Chullin 62

Kapitel 62

א וכלים דומיא דאדם מה אדם דבעינן כוונה אף כלים נמי דקא מכוין להו אדם
1 Dies gilt von Geräten ebenso wie vom Menschen: wie bei einem Menschen die Absicht erforderlich ist, ebenso muß bei Geräten ein Mensch es beabsichtigt haben.
ב וכי תימא ביושב ומצפה מאי למימרא
2 Wolltest du erwidern, vom Falle, wenn man dasitzt und darauf wartet, sei dies zu lehren nicht nötig,
ג מהו דתימא ליגזר משום חרדלית של גשמים אי נמי ליגזר ראשין אטו כיפין קמ"ל דלא גזרינן
3 [so ist zu erwidern:] man könnte glauben, dies sei verboten, mit Rücksicht auf einen Regensturz, oder man berücksichtige bei der Wellenspitze den Wellenbogen, so lehrt er uns, daß man dies nicht berücksichtige. –
ד ומנא תימרא דלא מטבלינן בכיפין דתנן מטבילין בראשין ואין מטבילין בכיפין שאין מטבילין באויר
4 Woher entnimmst du, daß man im Wellenbogen nicht untertauche? – Wir haben gelernt: Man darf in der Wellenspitze untertauchen, nicht aber im Wellenbogen, weil man nicht in der Luft untertauchen kann. –
ה אלא חולין דלא בעי כוונה מיהא מנלן דתנן פירות שנפלו לתוך אמת המים ופשט מי שידיו טמאות ונטלן ידיו טהורות ופירות אינן בכי יותן
5 Woher ist nun zu entnehmen, daß bei Profanem die Absicht nicht erforderlich sei? – Wir haben gelernt: Wenn Früchte in einen Teich gefallen sind und jemand, dessen Hände unrein sind, sie herausholt, so sind seine Hände rein und die Früchte nicht verunreinigungsfähig;
ו ואם בשביל שיודחו ידיו טהורות ופירות בכי יותן
6 hatte er die Hände abzuspülen beabsichtigt, so sind seine Hände rein und die Früchte verunreinigungsfähig.
ז איתיביה רבא לרב נחמן טבל לחולין והוחזק לחולין אסור למעשר הוחזק אין לא הוחזק לא
7 Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Wenn jemand für Profanes untergetaucht ist und das Profane beabsichtigt hat, so ist ihm der Zehnt verboten. Nur wenn er dies beabsichtigt hat, sonst aber nicht!? –
ח הכי קאמר אע"פ שהוחזק לחולין אסור למעשר
8 Er meint es wie folgt: selbst wenn er es für das Profane beabsichtigt hat, ist ihm der Zehnt verboten.
ט איתיביה טבל ולא הוחזק כאילו לא טבל מאי לאו כאילו לא טבל כלל
9 Er wandte gegen ihn ein: Ist er ohne Absicht untergetaucht, so ist es ebenso, als wäre er nicht untergetaucht. Doch wohl, als wäre er überhaupt nicht untergetaucht? –
י לא כאילו לא טבל למעשר אבל טבל לחולין הוא סבר דיחויי קא מדחי ליה נפק דק ואשכח דתניא טבל ולא הוחזק מותר לחולין ואסור למעשר
10 Nein, als wäre er nicht für den Zehnten untergetaucht, wohl aber für Profanes. Jener glaubte, er wolle ihn nur abweisen, als er aber fortging und nachdachte, fand er folgende Lehre: Tauchte er ohne Absicht unter, so ist ihm Profanes erlaubt und der Zehnt verboten.
יא אמר ליה אביי לרב יוסף לימא תיהוי תיובתא דרבי יוחנן מהא
11 Abajje sprach zu R. Joseph: Dies wäre somit eine Widerlegung R. Joḥanans?
יב א"ל רבי יוחנן הוא דאמר כרבי יונתן בן יוסף
12 Dieser erwiderte: R. Joḥanan ist der Ansicht des R. Jonathan b. Joseph, denn es wird gelehrt:
יג דתניא רבי יונתן בן יוסף אומר (ויקרא יג, נח) וכובס מה ת"ל שנית מקיש תכבוסת שניה לתכבוסת ראשונה מה תכבוסת ראשונה לדעת אף תכבוסת שניה לדעת
13 R. Jonathan b. Joseph sagte: <i>Gewaschen</i>, wozu heißt es <i>zum zweiten Male</i>? – er vergleicht die zweite Waschung mit der ersten; wie die erste mit Absicht, ebenso auch die zweite mit Absicht.
יד אי מה להלן בעינן דעת כהן אף כאן בעינן דעת כהן ת"ל (ויקרא יג, נח) וטהר מכל מקום
14 [Man könnte glauben,] wie bei jener Geheiß des Priesters erforderlich ist, ebenso sei bei dieser Geheiß des Priesters erforderlich, so heißt es: <i>und es ist rein,</i> in jedem Falle.
טו מתקיף לה רב שימי בר אשי ומי אמר רבי יוחנן הכי והאמר רבי יוחנן הלכה כסתם משנה
15 R. Šimi b. Aši wandte ein: Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, R. Joḥanan sagte ja, die Halakha sei wie die anonyme Mišna,
טז ותנן נפלה סכין ושחטה אע"פ ששחטה כדרכה פסולה והוינן בה טעמא דנפלה הא הפילה הוא כשרה ואע"ג דלא מיכוין ואמרינן מאן תנא דלא בעי כוונה לשחיטה אמר רבא רבי נתן היא
16 und eine solche lehrt, wenn ein Messer herabgefallen ist und geschlachtet hat, sei die Schlachtung ungültig, auch wenn es richtig geschlachtet hat. Hieraus folgerten wir, nur wenn es herabgefallen ist, wenn man es aber herabgeworfen hat, sei sie gültig, und auf unsre Frage, wer der Autor sei, Welcher sagt, beim Schlachten sei die Absicht nicht erforderlich, erwiderte Raba, es sei R. Nathan!? –
יז בשחיטה אפילו רבי יונתן בן יוסף מדגלי רחמנא מתעסק בקדשים פסול מכלל דחולין לא בעינן כוונה
17 Hinsichtlich des Schlachtens pflichtet auch R. Jonathan b. Joseph bei; da der Allbarmherzige bekundet hat, beim Opfern sei die bloße Beschäftigung ungültig, so ist wohl bei Profanem die Absicht nicht erforderlich. –
יח ורבנן נהי דלא בעינן כוונה לזביחה לחתיכה בעינן
18 Und die Rabbanan!? – Zugegeben, daß die Absicht des Schlachtens nicht erforderlich ist, aber eine Absicht des Schneidens ist immerhin erforderlich.
יט אמר רבא בהא זכנהו רבי נתן לרבנן מי כתיב וחתכת (דברים יב, כא) וזבחת כתיב אי בעינן כוונה לחתיכה אפילו לזביחה נמי ליבעי אי לא בעינן כוונה לזביחה לחתיכה נמי לא ליבעי
19 Raba sagte: Durch folgendes besiegte R. Nathan die Rabbanan; es heißt ja nicht schneide, sondern <i>schlachte</i>. Ist die Absicht des Schneidens erforderlich, so ist auch die Absicht des Schlachtens erforderlich, und ist die Absicht des Schlachtens nicht erforderlich, so ist auch die Absicht des Schneidens nicht erforderlich.
כ היכי דמי נדה שנאנסה וטבלה אילימא דאנסה חבירתה ואטבלה כוונה דחברתה כוונה מעלייתא היא
20 Von welchem Zwangsfalle des Untertauchens einer Menstruierenden wird hier gesprochen: wollte man sagen, wenn eine Freundin sie gewaltsam untergetaucht hat, so ist ja die Absicht der Freundin gültig!? –
כא ועוד בתרומה נמי אכלה דתנן החרשת והשוטה והסומא ושנטרפה דעתה אם יש להן פקחות מתקנות אותן אוכלות בתרומה
21 Ferner darf sie ja sogar Hebe essen, denn wir haben gelernt, Taube, Blöde, Blinde und Irrsinnige dürfen, wenn sie Vernünftige haben, die ihnen behilflich sind, Hebe essen!?
כב א"ר פפא לר' נתן שנפלה מן הגשר ולרבנן שירדה להקר:
22 R. Papa erwiderte: Nach R. Nathan, wenn sie von einer Brücke abgestürzt ist, und nach den Rabbanan, wenn sie zur Abkühlung, hinabgestiegen ist.
כג אמר רבא שחט פרה ושחט בהמה אחרת עמה לדברי הכל פסולה
23 Raba sagte: Hat man mit der [roten] Kuh noch ein anderes Vieh geschlachtet, so ist sie nach aller Ansicht untauglich;