגווזא והדר מפיק
15 Man könnte glauben, da nach R. Jehuda der Weizen eine Baumart ist, so spreche man über ihn den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft’, so lehrt er uns, daß man den Segen ‘Der die Baumfrucht erschafft’ nur dann spricht, wenn das Gezweige, nachdem man die Frucht gepflückt, zurückbleibt und wieder [Früchte] hervorbringt,