Berakhot 86

Kapitel 86

א אמר רב גידל אמר רב האי סמלק מברכין עלויה בורא עצי בשמים אמר רב חננאל אמר רב הני חלפי דימא מברכין עלייהו בורא עצי בשמים אמר מר זוטרא מאי קראה (יהושע ב, ו) והיא העלתם הגגה ותטמנם בפשתי העץ
1 R. Gidel sagte im Namen Rabhs: Über den Jasmin spreche man den Segen ‘Der Wohlgeruchbäume erschafft’. R. Ḥananél sagte im Namen Rabhs: Über den Rosmarin spreche man den Segen ‘Der Wohlgeruchbäume erschafft’. Mar Zuṭra sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: <i>und sie führte sie auf das Dach und verbarg sie unter dem Baumflachs</i>.
ב (רב משרשיא אמר) האי נרקום דגנוניתא מברכין עלויה בורא עצי בשמים דדברא בורא עשבי בשמים אמר רב ששת הני סיגלי מברכין עלייהו בורא עשבי בשמים אמר מר זוטרא האי מאן דמורח באתרוגא או בחבושא אומר ברוך שנתן ריח טוב בפירות
2 R. Mešaršeja sagte: Über die Gartennarzisse spreche man den Segen ‘Der Wohlgeruchbäume erschafft’; über die Feldnarzisse: ‘Der Wohlgeruchgräser erschafft’. R. Šešeth sagte: Über Veilchen spreche man den Segen ‘Der Wohlgeruchgräser erschafft’. Mar Zuṭra sagte: Wer an einem Etrog oder an einer Quitte riecht, spreche ‘Gepriesen sei er, der den Früchten Wohlgeruch verlieh’.
ג אמר רב יהודה האי מאן דנפיק ביומי ניסן וחזי אילני דקא מלבלבי אומר ברוך שלא חיסר בעולמו כלום וברא בו בריות טובות ואילנות טובות להתנאות בהן בני אדם אמר רב זוטרא בר טוביה אמר רב מנין שמברכין על הריח שנאמר (תהלים קנ, ו) כל הנשמה תהלל יה איזהו דבר שהנשמה נהנית ממנו ואין הגוף נהנה ממנו הוי אומר זה הריח
3 R. Jehuda sagte: Wer in den Tagen des Nisan hinausgeht und die Bäume blühen sieht, spreche: ‘Gepriesen sei er, der in seiner Welt an nichts fehlen ließ und in dieser schöne Geschöpfe und schöne Bäume erschaffen hat, die Menschen an ihnen sich ergötzen zu lassen’. R. Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs: Woher, daß man über den Geruch einen Segen spreche? Es heißt: <i>jede Seele lobe den Herrn</i>, und das, wovon die Seele einen Genuß hat und der Körper keinen (Genuß hat), ist der Geruch.
ד ואמר רב זוטרא בר טוביה אמר רב עתידים בחורי ישראל שיתנו ריח טוב כלבנון שנאמר (הושע יד, ז) ילכו יונקותיו ויהי כזית הודו וריח לו כלבנון:
4 Ferner sagte R. Zuṭra b. Ṭobija im Namen Rabhs: Dereinst werden die Jünglinge Jisraéls einen Wohlgeruch ausströmen, wie der Lebanon, denn es heißt: <i>es erweitern sich seine Reiser, seine Schönheit gleicht dem Ölbaume und ein Duft ihm eigen, wie dem Lebanon</i>.
ה ואמר רב זוטרא בר טוביה אמר רב מאי דכתיב (קהלת ג, יא) את הכל עשה יפה בעתו מלמד שכל אחד ואחד יפה לו הקב"ה אומנתו בפניו
5 Ferner sagte R. Zuṭra b. Ṭobija im Namen Rabhs: Es heißt: <i>Alles hat er schön gemacht in seiner Zeit.</i> Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, jeden an seiner Beschäftigung Gefallen finden läßt.
ו אמר רב פפא היינו דאמרי אינשי תלה ליה קורא לדבר אחר ואיהו דידיה עביד
6 R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Hänge jenem ein Palmreis um den Hals, er tut dennoch das Seinige.
ז ואמר רב זוטרא בר טוביה אמר רב אבוקה כשנים וירח כשלשה איבעיא להו אבוקה כשנים בהדי דידיה או דילמא אבוקה כשנים לבר מדידיה ת"ש וירח כשלשה אי אמרת בשלמא בהדי דידיה שפיר אלא אי אמרת לבר מדידיה ארבעה למה לי והאמר מר לאחד נראה ומזיק לשנים נראה ואינו מזיק לשלשה אינו נראה כל עיקר אלא לאו שמע מינה אבוקה כשנים בהדי דידיה שמע מינה:
7 Ferner sagte R. Zuṭra b. Ṭobija im Namen Rabhs: Bei einer Fackel, wie zwei, beim Monde, wie drei. Sie fragten: Ist die Fackel wie zwei mit ihm, oder ist die Fackel wie zwei außer ihm? – Komm und höre: Beim Monde, wie drei. Erklärlich ist dies, wenn du mit ihm sagst; wozu aber sind, wenn du außer ihm sagst, vier nötig, der Meister sagte ja, einem könne es erscheinen und schaden, zweien könne es erscheinen, aber nicht schaden, dreien könne es überhaupt nicht erscheinen!? Hieraus ist somit zu entnehmen, daß es bei einer Fackel wie zwei mit ihm ist. Schließe hieraus.
ח ואמר רב זוטרא בר טוביה אמר רב ואמרי לה אמר רב חנא בר ביזנא אמר רבי שמעון חסידא ואמרי לה אמר רבי יוחנן משום רבי שמעון בן יוחי נוח לו לאדם שיפיל עצמו לתוך כבשן האש ואל ילבין פני חברו ברבים מנלן מתמר שנאמר (בראשית לח, כה) היא מוצאת וגו':
8 Ferner sagte R. Zuṭra b. Ṭobija im Namen Rabhs, manche sagen, R. Ḥana b. Bizna im Namen R. Šimo͑n des Frommen, und manche sagen, R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Lieber lasse sich ein Mensch in einen brennenden Schmelzofen werfen, als das Gesicht seines Nächsten öffentlich erbleichen zu lassen. Dies ist von Tamar zu entnehmen, denn es heißt: <i>sie wurde hinausgeführt</i> <i>&amp;c</i>.
ט ת"ר הביאו לפניו שמן והדס ב"ש אומרים מברך על השמן ואח"כ מברך על ההדס וב"ה אומרים מברך על ההדס ואח"כ מברך על השמן אמר ר"ג אני אכריע שמן זכינו לריחו וזכינו לסיכתו הדס לריחו זכינו לסיכתו לא זכינו א"ר יוחנן הלכה כדברי המכריע
9 Die Rabbanan lehrten: Wenn man einem Öl und eine Myrte vorsetzt, so spreche er, wie die Schule Šammajs sagt, zuerst den Segen über das Öl und nachher den Segen über die Myrte, und wie die Schule Hillels sagt, zuerst den Segen über die Myrte und nachher den Segen über das Öl. R. Gamliél sagte: Ich werde entscheiden: vom Öl haben wir den Wohlgeruch und die Salbung, von der Myrte haben wir nur den Wohlgeruch und nicht die Salbung. R. Joḥanan sagte: Die Halakha ist, wie der Entscheidende gesagt hat.
י רב פפא איקלע לבי רב הונא בריה דרב איקא אייתו לקמייהו שמן והדס שקל רב פפא בריך אהדס ברישא והדר בריך אשמן אמר ליה לא סבר לה מר הלכה כדברי המכריע אמר ליה הכי אמר רבא הלכה כב"ה ולא היא לאשתמוטי נפשיה הוא דעבד
10 R. Papa war bei R. Hona, dem Sohne R. Iqas, anwesend, und als man ihnen Öl und eine Myrte brachte, sprach R. Papa den Segen über die Myrte zuerst, und nachher sprach er den Segen über das Öl. Da sprach jener zu ihm: Ist der Meister nicht der Ansicht, die Halakha sei, wie der Entscheidende gesagt hat!? Dieser erwiderte: So sagte Raba: Die Halakha ist wie die Schule Hillels. Dies ist aber nichts; er wollte ihm damit nur ausweichen.
יא ת"ר הביאו לפניהם שמן ויין ב"ש אומרים אוחז השמן בימינו ואת היין בשמאלו מברך על השמן וחוזר ומברך על היין ב"ה אומרים אוחז את היין בימינו ואת השמן בשמאלו מברך על היין וחוזר ומברך על השמן וטחו בראש השמש ואם שמש ת"ח הוא טחו בכותל מפני שגנאי לתלמיד חכם לצאת לשוק כשהוא מבושם
11 Die Rabbanan lehrten: Wenn man ihnen Öl und Wein vorsetzt, so nehme man, wie die Schule Šammajs sagt, das Öl in die Rechte und den Wein in die Linke und spreche den Segen über das Öl und nachher über den Wein, und wie die Schule Hillels sagt, den Wein in die Rechte und das Öl in die Linke und spreche den Segen über den Wein und nachher über das Öl. Man wische es am Kopfe des Tischdieners ab, und ist der Tischdiener ein Schriftgelehrter, so wische man es an der Wand ab, weil es für einen Schriftgelehrten unschicklich ist, parfümiert auf die Straße zu gehen.
יב ת"ר ששה דברים גנאי לו לתלמיד חכם אל יצא כשהוא מבושם לשוק ואל יצא יחידי בלילה ואל יצא במנעלים המטולאים ואל יספר עם אשה בשוק ואל יסב בחבורה של עמי הארץ ואל יכנס באחרונה לבית המדרש ויש אומרים אף לא יפסיע פסיעה גסה ואל יהלך בקומה זקופה
12 Die Rabbanan lehrten: Sechs Dinge sind für einen Schriftgelehrten unschicklich: er gehe nicht parfümiert auf die Straße; er gehe nicht nachts allein; er gehe nicht in geflickten Schuhen; er unterhalte sich nicht mit einem Weibe auf offener Straße; er weile nicht in einer Gesellschaft von Unwissenden; und er komme nicht als Letzter ins Lehrhaus. Manche sagen: er mache auch keine großen Schritte und er gehe nicht in emporgerichteter Haltung.
יג אל יצא כשהוא מבושם לשוק א"ר אבא בריה דר' חייא בר אבא אמר רבי יוחנן במקום שחשודים על משכב זכור אמר רב ששת לא אמרן אלא בבגדו אבל בגופו זיעה מעברא ליה אמר רב פפא ושערו כבגדו דמי ואמרי לה כגופו דמי
13 «Er gehe nicht parfümiert auf die Straße.» R. Abba, Sohn des R. Ḥija b. Abba, sagte im Namen R. Joḥanans: In Orten, wo man der Päderastie verdächtig ist. R. Šešeth sagte: Dies nur, wenn an den Kleidern, am Körper aber entfernt es ihm den Schweiß. R. Papa sagte: Am Haar ist es ebenso, wie an den Kleidern. Manche sagen, wie am Körper.
יד ואל יצא יחידי בלילה משום חשדא ולא אמרן אלא דלא קביע ליה עידנא אבל קביע ליה עידנא מידע ידיע דלעידניה קא אזיל
14 «Er gehe nicht nachts allein.» Wegen des Verdachtes. Dies nur dann, wenn es nicht seine festgesetzte Stunde ist, ist es aber seine festgesetzte Stunde, so weiß man, daß er zur festgesetzten Stunde geht.
טו ואל יצא במנעלים המטולאים מסייע ליה לרבי חייא בר אבא דאמר ר' חייא בר אבא גנאי הוא לתלמיד חכם שיצא במנעלים המטולאים איני והא ר' חייא בר אבא נפיק אמר מר זוטרא בריה דרב נחמן בטלאי על גבי טלאי ולא אמרן אלא בפנתא אבל בגילדא לית לן בה ובפנתא לא אמרן אלא באורחא אבל בביתא לית לן בה ולא אמרן אלא בימות החמה אבל בימות הגשמים לית לן בה
15 «Er gehe nicht mit geflickten Schuhen.» Dem ist ja aber nicht so, R. Ḥija b. Abba ging ja [in solchen]!? Mar Zuṭra b. R. Naḥman erwiderte: An denen Flick auf Flick sitzt. Dies gilt jedoch nur vom Oberleder, bei der Sohle aber ist nichts dabei. Auch vom Oberleder gilt dies nur auf der Straße, zu Hause aber ist nichts dabei. Ferner gilt dies nur im Sommer, in der Regenzeit aber ist nichts dabei.
טז ואל יספר עם אשה בשוק אמר רב חסדא ואפילו היא אשתו תניא נמי הכא אפילו היא אשתו ואפילו היא בתו ואפילו היא אחותו לפי שאין הכל בקיאין בקרובותיו
16 «Er unterhalte sich nicht mit einem Weibe auf offener Straße.» R. Ḥisda sagte: Selbst wenn es seine Frau ist. Ebenso wird gelehrt: Selbst wenn es seine Frau ist, selbst wenn es seine Tochter ist, selbst wenn es seine Schwester ist, weil nicht jeder in seiner Verwandtschaft kundig ist.
יז ואל יסב בחבורה של עמי הארץ מאי טעמא דילמא אתי לאמשוכי בתרייהו
17 «Er weile nicht in einer Gesellschaft von Unwissenden.» Aus welchem Grunde? – Er könnte sich von ihnen verleiten lassen.
יח ואל יכנס אחרונה לבית המדרש משום דקרו ליה פושע
18 «Er komme nicht als Letzter ins Lehrhaus.» Weil man ihn Übertreter nennen würde.
יט וי"א אף לא יפסיע פסיעה גסה דאמר מר פסיעה גסה נוטלת אחד מת"ק ממאור עיניו של אדם מאי תקנתיה להדריה בקדושא דבי שמשי
19 «Manche sagen: er mache auch keine großen Schritte.» Der Meister sagte nämlich, ein großer Schritt nehme ein Fünfhundertstel vom Augenlicht des Menschen. – Welches Mittel gibt es für ihn? – Er erlangt es wieder durch den Weihsegen am [Šabbath-]Abend.
כ ואל יהלך בקומה זקופה דאמר מר המהלך בקומה זקופה אפילו ארבע אמות כאילו דוחק רגלי שכינה דכתיב (ישעיהו ו, ג) מלא כל הארץ כבודו:
20 «Er gehe nicht in emporgerichteter Haltung.» Der Meister sagte nämlich, wenn jemand auch nur vier Ellen in emporgerichteter Haltung geht, so sei dies ebenso, als verdränge er die Füße der Göttlichkeit, denn es heißt: <i>die ganze Welt füllt seine Herrlichkeit.</i>