Gittin 147

Kapitel 147

א ומטמא לה כללו של דבר הרי היא כאשתו לכל דבר אלא שאינה צריכה הימנו גט שני דברי ר' יהודה
1 und er verunreinige sich an ihr. Die Regel ist: sie gilt in jeder Hinsicht als seine Ehefrau, nur benötigt sie keines anderen Scheidebriefes – so R. Jehuda.
ב ר"מ אומר בעילתה תלויה ר' יוסי אומר בעילתה ספק וחכ"א מגורשת ואינה מגורשת ובלבד שימות
2 R. Meír sagt, ihre Beiwohnung befinde sich in der Schwebe; R. Jose sagt, ihre Beiwohnung sei zweifelhaft; die Weisen sagen, sie sei geschieden und nicht geschieden, jedoch nur dann, wenn er stirbt.
ג מאי איכא בין ר"מ לרבי יוסי
3 Welchen Unterschied gibt es zwischen R. Meír und R. Jose?
ד אמר רבי יוחנן אשם תלוי איכא בינייהו לר"מ לא מייתי אשם תלוי ולר' יוסי מייתי אשם תלוי
4 R. Joḥanan erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen hinsichtlich des Schwebe-Schuldopfers; nach R. Meír bringe er kein Schwebe-Schuldopfer dar, nach R. Jose aber muß er ein Schwebe-Schuldopfer darbringen
ה וחכ"א מגורשת ואינה מגורשת חכמים היינו רבי יוסי איכא בינייהו דרבי זירא דאמר רבי זירא אמר רבה בר ירמיה אמר שמואל כל מקום שאמרו חכמים מגורשת ואינה מגורשת בעלה חייב במזונותיה:
5 . «Die Weisen sagen, sie ist geschieden und nicht geschieden.» Die Weisen sagen ja dasselbe, was R. Jose!? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen hinsichtlich einer Lehre R. Zeras, denn R. Zera sagte im Namen des Rabba b. Jirmeja im Namen Šemuéls: In allen Fällen, wo die Weisen gesagt haben, sie sei geschieden und nicht geschieden, ist der Ehemann zu ihrem Unterhalte verpflichtet.
ו <big><strong>מתני׳</strong></big> הרי זה גיטך ע"מ שתתני לי מאתים זוז הרי זו מגורשת ותתן
6 <b>S</b><small>AGTE JEMAND</small>:] <small>DA IST DEIN</small> S<small>CHEIDEBRIEF MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS DU MIR ZWEIHUNDERT</small> Z<small>UZ GIBST, SO IST SIE GESCHIEDEN, UND SIE GEBE SIE IHM; </small>
ז ע"מ שתתני לי מיכן ועד שלשים יום אם נתנה לו בתוך שלשים יום מגורשת ואם לאו אינה מגורשת
7 WENN ABER: MIT DER B<small>EDINGUNG, DASS DU SIE MIR VON JETZT AB BINNEN DREISSIG</small> T<small>AGEN GIBST, SO IST SIE, WENN SIE SIE IHM INNERHALB DREISSIG</small> T<small>AGEN GEGEBEN HAT, GESCHIEDEN, WENN ABER NICHT, NIGHT GESCHIEDEN</small>.
ח אמר רבן שמעון בן גמליאל מעשה בצידן באחד שאמר לאשתו ה"ז גיטך ע"מ שתתני לי איצטליתי ואבדה איצטליתו ואמרו חכמים תתן לו את דמיה:
8 R. Š<small>IMO͑N B</small>. G<small>AMLIE͑L SAGTE</small>: E<small>INST SAGTE JEMAND IN</small> Ç<small>AJDAN ZU SEINER</small> F<small>RAU: DA HAST DU DEINEN</small> S<small>CHEIDEBRIEF MIT DER</small> B<small>EDINGUNG, DASS DU MIR MEIN</small> G<small>EWAND GIBST, UND DAS</small> G<small>EWAND KAM ABHANDEN; DA ENTSCHIEDEN DIE</small> W<small>EISEN, DASS SIE IHM DEN</small> G<small>ELDWERT GEBE</small>.
ט <big><strong>גמ׳</strong></big> מאי ותתן רב הונא אמר והיא תתן רב יהודה אמר לכשתתן
9 GEMARA. Was heißt: sie gebe sie ihm? R. Hona erklärte: Sie soll ihm geben. R. Jehuda erklärte: Wenn sie ihm gibt. –
י מאי בינייהו איכא בינייהו שנתקרע הגט או שאבד רב הונא אמר והיא תתן אינה צריכה הימנו גט שני רב יהודה אמר לכשתתן צריכה הימנו גט שני
10 Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn der Scheidebrief zerrissen worden oder abhanden gekommen ist. R. Hona erklärt: sie soll ihm geben, somit benötigt sie keines anderen Scheidebriefes; R. Jehuda erklärt: wenn sie ihm gibt, somit benötigt sie eines anderen Scheidebriefes.
יא ותנן נמי גבי קידושין כי האי גוונא דתנן האומר לאשה הרי את מקודשת לי על מנת שאתן לך מאתים זוז הרי היא מקודשת ויתן ואיתמר מאי ויתן רב הונא אמר והוא יתן רב יהודה אמר לכשיתן
11 Desgleichen haben wir auch von der Antrauung gelernt: Wenn jemand zu einer Frau gesagt hat: sei mir angetraut mit der Bedingung, daß ich dir zweihundert Zuz gebe, so ist sie ihm angetraut und er gebe sie ihr. Hierzu wird gelehrt: Was heißt: und er gebe sie ihr? R. Hona erklärte: Er soll ihr geben. R. Jehuda erklärte, wenn er ihr gibt. –
יב מאי בינייהו איכא בינייהו שפשטה ידה וקיבלה קידושין מאחר רב הונא אמר והוא יתן תנאה בעלמא הוא מקיים תנאיה ואזיל רב יהודה אמר לכשיתן לכי יהיב לה הוא דהוו קידושין השתא לא הוו קידושין
12 Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn sie die Hand ausstreckt und die Antrauung von einem anderen entgegengenommen hat. R. Hona erklärt: er soll ihr geben, dies ist nichts weiter als eine Bedingung, die er dann erfüllt; R. Jehuda erklärt: wenn er ihr gibt, somit erfolgt die Antrauung erst dann, wenn er sie ihr gibt, vorher aber erfolgte keine Antrauung.
יג וצריכא דאי אשמעינן גבי קידושין בהא קאמר רב הונא והוא יתן משום דלקרובה קאתי אבל גבי גירושין דלרחוקה קאתי אימא מודה ליה לרב יהודה
13 Und beides ist nötig. Würde er es nur von der Antrauung gelehrt haben, so könnte man glauben, R. Hona erkläre nur hierbei: er soll ihr geben, weil es zur Näherung erfolgt, bei der Scheidung aber, die zur Entfernung erfolgt, pflichte er R. Jehuda bei.
יד ואי אשמעינן גבי גירושין בהא קאמר רב הונא והיא תתן משום דלא כסיף למיתבעה אבל גבי קידושין דכסיפא למיתבעיה אימא מודי ליה לרב יהודה
14 Und würde er es nur von der Scheidung gelehrt haben, so könnte man glauben, R. Hona erkläre nur hierbei: sie soll ihm geben, weil er sich nicht geniert, sie zu mahnen, hinsichtlich der Antrauung aber, wobei sie sich geniert, ihn zu mahnen, pflichte er R. Jehuda bei.
טו ואי אשמעינן גבי קידושין בהא קאמר רב יהודה לכשיתן משום דכסיפא למיתבעיה אבל גבי גירושין דלא כסיף למיתבעה אימא מודה ליה לרב הונא
15 [Oder aber:] würde er es nur von der Antrauung gelehrt haben, so könnte man glauben, R. Jehuda erkläre nur hierbei: wenn er ihr gibt, weil sie sich geniert, ihn zu mahnen, bei der Scheidung aber, wobei er sich nicht geniert, sie zu mahnen, pflichte er R. Hona bei.
טז ואי אשמעינן גבי גירושין בהא קאמר רב יהודה לכשתתן משום דלרחוקה קאתי אבל גבי קידושין דלקרובה קאתי אימא מודה ליה לרב הונא צריכא
16 Und würde es nur von der Scheidung gelehrt worden sein, so könnte man glauben, R. Jehuda erkläre nur hierbei: wenn sie ihm gibt, weil es zur Entfernung erfolgt, hinsichtlich der Antrauung aber, die zur Näherung erfolgt, pflichte er R. Hona bei. Daher ist beides nötig.
יז מיתיבי ה"ז גיטך על מנת שתתני לי מאתים זוז אע"פ שנקרע הגט או שנאבד מגורשת ולאחר לא תנשא עד שתתן
17 Man wandte ein: [Sagte jemand:] da ist dein Scheidebrief mit der Bedingung, daß du mir zweihundert Zuz gibst, so ist sie, selbst wenn der Scheidebrief zerrissen worden oder abhanden gekommen ist, geschieden, jedoch darf sie, bis sie sie ihm gegeben hat, einen anderen nicht heiraten.
יח ועוד תניא ה"ז גיטך על מנת שתתני לי מאתים זוז ומת נתנה אינה זקוקה ליבם לא נתנה זקוקה ליבם רבן שמעון בן גמליאל אומר נותנת לאביו או לאחיו או לאחד מן הקרובים
18 Ferner wird gelehrt: [Wenn er gesagt hat:] da ist dein Scheidebrief mit der Bedingung, daß du mir zweihundert Zuz gibst, und gestorben ist, so fällt sie, wenn sie sie ihm gegeben hat, dem Eheschwager nicht zu, wenn sie sie ihm aber nicht gegeben hat, fällt sie dem Eheschwager zu. R. Šimo͑n b. Gamlie͑l sagt, sie gebe sie seinem Vater, seinem Bruder oder sonst einem Verwandten.
יט עד כאן לא פליגי אלא דמר סבר לי ולא ליורשי ומר סבר לי ואפילו ליורשי וכ"ע מיהא תנאה הוי תיובתא דרב יהודה
19 Sie streiten nur insofern, als der eine erklärt: mir, nicht aber meinen Erben, und der andere erklärt: mir, auch meinen Erben; alle stimmen jedoch überein, daß es nur eine Bedingung sei. Dies ist eine Widerlegung R. Jehudas!? –
כ אמר לך רב יהודה הא מני רבי היא דאמר רב הונא אמר רבי כל האומר על מנת כאומר מעכשיו דמי ופליגי רבנן עליה ואנא דאמרי כרבנן
20 R. Jehuda kann dir erwidern: hier ist die Ansicht Rabbis vertreten. R. Hona sagte nämlich im Namen Rabbis, wenn jemand ‘mit der Bedingung’ sagt, sei es ebenso, als würde er ‘von jetzt ab’ sagen, die Rabbanan aber streiten gegen ihn, und ich bin der Ansicht der Rabbanan.
כא וא"ר זירא כי הוינן בבבל אמרינן הא דאמר רב הונא אמר רבי כל האומר על מנת כאומר מעכשיו דמי פליגי רבנן עליה כי סליקי אשכחתיה לרבי אסי דיתיב וקאמר משמיה דרבי יוחנן הכל מודים באומר על מנת כאומר מעכשיו דמי לא נחלקו אלא במהיום ולאחר מיתה
21 R. Zera sagte: Als wir in Babylonien waren, sagten wir: R. Hona sagte im Namen Rabbis, daß, wenn jemand ‘mit der Bedingung’ gesagt hat, es ebenso sei, als würde er ‘von jetzt ab’ gesagt haben, die Rabbanan aber streiten gegen ihn. Als ich hinaufkam, traf ich R. Asi sitzen und im Namen R. Joḥanans vortragen: Alle stimmen überein, daß, wenn jemand ‘mit der Bedingung’ gesagt hat, es ebenso sei, als würde er ‘von jetzt ab’ gesagt haben, sie streiten nur über den Fall, wenn er ‚von heute ab, nach meinem Tode’ [gesagt hat].