Berakhot 94

Kapitel 94

א (במדבר יח, כח) מכל מעשרותיכם תרימו ומה ראית האי אידגן והאי לא אידגן:
1 <i>von all eueren Zehnten</i> <i>sollt ihr abheben.</i> – Was veranlaßt dich dazu!? – Dieses ist bereits Getreide, jenes ist noch nicht Getreide.
ב מעשר שני והקדש שנפדו: פשיטא הב"ע כגון שנתן את הקרן ולא נתן את החומש והא קמ"ל דאין חומש מעכב:
2 D<small>EN ZWEITEN</small> Z<small>EHNTEN UND</small> H<small>EILIGENGUT, DIE AUSGEWEIHT WURDEN</small>. Selbstverständlich!? – Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er nur den Grundwert und nicht das Fünftel gegeben hat. Er lehrt uns folgendes: das Fünftel hindert nicht.
ג השמש שאכל כזית: פשיטא מהו דתימא שמש לא קבע קמ"ל:
3 D<small>ER</small> T<small>ISCHDIENER, DER IM</small> Q<small>UANTUM EINER</small> O<small>LIVE GEGESSEN HAT</small>. Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, der Tischdiener habe keine bestimmte Mahlzeit, so lehrt er uns.
ד והכותי מזמנין עליו: אמאי לא יהא אלא עם הארץ ותניא אין מזמנין על ע"ה
4 S<small>OWIE DER</small> S<small>AMARITANER, WERDEN ZUM GEMEINSAMEN</small> T<small>ISCHSEGEN MITGERECHNET</small>. Warum denn, er sollte ja nicht mehr als einer aus dem gemeinen Volke gelten, und es wird gelehrt, daß man einen Mann aus dem gemeinen Volke nicht zum Tischsegen mitzähle!?
ה אביי אמר בכותי חבר רבא אמר אפילו תימא בכותי ע"ה והכא בע"ה דרבנן דפליגי עליה דר' מאיר עסקינן דתניא איזהו ע"ה כל שאינו אוכל חוליו בטהרה דברי ר"מ וחכמים אומרים כל שאינו מעשר פירותיו כראוי והני כותאי עשורי מעשרי כדחזי דבמאי דכתיב באורייתא מזהר זהירי דאמר מר כל מצוה שהחזיקו בה כותים הרבה מדקדקין בה יותר מישראל
5 Abajje erwiderte: Ein Samaritaner, der Genosse ist. Raba erwiderte: Du kannst auch sagen: ein Samaritaner aus dem gemeinen Volke, hier aber wird von einem gesprochen, der nur rabbanitisch zum gemeinen Volke gehört, hinsichtlich dessen sie gegen R. Meír streiten. Es wird nämlich gelehrt: Wer ist ein Mann aus dem gemeinen Volke? Wer sein Profanes nicht in Reinheit ißt – so R. Meír; die Weisen sagen, wer seine Früchte nicht richtig verzehntet. Die Samaritaner aber entrichten den Zehnten richtig, denn was in der Tora steht, beobachten sie genau. Der Meister sagte nämlich: Mit jedem Gebote, das sie halten, nehmen die Samaritaner es viel genauer als die Jisraéliten.
ו ת"ר איזהו ע"ה כל שאינו קורא ק"ש ערבית ושחרית דברי ר' אליעזר רבי יהושע אומר כל שאינו מניח תפילין בן עזאי אומר כל שאין לו ציצית בבגדו ר' נתן אומר כל שאין מזוזה על פתחו ר' נתן בר יוסף אומר כל שיש לו בנים ואינו מגדלם לת"ת אחרים אומרים אפי' קרא ושנה ולא שמש ת"ח הרי זה ע"ה א"ר הונא הלכה כאחרים
6 Die Rabbanan lehrten: Wer ist ein Mann aus dem gemeinen Volke? Wer morgens und abends das Šema͑ nicht liest – so R. Elie͑zer; R. Jehošua͑ sagt, wer keine Tephillin anlegt; Ben A͑zaj sagt, wer keine Çiçith an seinem Gewande hat; R. Nathan sagt, wer keine Mezuza an seiner Tür hat; R. Jonathan b. Joseph sagt, wer Kinder hat und sie nicht zum Studium der Tora erzieht; Andere sagen, selbst wenn einer die Schrift gelesen und Mišna gelernt, aber bei Schriftgelehrten nicht famuliert hat, sei ein Mann aus dem gemeinen Volke. R. Hona sagte: Die Halakha ist wie die Anderen.
ז רמי בר חמא לא אזמין עליה דרב מנשיא בר תחליפא דתני ספרא וספרי והלכתא כי נח נפשיה דרמי בר חמא אמר רבא לא נח נפשיה דרמי בר חמא אלא דלא אזמין ארב מנשיא בר תחליפא והתניא אחרים אומרים אפילו קרא ושנה ולא שמש ת"ח הרי זה ע"ה שאני רב מנשיא בר תחליפא דמשמע להו לרבנן ורמי בר חמא הוא דלא דק אבתריה ל"א דשמע שמעתתא מפומייהו דרבנן וגריס להו כצורבא מרבנן דמי:
7 Rami b. Ḥama zählte R. Menasja b. Taḥlipha, der Siphra, Siphre und Halakha studiert hat, zum gemeinsamen Tischsegen nicht mit. Als Rami b. Ḥama starb, sprach Raba: Rami b. Ḥama starb nur deshalb, weil er R. Menasja b. Taḥlipha nicht zum gemeinsamen Tischsegen mitgezählt hat. – Es wird ja aber gelehrt: Andere sagen, selbst wenn einer die Schrift gelesen und Mišna gelernt, aber bei Schriftgelehrten nicht famuliert hat, sei ein Mann aus dem gemeinen Volke!? – Anders R. Menasja b. Taḥlipha, er hat ja bei den Rabbanan famuliert, nur hatte sich Rami b. Ḥama nach ihm nicht genau erkundigt. Eine andere Lesart: Wer die Lehren aus dem Munde der Rabbanan hört und sie studiert, gleicht einem Gelehrten.
ח אכל טבל ומעשר וכו': טבל פשיטא לא צריכא בטבל טבול מדרבנן ה"ד בעציץ שאינו נקוב:
8 W<small>ER</small> U<small>NVERZEHNTETES</small> &amp;<small>C., ODER DEN</small> Z<small>EHNTEN GEGESSEN HAT</small>. Vom Unverzehnteten ist es ja selbstverständlich!? – Dies ist nötig bezüglich des rabbanitisch Unverzehnteten, beispielsweise in einem undurchlochten Topf gezogen.
ט מעשר ראשון כו': פשיטא לא צריכא כגון שהקדימו בכרי מהו דתימא כדאמר ליה רב פפא לאביי קמ"ל כדשני ליה:
9 D<small>EN ERSTEN</small> Z<small>EHNTEN</small> &amp;<small>C.</small> Selbstverständlich!? – Dies ist für den Fall nötig, wenn er ihm zuvorgekommen und vom Getreidehaufen den Zehnten abgehoben hat; man könnte glauben, man richte sich nach dem, was R. Papa zu Abajje gesagt hat, so lehrt er uns, daß es so sei, wie dieser ihm erwidert hat.
י מעשר שני וכו': פשיטא לא צריכא שנפדו ולא נפדו כהלכתן מעשר שני כגון שפדאו על גבי אסימון ורחמנא אמר (דברים יד, כה) וצרת הכסף בידך כסף שיש (לו) עליו צורה הקדש שחללו על גבי קרקע ולא פדאו בכסף ורחמנא אמר (ויקרא כז, יט) ונתן הכסף וקם לו:
10 D<small>EN ZWEITEN</small> Z<small>EHNTEN</small> &amp;<small>C</small>. Selbstverständlich!? – Dies ist für den Fall nötig, wenn man sie ausgeweiht, aber nicht der Halakha entsprechend ausgeweiht hat; wenn man beispielsweise den ersten Zehnten durch ein ungemünztes Silberstück ausgeweiht hat, während der Allbarmherzige sagt: <i>du sollst das Geld in deiner Hand binden</i>, Geld, worauf eine Figur; oder wenn man das Heiligengut durch ein Grundstück und nicht durch Geld ausgeweiht hat, während der Allbarmherzige sagt: <i>er gebe das Geld, und er hat es erstanden.</i>
יא והשמש שאכל פחות מכזית: פשיטא איידי דתנא רישא כזית תנא סיפא פחות מכזית:
11 D<small>ER</small> T<small>ISCHDIENER, DER WENIGER ALS IM</small> Q<small>UANTUM EINER</small> O<small>LIVE GEGESSEN HAT</small>. Selbstverständlich!? – Da er im Anfangssatze vom Quantum einer Olive lehrt, lehrt er im Schlußsätze vom Quantum weniger als eine Olive.
יב והנכרי אין מזמנין עליו: פשיטא הכא במאי עסקינן בגר שמל ולא טבל דאמר רבי זירא א"ר יוחנן לעולם אינו גר עד שימול ויטבול וכמה דלא טבל נכרי הוא:
12 S<small>OWIE EIN</small> F<small>REMDLING WERDEN ZUM GEMEINSAMEN</small> T<small>ISCHSEGEN NICHT MITGERECHNET</small>. Selbstverständlich!? – Hier wird von einem Proselyten gesprochen, der schon beschnitten, aber noch nicht untergetaucht ist. R. Zera sagt nämlich im Namen R. Joḥanans: Er ist nicht eher Proselyt, als bis er beschnitten und untergetaucht ist. Solange er nicht untergetaucht ist, ist er Nichtjude.
יג נשים ועבדים וקטנים אין מזמנין עליהן: אמר רבי יוסי קטן המוטל בעריסה מזמנין עליו
13 F<small>RAUEN</small>, S<small>KLAVEN UND</small> M<small>INDERJÄHRIGE WERDEN ZUM GEMEINSAMEN</small> T<small>ISCHSEGEN NICHT MITGERECHNET</small>. R. Jose sagte, ein in der Wiege liegendes Kind wird zum Tischsegen mitgerechnet. –
יד והא תנן נשים ועבדים וקטנים אין מזמנין עליהם
14 Wir haben ja aber gelernt: Frauen, Sklaven und Minderjährige werden zum Tischsegen nicht mitgerechnet!? –
טו הוא דאמר כרבי יהושע בן לוי דאמר ריב"ל אף על פי שאמרו קטן המוטל בעריסה אין מזמנין עליו אבל עושין אותו סניף לעשרה
15 Er ist der Ansicht des R. Jehošua͑ b. Levi. R. Jehošua͑ b. Levi sagte nämlich: Obgleich sie gesagt haben, ein in der Wiege liegendes Kind werde zum Tischsegen nicht mitgerechnet, so macht man ihn dennoch zum Anschlusse zur Zehnzahl.
טז ואמר ריב"ל תשעה ועבד מצטרפין מיתיבי מעשה ברבי אליעזר שנכנס לבית הכנסת ולא מצא עשרה ושחרר עבדו והשלימו לעשרה שחרר אין לא שחרר לא תרי אצטריכו שחרר חד ונפיק בחד
16 Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Neun und ein Sklave werden vereinigt. Man wandte ein: Einst kam R. Elie͑zer ins Bethaus und fand keine zehn [Personen]; da befreite er seinen Sklaven und ergänzte mit ihm die Zehnzahl. Nur befreit, nicht aber unbefreit!? – Er brauchte zwei; einen befreite er, und mit dem anderen genügte er der Pflicht. –
יז והיכי עביד הכי והאמר רב יהודה כל המשחרר עבדו עובר בעשה שנאמר (ויקרא כה, מו) לעולם בהם תעבודו לדבר מצוה שאני מצוה הבאה בעבירה היא מצוה דרבים שאני
17 Wieso aber tat er dies, R. Jehuda sagt ja, wer seinen Sklaven befreit, übertrete ein Gebot, denn es heißt:: <i>ewig sollt ihr sie zur Arbeit halten</i>!? – Zum Zwecke des Gebotes ist es anders. – Es ist ja aber ein Gebot mit einer Übertretung verbunden!? – Anders ist ein Gebot für die Gemeinschaft.
יח ואמר ריב"ל לעולם ישכים אדם לבית הכנסת כדי שיזכה וימנה עם עשרה הראשונים שאפילו מאה באים אחריו קבל עליו שכר כולם שכר כולם סלקא דעתך אלא אימא נותנין לו שכר כנגד כולם
18 Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Stets mache man sich früh nach dem Bethause auf, damit man das Verdienst habe, zu den ersten Zehn gezählt zu werden, denn auch, wenn nach ihm hundert kommen, erhält er die Belohnung aller. – Die Belohnung aller, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: man gibt ihm einen Lohn, wie allen zusammen.
יט אמר רב הונא תשעה וארון מצטרפין א"ל רב נחמן וארון גברא הוא אלא אמר רב הונא תשעה נראין כעשרה מצטרפין אמרי לה כי מכנפי ואמרי לה כי מבדרי
19 R. Hona sagte: Neun und die [Tora-]Lade werden vereinigt. R. Naḥman sprach zu ihm: Ist denn die Lade ein Mensch!? Vielmehr, sagte R. Hona, neun, die wie zehn erscheinen, werden vereinigt. Manche sagen, wenn sie zusammen sind; manche sagen, wenn sie zerstreut sind.
כ אמר רבי אמי שנים ושבת מצטרפין אמר ליה רב נחמן ושבת גברא הוא אלא אמר רבי אמי שני תלמידי חכמים המחדדין זה את זה בהלכה מצטרפין מחוי רב חסדא כגון אנא ורב ששת מחוי רב ששת כגון אנא ורב חסדא
20 R. Ami sagte: Zwei und der Šabbath werden vereinigt. R. Naḥman sprach zu ihm: Ist denn der Šabbath ein Mensch!? Vielmehr, sagte R. Ami, zwei Schriftgelehrte, die einander in der Halakha schärfen, werden vereinigt. R. Ḥisda bemerkte: Zum Beispiel ich und R. Šešeth. R. Šešeth bemerkte: Zum Beispiel ich und R. Ḥisda.
כא א"ר יוחנן קטן פורח מזמנין עליו תנ"ה קטן שהביא שתי שערות מזמנין עליו ושלא הביא שתי שערות אין מזמנין עליו ואין מדקדקין בקטן הא גופא קשיא אמרת הביא שתי שערות אין לא הביא לא והדר תני אין מדקדקין בקטן לאתויי מאי לאו
21 R. Joḥanan sagte: Ein in der Schwebe befindlicher Knabe wird zum gemeinsamen Tischsegen mitgerechnet. Ebenso wird gelehrt: Ein Minderjähriger, der zwei Haare bekommen hat, wird zum gemeinsamen Tischsegen mitgerechnet; der noch keine zwei Haare bekommen hat, wird zum gemeinsamen Tischsegen nicht mitgerechnet. Doch nehme man es beim Minderjährigen nicht genau. – Dies widerspricht sich ja selbst: du sagst, nur wenn er zwei Haare bekommen hat, nicht aber, wenn er sie nicht bekommen hat, nachher aber lehrt er, man nehme es beim Minderjährigen nicht genau!?