Gittin 178

Kapitel 178

א לחד מבני פלניא אמר רבא אפי' למאן דאמר לא מבטלינן קלא בהא מבטלינן קלא מימר אמרי עיינו בהו רבנן בקידושי וקידושי קטן הוו
1 einem von den Söhnen des N. angetraut worden sei. Da entschied Raba: Selbst nach demjenigen, welcher sagt, man dementiere das Gerücht nicht, ist es in diesem Falle zu dementieren, denn man sagt dann, die Gelehrten haben die Antrauung untersucht und gefunden, daß die Antrauung durch einen Minderjährigen erfolgt sei.
ב ההיא דנפק עלה קלא דאיקדשה לקטן הנראה כגדול א"ל רב מרדכי לרב אשי הוה עובדא ואמרו עדיין לא הגיע לפלגות ראובן שנאמר (שופטים ה, טז) לפלגות ראובן גדולים חקרי לב:
2 Einst ging über eine das Gerücht, daß sie einem Minderjährigen, der wie ein Erwachsener aussah, angetraut worden sei. Da sprach R. Mordekhaj zu R. Aši: Einst ereignete sich ein solcher Fall, und sie entschieden: er hat nicht [das Alter] erreicht, von dem es heißt: <i>die Teilung Reúbens, groß die Gedanken des Herzens</i>.
ג ובלבד שלא תהא שם אמתלא: אמר רבה בר רב הונא אמתלא שאמרו אפי' מכאן ועד עשרה ימים רב זביד אמר במקום אמתלא חוששין לאמתלא
3 N<small>UN DARF DAMIT KEINE</small> A<small>BSCHWÄCHUNG VERBUNDEN SEIN</small>. Rabba b. R. Hona sagte: Die Abschwächung, von der sie sprechen, kann auch zehn Tage später erfolgen. R. Zebid sagte: Wenn nur Veranlassung zu einer Abschwächung vorhanden ist, ist die Abschwächung zu berücksichtigen.
ד איתיביה רב פפא לרב זביד ובלבד שלא תהא שם אמתלא א"ל במקום אמתלא קאמר
4 R. Papa wandte gegen R. Zebid ein: Nur darf damit keine Abschwächung verbunden sein!? Dieser erwiderte: Er meint die Veranlassung zu einer Abschwächung.
ה א"ל רב כהנא לרב פפא ואת לא תסברא והתנן נתקדשה ואח"כ בא בעלה מותרת לחזור לאו משום דאמרי' על תנאי קדיש
5 R. Kahana sprach zu R. Papa: Rist du denn nicht dieser Ansicht, wir haben ja gelernt, wenn sie angetraut worden und nachher ihr Mann gekommen ist, dürfe sie zu ihm zurückkehren; doch wohl aus dem Grunde, weil man sagt, er habe sie sich unter dieser Bedingung angetraut!? –
ו שאני התם דאתי בעל וקא מערער
6 Anders ist es da, wo der Ehemann kommt und Einspruch erhebt. –
ז אי הכי נישאת נמי נישאת דעבדה איסורא קנסוה רבנן נתקדשה דלא עבדה איסורא לא קנסוה רבנן
7 Demnach sollte es auch von dem Falle gelten, wenn sie sich verheiratet hat!? – Wenn geheiratet, so hat sie eine verbotene Handlung begangen, daher haben die Rabbanan sie gemaßregelt, wenn angetraut, so hat sie keine verbotene Handlung begangen, daher haben die Rabbanan sie nicht gemaßregelt.
ח אמר רב אשי כל קלא דלא איתחזק בבי דינא לאו קלא הוא וא"ר אשי כל קלא דבתר נישואין לא חיישינן ליה הא דבתר אירוסין חיישינן ליה רב חביבא אמר אפילו דבתר אירוסין נמי לא חיישינן ליה והלכתא לא חיישינן ליה
8 R. Aši sagte: Ein Gerücht, das nicht bei Gericht bekräftigt worden ist, ist kein Gerücht. Ferner sagte R. Aši: Nach der Verheiratung berücksichtige man das Gerücht nicht, nach der Verlobung aber berücksichtige man es wohl. R. Ḥabiba sagte: Auch nach der Verlobung berücksichtige man es nicht. Die Halakha ist, man berücksichtige es nicht.
ט אמר רב ירמיה בר אבא שלחו ליה מבי רב לשמואל ילמדנו רבינו יצא עליה קול מראשון ובא אחר וקדשה קידושי תורה מהו שלח להו תצא והעמידו הדבר על בוריו והודיעוני
9 R. Jirmeja b. Abba sagte: Die Schule Rabhs sandte an Šemuél: Lehre uns der Meister: bezüglich des ersten [Mannes] geht über sie ein Gerücht, und nun kam ein anderer und traute sie sich durch eine nach der Tora [gültige] Antrauung an; wie ist es nun? Dieser erwiderte: Sie muß fort; bringt aber Klarheit in die Sache und teilt es mir mit. –
י מאי (והעמידו הדבר על בוריו) אילימא דאי מגליא מילתא דקידושי דקמא לאו קידושי מעליא נינהו מבטלינן קלא והא נהרדעא אתרי' דשמואל הוא ולא מבטלי קלא אלא דאי מיגליא מילתא דקידושי קמא קידושי מעליא נינהו לא צריכה גט משני
10 Was ist dies für eine Klarheit: wollte man sagen, wenn sich herausstellt, daß die Antrauung des ersten keine gültige Antrauung war, so dementiere man das Gerücht, so war ja Nehardea͑ die Ortschaft Šemuéls, und da dementierte man das Gerücht nicht!? – Vielmehr, wenn sich herausstellt, daß die Antrauung des ersten eine gültige Antrauung war, so benötigt sie keines Scheidebriefes vom anderen.
יא ופליגא דרב הונא דאמר רב הונא אשת איש שפשטה ידה וקיבלה קידושין מאחר מקודשת
11 Er streitet gegen R. Hona, denn R. Hona sagte, wenn eine Ehefrau die Hand ausgestreckt und die Antrauung von einem anderen in Empfang genommen hat, sei sie angetraut.
יב מדרב המנונא דאמר רב המנונא האשה שאמרה לבעלה גירשתני נאמנת חזקה אין אשה מעיזה פניה בפני בעלה
12 Dies nach R. Hamnuna, denn R. Hamnuna sagte: Wenn eine Frau zu ihrem Manne sagt: du hast dich von mir geschieden, so ist sie glaubhaft, denn es ist feststehend, daß eine Frau sich vor ihrem Manne nicht erkühne. –
יג ואידך כי אתמר דרב המנונא בפניו שלא בפניו מעיזה ומעיזה
13 Und jener!? – R. Hona lehrte es nur von dem Falle, wenn sie es ihm ins Gesicht [sagt], in seiner Abwesenheit aber erkühnt sie sich wohl. –
יד לא מצאו דבר על בוריו מהו
14 Wie ist es, wenn in der Sache keine Klarheit gefunden wird?
טו א"ר הונא מגרש ראשון ונושא שני אבל מגרש שני ונושא ראשון לא מאי טעמא אתי למימר מחזיר גרושתו מן האירוסין
15 R. Hona sagte: Der erste lasse sich von ihr scheiden und der andere nehme sie, nicht aber darf der andere sich von ihr scheiden lassen und der erste sie nehmen, weil man sagen könnte, er habe seine aus der Verlobung Geschiedene wiedergenommen.
טז רב שיננא בריה דרב אידי אמר אף מגרש שני ונושא ראשון מימר אמרי עייני רבנן בקידושי וקידושי טעות הוה
16 R. Šiša, Sohn des R. Idi, sagte: Auch der andere darf sich von ihr scheiden lassen und der erste sie nehmen, weil man dann sagt, die Rabbanan haben die Antrauung untersucht und gefunden, daß sie eine auf einem Irrtum beruhende war. –
יז יצא עליה קול מזה ומזה מהו אמר רב פפא אף זו מגרש ראשון ונושא שני אמימר אמר מותרת לשניהם
17 Wie ist es, wenn über sie das Gerücht bezüglich des einen und bezüglich des anderen geht? R. Papa sagte: Auch in diesem Falle lasse sich der erste von ihr scheiden und der andere nehme sie. Amemar sagte: Sie ist beiden erlaubt.