Eruvin 200

Kapitel 200

א דלא קא עביד איסורא אבל הכא דקא עביד איסורא הכי נמי דירד
1 wo man ein direktes Verbot übertritt, steige man herunter. —
ב תני חדא אחד אילן לח ואחד אילן יבש ותניא אידך בד"א בלח אבל ביבש מותר
2 Eines lehrt, dies gelte sowohl von einem feuchten als auch von einem verdorrten Baume, und ein Anderes lehrt, dies gelte nur von einem feuchten und nicht von einem verdorrten Baume!?
ג אמר רב יהודה ל"ק כאן בשגזעו מחליף כאן בשאין גזעו מחליף
3 R.Jehuda erwiderte: Das ist kein Widerspruch; eines gilt von [einem Baume], der seine Zweige noch wechselt, und eines von [einem Baume], der seine Zweige nicht mehr wechselt. –
ד גזעו מחליף יבש קרית ליה אלא לא קשיא כאן בימות החמה כאן בימות הגשמים
4 Einen, der seine Zweige noch wechselt, nennst du verdorrt!? – Vielmehr, das ist kein Widerspruch; eines gilt vom Sommer und eines gilt von der Regenzeit. –
ה בימות החמה הא נתרי פירי בדליכא פירי והא קא נתרי קינסי בגדודא
5 Im Sommer fallen ja Früchte ab!? – Wenn er keine Früchte hat. – Es fallen ja aber Sträucher ab!? – Wenn er beschnitten ist. –
ו איני והא רב איקלע לאפסטיא ואסר בגדודא רב בקעה מצא וגדר בה גדר:
6 Dem ist ja aber nicht so, als Rabh nach Aphsaṭia kam, verbot er es ja bei einem beschnittenen!? – Rabh fand eine Ebene und umzäunte sie.
ז אמר רמי בר אבא אמר רב אסי אסור לאדם שיהלך על גבי עשבים בשבת משום שנאמר (משלי יט, ב) ואץ ברגלים חוטא
7 Rami b. Abba sagte im Namen R.Asis: Man darf am Šabbath nicht auf Gras gehen, denn es heißt: <i>wer mit den Füßen drängt, ist ein Sünder</i>.
ח תני חדא מותר לילך ע"ג עשבים בשבת ותניא אידך אסור ל"ק הא בלחים הא ביבשים
8 Eines lehrt, man dürfe am Šabbath auf Gras gehen, und ein Anderes lehrt, dies sei verboten!? – Das ist kein Widerspruch; eines gilt von feuchtem, und eines gilt von trockenem.
ט ואי בעית אימא הא והא בלחים ולא קשיא כאן בימות החמה כאן בימות הגשמים
9 Wenn du willst, sage ich: beide von feuchtem, nur gilt eines vom Sommer und eines von der Regenzeit.
י ואיבעית אימא הא והא בימות החמה ול"ק הא דסיים מסאניה הא דלא סיים מסאניה
10 Wenn du willst, sage ich: beide vom Sommer, dennoch ist dies kein Widerspruch; eines in dem Falle, wenn man Schuhe anhat, und eines in dem Falle, wenn man keine Schuhe anhat.
יא ואיבעית אימא הא והא דסיים מסאניה ול"ק הא דאית ליה עוקצי הא דלית ליה עוקצי
11 Wenn du willst, sage ich: beide in dem Falle, wenn man Schuhe anhat, dennoch ist dies kein Widerspruch; eines in dem Falle, wenn [die Schuhe] Spitzen haben, und eines in dem Falle, wenn sie keine Spitzen haben.
יב ואיבעית אימא הא והא דאית ליה עוקצי הא דאית ליה שרכא הא דלית ליה שרכא
12 Wenn du aber willst, sage ich: beide in dem Falle, wenn sie Spitzen haben, nur gilt eines von dem Falle, wenn [das Gras] verschlungen ist, und eines von dem Falle, wenn es nicht verschlungen ist.
יג והאידנא דקיימא לן כר"ש כולהו שרי:
13 Da wir jetzt aber nach R.Šime͑n entscheiden, ist es in allen Fällen erlaubt.
יד ואמר רמי בר חמא אמר רב אסי אסור לאדם שיכוף אשתו לדבר מצוה שנאמר ואץ ברגלים חוטא
14 Ferner sagte Rami b.Ḥama im Namen R.Asis: Es ist verboten, seine Frau zur [ehelichen] Pflicht zu zwingen, denn es heißt: <i>wer mit Füßen drängt, ist ein Sünder</i>.
טו וא"ר יהושע בן לוי כל הכופה אשתו לדבר מצוה הווין לו בנים שאינן מהוגנין אמר רב איקא בר חיננא מאי קראה (משלי יט, ב) גם בלא דעת נפש לא טוב
15 Auch sagte R.Jehošua͑ b.Levi: Wer seine Frau zur [ehelichen] Pflicht zwingt, bekommt ungeratene Kinder. R.Iqa b. Ḥenana sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: <i>wo keine Einsicht, da kein Gutes</i>.
טז תניא נמי הכי גם בלא דעת נפש לא טוב זה הכופה אשתו לדבר מצוה ואץ ברגלים חוטא זה הבועל ושונה
16 Ebenso wird gelehrt: <i>Wo keine Einsicht, da kein Gutes</i>, wer seine Frau zur [ehelichen] Pflicht zwingt; <i>wer mit den Füßen drängt, ist ein Sünder</i>, wer den Beischlaf ausübt und ihn wiederholt. –
יז איני והאמר רבא הרוצה לעשות כל בניו זכרים יבעול וישנה ל"ק כאן לדעת כאן שלא לדעת:
17 Dem ist ja aber nicht so, Raba sagte ja, wer männliche Kinder zeugen will, übe den Beischlaf aus und wiederhole ihn!? – Das ist kein Einwand; dies, wenn [sie es] wünscht, jenes, wenn [sie es] nicht wünscht.
יח א"ר שמואל בר נחמני א"ר יוחנן כל אשה שתובעת בעלה לדבר מצוה הווין לה בנים שאפילו בדורו של משה לא היו כמותן דאילו בדורו של משה כתיב (דברים א, יג) הבו לכם אנשים חכמים ונבונים וידועים לשבטיכם וכתיב ואקח את ראשי שבטיכם אנשים חכמים וידועים ואילו נבונים לא אשכח
18 R.Šemuél b.Naḥmani sagte im Namen R.Joḥanans: Eine Frau, die ihren Mann zur [ehelichen] Pflicht auffordert, bekommt Kinder, wie es solche sogar im Zeitalter Mošes nicht gegeben hat. Beim Zeitalter Mošes heißt es: <i>schafft euch Männer weise, einsichtig und wohlbekannt nach eueren Stämmen</i>, und darauf folgt: <i>da nahm ich euere Stammhäupter, weise und wohlbekannte Männer</i>; einsichtige fand er aber nicht.
יט ואילו גבי לאה כתיב (בראשית ל, טז) ותצא לאה לקראתו ותאמר אלי תבוא כי שכר שכרתיך וכתיב (דברי הימים א יב, לג) ומבני יששכר יודעי בינה לעתים לדעת מה יעשה ישראל ראשיהם מאתים וכל אחיהם על פיהם
19 Bei Lea aber heißt es: <i>Lea ging ihm entgegen und sprach: Zu mir mußt du kommen, denn ich habe dich gemietet</i>, und [von ihren Kindern] heißt es: <i>von den Nachkommen Jissakhars, die Einsicht in den Zeiten hatten, so daß sie wußten, was Jisraél tun sollte, zweihundert Hauptleute, und all ihre Brüder unter ihrem Befehle</i>. –
כ איני והאמר רב יצחק בר אבדימי עשר קללות נתקללה חוה דכתיב
20 Dem ist ja aber nicht so, R.Jiçḥaq b.Evdämi sagte ja: Mit zehn Flüchen wurde Ḥava belegt: Es heißt:
כא (בראשית ג, טז) אל האשה אמר הרבה ארבה אלו שני טפי דמים אחת דם נדה ואחת דם בתולים עצבונך זה צער גידול בנים והרונך זה צער העיבור בעצב תלדי בנים כמשמעו
21 <i>zum Weibe aber sprach er: Vermehren will ich</i>, das sind die zwei Blutungen, die Menstruationsblutung und die Jungfernschaftsblutung; <i>dein Mühsal</i>, das ist die Qual der Kindererziehung; <i>deine Schwangerschaft</i>, das ist die Qual der Schwangerschaft; <i>mit Schmerzen sollst du Kinder gebären</i>, dem Wortlaute gemäß;
כב ואל אישך תשוקתך מלמד שהאשה משתוקקת על בעלה בשעה שיוצא לדרך והוא ימשל בך מלמד שהאשה תובעת בלב והאיש תובע בפה זו היא מדה טובה בנשים
22 <i>nach deinem Manne sollst du verlangen</i>, dies lehrt, daß die Frau nach ihrem Manne verlangt, wenn er sich auf die Reise begibt; <i>er aber soll über dich herrschen</i>, dies lehrt, daß die Frau mit dem Herzen verlangt, der Mann aber mit dem Munde. Dies ist nur eine schöne Sittlichkeit der Frau. –
כג כי קאמרינן דמרציא ארצויי קמיה
23 Wir meinen damit, daß sie sich bei ihm einschmeicheln muß. –
כד הני שבע הווין כי אתא רב דימי אמר עטופה כאבל ומנודה מכל אדם וחבושה בבית האסורין
24 Es sind ja nur sieben!? – Als R.Dimi kam, sagte er: Sie geht eingehüllt, wie ein Leidtragender; sie ist von jedem Manne getrennt, und sie ist [wie] in einem Gefängnis eingesperrt. —
כה מאי מנודה מכל אדם אילימא משום דאסיר לה ייחוד איהו נמי אסיר ליה ייחוד אלא דאסירא לבי תרי
25 Wieso von jedem Manne getrennt: wollte man sagen, indem ihr das Alleinsein verboten ist, so ist ja auch ihm das Alleinsein verboten!?– Vielmehr, indem sie zweien verboten ist.
כו במתניתא תנא מגדלת שער כלילית ויושבת ומשתנת מים כבהמה ונעשית כר לבעלה
26 In einer Barajtha wird gelehrt: Sie läßt das Haar wachsen, wie die Lilith, sie hockt nieder und uriniert, wie ein Vieh, und sie dient dem Manne als Polster. –
כז ואידך הני שבח הוא לה
27 Und jener!? – Dies ist zu ihrem Vorteile.
כח דא"ר חייא מאי דכתיב (איוב לה, יא) מלפנו מבהמות ארץ ומעוף השמים יחכמנו מלפנו מבהמות זו פרידה שכורעת ומשתנת מים ומעוף השמים יחכמנו זה תרנגול שמפייס ואחר כך בועל
28 R.Ḥija sagte nämlich: Es heißt: <i>er belehrt uns durch die Tiere des Feldes, und durch die Vögel des Himmels gibt er uns Weisheit; er belehrt uns durch die Tiere</i>, das ist das Maultier, das niederkauert und uriniert; <i>er gibt uns Weisheit durch die Vögel des Himmels</i>, das ist der Hahn, der vorher [die Henne] karessiert und sie erst nachher begattet.
כט אמר רבי יוחנן אילמלא לא ניתנה תורה היינו למידין צניעות מחתול וגזל מנמלה ועריות מיונה דרך ארץ מתרנגול שמפייס ואחר כך בועל
29 R.Joḥanan sagte: Würde die Tora nicht verliehen worden sein, so könnten wir Keuschheit von der Katze, [das Verbot] des Raubens von der Ameise, [das Verbot] des Ehebruches von der Taube und Anstand vom Hahne lernen, der vorher [die Henne] karessiert und sie erst nachher begattet. —
ל ומאי מפייס לה אמר רב יהודה אמר רב הכי קאמר לה זביננא ליך זיגא דמטו ליך עד כרעיך לבתר הכי אמר לה לישמטתיה לכרבלתיה דההוא תרנגולא אי אית ליה ולא זביננא ליך:
30 Wodurch überredet er sie? R.Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Er sagt zu ihr: Ich werde dir ein Kleid kaufen, das dir bis zu den Füßen reicht. Nachher aber sagt er zu ihr: Mag [die Katze] den Kamm des Hahnes holen, wenn er hat und es dir nicht kauft.