Berakhot 90

Kapitel 90

א דניחא להו דמקבע להו בחובה (מעיקרא)
1 es ist ihnen erwünscht, daß es ihnen zur Pflicht werde. –
ב ת"ש נשים מזמנות לעצמן ועבדים מזמנים לעצמן נשים ועבדים וקטנים אם רצו לזמן אין מזמנין (והא נשים אפילו מאה) והא מאה נשי כתרי גברי דמיין וקתני נשים מזמנות לעצמן ועבדים מזמנין לעצמן
2 Komm und höre: Frauen sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen; Sklaven sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen. Frauen, Sklaven und Minderjährige dürfen, auch wenn sie es wollen, sich nicht zum gemeinsamen Tischsegen vereinigen. Hundert Frauen gleichen ja zwei Männern, und er lehrt: Frauen sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen, Sklaven sprechen für sich selbst den gemeinsamen Tischsegen!? –
ג שאני התם דאיכא דעות
3 Anders ist es hierbei, es sind ja [viele] Personen. –
ד א"ה אימא סיפא נשים ועבדים אם רצו לזמן אין מזמנין אמאי לא והא איכא דעות
4 Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: Frauen und Sklaven dürfen, auch wenn sie es wollen, sich nicht zum gemeinsamen Tischsegen vereinigen; wieso nicht, es sind ja [viele] Personen!? –
ה שאני התם משום פריצותא
5 Anders ist es hierbei: wegen der Zuchtlosigkeit.
ו תסתיים דרב דאמר אם רצו לזמן אין מזמנין דאמר רב דימי בר יוסף אמר רב שלשה שאכלו כאחת ויצא אחד מהם לשוק קוראין לו ומזמנין עליו טעמא דקוראין לו הא לא קוראין לו לא
6 Es ist zu schließen, daß Rabh es ist, welcher sagt, auch wenn sie es wollen, dürfen sie nicht den gemeinsamen Tischsegen sprechen. R. Dimi b. Joseph sagte nämlich im Namen Rabhs: Wenn drei zusammen gespeist haben und einer von ihnen auf die Straße hinausgeht, so rufen sie ihn und zählen ihn mit zum gemeinsamen Tischsegen. Nur wenn sie ihn rufen, nicht aber, wenn sie ihn nicht rufen!? –
ז שאני התם דאקבעו להו בחובה מעיקרא
7 Anders ist es hier, wo es ihnen von vornherein eine Pflicht war. –
ח אלא תסתיים דר' יוחנן הוא דאמר אם רצו לזמן אין מזמנין דאמר רבה בר בר חנה א"ר יוחנן שנים שאכלו כאחת אחד מהן יוצא בברכת חבירו
8 Es ist zu schließen, daß R. Joḥanan es ist, welcher sagt, auch wenn sie es wollen, dürfen sie nicht den gemeinsamen Tischsegen sprechen. Rabba b. Bar Ḥana sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Wenn zwei zusammen essen, so entledigt sich der eine seiner Pflicht durch den Segen seines Genossen.
ט והוינן בה מאי קא משמע לן תנינא שמע ולא ענה יצא ואמר רבי זירא לומר שאין ברכת המזון ביניהם תסתיים
9 Dagegen wandten wir ein: Was Neues lehrt er uns da, wir haben ja bereits gelernt, wer zugehört hat, auch wenn er nicht geantwortet hat, habe seiner Pflicht genügt!? Und R. Zera erwiderte, dies lehre, daß es bei ihnen keinen gemeinsamen Tischsegen gebe. – Es ist zu schließen.
י א"ל רבא בר רב הונא לרב הונא והא רבנן דאתו ממערבא אמרי אם רצו לזמן מזמנין מאי לאו דשמיע להו מר' יוחנן לא דשמיע להו מרב מקמי דנחית לבבל:
10 Raba b. R. Hona sprach zu R. Hona: Die Rabbanan, die aus dem Westen gekommen, sagen ja, wenn sie es wollen, dürfen sie den gemeinsamen Tischsegen sprechen, und dies werden sie wohl von R. Joḥanan gehört haben!? – Nein, sie hörten dies von Rabh, bevor er nach Babylonien herabkam.
יא גופא אמר רב דימי בר יוסף אמר רב שלשה שאכלו כאחת ויצא אחד מהם לשוק קוראין לו ומזמנין עליו אמר אביי והוא דקרו ליה ועני
11 Der Text. R. Dimi b. Joseph sagte im Namen Rabhs: Wenn drei zusammen gespeist haben, und einer von ihnen auf die Straße hinausgeht, so rufen sie ihn und zählen ihn mit zum gemeinsamen Tischsegen. Abajje sagte: Dies nur, wenn sie ihn rufen, und er ihnen antwortet.
יב אמר מר זוטרא ולא אמרן אלא בשלשה אבל בעשרה עד דנייתי
12 Mar Zuṭra sagte: Dies nur, wenn drei, wenn aber zehn, nur wenn er herankommt.
יג מתקיף לה רב אשי אדרבה איפכא מסתברא תשעה נראין כעשרה שנים אין נראין כשלשה
13 R. Aši wandte ein: Im Gegenteil, das Entgegengesetzte ist ja einleuchtender: neun erscheinen wohl wie zehn, nicht aber erscheinen zwei wie drei!?
יד והלכתא כמר זוטרא מ"ט כיון דבעי לאדכורי שם שמים בציר מעשרה לאו אורח ארעא
14 Die Halakha ist wie Mar Zuṭra. – Aus welchem Grunde? – Weil man dann den Namen Gottes erwähnen muß, und dies ist, wenn weniger als zehn, nicht schicklich.
טו אמר אביי נקיטינן שנים שאכלו כאחת מצוה ליחלק תניא נמי הכי שנים שאכלו כאחת מצוה ליחלק במה דברים אמורים כששניהם סופרים אבל אחד סופר ואחד בור סופר מברך ובור יוצא:
15 Abajje sagte: Es ist uns erhalten: wenn zwei zusammen speisen, so ist es Gebot, daß sie sich trennen. Ebenso wird gelehrt: Wenn zwei zusammen essen, so ist es Gebot, daß sie sich trennen. Diese Worte gelten nur, wenn beide Schriftkundige sind, wenn aber einer Schriftkundiger und der andere ein Unwissender ist, so spreche der Schriftkundige den Segen, und der Unwissende ist vertreten.
טז אמר רבא הא מילתא אמריתא אנא ואיתמרה משמיה דרבי זירא כוותי שלשה שאכלו כאחת אחד מפסיק לשנים ואין שנים מפסיקין לאחד
16 Raba sagte: Folgendes habe ich gesagt, und übereinstimmend mit mir wurde es auch im Namen R. Zeras gelehrt: Wenn drei speisen, so unterbreche einer für zwei, nicht aber unterbrechen zwei für einen. –
יז ולא והא רב פפא אפסיק ליה לאבא מר בריה איהו וחד שאני רב פפא דלפנים משורת הדין הוא דעבד
17 Etwa nicht, R. Papa unterbrach ja zusammen mit noch jemandem für seinen Sohn Abba Mar!? Anders R. Papa, er verfuhr innerhalb der Rechtslinie.
יח יהודה בר מרימר ומר בר רב אשי ורב אחא מדפתי כרכי ריפתא בהדי הדדי לא הוה בהו חד דהוה מופלג מחבריה לברוכי להו (יתבי וקא מיבעיא להו) הא דתנן שלשה שאכלו כאחת חייבין לזמן הני מילי היכא דאיכא אדם גדול אבל היכא דכי הדדי נינהו חלוק ברכות עדיף
18 Jehuda b. Meremar, Mar b. R. Aši und R. Aḥa aus Diphte speisten zusammen, und unter ihnen war keiner, der bedeutender wäre als seine Genossen, um für sie den Segensspruch zu sprechen. Sie sprachen: Wir haben gelernt: Wenn drei zusammen gespeist haben, so müssen sie den Tischsegen gemeinsam sprechen. Dies nur, wenn einer [unter ihnen] bedeutender ist, wenn sie aber gleich sind, ist die Trennung bei den Segenssprüchen vorzuziehen,
יט בריך איניש לנפשיה אתו לקמיה דמרימר אמר להו ידי ברכה יצאתם ידי זימון לא יצאתם וכי תימרו ניהדר ונזמן אין זימון למפרע
19 und jeder spreche den Segen für sich. Als sie zu Meremar kamen, sprach er zu ihnen: Ihr habt der Pflicht des Tischsegens genügt, der des gemeinsamen Tischsegens habt ihr nicht genügt. Wenn ihr aber sagt, ihr wollt umkehren und ihn gemeinsam sprechen, so gibt es rückwirkend keinen Zusammenschluß.
כ בא ומצאן כשהן מברכים מהו אומר אחריהם רב זביד אמר ברוך ומבורך רב פפא אמר עונה אמן
20 Was spricht, der hereinkommt und sie beim Tischsegen trifft, mit ihnen mit? R. Zebid sagte: ‘Gepriesen und gesegnet’. R. Papa sagte: Er antworte ‘Amen’.
כא ולא פליגי הא דאשכחינהו דקא אמרי נברך והא דאשכחינהו דקא אמרי ברוך אשכחינהו דקא אמרי נברך אומר ברוך ומבורך אשכחינהו דקא אמרי ברוך עונה אמן
21 Sie streiten aber nicht; das eine, wann er sie bei der Formel ‘Wir wollen preisen’ trifft, das andere, wenn er sie bei der Formel ‘Gepriesen’ trifft. Trifft er sie bei der Formel ‘Wir wollen preisen’, so spreche er: ‘Gepriesen und gesegnet’, trifft er sie bei der Formel ‘Gepriesen’, so antworte er ‘Amen’.
כב תני חדא העונה אמן אחר ברכותיו הרי זה משובח ותניא אידך הרי זה מגונה
22 Eines lehrt, wer nach seinen eigenen Segenssprüchen ‘Amen’ spricht, sei lobenswert, und ein Anderes lehrt, er sei tadelnswert!? –
כג לא קשיא הא בבונה ירושלים הא בשאר ברכות
23 Das ist kein Widerspruch; das Eine nach dem Segen ‘Der Jerušalem erbaut’, das Andere nach den übrigen Segenssprüchen.
כד אביי עני ליה בקלא כי היכי דלשמעו פועלים וליקומו דהטוב והמטיב לאו דאורייתא רב אשי עני ליה בלחישא כי היכי דלא נזלזלו בהטוב והמטיב
24 Abajje pflegte es laut zu sprechen, damit die Tagelöhner es hören und aufstehen sollen, denn [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’ ist kein Gebot der Tora. R. Aši pflegte ihn leise zu sprechen, damit sie [den Segen] ‘Der Gute und Gütige’ nicht vernachlässigen sollen.