Gittin 103

Kapitel 103

א <big><strong>מתני׳</strong></big> יתומין שסמכו אצל בעל הבית או שמינה להן אביהן אפוטרופוס חייב לעשר פירותיהם
1 <b>W</b><small>ENN</small> W<small>AISEN BEI EINEM</small> H<small>AUSHERRN UNTERGEBRACHT</small> <small>SIND, ODER WENN</small> <small>IHR</small> V<small>ATER IHNEN JEMAND ALS</small> V<small>ORMUND BESTELLT HAT, SO MUSS ER</small> <small>IHRE</small> F<small>RÜCHTE VERZEHNTEN</small>.
ב אפוטרופוס שמינהו אבי יתומים ישבע מינוהו ב"ד לא ישבע אבא שאול אומר חילוף הדברים:
2 D<small>ER</small> V<small>ORMUND, DEN DER</small> V<small>ATER DER</small> W<small>AISEN BESTELLT HAT, MUSS SCHWÖREN</small>, <small>DEN DAS</small> G<small>ERICHT BESTELLT HAT, BRAUCHT NICHT ZU SCHWÖREN</small>. A<small>BBA</small> Š<small>AÚL SAGT, ES VERHALTE SICH ENTGEGENGESETZT</small>.
ג <big><strong>גמ׳</strong></big> ורמינהו (במדבר יח, לא) אתם ולא שותפין אתם ולא אריסין אתם ולא אפוטרופין ולא התורם את שאינו שלו
3 GEMARA. Ich will auf einen Widerspruch hin weisen: <i>Ihr</i>, nicht aber Gesellschafter; <i>ihr</i>, nicht aber Quotenpächter; <i>ihr</i>, nicht aber Vormünder; <i>ihr,</i> es darf niemand die Hebe absondern von dem, was nicht ihm gehört!?
ד אמר רב חסדא לא קשיא כאן להאכיל כאן להניח
4 R. Ḥisda erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn zum Essen, und das andere, wenn zum Zurücklegen.
ה והתניא האפוטרופין תורמין ומעשרין להאכיל ולא להניח ומוכרין להן בהמה עבדים ושפחות בתים שדות וכרמים להאכיל אבל לא להניח ומוכרין להן פירות יינות שמנים וסלתות להאכיל אבל לא להניח
5 Es wird auch gelehrt: Vormünde dürfen zum Essen die Hebe und den Zehnten absondern, nicht aber zum Zurücklegen; sie dürfen für sie Vieh, Sklaven, Sklavinnen, Häuser, Felder und Weinberge zum Essen verkaufen, nicht aber zum Zurücklegen; sie dürfen für sie Früchte, Weine, Öle und Mehl zum Essen verkaufen, nicht aber zum Zurücklegen.
ו ועושין להן לולב וערבה וסוכה וציצית וכל דבר שיש לו קצבה לאיתויי שופר ולוקחין להם ספר תורה תפילין ומזוזות וכל דבר שיש לו קצבה לאתויי מגילה
6 Sie fertigen für sie Feststrauß, Bachweide, Festhütte, Çiçith und alles andere, wofür es eine Grenze gibt, dies schließt die Posaune ein. Sie kaufen für sie eine Torarolle, Tephillin, Mezuzoth und alles andere, wofür es eine Grenze gibt, dies schließt die [Ester]rolle ein.
ז ואין פוסקין עליהם צדקה ואין פודין עליהן את השבויין ולא כל דבר שאין לו קצבה לאתויי תנחומי אבלים
7 Nicht aber dürfen sie für sie Almosen aussetzen, Gefangene auslösen, oder sonst etwas, wofür es keine Grenze gibt, dies schließt die Tröstung der Leidtragenden ein.
ח ואין אפוטרופין רשאין לדון לחוב ולזכות בנכסי יתומים לזכות אמאי לא אלא לחוב על מנת לזכות בנכסי יתומים
8 Vormünde dürfen nicht über die Güter der Waisen prozessieren, weder zuungunsten noch zugunsten. – Weshalb nicht zugunsten!? – Vielmehr, zuungunsten, in der Absicht, daß es zugunsten erfolge.
ט ואין אפוטרופין רשאין למכור ברחוק ולגאול בקרוב ברעה ולגאול ביפה מ"ט דדלמא משתדפין
9 Vormünde dürfen ferner nicht ein entferntes [Feld] verkaufen und ein nahes einlösen, ein schlechtes verkaufen und ein gutes einlösen, weil es verheert werden könnte.
י ואין אפוטרופין רשאין למכור שדות וליקח עבדים אבל מוכרין עבדים ולוקחין בהן שדות רבן שמעון בן גמליאל אומר אף לא למכור עבדים וליקח שדות מ"ט דלמא לא משפיין
10 Vormünde dürfen nicht Felder verkaufen und dafür Sklaven kaufen, wohl aber dürfen sie Sklaven verkaufen und dafür Felder kaufen; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, auch nicht Sklaven verkaufen und dafür Felder kaufen, weil es vielleicht nicht unangefochten bleibt.
יא ואין אפוטרופין רשאין להוציא עבדים לחירות אבל מוכרין אותן לאחרים ואחרים מוציאין אותן לחירות רבי אומר אומר אני אף הוא נותן דמי עצמו ויוצא מפני שהוא כמוכרו לו
11 Vormünde dürfen keine Sklaven freilassen, wohl aber an andere verkaufen und jene sie freilassen. Rabbi sagte: Ich sage, auch [der Sklave] selber kann seinen Wert zahlen und frei werden, denn es ist ebenso, als würde er ihn an ihn selber verkaufen.
יב וצריך לחשב עמהן באחרונה ר"ש בן גמליאל אומר אינו צריך אין עושין אפוטרופין נשים ועבדים וקטנים ואם מינן אבי יתומין הרשות בידו
12 Zuletzt muß er mit ihnen abrechnen; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, er brauche dies nicht. Frauen, Sklaven und Minderjährige dürfen nicht als Vormünde eingesetzt werden; wenn aber der Vater der Waisen sie eingesetzt hat, so stand es ihm frei.
יג ההוא אפוטרופוס דהוה בשבבותיה דר' מאיר דהוה קא מזבין ארעתא וזבין עבדי ולא שבקיה ר' מאיר אחוו ליה בחלמיה אני להרוס ואתה לבנות אפילו הכי לא אשגח אמר דברי חלומות לא מעלין ולא מורידין
13 Einst wollte ein Vormund in der Nachbarschaft R. Meírs Felder verkaufen und Sklaven kaufen, R. Meír aber ließ dies nicht zu. Hierauf zeigte man ihm im Traume: ich will niederreißen, du aber willst bauen. Er achtete jedoch nicht darauf, indem er sagte: Träume nützen nicht und schaden nicht.
יד הנהו בי תרי דאיגרי בהו שטן דכל בי שמשי הוו קא מינצו בהדי הדדי איקלע רבי מאיר להתם עכבינהו תלתא בי שמשי עד דעבד להו שלמא שמעיה דקאמר ווי דאפקיה ר' מאיר לההוא גברא מביתיה:
14 Einst waren zwei Leute, die der Satan aufeinander hetzte, denn jeden Vorabend [des Šabbaths] zankten sie miteinander. Als R. Meír dahinkam, hielt er sie drei Vorabende zurück, bis er Frieden zwischen ihnen stiftete. Da hörte er ihn rufen: Wehe, R. Meír jagte mich aus meinem Hause!
טו ההוא אפוטרופוס דהוה בשבבותיה דר' יהושע בן לוי דהוה קא מזבין ארעא וזבין תורי ולא אמר ליה ולא מידי סבר לה כר' יוסי דתניא א"ר יוסי מימי לא קריתי לאשתי אשתי ולשורי שורי אלא לאשתי ביתי ולשורי שדי
15 In der Nachbarschaft des R. Jehošua͑ b. Levi war ein Vormund, der Grundstücke verkaufte und Ochsen kaufte, und dieser sagte ihm dazu nichts. Er ist der Ansicht R. Joses, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte: Nie im Leben nannte ich meine Frau Frau und meinen Ochsen Ochs, sondern meine Frau Haus und meinen Ochsen Feld.
טז הנהו יתמי דהוו סמיכי גבי ההיא סבתא הוה להו תורתא שקלה וזבינתה ניהלייהו אתו קרובים לקמיה דרב נחמן אמרו ליה מאי עבידתה דזבנא אמר להו יתומים שסמכו אצל בעל הבית תנן
16 Einst nahm eine Greisin, bei der Waisen untergebracht waren, einen Ochsen, den sie hatten, und verkaufte ihn für sie. Da kamen ihre Verwandten zu R. Naḥman und sprachen zu ihm: Wie kam sie dazu, ihn zu verkaufen!? Er erwiderte ihnen: Unsere Lehre lautet: wenn Waisen bei einem Hausherrn untergebracht sind. –
יז והא אייקר ברשותא דלוקח אייקר והא לא נקיטי דמי
17 Er ist ja im Preise gestiegen. – Er ist im Besitze des Käufers im Preise gestiegen. – Sie haben ja das Geld noch nicht erhalten!?
יח אמר להו א"כ היינו דרב חנילאי בר אידי אמר שמואל דאמר רב חנילאי בר אידי אמר שמואל נכסי יתומין הרי הן כהקדש ולא מקני אלא בכספא
18 Da erwiderte er ihnen: Wenn dem so ist, so ist hierauf die Lehre des R. Ḥanilaj b. Idi im Namen Šemuéls zu beziehen. R. Ḥanilaj b. Idi sagte nämlich im Namen Šemuéls, Güter der Waisen gleichen denen des Heiligtums, die nur durch das Geld erworben werden.
יט חמריה דרבנא עוקבא יתמא משכוה בארבעה ארבעה ואייקר וקם בשיתא שיתא אתו לקמיה דרב נחמן אמר להו היינו דרב חנילאי בר אידי דאמר רב חנילאי בר אידי אמר שמואל נכסי יתומין הרי הן כהקדש ולא מקני אלא בכספא:
19 Den Wein des verwaisten Rabbana U͑qaba zogen [die Käufer] an sich zum Preise von vier [Zuz das Faß], und er stieg auf sechs. Als sie hierauf zu R. Naḥman kamen, sprach er zu ihnen: Hierauf ist die Lehre des R. Ḥanilaj b. Idi im Namen Šemuéls zu beziehen, R. Ḥanilaj b. Idi sagte nämlich im Namen Šemuéls, Güter der Waisen gleichen denen des Heiligtums, die nur durch das Geld erworben werden.
כ משוך פירי מיתמי אייקור היינו דרב חנילאי בר אידי זול לא יהא כח הדיוט חמור מהקדש
20 Hat [der Käufer] Früchte der Waisen an sich gezogen, so ist, wenn sie im Preise gestiegen sind, hierauf die Lehre des R. Ḥanilaj b. Idi zu beziehen; wenn sie aber im Preise gesunken sind, so darf das Recht eines Gemeinen dem Rechte des Heiligtums nicht überlegen sein.
כא אמשיכו להו פירי ליתמי אייקר לא יהא כח הדיוט חמור מהקדש זול סבור מינה היינו דרב חנילאי בר אידי
21 Haben die Waisen Früchte [anderer] an sich gezogen, so darf, wenn sie im Preise gestiegen sind, das Recht eines Gemeinen dem Rechte des Heiligtums nicht überlegen sein, und auf den Fall, wenn sie im Preise gesunken sind, glaubten sie, die Lehre des R. Ḥanilaj b. Idi zu beziehen, aber
כב א"ל רב שישא בריה דרב אידי הא רעה היא לדידהו דזמנין דמצטרכי לפירי וליכא דיהיב להו עד דיהבי זוזי
22 R. Šiša, Sohn des R. Idi, sprach zu ihnen: Dies wäre ein Nachteil für sie, denn, wenn sie Früchte brauchen, würde niemand sie ihnen geben, bis sie das Geld gezahlt haben.
כג יהבי יתמי זוזי אפירי זול לא יהא כח הדיוט חמור מן הקדש אייקר סבור מינה היינו דרב חנילאי בר אידי
23 Haben Waisen Geld auf Früchte gezahlt, so darf, wenn sie im Preise gesunken sind, das Recht eines Gemeinen dem Rechte des Heiligtums nicht überlegen sein, und auf den Fall, wenn sie im Preise gestiegen sind, glaubten sie die Lehre des R. Ḥanilaj b. Idi zu beziehen, aber
כד אמר להו רב שישא בריה דרב אידי הא רעה היא לדידהו
24 R. Šiša, Sohn des R. Idi, sprach zu ihnen: Dies wäre ein Nachteil für sie,