Gittin 104

Kapitel 104

א דאתו למימר להו נשרפו חיטכם בעלייה
1 denn man könnte zu ihnen sagen: euer Weizen ist im Söller verbrannt.
ב יהבי להו זוזי ליתמי אפירי אייקר לא יהא כח הדיוט חמור מהקדש זול סבור מינה היינו דרב חנילאי בר אידי
2 Haben andere den Waisen Geld auf Früchte gezahlt, so darf, wenn sie im Preise gestiegen sind, das Recht eines Gemeinen dem Rechte des Heiligtums nicht überlegen sein, und auf den Fall, wenn sie im Preise gesunken sind, glaubten sie die Lehre des R. Ḥanilaj b. Idi zu beziehen, aber
ג אמר להו רב שישא בריה דרב אידי הא רעה הוא לדידהו דזמנין דמצטרכי לזוזי וליכא דיהיב להו עד דיהבי להו פירי
3 R. Šiša, Sohn des R. Idi, sprach zu ihnen: Dies wäre ein Nachteil für sie, denn, wenn sie Geld brauchen, würde niemand es ihnen geben, bis sie die Früchte geliefert haben.
ד אמר רב אשי אנא ורב כהנא חתמינן אשטרא דאימיה דזעירא יתמא דמזבנא ארעא לכרגא בלא אכרזתא דאמרי נהרדעי לכרגא ולמזוני ולקבורה מזבנינן בלא אכרזתא:
4 R. Aši sagte: Ich und R. Kahana unterschrieben eine Urkunde der Mutter des verwaisten Zee͑ra, die zur Zahlung von Kopfsteuern [Grundstücke] ohne Ausbietung verkaufte. Die Nehardee͑nser sagten nämlich: Für Kopfsteuer, Unterhalt und Begräbniskosten verkaufe man ohne vorherige Ausbietung.
ה עמרם צבעא אפוטרופא דיתמי הוה אתו קרובים לקמיה דרב נחמן אמרי ליה קא לביש ומכסי מיתמי אמר להו כי היכי דלישתמען מיליה
5 Der Färber A͑mram war Vormund von Waisen; da kamen die Verwandten zu R. Naḥman und sprachen: Er kleidet und hüllt sich vom [Vermögen] der Waisen. Dieser erwiderte: Damit seine Worte respektiert werden. –
ו קאכיל ושתי מדידהו ולא אמוד אימור מציאה אשכח והא קא מפסיד אמר להו אייתו לי סהדי דמפסיד ואיסלקיניה דאמר רב הונא חברין משמיה דרב אפוטרופוס דמפסיד מסלקינן ליה דאיתמר אפוטרופא דמפסיד רב הונא אמר רב מסלקינן ליה דבי רבי שילא אמרי לא מסלקינן ליה והלכתא מסלקינן ליה:
6 Er ißt und trinkt, wohl ihres, denn er ist nicht begütert. – Er hat vielleicht einen Fund gemacht. – Er richtet Schaden an. Da erwiderte er ihnen: Bringt mir Zeugen, daß er Schaden anrichte, so entsetze ich ihn; unser Genosse R. Hona sagte im Namen Rabhs, wenn ein Vormund Schaden anrichtet, entsetze man ihn. Es wurde nämlich gelehrt: Wenn ein Vormund Schaden anrichtet, so ist er, wie R. Hona im Namen Rabhs sagt, zu entsetzen, und wie sie in der Schule R. Šilas sagen, nicht zu entsetzen. Die Halakha ist, man entsetze ihn.
ז אפוטרופוס שמינהו אבי יתומים ישבע: מאי טעמא אי לאו דאית ליה הנאה מיניה לא הוה ליה אפוטרופוס ומשום שבועה לא אתי לאמנועי:
7 D<small>ER</small> V<small>ORMUND, DEN DER</small> V<small>ATER DER</small> W<small>AISEN BESTELLT HAT, MUSS SCHWÖREN</small>. Aus welchem Grunde? – Wenn er keinen Nutzen davon hat, wird er nicht Vormund, und wegen des Schwures verweigert er es nicht.
ח מינוהו ב"ד לא ישבע: מלתא בעלמא הוא דעביד לבי דינא ואי רמית עליה שבועה אתי לאמנועי:
8 D<small>EN DAS</small> G<small>ERICHT BESTELLT HAT, BRAUCHT NICHT ZU SCHWÖREN</small>. Er tut dies nur aus Zuvorkommenheit gegen das Gericht, und wenn man ihm einen Schwur auf erlegt, verweigert er es.
ט אבא שאול אומר חילוף הדברים: מ"ט מינוהו ב"ד ישבע בההיא הנאה דקא נפיק עליה קלא דאיניש מהימנא הוא דהא סמיך עליה בי דינא משום שבועה לא אתי לאמנועי
9 A<small>BBA</small> Š<small>AÚL SAGT, ES VERHALTE SICH ENTGEGENGESETZT</small>. Wenn das Gericht ihn bestellt hat, maß er schwören, denn für die Befriedigung, daß er in den Ruf eines ehrenhaften Mannes kommt, dem das Gericht Vertrauen schenkt, verweigert er dies wegen des Schwures nicht.
י מינהו אבי יתומים לא ישבע מילתא בעלמא הוא דעבדי להדדי ואי רמית עליה שבועה אתי לאמנועי אמר רב חנן בר אמי אמר שמואל הלכתא כאבא שאול:
10 Wenn der Vater der Waisen ihn bestellt hat, braucht er nicht zu schwören, denn er tut dies nur aus gegenseitiger Freundschaft, und wenn man ihm einen Schwur auferlegt, verweigert er es. R. Ḥanan b. Ami sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie Abba Šaúl.
יא תניא רבי אליעזר בן יעקב אומר זה וזה ישבע והלכה כדבריו
11 Es wurde gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Beide müssen schwören. Die Halakha ist wie er.
יב תני רב תחליפא בר מערבא קמיה דר' אבהו אפוטרופוס שמינהו אבי יתומים ישבע מפני שהוא נושא שכר אמר ליה את אייתת קבא וכיילת ליה אלא אימא מפני שהוא כנושא שכר:
12 R. Taḥlipha aus dem Westen lehrte vor R. Abahu: Der Vormund, den der Vater der Waisen bestellt hat, muß schwören, weil er bezahlt ist. Da sprach dieser zu ihm: Hast du einen Kab geholt und ihm zugemessen? Sage vielmehr: weil er einem bezahlten gleicht.
יג <big><strong>מתני׳</strong></big> המטמא והמדמע והמנסך בשוגג פטור במזיד חייב:
13 <b>W</b><small>ENN JEMAND UNREIN</small> <small> MACHT, BEMISCHT</small> <small>ODER LIBIERT</small>, <small>SO IST ER, WENN VERSEHENTLICH, ERSATZFREI, UND WENN VORSÄTZLICH, HAFTBAR</small>.
יד <big><strong>גמ׳</strong></big> איתמר מנסך רב אמר מנסך ממש ושמואל אמר מערב
14 GEMARA. Es wurde gelehrt: Unter ‘libiert ‘ ist zu verstehen, wie Rabh sagt, wenn er wirklich ‘libiert’, und wie Šemuél sagt, wenn er beimischt. –
טו מ"ד מערב מ"ט לא אמר מנסך אמר לך מנסך קם ליה בדרבה מיניה
15 Weshalb erklärt derjenige, der ‘beimischt’ erklärt, nicht ‘libiert’? – Er kann dir erwidern: beim Libieren verfällt er der schwereren Strafe. –
טז ואידך כדרבי ירמיה דא"ר ירמיה משעת הגבהה הוא דקנה מתחייב בנפשו לא הוי עד שעת ניסוך
16 Und jener!? – Nach R. Jirmeja, denn R. Jirmeja sagte, die Aneignung erfolge beim Hochheben und das Leben verwirke er erst beim Libieren. –
יז ולמאן דאמר מנסך מ"ט לא אמר מערב אמר לך מערב
17 Weshalb erklärt derjenige, der ‘libiert’ erklärt, nicht ‘beimischt’? – Er kann dir erwidern: beimischen