Chullin 262

Kapitel 262

א השכחה והפאה דכתיב (ויקרא כג, כב) ובקוצרכם את קציר ארצכם לא תכלה פאת שדך בקוצרך ולקט קצירך וגו' (דברים כד, יט) כי תקצור קצירך בשדך ושכחת עומר בשדה
1 Vergessenes und Eckenlaß, denn es heißt: <i>wenn ihr die Ernte eures</i> <i>Landes erntet, so sollst du bei deinem Ernten die Ecke deines Feldes nicht vollends abmähen, und die Nachlese deiner Ernte &amp;c</i>. [Ferner heißt es:] <i>wenn du deine Ernte auf dem Felde erntest und eine Garbe auf dem Felde vergissest &amp;c</i>.
ב שנים שבאילן השכחה והפאה דכתיב (דברים כד, כ) כי תחבוט זיתך לא תפאר אחריך ותנא דבי ר' ישמעאל שלא תטול תפארתו ממנו אחריך זה שכחה
2 Die zwei von den Baum[früchten], Vergessenes und Eckenlaß, denn es heißt: <i>wenn du deine Ölbäume abklopfst, sollst du nicht hinterher die Zweige absuchen</i>, und in der Schule R. Jišma͑éls erklärten sie, man beraube sie nicht des Schmuckes, und [das Wort] <i>hinterher</i> ist auf das Vergessene [zu beziehen].
ג וכולן אין בהן טובת הנאה לבעלים מאי טעמא עזיבה כתיבא בהו
3 Füṛ all dieses hat der Eigentümer keinen Dank zu beanspruchen, denn bei ihnen wird [der Ausdruck] ‘zurücklassen’ gebraucht.
ד ואפי' עני שבישראל מוציאין אותו מידו דכתיב ולקט קצירך לא תלקט לעני ולגר תעזוב אותם להזהיר עני על שלו
4 Sie werden selbst dem Ärmsten in Jisraél abgenommen, denn es heißt: <i>und die Nachlese deiner Ernte sollst du nicht auflesen, für den Armen und den Fremdling sollst du sie lassen</i>; dies ist ein Gebot für den Armen inbetreff des seinigen.
ה ומעשר עני המתחלק בתוך הבית יש בו טובת הנאה לבעלים מאי טעמא נתינה כתיבא ביה
5 Für den Armenzehnten, der zuhause verteilt wird, gehört der Dank dem Eigentümer, denn hierbei wird [der Ausdruck] ‘geben’ gebraucht.
ו ואפי' עני שבישראל מוציאין אותו מידו דאמר ר' אילעא גמר לגר לגר מהתם מה להלן מוזהר עני על שלו אף כאן מוזהר עני על שלו
6 Dieser wird selbst dem Ärmsten in Jisraél abgenommen, denn R. Ilea͑ sagte, dies sei durch [das Wort] <i>Fremdling</i> von jenen zu folgern; wie dies bei jenen auch für den Armen inbetreff des seinigen gilt, ebenso gilt dies hierbei auch für den Armen inbetreff des seinigen.
ז ושאר מתנות כהונה כגון הזרוע והלחיים והקבה אין מוציאין אותן לא מכהן לכהן ולא מלוי ללוי הא מלוי לכהן מוציאין אלמא איקרו עם
7 Die übrigen Priestergaben, wie Bug, Kinnbacken und Magen werden von einem Priester für einen anderen Priester oder von einem Leviten für einen anderen Leviten nicht genommen. Demnach werden sie von einem Leviten für einen Priester genommen, somit gehören sie ja zum Volke!? –
ח כגון הזרוע ולא זרוע ומאי ניהו מעשר ראשון
8 Wie der Bug, nicht aber der Bug selbst, das ist nämlich der erste Zehnt. –
ט מעשר ראשון דלוי הוא כרבי אלעזר בן עזריה דתניא תרומה לכהן מעשר ראשון ללוי דברי ר' עקיבא ר' אלעזר בן עזריה אומר אף לכהן
9 Der erste Zehnt gehört ja dem Leviten!? – Nach R. Elea͑zar b. A͑zarja, denn es wird gelehrt: Die Hebe dem Priester, der erste Zehnt dem Leviten – so R. A͑qiba; R. Elea͑zar b. A͑zarja sagt, auch dem Priester. –
י אימר דאמר ר' אלעזר בן עזריה אף לכהן לכהן ולא ללוי מי אמר אין לבתר דקנסינהו עזרא
10 Allerdings sagt R. Elea͑zar b. A͑zarja, auch dem Priester, sagt er etwa: nur dem Priester und nicht dem Leviten!? – Freilich, nachdem E͑zra sie gemaßregelt hat. –
יא אימר דקנסינהו עזרא דלא יהבינן להו משקל מינייהו מי אמר אלא כגון זרוע ולא זרוע ומאי ניהו ראשית הגז
11 Allerdings hat E͑zra sie gemaßregelt, daß man ihn ihnen nicht gebe, sagte er etwa auch, daß man ihn von ihnen nehme!? – Vielmehr, wie der Bug, nicht aber der Bug selbst, das ist die Erstschur. –
יב ת"ש זה הכלל כל דבר שהוא בקדושה כגון תרומה ותרומת מעשר וחלה מוציאין אותן מידם וכל דבר שאינו בקדושה כגון הזרוע והלחיים והקבה אין מוציאין אותו מידם
12 Komm und höre: Die Regel hierbei ist: alles, woran Heiligkeit haftet, wie Hebe, Zehnthebe und Teighebe, bringe man aus seinem Besitze, und woran Heiligkeit nicht haftet, wie Bug, Kinnbacken und Magen, bringe man nicht aus seinem Besitze. –
יג כגון זרוע ולא זרוע ומאי ניהו מעשר ראשון ולבתר דקנסינהו עזרא
13 Wie der Bug, nicht aber den Bug selbst, nämlich den ersten Zehnten, nachdem E͑zra sie gemaßregelt hat. –
יד ת"ש השוחט לכהן ולעובד כוכבים פטור מן המתנות הא ללוי ולישראל חייב לא תימא הא ללוי ולישראל חייב אלא אימא הא לישראל חייב
14 Komm und höre: Wer für einen Priester oder einen Nichtjuden geschlachtet hat, ist von den Priestergaben frei. Demnach ist er, wenn für einen Leviten oder Jisraélilen, verpflichtet!? – Folgere nicht: wenn für einen Leviten oder einen Jisraéliten, so ist er verpflichtet, sondern: wenn für einen Jisraéliten, so ist er verpflichtet. –
טו אבל ללוי מאי פטור אי הכי ליתני השוחט ללוי ולעובד כוכבים פטור מן המתנות ועוד הא תניא השוחט לכהן ולעובד כוכבים פטור מן המתנות ללוי ולישראל חייב תיובתא דרב
15 Sollte er doch, wenn er demnach frei ist, falls für einen Leviten, lehren: wer für einen Leviten oder einen Nichtjuden schlachtet, ist von den Priestergaben frei!? Ferner wird ausdrücklich gelehrt, wer für einen Priester oder einen Nichtjuden schlachtet, sei von den Priestergaben frei, und wenn für einen Leviten oder einen Jisraéliten, verpflichtet. Dies ist eine Widerlegung Rabhs!? –
טז אמר לך רב תנאי היא דתניא (ויקרא טז, לג) וכפר את מקדש הקדש זה לפני ולפנים
16 Rabh kann dir erwidern: hierüber [streiten] Tannaim, denn es wird gelehrt: <i>Er entsündige das Heilige des Heiligtums</i>, das ist das Allerheiligste;
יז אהל מועד זה היכל מזבח כמשמעו יכפר אלו עזרות כהנים כמשמעו עם הקהל אלו ישראל יכפר אלו הלוים
17 <i>das Offenbarungszelt</i>, das ist der Tempel; <i>den Altar</i>, dem Worte gemäß; <i>soll er entsündigen</i>, das sind die Vorhöfe; <i>den Priestern</i>, dem Worte gemäß; <i>dem Volke</i>, das sind die Jisraéliten; <i>schaffe er Sühne</i>, das sind die Leviten.
יח ותניא אידך יכפר אלו עבדים מאי לאו בהא קמיפלגי דמר סבר איקרו עם ומר סבר לא איקרו עם
18 Dagegen lehrt ein Anderes: <i>Schaffe er Sühne</i>, das sind die Sklaven. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: nach der einen Ansicht gehören sie zum Volke und nach der anderen Ansicht gehören sie nicht zum Volke. –
יט ורב אי סבירא ליה כהאי תנא לימא ואי סבירא ליה כהאי תנא לימא מספקא ליה אי כהאי תנא אי כהאי תנא
19 Sollte Rabh doch, wenn er der Ansicht des einen Autors ist, es sagen, und wenn er der Ansicht des anderen Autors ist, es sagen!? – Ihm war es zweifelhaft, ob nach dem einen oder dem anderen Autor zu entscheiden sei.
כ דרש מרימר הלכתא כוותיה דרב והלכתא כוותיה דרב חסדא
20 Meremar trug vor: Die Halakha ist wie Rabh. Die Halakha ist aber wie R. Ḥisda.
כא עולא הוה יהיב מתנתא לכהנתא איתיביה רבא לעולא מנחת כהנת נאכלת מנחת כהן אינה נאכלת
21 U͑la gab die Priestergaben einer Priester[tochter]. Da wandte Raba gegen U͑la ein: Das Speisopfer einer Priesters[tochter] wird gegessen, das Speisopfer eines Priesters darf nicht gegessen werden.
כב ואי אמרת כהן ואפילו כהנת והכתיב (ויקרא ו, טז) וכל מנחת כהן כליל תהיה לא תאכל אמר ליה רבי
22 Wenn du nun sagst, unter Priester sei auch eine Priester[tochter] zu verstehen, so heißt es ja: <i>und jedes Speisopfer eines Priesters sei Ganzopfer, es soll nicht gegessen werden</i>!? Dieser erwiderte: Meister,