Gittin 38

Kapitel 38

א תניא כוותיה דרב עדים שאין יודעין לחתום מקרעין להן נייר חלק וממלאים את הקרעים דיו
1 Übereinstimmend mit Rabh wird gelehrt: Wenn die Zeugen nicht zu unterschreiben verstehen, so schramme man auf das Papier und diese füllen die Schrammen mit Tinte aus.
ב אמר רבן שמעון בן גמליאל בד"א בגיטי נשים אבל בשחרורי עבדים ושאר כל השטרות אם יודעין לקרות ולחתום חותמין ואם לאו אין חותמין
2 R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Dies gilt nur von Scheidebriefen, bei Freilassungsbriefen und anderen Urkunden aber dürfen sie, wenn sie zu lesen und zu unterschreiben verstehen, unterschreiben, wenn aber nicht, so dürfen sie nicht unterschreiben. –
ג קרייה מאן דכר שמה חסורי מיחסרא והכי קתני עדים שאין יודעין לקרות קורין לפניהם וחותמים ושאין יודעין לחתום כו' אמר ר"ש בן גמליאל במה דברים אמורים בגיטי נשים אבל שחרורי עבדים ושאר כל השטרות אם יודעין לקרות ולחתום חותמין ואם לאו אין חותמין
3 Wer spricht hier vom Lesen!? – [Diese Lehre] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: wenn sie nicht zu lesen verstehen, so lese man ihnen vor und sie unterschreiben. R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Dies gilt nur von Scheidebriefen, bei Freilassungsbriefen und anderen Urkunden aber dürfen sie, wenn sie zu lesen und zu unterschreiben verstehen, unterschreiben, wenn aber nicht, so dürfen sie nicht unterschreiben.
ד א"ר אלעזר מ"ט דרבן שמעון בן גמליאל שלא יהו בנות ישראל עגונות
4 R. Elea͑zar sagte: Folgendes ist der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél: damit die Töchter Jisraéls nicht verlassen dasitzen.
ה אמר רבא הלכה כרשב"ג ורב גמדא משמיה דרבא אמר אין הלכה ואלא כמאן כרבנן
5 Raba sagte: Die Halakha ist wie R.Šimo͑n b. Gamliél. R. Gamda aber sagte im Namen Rabas, die Halakha sei nicht wie R. Šimo͑n b. Gamliél. – Etwa wie die Rabbanan:
ו והא ההוא דעבד עובדא בשאר שטרות ונגדיה רב כהנא תרגמא אקריאה
6 einst verfuhr ja jemand bei anderen Urkunden demgemäß, und R. Kahana ließ ihn geißeln!? – Dies ist auf das Lesen zu beziehen.
ז רב יהודה מיצטער קרי וחתים א"ל עולא לא צריכת דהא ר' אלעזר מרא דארץ ישראל קרו קמיה וחתים ורב נחמן קרו קמיה ספרי דייני וחתים ודווקא רב נחמן וספרי דייני דאית להו אימתא אבל רב נחמן וספרי אחריני ספרי דייני ואיניש אחרינא לא
7 R. Jehuda quälte sich mit dem Lesen und unterzeichnete. Da sprach U͑la zu ihm: Du brauchst dies nicht. R. Elea͑zar, der doch das Haupt im Jisraéllande war, las man vor, und er unterzeichnete. R. Naḥman lasen die Gerichtsschreiber vor und er unterzeichnete. Jedoch gilt dies nur von R. Naḥman und den Gerichtsschreibern, die ihn fürchteten, nicht aber von R. Naḥman und anderen Schreibern oder den Gerichtsschreibern und einem anderen.
ח רב פפא כי הוה אתי לקמיה שטרא פרסאה דעביד בערכאות של כותים מקרי להו לשני כותים זה שלא בפני זה במסיח לפי תומו ומגבי ביה ממשעבדי
8 Wenn R. Papa eine auf nichtjüdischen Ämtern ausgefertigte persische Urkunde vorgelegt wurde, ließ er sie von zwei Nichtjuden, einem in Abwesenheit des anderen, vorlesen, wie beim harmlosen Berichte, und ließ damit auch von verkauften Gütern einfordern.
ט אמר רב אשי אמר לי רב הונא בר נתן הכי אמר אמימר האי שטרא פרסאה דחתימי עליה סהדי ישראל מגבינן ביה ממשעבדי
9 R. Aši sagte: Hona b. Nathan erzählte mir, daß Amemar folgendes lehrte: wenn auf einer persischen Urkunde Jisraéliten als Zeugen unterzeichnet sind, so fordere man damit von verkauften Gütern ein. –
י והא לא ידעי למיקרי בדידעי והא בעינן כתב שאינו יכול להזדייף וליכא בדאפיצן והא בעינן צריך לחזור מענינו של שטר בשיטה אחרונה וליכא בדמהדר
10 Sie können sie ja nicht lesen!? – Wenn sie es können. – Es ist ja eine unverfälschbare Schrift erforderlich, was bei dieser nicht der Fall ist!? – Wenn sie mit Gallapfelsaft präpariert ist. – Es ist ja erforderlich, daß in der letzten Zeile der Tenor der Urkunde wiederholt wird, was bei dieser nicht der Fall ist!? – Wenn er wiederholt ist. –
יא ואלא מאי קמ"ל דכל לשון כשר תנינא גט שכתבו עברית ועדיו יונית יונית ועדיו עברית כשר
11 Demnach lehrt er uns, daß solche in jeder Sprache gültig sind, und dies haben wir ja bereits gelernt: wenn ein Scheidebrief hebräisch und die Zeugen[unterschriften] griechisch oder er griechisch und die Zeugen[unterschriften] hebräisch sind, so ist er gültig!? –
יב אי מההיא הוה אמינא הני מילי בגיטין אבל בשאר שטרות לא קמ"ל
12 Hieraus könnte man entnehmen, dies gelte nur von Scheidebriefen, nicht aber von anderen Urkunden, so lehrt er uns.
יג אמר שמואל נתן לה נייר חלק ואמר לה ה"ז גיטיך מגורשת חיישינן שמא במי מילין כתבו
13 Šemuél sagte: Wenn er ihr ein Stück leeres Papier gibt und zu ihr sagt: da ist dein Scheidebrief, so ist sie geschieden, denn es ist zu berücksichtigen, er ist vielleicht mit Gallapfelwasser geschrieben.
יד מיתיבי הרי זה גיטך ונטלתו וזרקתו לים או לאור או לכל דבר האבד וחזר ואמר שטר פסים הוא שטר אמנה הוא מגורשת ולא כל הימנו לאוסרה
14 Man wandte ein: [Wenn er zu ihr gesagt hat:] da hast du deinen Scheidebrief, und sie ihn genommen und ins Meer, ins Feuer oder sonstwo, wo er vernichtet wird, geworfen hat, und er darauf sagt, es sei ein Gefälligkeilsschuldschein, oder es sei ein Vertrauensschuldschein gewesen, so ist sie geschieden, und er ist nicht glaubwürdig, sie verboten zu machen.
טו טעמא דאיכא כתב הא ליכא כתב לא כי קאמר שמואל דבדקינן ליה במיא דנרא אי פליט פליט ואי לא פליט לאו כלום הוא
15 Nur in dem Falle, wenn [das Papier] beschrieben ist, nicht aber, wenn es nicht beschrieben ist!? – Šemuél meint ebenfalls, daß man es mit Färbewasser untersuche; wenn [eine Schrift] hervorkommt, so ist es recht, sonst aber ist es nichts. –
טז וכי פליט מאי הוי השתא הוא דפליט שמואל נמי חיישינן קאמר
16 Was ist denn dabei, daß sie hervorkommt, sie kommt ja erst jetzt hervor!? – Šemuél sagt ja auch nur, daß zu berücksichtigen sei.
יז אמר רבינא אמר לי אמימר הכי אמר מרימר משמיה דרב דימי הני בי תרי דיהיב גיטא קמייהו צריכי למיקרייה מיתיבי ה"ז גיטך ונטלתו וזרקתו לים או לאור או לכל דבר האבד וחזר ואמר שטר פסים הוא שטר אמנה הוא מגורשת ולא כל הימנו לאוסרה ואי אמרת צריכי למיקרייה בתר דקריוה מי מצי אמר לה הכי
17 Rabina sagte: Amemar sagte mir, daß Meremar im Namen R. Dimis folgendes lehrte: wenn ein Scheidebrief zweien übergeben wird, so müssen sie ihn durchlesen. Man wandte ein: [Wenn er zu ihr gesagt hat:] da hast du deinen Scheidebrief, und sie ihn genommen und ins Meer, ins Feuer oder sonstwo, wo er vernichtet wird, geworfen hat, und er darauf sagt, es sei ein Gefälligkeitsschuldschein oder es sei ein Vertrauensschuldschein gewesen, so ist sie geschieden, und er ist nicht glaubhaft, sie verboten zu machen. Wieso kann er, wenn du sagst, sie müssen ihn lesen, nachdem sie ihn gelesen haben, dies sagen!? –
יח לא צריכא דבתר דקריוה עייליה לבי ידיה ואפקיה מהו דתימא חלופי חלפיה קמ"ל
18 In dem Falle, wenn er ihn, nachdem sie ihn gelesen hatten, zurück an sich genommen und wieder hervorgeholt hat; man könnte glauben, er kann ihn vertauscht haben, so lehrt er uns.
יט ההוא גברא דזרק לה גיטא לדביתהו לביני דני אשתכח מזוזתא אמר רב נחמן מזוזתא ביני דני לא שכיחא
19 Einst warf jemand seiner Frau einen Scheidebrief zwischen die Fässer zu, und hierauf wurde da eine Mezuza gefunden. Da entschied R. Naḥman: Eine Mezuza zwischen den Fässern ist ungewöhnlich.
כ וה"מ דאשתכח חדא אבל ב' ג' מדהא הואי הא נמי הואי וגיטא אימור עכברים שקלוה
20 Dies jedoch nur dann, wenn nur eine gefunden wird, wenn aber zwei oder drei, so kann, wenn eine sich da befunden hat, auch eine andere sich da befunden haben, der Scheidebrief aber von Mäusen verschleppt worden sein.
כא ההוא גברא דעל לבי כנישתא שקל ספר תורה יהיב לה לדביתהו ואמר לה הא גיטך אמר רב יוסף למאי ליחוש לה אי משום מי מילין אין מי מילין על גבי מי מילין
21 Einst kam jemand ins Bethaus, nahm eine Torarolle und gab sie seiner Frau, indem er zu ihr sprach: da hast du deinen Scheidebrief. Da entschied R. Joseph: Was ist hierbei zu berücksichtigen: wenn etwa Gallapfelwasser, so ist ja Gallapfelwasser auf Gallapfelwasser nichts,