Chullin 211

Kapitel 211

א חזנהו דקא שדו מיא מפומא דחצבא אמר אי הוה ידענא דרגיליתו למיעבד הכי לא איעכבי
1 Als er hierauf bemerkte, daß sie etwas vom Rande des Kruges abgossen, sprach er: Hätte ich gewußt, daß ihr dies zu tun pflegt, würde ich nicht ausgeblieben sein.
ב כי אתא רב דימי אמר מים הראשונים האכילו בשר חזיר
2 Als R. Dimi kam, sagte er: [Die Unterlassung] des Waschens vorher veranlaßte das Essen von Schweinefleisch,
ג אחרונים הוציאו את האשה מבעלה
3 und [des Waschens] nachher brachte eine Frau von ihrem Ehemanne fort.
ד כי אתא רבין אמר ראשונים האכילו בשר נבלה אחרונים הרגו את הנפש אמר רב נחמן בר יצחק וסימניך אתא רב דימי אפקה אתא רבין קטלה
4 Als Rabin kam, sagte er: Das erste veranlaßte das Essen von Aas und das letzte die Tötung eines Menschen. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Als Merkzeichen diene dir folgendes: R. Dimi kam und brachte sie fort, Rabin kam und tötete sie.
ה ר' אבא מתני חדא מהני וחדא מהני לחומרא
5 R. Abba lehrte das eine nach diesem und das andere nach jenem, erschwerend.
ו איתמר חמי האור חזקיה אמר אין נוטלים מהן לידים ורבי יוחנן אמר נוטלין מהם לידים אמר רבי יוחנן שאלתי את רבן גמליאל בנו של רבי ואוכל טהרות ואמר לי כל גדולי גליל עושין כן
6 Es wurde gelehrt: Mit am Feuer gewärmtem [Wasser] darf man, wie Ḥizqija sagt, die Hände nicht waschen, und wie R. Joḥanan sagt, die Hände waschen. R. Joḥanan sagte: Ich fragte R. Gamliél Berabbi, der nur in Reinheit Zubereitetes zu essen pflegte, und er sagte mir, alle Großen in Galiläa tun dies.
ז חמי טבריא חזקיה אמר אין נוטלין מהם לידים אבל מטבילין בהן הידים ורבי יוחנן אמר כל גופו טובל בהן אבל לא פניו ידיו ורגליו
7 Mit dem Thermenwasser von Ṭiberjas darf man, wie Ḥizqija sagt, die Hände nicht waschen, wohl aber die Hände darin tauchen; R. Joḥanan sagt, man dürfe darin den ganzen Körper untertauchen, nicht aber Gesicht, Hände und Füße [waschen]. –
ח השתא כל גופו טובל בהם פניו ידיו ורגליו לא כ"ש אמר רב פפא במקומן דכולי עלמא לא פליגי דשרי משקל מינייהו במנא דכ"ע לא פליגי דאסיר כי פליגי דפסקינהו בבת בירתא מר סבר גזרינן בת בירתא אטו מנא ומר סבר לא גזרינן
8 Wenn man darin den ganzen Körper untertauchen darf, um wieviel mehr Gesicht, Hände und Füße [waschen]!? R. Papa erwiderte: An Ort und Stelle ist es nach aller Ansicht erlaubt, aus einem Gefäße ist es nach aller Ansicht verboten, sie streiten nur über den Fall, wenn es sich in einer Nebengrube befindet; einer ist der Ansicht, es sei in einer Nebengrube mit Rücksicht auf ein Gefäß verboten, und einer ist der Ansicht, man berücksichtige dies nicht.
ט כתנאי מים שנפסלו משתיית בהמה בכלים פסולים בקרקע כשרין רבי שמעון בן אלעזר אומר אף בקרקע טובל בהן כל גופו אבל לא פניו ידיו ורגליו
9 Hierüber [streiten auch folgende] Tannaím: Wasser, das zum Trinken für ein Vieh nicht mehr geeignet ist, ist in einem Gefäße untauglich und auf Grund tauglich. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, auch auf Grund dürfe man in solchem den ganzen Körper untertauchen, nicht aber Gesicht, Hände und Füße [waschen].
י השתא כל גופו טובל בהן ידיו ורגליו לא כ"ש אלא לאו דפסקינהו בבת בירתא ובהא פליגי דמר סבר גזרינן בת בירתא אטו מנא ומר סבר לא גזרינן
10 Wenn man darin den ganzen Körper untertauchen darf, um wieviel mehr Hände und Füße [waschen]!? Wahrscheinlich gilt dies von dem Falle, wenn es sich in einer Nebengrube befindet, und ihr Streit besteht in folgendem: einer ist der Ansicht, es sei in einer Nebengrube mit Rücksicht auf ein Gefäß verboten, und einer ist der Ansicht, man berücksichtige dies nicht.
יא אמר רב אידי בר אבין אמר רב יצחק בר אשיאן נטילת ידים לחולין מפני סרך תרומה
11 R. Idi b. Abin sagte im Namen des R. Jiçḥaq b. Ašjan: Das Händewaschen zu Profanem ist wegen der Mitheranziehung von Hebe,
יב ועוד משום מצוה מאי מצוה אמר אביי מצוה לשמוע דברי חכמים רבא אמר מצוה לשמוע דברי ר"א בן ערך דכתיב (ויקרא טו, יא) וכל אשר יגע בו הזב וידיו לא שטף במים אמר ר"א בן ערך מכאן סמכו חכמים לנטילת ידים מן התורה
12 und zwar als Gebot [angeordnet worden]. – Was ist dies für ein Gebot? Abajje erwiderte: Es ist Gebot, auf die Worte der Weisen zu hören. Raba erwiderte: Es ist Gebot, auf die Worte des R. Elea͑zar b. A͑rakh zu hören. Es heißt: <i>Jeder, den der Flußbehaftete berührt, ohne die Hände im Wasser abgespült zu haben</i>. Hierzu sagte R. Elea͑zar b. A͑rakh: Hierauf stützten sich die Weisen, daß das Händewaschen aus der Tora sei.
יג אמר ליה רבא לרב נחמן מאי משמע דכתיב וידיו לא שטף במים הא שטף טהור הא טבילה בעי אלא הכי קאמר ואחר שלא שטף טמא
13 Raba sprach zu R. Naḥman: Wieso geht dies hieraus hervor? – Es heißt: <i>ohne die Hände im Wasser abgespült zu haben</i>; ist er denn rein, wenn er sie im Wasser abgespült hat, er benötigt ja des Tauchbades!? Dies ist vielmehr wie folgt zu verstehen: auch jeder andere, der die Hände nicht abgespült hat, ist unrein.
יד אמר ר' אלעזר אמר רבי אושעיא לא אמרו נטילת ידים לפירות אלא משום נקיות סבור מינה חובה הוא דליכא הא מצוה איכא אמר להו רבא לא חובה ולא מצוה אלא רשות ופליגא דרב נחמן דאמר רב נחמן הנוטל ידיו לפירות אינו אלא מגסי הרוח
14 R. Elea͑zar sagte im Namen R. Ošajas: Das Händewaschen zu Früchten ist nur der Reinlichkeit wegen angeordnet worden. Sie glaubten hieraus zu entnehmen, dies sei keine Pflicht, wohl aber Gebot, da sprach Raba zu ihnen: Weder Pflicht noch Gebot, sondern Freigestelltes. Er streitet somit gegen R. Naḥman, denn R. Naḥman sagte, wer zu Früchten die Hände wäscht, gehöre zu den Großtuern.
טו אמר רבה בר בר חנה הוה קאימנא קמיה דרבי אמי ורבי אסי אייתו לקמייהו כלכלה דפירי ואכלו ולא משו ידייהו ולא יהבו לי מידי ובריך חד חד לחודיה שמע מינה תלת שמע מינה אין נטילת ידים לפירות וש"מ אין מזמנין על הפירות ושמע מינה שנים שאכלו מצוה ליחלק
15 Rabba b. Bar Ḥana erzählte: Einst stand ich vor R. Ami und R. Asi und man brachte ihnen einen Korb mit Früchten; sie aßen dann, ohne die Hände gewaschen zu haben, mir aber gaben sie nichts davon. Hierauf sprach jeder besonders den Segen. Hieraus ist dreierlei zu entnehmen. Es ist zu entnehmen, daß Früchte des Händewaschens nicht benötigen; es ist zu entnehmen, daß über Früchte kein gemeinschaftlicher Segen zu sprechen sei; und es ist zu entnehmen, daß, wenn zwei gegessen haben, es Gebot sei, getrennt [den Segen zu sprechen].
טז תניא נמי הכי שנים שאכלו מצוה ליחלק במה דברים אמורים שהיו שניהם סופרים אבל אחד סופר ואחד בור סופר מברך ובור יוצא
16 Ebenso wird auch gelehrt: Haben zwei gegessen, so ist es Gebot, getrennt [den Segen zu sprechen]. Dies nur in dem Falle, wenn beide Gelehrte sind, ist aber einer Schriftgelehrter und der andere Unwissender, so spreche der Schriftgelehrte den Segen und der Unwissende entledigt sich dadurch der Pflicht.
יז תנו רבנן נטילת ידים לחולין עד הפרק לתרומה
17 Die Rabbanan lehrten: Das Händewaschen erfolge zu Profanem bis zum Gelenke, zu Hebe