Chullin 172

Kapitel 172

א סמוך מיעוטא לחזקה ואיתרע ליה רובא
1 so verbinde man die Minderheit mit dem bisherigen Zustande, und die Mehrheit ist suspekt.
ב אם אמרו ספק טומאה לטהר יאמרו ספק איסור להתיר
2 Sollte man denn, weil sie gesagt haben, bei einem Zweifel der Unreinheit gelte es als rein, auch sagen, bei einem Zweifel des Verbotes sei zu erlauben!?
ג הורה רבי כר"מ והורה רבי כחכמים הי מינייהו דאחריתא
3 Rabbi traf eine Entscheidung nach R. Meír und traf eine Entscheidung nach den Weisen. Welche von ihnen später?
ד תא שמע דרבי אבא בריה דרבי חייא בר אבא ורבי זירא הוו קיימי בשוקא דקיסרי אפתחא דבי מדרשא נפק רבי אמי אשכחינהו אמר להו לאו אמינא לכו בעידן בי מדרשא לא תקימו אבראי דילמא איכא אינש דמיצטרכא ליה שמעתא ואתי לאיטרודי
4 Komm und höre: R. Abba, Sohn des R. Ḥija b. Abba, und R. Zera standen auf dem Marktplatze von Cäsarea an der Tür des Lehrhauses, und als R. Ami herauskam und sie da traf, sprach er zu ihnen: Sagte ich euch etwa nicht, daß ihr während der Vorlesung nicht draußen stehen sollt, denn es konnte jemand etwas wissen wollen und dadurch eine Störung entstehen!?
ה רבי זירא על רבי אבא לא על יתבי וקא מיבעיא להו הי מינייהו אחריתא אמר להו רבי זירא לא שבקתון לי דאישייליה לסבא דילמא שמיע ליה מאבוה ואבוה מיניה דרבי יוחנן דרבי חייא בר אבא כל תלתין יומין קא מהדר תלמודיה קמיה דר' יוחנן
5 Hierauf ging R. Zera hinein und R. Abba ging nicht hinein. Sie saßen und warfen die Frage auf: welche von ihnen später? Da sprach R. Zera zu ihnen: Ihr habt mich nicht den Alten fragen lassen; er hat es vielleicht von seinem Vater und sein Vater von R. Joḥanan gehört. R. Ḥija b. Abba pflegte nämlich alle dreißig Tage sein Studium vor R. Joḥanan zu repetieren.
ו מאי הוי עלה תא שמע דשלח רבי אלעזר לגולה הורה רבי כר' מאיר והא כרבנן נמי אורי אלא לאו ש"מ הא דאחריתא ש"מ:
6 Wie bleibt es damit? – Komm und höre: R. Elea͑zar ließ der Diaspora mitteilen, Rabbi habe eine Entscheidung nach R. Meír getroffen, und da er auch nach den Rabbanan entschied, so ist wohl zu verstehen, er habe sie später getroffen. Schließe hieraus.
ז <big><strong>מתני׳</strong></big> שחט מאה חיות במקום אחד כסוי אחד לכולן מאה עופות במקום אחד כסוי אחד לכולן חיה ועוף במקום אחד כסוי אחד לכולן רבי יהודה אומר שחט חיה יכסנה ואח"כ ישחוט את העוף:
7 <b>H</b><small>AT MAN HUNDERT</small> S<small>TÜCK</small> W<small>ILD AN EINER</small> S<small>TELLE GESCHLACHTET, SO GENÜGT EIN EINZIGES</small> B<small>EDECKEN FÜR ALLE; WENN HUNDERT</small> S<small>TÜCK</small> G<small>EFLÜGEL AN EINER</small> S<small>TELLE, SO GENÜGT EIN EINZIGES</small> B<small>EDECKEN FÜR ALLE; WENN</small> W<small>ILD UND</small> G<small>EFLÜGEL AN EINER</small> S<small>TELLE, SO GENÜGT EIN EINZIGES</small> B<small>EDECKEN FÜR ALLE</small>. R. J<small>EHUDA SAGT, HAT MAN</small> W<small>ILD GESCHLACHTET, SO BEDECKE MAN</small> [<small>DAS</small> B<small>LUT</small>], <small>UND NACHHER SCHLACHTE MAN DAS</small> G<small>EFLÜGEL</small>.
ח <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר חיה כל משמע חיה בין מרובה ובין מועטת עוף כל משמע עוף בין מרובה ובין מועט מכאן אמרו שחט מאה חיות במקום אחד כסוי אחד לכולן מאה עופות במקום אחד כסוי אחד לכולן חיה ועוף במקום אחד כסוי אחד לכולן
8 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Unter <i>Wild</i> ist alles zu verstehen, ob viel oder wenig; unter <i>Geflügel</i> ist alles zu verstehen, ob viel oder wenig. Hieraus folgerten sie, daß, wenn man hundert Stück Wild an einer Stelle geschlachtet hat, für alle ein einziges Bedecken genüge, wenn hundert Stück Geflügel an einer Stelle, für alle ein einziges Bedecken genüge, wenn Wild und Geflügel an einer Stelle, für alle ein einziges Bedecken genüge.
ט רבי יהודה אומר שחט חיה יכסנה ואחר כך ישחוט את העוף שנאמר (ויקרא יז, יג) חיה או עוף
9 R. Jehuda sagt, hat man Wild geschlachtet, so bedecke man [das Blut], und nachher schlachte man das Geflügel, denn es heißt: <i>Wild oder Geflügel</i>.
י אמרו לו הרי הוא אומר (ויקרא יז, יד) כי נפש כל בשר דמו בנפשו הוא מאי קא מהדרי לי הכי קאמרי ליה רבנן האי או מיבעי ליה לחלק
10 Sie entgegneten ihm: Es heißt auch: <i>denn es ist das Leben alles Fleisches, sein Blut ist mit dem Leben verbunden. –</i> Was entgegneten sie ihm damit!? – Die Rabbanan sprachen zu ihm wie folgt: Das <i>oder</i> ist ja zur Teilung nötig!?
יא ור' יהודה לחלק מדמו נפקא ורבנן דמו טובא משמע דכתיב כי נפש כל בשר דמו בנפשו הוא
11 [Da erwiderte] R. Jehuda, die Teilung sei aus [dem Worte] <i>sein Blut</i> zu entnehmen. [Hierauf entgegneten] die Rabbanan, unter <i>sein Blut</i> sei auch die Mehrzahl zu verstehen, wie es heißt: <i>denn es ist das Leben alles Fleisches, sein Blut ist mit dem Leben verbunden</i>.
יב א"ר חנינא מודה היה רבי יהודה לענין ברכה שאינו מברך אלא ברכה אחת א"ל רבינא לרב אחא בריה דרבא ואמרי לה רב אחא בריה דרבא לרב אשי מאי שנא מתלמידי דרב
12 R. Ḥanina sagte: R. Jehuda pflichtet jedoch hinsichtlich des Segensspruches bei, daß man nämlich nur einen Segensspruch spreche. Rabina sprach zu R. Aḥa, dem Sohne Rabas, und wie manche sagen, R. Aḥa, der Sohn Rabas, zu R. Aši: Womit ist es hierbei anders als in dem Falle von den Schülern Rabhs!?
יג דרב ברונא ורב חננאל תלמידי דרב הוו יתבי בסעודתא קאי עלייהו רב ייבא סבא אמרו ליה הב ליבריך הדור אמרו ליה הב לישתי אמר להו רב ייבא סבא הכי אמר רב כיון דאמר הב ליבריך איתסר ליה למשתי חמרא הכא נמי כיון דאיטפל ליה לכסוי איחייב ליה לברכה
13 Einst saßen nämlich R. Beruna und R. Ḥananél, die Schüler Rabhs, bei der Mahlzeit, und R. Jeba der Greis stand neben ihnen. Da sprachen sie zu ihm: Reiche zum Segensspruche. Hierauf sprachen sie zu ihm: Reiche zum Trinken. Da sprach R. Jeba der Greis zu ihnen: Sobald man sich zum Tischsegen angeschickt hat, darf man keinen Wein mehr trinken. Ebenso sollte man auch hierbei, wenn man zum Bedecken verpflichtet ist, zum Segen verpflichtet sein!?