Chullin 181

Kapitel 181

א רב אשי אמר לא נצרכא אלא לשמנו דתניא שמנו מותר וישראל קדושים נהגו בו איסור
1 R. Aši erwiderte: Hier wird vom Talg derselben gesprochen, denn es wird gelehrt: Der Talg derselben ist erlaubt, nur sind die Jisraéliten Heilige, und haben dabei ein Verbot eingeführt.
ב רבינא אמר לא נצרכא אלא לכדרב יהודה אמר שמואל דאמר רב יהודה אמר שמואל שני גידין הן פנימי סמוך לעצם אסור וחייבין עליו חיצון סמוך לבשר אסור ואין חייבין עליו
2 Rabina erwiderte: Dies ist nach R. Jehuda im Namen Šemuéls zu erklären, R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls, sie bestehe aus zwei Adern; die innere, am Knochen, ist verboten, und man ist wegen dieser schuldig, die äußere, am Fleische, ist verboten und man ist wegen dieser nicht schuldig. –
ג ת"ש אכל מזה כזית ומזה כזית סופג שמונים רבי יהודה אומר אינו סופג אלא ארבעים
3 Komm und höre: Hat man eine Olive von der einen und eine Olive von der anderen gegessen, so erhält man achtzig [Geißelhiebe]; R. Jehuda sagt, man erhalte nur vierzig.
ד אי אמרת בשלמא מיפשט פשיטא ליה שפיר אלא אי אמרת ספוקי מספקא ליה הויא לה התראת ספק ושמעינן ליה לרבי יהודה דאמר התראת ספק לא שמה התראה
4 Erklärlich ist dies, wenn du sagst, es sei ihm entschieden, wenn du aber sagst, es sei ihm zweifelhaft, so kann ja die Warnung nur eine eventuelle sein, und wir wissen von R. Jehuda, daß er der Ansicht ist, die eventuelle Warnung gelte nicht als Warnung.
ה דתניא הכה את זה וחזר והכה את זה קלל את זה וחזר וקלל את זה הכה שניהם בבת אחת או שקלל שניהם בבת אחת חייב רבי יהודה אומר בבת אחת חייב בזה אחר זה פטור
5 Es wird nämlich gelehrt: Hat er zuerst den einen und nachher den anderen geschlagen oder zuerst dem einen und nachher dem anderen geflucht, oder hat er beide gleichzeitig geschlagen oder beiden gleichzeitig geflucht, so ist er schuldig; R. Jehuda sagt, wenn gleichzeitig, sei er schuldig, wenn aber nacheinander, sei er frei. –
ו האי תנא סבר לה כאידך תנא דרבי יהודה דאמר התראת ספק שמה התראה
6 Dieser Autor ist der Ansicht eines anderen Autors, nach dem R. Jehuda sagt, die eventuelle Warnung gelte als Warnung.
ז דתניא (שמות יב, י) לא תותירו ממנו עד בקר וגו' בא הכתוב ליתן עשה אחר לא תעשה לומר שאין לוקין עליו דברי ר' יהודה
7 Es wird nämlich gelehrt: <i>Ihr sollt davon nichts bis zum Morgen zurücklassen &amp;c</i>., die Schrift läßt ein Gebot auf das Verbot folgen, um zu sagen, daß dieserhalb nicht zu geißeln sei – so R. Jehuda.
ח רבי יעקב אומר לא מן השם הוא זה אלא משום דהוה לאו שאין בו מעשה וכל לאו שאין בו מעשה אין לוקין עליו
8 R. Ja͑qob sagt, nicht aus diesem Grund, sondern weil es ein Verbot ist, wobei keine. Tätigkeit ausgeübt wird, und wegen eines Verbotes, wobei keine Tätigkeit ausgeübt wird, ist nicht zu geißeln. –
ט ת"ש אכל ב' גידין מב' ירכות מב' בהמות סופג פ' רבי יהודה אומר אינו סופג אלא ארבעים
9 Komm und höre: Hat jemand zwei [Spann]adern von zwei Keulen zweier Tiere gegessen, so erhält er achtzig [Geißelhiebe]; R. Jehuda sagt, er erhalte nur vierzig.
י מדקאמר מב' ירכות מב' בהמות פשיטא דתרוייהו לאיסורא ולרבי יהודה איצטריך ש"מ מיפשט פשיטא ליה ש"מ
10 Wenn er nun von zwei Keulen und zwei Tieren spricht, so gilt dies wohl von zwei verbotenen, nach R. Jehuda, somit ist hieraus zu entnehmen, daß es ihm entschieden ist. Schließe hieraus. –
יא ואי פשיטא ליה אמאי סופג מ' ותו לא לילקי פ' הכא במאי עסקינן כגון דלית בו כזית דתניא אכלו ואין בו כזית חייב רבי יהודה אומר עד שיהא בו כזית
11 Weshalb erhält er, wenn es ihm entschiedenist, nur vierzig [Geißelhiebe], er sollte ja achtzig erhalten!? – Hier handelt es sich um den Fall, wenn [an einer] keine Olive vorhanden ist. Es wird nämlich gelehrt: Wenn er sie gegessen hat und keine Olive vorhanden ist, so ist er schuldig; R. Jehuda sagt, er sei nur dann schuldig, wenn eine Olive vorhanden ist.
יב וטעמא מאי אמר רבא אמר קרא הירך המיומנת שבירך
12 Aus welchem Grunde!? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: <i>die Hüfte</i>, die rechte der Hüften. – Und die Rabbanan!? –
יג ורבנן ההוא דפשיט איסוריה בכוליה ירך לאפוקי חיצון דלא
13 Dies deutet darauf, daß das Verbot sich auf die ganze Hüfte erstrecke, dies schließt die äußere aus.
יד וריב"ל אמר אמר קרא (בראשית לב, כו) בהאבקו עמו כאדם שחובק את חבירו וידו מגעת לכף ימינו של חבירו
14 R. Jehošua͑ b. Levi erklärte: Die Schrift sagt: <i>als er mit ihm rang</i>, wie wenn jemand einen umfaßt und mit der Hand an seine rechte Hüfte kommt.
טו רבי שמואל בר נחמני אמר כעובד כוכבים נדמה לו דאמר מר ישראל שנטפל לו עובד כוכבים בדרך טופלו לימינו
15 R. Šemuél b. Naḥmani erklärte: Er erschien ihm als Nichtjude, und der Meister sagte, wenn ein Nichtjude sich einem Jisraéliten auf dem Weg anschließt, lasse er ihn rechts gehen.
טז רב שמואל בר אחא קמיה דרב פפא משמיה דרבא בר עולא אמר כת"ח נדמה לו דאמר מר המהלך לימין רבו הרי זה בור
16 R. Šemuél b. Aḥa erklärte vor R. Papa im Namen des Raba b. U͑la: Er erschien ihm als Gelehrter, und der Meister sagte, wer zur Rechten seines Lehrers geht, sei ungesittet.
יז ורבנן מאחוריה אתא ונשייה בתרוייהו
17 Die Rabbanan aber sagen, er kam hinter ihm einher und verrenkte beide. –
יח ורבנן האי בהאבקו עמו מאי דרשי ביה מבעי ליה לכאידך דר' יהושע בן לוי דאמר ר' יהושע ב"ל מלמד שהעלו אבק מרגלותם עד כסא הכבוד כתיב הכא בהאבקו עמו וכתיב התם (נחום א, ג) וענן אבק רגליו
18 Wofür verwenden die Rabbanan [die Worte:] <i>als er mit ihm rang</i>? –Sie verwenden sie für eine andere Lehre des R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Dies lehre, daß sie den Staub ihrer Füße bis zum Throne der Herrlichkeit aufwirbelten, denn hier heißt es: <i> als er mit ihm rang [heábqo]</i>, und dortheißt es: <i> ein Gewölk der Staub [abaq] unter seinen Füßen</i>.
יט ואמר רבי יהושע בן לוי למה נקרא שמו גיד הנשה שנשה ממקומו ועלה וכן הוא אומר (ירמיהו נא, ל) נשתה גבורתם היו לנשים
19 Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Sie heißt deshalb Ader der Verrenkung, weil sie von ihrer Stelle verrückt worden war und zurückgeprallt ist. Ebenso heißt es: <i>verrückt ist ihre Stärke, sie sind zu Weibern geworden</i>.
כ אמר ר' יוסי ברבי חנינא מאי דכתיב (ישעיהו ט, ז) דבר שלח ביעקב ונפל בישראל דבר שלח ביעקב זה גיד הנשה ונפל בישראל שפשט איסורו בכל ישראל
20 R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Es heißt: <i>ein Wort hat der Herr an Ja͑qob gesandt, gefallen ist es über Jisraél. Ein Wort hat der Herr an Ja͑qob gesandt</i>, das ist die Spannader; <i>gefallen ist es über Jisraél</i>, das Verbot derselben dehnte sich über ganz Jisraél aus.
כא ואמר רבי יוסי ברבי חנינא מאי דכתיב (בראשית מג, טז) וטבוח טבח והכן פרע להן בית השחיטה והכן טול גיד הנשה בפניהם כמ"ד גיד הנשה נאסר לבני נח
21 Ferner sagte R. Jose b. R. Ḥanina: Es heißt: <i>Schlachte eine Schlachtung</i>. lege vor ihnen die Schlachtstelle frei; <i>und bereite</i>, entferne die Spannader in ihrer Gegenwart. Dies nach demjenigen, welcher sagt, die Spannader sei den Noaḥiden verboten worden.
כב (בראשית לב, כה) ויותר יעקב לבדו אמר רבי אלעזר שנשתייר על פכין קטנים מכאן לצדיקים שחביב עליהם ממונם יותר מגופם וכל כך למה לפי שאין פושטין ידיהן בגזל
22 <i>Ja͑qob blieb allein zurück</i>. R. Elea͑zar sagte: Er war wegen kleiner Krüglein zurückgeblieben. Hieraus, daß den Frommen ihr Besitz lieber ist als ihr Körper. – Weshalb dies? – Weil sie ihre Hand nicht nach Raub ausstrecken.
כג (בראשית לב, כה) ויאבק איש עמו עד עלות השחר אמר רבי יצחק מכאן לת"ח שלא יצא יחידי בלילה רבי אבא בר כהנא אמר מהכא
23 <i>Es rang ein Mann mit ihm, bis zum. Anfange der Morgenröte</i>. R. Jiçḥaq sagte: Hieraus, daß ein Gelehrter nachts nicht allein ausgehe. R. Abba b. Kahana entnimmt dies hieraus: