Chullin 222

Kapitel 222

א שפיד כבדא עילוי בשרא אמר כמה יהיר האי מרבנן אימר דאמור רבנן דיעבד לכתחלה מי אמור
1 Leber über Fleisch am Spieße halten. Da sprach er: Wie hochmütig ist dieser Jünger! Allerdings erlaubten es die Rabbanan in dem Falle, wenn bereits erfolgt, erlaubten sie es etwa auch von vornherein!?
ב ואי איכא בי דוגי בשרא עילוי כבדא נמי אסיר
2 Ist ein Auffangegefäß vorhanden, so ist auch Fleisch über Leber verboten. –
ג ומ"ש מדמא דבשרא דמא דבשרא שכן דמא דכבדא קפי
3 Womit ist es anders als das Blut des Fleisches!? – Das Blut des Fleisches setzt sich unten, das Blut der Leber schwimmt obenauf.
ד אמר רב נחמן אמר שמואל סכין ששחט בה אסור לחתוך בה רותח צונן אמרי לה בעיא הדחה ואמרי לה לא בעיא הדחה
4 R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls: Mit einem Messer, mit dem geschlachtet worden ist, darf man nichts Heißes schneiden; Kaltes benötigt, wie manche sagen, des Abspülens, und wie manche sagen, nicht des Abspülens.
ה אמר רב יהודה אמר שמואל קערה שמלח בה בשר אסור לאכול בה רותח ושמואל לטעמיה דאמר שמואל מליח הרי הוא כרותח וכבוש הרי הוא כמבושל
5 R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Aus einer Schüssel, in der man Fleisch gesalzen hat, darf man nichts Heißes essen. Šemuél vertritt hierbei seine Ansicht, denn Šemuél sagte, Gesalzenes gleicht Heißem, Eingelegtes gleicht Gekochtem.
ו כי אתא רבין א"ר יוחנן מליח אינו כרותח וכבוש אינו כמבושל אמר אביי הא דרבין ליתא דההיא פינכא דהוה בי ר' אמי דמלח ביה בשרא ותבריה מכדי רבי אמי תלמיד דר' יוחנן הוה מאי טעמא תבריה לאו משום דשמיעא ליה מיניה דר' יוחנן דאמר מליח הרי הוא כרותח
6 Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Weder gleicht Gesalzenes Heißem, noch gleicht Eingelegtes Gekochtem. Abajje sprach: Das, was Rabin sagte, ist nichts. Im Hause R. Amis war eine Schüssel, in der Fleisch gesalzen worden war, und er zerbrach sie. Merke, R. Ami war ja ein Schüler R. Joḥanans, und wenn er sie zerbrach, so wird er wohl von R. Joḥanan gehört haben, daß Gesalzenes Heißem gleiche.
ז יתיב רב כהנא אחוה דרב יהודה קמיה דרב הונא ויתיב וקאמר קערה שמלח בה בשר אסור לאכול בה רותח וצנון שחתכו בסכין מותר לאכלו בכותח
7 R. Kahana, der Bruder R. Jehudas, saß vor R. Hona und trug vor: Aus einer Schüssel, in der man Fleisch gesalzen hat, darf man nichts Heißes essen, und Rettich, den man mit einem Fleischmesser geschnitten hat, darf man mit Quarkbrei essen. –
ח מאי טעמא אמר אביי האי היתרא בלע והאי איסורא בלע
8 Aus welchem Grunde? Abajje erwiderte: Dieser saugt Erlaubtes ein, jene saugt Verbotenes ein.
ט א"ל רבא כי בלע היתרא מאי הוי סוף סוף האי היתרא דאתי לידי איסורא הוא דאיסורא קאכיל אלא אמר רבא האי אפשר למטעמיה והאי לא אפשר למטעמיה
9 Raba sprach zu ihm: Was ist denn dabei, daß er Erlaubtes einsaugt, das Erlaubte wird ja verboten, und man ißt dann Verbotenes!? Vielmehr, erklärte Raba, diesen kann man kosten, jenes kann man nicht kosten.
י א"ל רב פפא לרבא וליטעמיה קפילא ארמאה מי לא תנן קדרה שבישל בה בשר לא יבשל בה חלב ואם בשל בנותן טעם בשל בה תרומה לא יבשל בה חולין ואם בשל בנותן טעם
10 R. Papa sprach zu Raba: Ein aramäischer Koch kann es ja kosten!? Wir haben ja auch gelernt: In einem Topfe, in dem man Fleisch gekocht hat, darf man keine Milch kochen, hat man gekocht, so ist die Geschmacksübertragung entscheidend; in dem man Hebe [gekocht hat], darf man kein Profanes kochen, hat man gekocht, so ist die Geschmacksübertragung entscheidend.
יא ואמרינן בשלמא תרומה טעים לה כהן אלא בשר בחלב מאן טעים לה ואמר לן ליטעמיה קפילא ה"נ ליטעמיה קפילא ה"נ כי קאמינא דליכא קפילא:
11 Und auf unsere Frage, allerdings kann man Hebe von einem Priester kosten lassen, wer aber kann Fleisch mit Milch kosten, erwidertest du uns, ein [aramäischer] Koch koste es, ebenso kann es auch hierbei ein [aramäischer] Koch kosten!? – Dem ist auch so, aber ich spreche von dem Falle, wenn kein [aramäischer] Koch anwesend ist.
יב איתמר דגים שעלו בקערה רב אמר אסור לאכלן בכותח ושמואל אמר מותר לאכלן בכותח
12 Es wurde gelehrt: Sind Fische in eine Schüssel gekommen, so darf man sie, wie Rabh sagt, nicht mit Quarkbrei essen, und wie Šemuél sagt, mit Quarkbrei essen.
יג רב אמר אסור נותן טעם הוא ושמואל אמר מותר נותן טעם בר נ"ט הוא
13 Rabh sagt, es sei verboten, weil ein Geschmack übertragen wird; Šemuél sagt, es sei erlaubt, weil nur indirekt ein Geschmack übertragen wird.
יד והא דרב לאו בפירוש איתמר אלא מכללא איתמר דרב איקלע לבי רב שימי בר חייא בר בריה חש בעיניו עבדו ליה שייפא בצעא בתר הכי רמו ליה בשולא בגווה טעים ליה טעמא דשייפא אמר יהיב טעמא כולי האי ולא היא שאני התם דנפיש מררה טפי
14 Die Ansicht Rabhs wurde aber nicht ausdrücklich gelehrt, vielmehr wurde sie aus dem Zusammenhänge entnommen. Rabh kam nämlich einst zu seinem Enkelsohne R. Šimi b. Ḥija, und da er Augenschmerzen hatte, bereitete man ihm eine Salbe in einer Schüssel. Hierauf reichte man ihm darin eine Speise und er merkte den Geschmack der Salbe. Da sprach er: Die Geschmacksübertragung ist sehr intensiv. Dem ist aber nicht so; da verhielt es sich anders, da [die Salbe] sehr scharf war.
טו רבי אלעזר הוה קאים קמיה דמר שמואל אייתו לקמיה דגים שעלו בקערה וקא אכיל בכותח יהיב ליה ולא אכל א"ל לרבך יהיבי ליה ואכל ואת לא אכלת אתא לקמיה דרב א"ל הדר ביה מר משמעתיה א"ל חס ליה לזרעיה דאבא בר אבא דליספי לי מידי ולא סבירא לי
15 Einst stand R. Elea͑zar vor Meister Šemuél, und man setzte ihm Fische in einer Schüssel vor, die er mit Quarkbrei aß, und als er jenem davon verabreichte, aß er nicht. Da sprach dieser: Deinem Lehrer gab ich, und er aß, und du issest nicht. Hierauf kam er zu Rabh und fragte ihn: Ist der Meister von seiner Ansicht zurückgetreten? Dieser erwiderte: Bewahre, daß Nachkommen des Abba b. Abba mir etwas zu essen gegeben haben sollten, das nach meiner Ansicht nicht [erlaubt ist].
טז רב הונא ורב חייא בר אשי הוו יתבי חד בהאי גיסא דמברא דסורא וחד בהאי גיסא דמברא למר אייתו ליה דגים שעלו בקערה ואכל בכותח למר אייתו ליה תאנים וענבים בתוך הסעודה ואכל ולא בריך
16 Einst saßen R. Hona und R. Ḥija b. Aši, einer an der einen Seite der Fähre von Sura und einer an der anderen Seite; da brachte man dem einen Fische in einer Schüssel und er aß sie mit Quarkbrei, und einem brachte man Feigen und Trauben während der Mahlzeit und er aß sie, ohne darüber den Segen gesprochen zu haben.
יז מר א"ל לחבריה יתמא עבד רבך הכי ומר א"ל לחבריה יתמא עבד רבך הכי מר א"ל לחבריה אנא כשמואל סבירא לי ומר א"ל לחבריה אנא כר' חייא סבירא לי דתני ר' חייא פת פוטרת כל מיני מאכל ויין פוטר כל מיני משקין
17 Da sprach der eine zum anderen: Waisenkind, hat auch dein Lehrer dies getan!? Der andere erwiderte: Waisenkind, hat etwa dein Lehrer dies getan!? Jener entgegnete: Ich bin der Ansicht Šemuéls. Da entgegnete der andere: Ich bin der Ansicht R. Ḥijas, R. Ḥija lehrte nämlich, das Brot befreie jede Art von Speise und der Wein befreie jede Art von Getränk.
יח אמר חזקיה משום אביי הלכתא דגים שעלו בקערה מותר לאוכלן בכותח צנון שחתכו בסכין שחתך בה בשר אסור לאוכלו בכותח
18 Ḥizqija sagte im Namen Abajjes: Die Halakha ist: Fische, die in eine Schüssel gekommen sind, dürfen mit Quarkbrei gegessen werden; Rettich, den man mit einem Messer geschnitten hat, mit dem Fleisch geschnitten worden ist, darf man mit Quarkbrei nicht essen.
יט וה"מ צנון
19 Dies gilt jedoch nur vom Rettich,