Chullin 273

Kapitel 273

א בקדושה ומכירה והנך נפישין
1 Heiligkeit und Verkauf, und diese sind mehr!? –
ב פשוט מפשוט עדיף ליה:
2 Er folgert lieber hinsichtlich des Gewöhnlichen vom Gewöhnlichen.
ג ראשית הגז אינו נוהג אלא ברחלים: מנא הני מילי אמר רב חסדא אתיא גיזה גיזה כתיב הכא (דברים יח, ד) ראשית גז צאנך תתן לו וכתיב התם (איוב לא, כ) ומגז כבשי יתחמם מה להלן כבשים אף כאן כבשים
3 W<small>ÄHREND DAS DER</small> E<small>RSTSCHUR NUR BEI</small> S<small>CHAFEN</small> G<small>ELTUNG HAT</small>. Woher dies? R. Ḥisda erwiderte: Dies ist durch [das Wort] <i>Schur</i> zu folgern; hierbei heißt es: <i>das Erste der Schur deiner Schafe sollst du ihm geben</i>, und dort heißt es: <i>und mit der Schur meiner Lämmer erwärmt er sich</i>; wie dort Lämmer, ebenso auch hierbei Lämmer. –
ד ונילף גיזה גיזה מבכור דתניא (דברים טו, יט) לא תעבוד בבכור שורך ולא תגוז בכור צאנך אין לי אלא שור בעבודה וצאן בגיזה
4 Sollte er doch durch [das Wort] <i>Schur</i> vom Erstgeborenen folgern!? Es wird nämlich gelehrt: <i>Du sollst nicht arbeiten mit dem Erstgeborenen deiner Rinder und nicht scheren das Erstgeborene deiner Schafe</i>; ich weiß dies nur von der Arbeit mit einem Rinde und der Schur eines Schafes,
ה מנין ליתן האמור של זה בזה ואת האמור של זה בזה ת"ל לא תעבוד ולא תגוז
5 woher, daß auch das, was vom ersten gesagt ist, auf das andere, und das, was vom anderen gesagt ist, auf das erste zu beziehen ist? Es heißt: <i>nicht arbeiten, und nicht scheren</i>. –
ו אמר קרא (דברים יח, ד) תתן לו ולא לשקו
6 Die Schrift sagt: <i>sollst du ihm geben</i>, nicht aber zu einem Sacke. –
ז אלא מעתה נוצה של עזים ליחייב בעינן גיזה וליכא
7 Demnach sollte das Ziegenhaar pflichtig sein!? – Es ist eine Schur erforderlich, was bei diesem nicht der Fall ist. –
ח מאן שמעת ליה האי סברא ר' יוסי הא מודי ר' יוסי במידי דאורחיה
8 Derjenige, der diese Ansicht vertritt, ist ja R. Jose, und R. Jose pflichtet ja hinsichtlich dessen bei, wobei es das Gewöhnliche ist!? –
ט אלא כדאמר ר' יהושע בן לוי (דברים יח, ה) לעמוד לשרת דבר הראוי לשירות הכא נמי דבר הראוי לשירות
9 Vielmehr, wie R. Jehošua͑ b. Levi erklärt hat: <i>zu stehen und Dienst zu tun</i>, zu einer Sache, die beim Dienste verwendbar ist, ebenso muß es auch hierbei eine Sache sein, die beim Dienste verwendbar ist. –
י אלא גיזה גיזה למאי אתא לכדתנא דבי ר' ישמעאל דתנא דבי ר' ישמעאל כבשים שצמרן קשה פטורים מראשית הגז שנאמר ומגז כבשי יתחמם
10 Wofür ist nun die Analogie durch [das Wort] <i>Schur</i> verwendbar? – Für eine Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Lämmer mit harter Wolle sind von der Erstschur frei, denn es heißt: <i>und mit der Schur meiner Lämmer erwärmt er sich</i>. –
יא תני חדא גוזז את העזים ושוטף את הרחלים פטור ותניא אידך הגוזז את העזים פטור ושוטף את הרחלים חייב לא קשיא הא רבנן והא ר' יוסי
11 Eines lehrt, wenn man Ziegen schert oder Schafe spült, sei man frei, und ein anderes lehrt, wenn man Ziegen schert, sei man frei, und wenn man Schafe spült, sei man verpflichtet!? – Das ist kein Ein wand; eines nach den Rabbanan und eines nach R. Jose.
יב דתניא (ויקרא יט, ט) לקט קצירך ולא לקט קיטוף ר' יוסי אומר אין לקט אלא הבא מחמת קציר
12 Es wird nämlich gelehrt: <i>Die Nachlese deiner Ernte</i>, nicht aber die Nachlese des Gepflückten. R. Jose sagte: Nachlese ist nur das, was beim Mähen zurückbleibt. –
יג ר' יוסי היינו ת"ק כולה ר' יוסי היא והכי קתני שר' יוסי אומר אין לקט אלא הבא מחמת קציר
13 R. Jose sagt ja dasselbe, was der erste Autor!? – Das ganze ist von R. Jose, und er meint es wie folgt: denn R. Jose sagte: Nachlese sei nur das, was beim Mähen zurückbleibt.
יד א"ל רב אחא בריה דרבא לרב אשי מודה ר' יוסי במידי דאורחיה דתניא ר' יוסי אומר קציר אין לי אלא קציר עוקר מנין
14 R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: R. Jose pflichtet bei hinsichtlich dessen, wobei es das Gewöhnliche ist, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte: <i>Ernte</i>,ich weiß dies nur vom Mähen, woher dies vom Ausreißen?
טו ת"ל (ויקרא יט, ט) לקצור תולש מנין ת"ל (ויקרא כג, כב) בקוצרך
15 Es heißt: <i>zu ernten</i>. Woher dies vom Pflücken? Es heißt: <i>wenn du erntest</i>.
טז אמר ליה רבינא לרב אשי אף אנן נמי תנינא מלבנות בצלים שבין הירק ר' יוסי אומר פאה מכל אחד ואחד וחכמים אומרים מאחת על הכל:
16 Rabina sprach zu R. Aši: Auch wir haben demgemäß gelernt: Von den Zwiebelbeeten zwischen den Krautfeldern ist der Eckenlaß, wie R. Jose sagt, von jedem besonders, und wie die Weisen sagen, von einem für alle [zu lassen].
יז וכמה הוא מרובה: בשלמא לב"ש תרתי נמי איקרו צאן אלא לב"ה מ"ט
17 W<small>AS HEISST VIEL</small>. Einleuchtend ist die Ansicht der Schule Šammajs, denn auch zwei heißen Schafe, was aber ist der Grund der Schule Hillels?
יח אמר רב כהנא אמר קרא (שמואל א כה, יח) עשויות שעושות ב' מצות ראשית הגז ומתנות אימא בכורה ומתנות
18 R. Kahana erwiderte: Die Schrift sagt: <i>hergerichtete</i>, durch die zwei Gebote verrichtet worden waren, das der Erstschur und das der Priestergaben. – Vielleicht das der Erstgeburt und das der Priestergaben!? –
יט בכורה חדא מי לא מיחייבא ולטעמיך מתנות חדא מי לא מיחייבא אלא אמר רב אשי עשויות שמעשות את בעליהן ואומרות לו קום עשה מצוה
19 Hat denn das der Erstgeburt bei einem [Schafe] keine Geltung!? – Hat denn, nach deiner Auffassung, das der Priestergaben bei einem [Schafe] keine Geltung!? Vielmehr, erklärte R. Aši, <i>hergerichtete</i>, die ihren Besitzer zum Herrichten veranlassen und zu ihm sprechen: auf, übe das Gebot aus.
כ תניא דבי רבי ישמעאל בר' יוסי אומר משום אביו ארבע שנאמר (שמות כא, לז) וארבע צאן תחת השה
20 Es wird gelehrt: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte im Namen seines Vaters: <i>Vier [heißen viele], denn es heißt:</i> <i>und vier Schafe statt des einen Schafes</i>.
כא תניא אמר רבי אלמלא דבריהן דברי תורה ודברי בריבי קבלה אנן דברי בריבי שומעין וכל שכן שדבריהם דברי קבלה ודברי בריבי דברי תורה
21 Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Wenn ihre Worte auf die Tora und die Worte Berabbis auf eine Überlieferung [sich stützen würden], würden wir dennoch auf die Worte Berabbis hören, und umso mehr, wo ihre Worte auf eine Überlieferung und die Worte Berabbis auf die Tora [sich stützen]. –
כב והאמר מר אין הכרעה שלישית מכרעת
22 Der Meister sagte ja aber, eine dritte Ansicht sei nicht ausschlaggebend!?