Eruvin 63

Kapitel 63

א בשל סופרים חזקה שליח עושה שליחותו ורב ששת אמר אחד זה ואחד זה חזקה שליח עושה שליחותו
1 bei [einem Gebote der] Schriftkundigen gilt es als feststehend, daß ein Bote seinen Auftrag ausführe. R.Šešeth sagt, bei beiden gilt es als feststehend, daß ein Bote seinen Auftrag ausführe.
ב א"ר ששת מנא אמינא לה דתנן משקרב העומר הותר החדש מיד
2 R.Šešeth sprach: Woher entnehme ich dies? Aus dem, was wir gelernt haben: Sofort nachdem die Schwingegarbe dargebracht wurde, wurde das neue [Getreide] erlaubt;
ג והרחוקים מותרים מחצות היום ואילך והא חדש דאורייתא הוא וקתני הרחוקים מותרין מחצות היום ואילך לאו משום חזקה שליח עושה שליחותו
3 den Fern wohnenden war es von Mittag ab erlaubt. Das Verbot des neuen [Getreides] ist ja aus der Tora, dennoch lehrt er, daß es den Fernwohnenden von Mittag ab erlaubt war; doch wohl, weil es als feststehend gilt, daß ein Bote seinen Auftrag ausführe. –
ד ורב נחמן התם כדקתני טעמא לפי שיודעין שאין בית דין מתעצלין בו
4 Und R.Naḥman!? – Da wird auch der Grund angegeben: weil man wußte, daß das Gericht bei [der Darbringung] nicht lässig ist.
ה ואיכא דאמרי אמר רב נחמן מנא אמינא לה דקתני טעמא לפי שיודעין שאין ב"ד מתעצלין בו ב"ד הוא דלא מתעצלין בו הא שליח מתעצל בו
5 Manche lesen: R.Naḥman sagte: Woher entnehme ich dies? Er gibt den Grund an, weil man wußte, daß das Gericht bei [der Darbringung] nicht lässig ist; nur das Gericht ist nicht lässig, wohl aber ist ein Bote lässig. –
ו ורב ששת אמר לך ב"ד עד פלגיה דיומא שליח כולי יומא
6 Und R.Šešeth!? – Er kann dir erwidern: das Gericht bis zur Hälfte des Tages, sonst ein Bote den ganzen Tag.
ז אמר רב ששת מנא אמינא לה דתניא האשה שיש עליה לידה או זיבה מביאה מעות ונותנת בשופר וטובלת ואוכלת בקדשים לערב מאי טעמא לאו משום דאמרינן חזקה שליח עושה שליחותו
7 R.Šešeth sprach: Woher entnehme ich dies? Es wird gelehrt: Wenn eine Frau ein Wöchnerinnen- oder ein Flußbehafteten-Opfer darzubringen hat, so bringe sie das Geld dazu, lege es in die Sammelbüchse und tauche unter, und abends darf sie Geheiligtes essen. Doch wohl, weil wir sagen, ein Bote führe seinen Auftrag aus. –
ח ורב נחמן התם כדרב שמעיה דאמר רב שמעיה חזקה אין ב"ד של כהנים עומדים משם עד שיכלו כל מעות שבשופר
8 Und R.Naḥman!? – Da ist es nach R.Šema͑ja zu erklären, denn R.Šema͑ja sagte: Es gilt als feststehend, daß das Priestergericht von da nicht eher fortgeht, als bis das ganze Geld in der Sammelbüchse verbraucht ist.
ט אמר רב ששת מנא אמינא לה דתניא האומר לחבירו צא ולקט לך תאנים מתאנתי אוכל מהן עראי ומעשרן ודאי מלא לך כלכלה זה תאנים מתאנתי אוכל מהן עראי ומעשרן דמאי
9 R.Šešeth sprach: Woher entnehme ich dies? Es wird gelehrt: Wenn jemand zu seinem Nächsten sagt: ‘geh, sammle dir Feigen von meinem Feigenbäume’, so darf dieser davon gelegentlich [unverzehntet] essen oder den zweifellosen Zehnten entrichten; wenn aber: ‘fülle dir diesen Korb mit Feigen von meinem Feigenbaume’, so darf dieser davon gelegentlich [unverzehntet] essen oder sie als Demaj verzehnten.
י במה דברים אמורים בעם הארץ אבל בחבר אוכל ואינו צריך לעשר דברי רבי רבן שמעון בן גמליאל אומר במה דברים אמורים בעם הארץ אבל בחבר אינו אוכל עד שיעשר לפי שלא נחשדו חברים לתרום שלא מן המוקף
10 Dies gilt nur von einem Manne aus dem gemeinen Volke, wenn aber [der Eigentümer] ein Genosse ist, so darf dieser davon essen, ohne es zu verzehnten – so Rabbi. R.Šimo͑n b.Gamliél sagte: Dies gilt nur von einem Manne aus dem gemeinen Volke, wenn aber [der Eigentümer] ein Genosse ist, so darf dieser davon nicht eher essen, als bis er sie verzehntet hat, weil Genossen nicht verdächtig sind, die Hebe von Nichtzusammenliegendem zu entrichten.
יא אמר רבי נראין דברי מדברי אבא מוטב שיחשדו חברים לתרום שלא מן המוקף ולא יאכילו לעמי הארץ טבלים
11 Rabbi sprach: Meine Worte sind einleuchtender als die Worte meines Vaters: lieber mögen Genossen verdächtig sein, die Hebe von Nichtzusammenliegendem zu entrichten, als daß Leute aus dem gemeinen Volke Unverzehntetes essen sollten.
יב עד כאן לא פליגי אלא דמר סבר נחשדו ומר סבר לא נחשדו אבל כולי עלמא חזקה שליח עושה שליחותו
12 Sie streiten nur darüber, ob er verdächtig ist oder nicht, alle stimmen aber überein, daß der Bote seinen Auftrag ausführe. –
יג ורב נחמן התם כדרב חנינא חוזאה דאמר רב חנינא חוזאה חזקה הוא על חבר שאינו מוציא דבר שאינו מתוקן מתחת ידו
13 Und R.Naḥman!? – Da ist es nach R. Hanina aus Ḥozäa zu erklären, denn R.Ḥanina aus Ḥozäa sagte: Es ist feststehend, daß ein Genosse nichts Unfertiges aus der Hand läßt.
יד אמר מר במה דברים אמורים בעם הארץ אבל בחבר אוכל ואינו צריך לעשר דברי רבי
14 Der Meister sagte: Dies gilt nur von einem Manne aus dem gemeinen Volke, wenn aber [der Eigentümer] ein Genosse ist, so darf dieser davon essen, ohne es zu verzehnten – so Rabbi.
טו האי עם הארץ דקאמר ליה למאן אילימא דקאמר לעם הארץ חבריה מעשרן דמאי מי ציית אלא בעם הארץ דקאמר ליה לחבר אימא סיפא נראין דברי מדברי אבא מוטב שיחשדו חברים לתרום שלא מן המוקף ואל יאכילו לעמי הארץ טבלין עמי הארץ מאי בעי התם
15 Wem soll der Mann aus dem ge- meinen Volke es gesagt haben: wollte man sagen, einem Manne aus dem gemeinen Volke seinesgleichen, wieso verzehnte er sie als Demaj, dieser würde ja nicht gehorchen. Und wolltest du sagen, wenn ein Mann aus dem gemeinen Volke es einem Genossen sagt, wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: Meine Worte sind einleuchtender als die Worte meines Vaters: lieber mögen Genossen verdächtig sein, die Hebe von Nichtzusammenliegendem zu entrichten, als daß Leute aus dem gemeinen Volke Unverzehntetes essen sollten; wieso Leute aus dem gemeinen Volke!?
טז אמר רבינא רישא בעם הארץ שאמר לחבר סיפא בחבר שאמר לעם הארץ וחבר אחר שומעו רבי
16 Rabina erwiderte: Der Anfangssatz in dem Falle, wenn ein Mann aus dem gemeinen Volke es zu einem Genossen sagt, und der Schlußsatz in dem Falle, wenn ein Genosse es zu einem Manne aus dem gemeinen Volke sagt und ein Genosse es hört. Rabbi