Gittin 72

Kapitel 72

א ותקינו רבנן דתשמט זכר לשביעית ראה הלל שנמנעו העם מלהלוות זה את זה עמד והתקין פרוסבול
1 Die Rabbanan hatten jedoch angeordnet, daß sie wohl zu erlassen seien, zur Erinnerung an das Siebentjahr; als aber Hillel sah, daß die Leute einander ein Darlehen verweigerten, trat er auf und führte den Prosbul ein. –
ב ומי איכא מידי דמדאורייתא לא משמטא שביעית ותקינו רבנן דתשמט
2 Ist denn so etwas möglich, daß nach der Tora das Siebentjahr nicht erläßt, und die Rabbanan angeordnet haben, daß es wohl erlasse!?
ג אמר אביי שב ואל תעשה הוא רבא אמר הפקר ב"ד היה הפקר דאמר ר' יצחק מנין שהפקר ב"ד היה הפקר שנאמר (עזרא י, ח) וכל אשר לא יבוא לשלשת הימים כעצת השרים והזקנים יחרם כל רכושו והוא יבדל מקהל הגולה
3 Abajje erwiderte: Dies ist eine Unterlassung. Raba erwiderte: Die Freigebung des Gerichtes ist gültig. R. Jiçḥaq sagte nämlich: Woher, daß die Freigebung des Gerichtes gültig sei? Es heißt: <i>und wer nicht binnen drei Tagen kommt, nach Beschluß der Oberen und der</i> <i>Ältesten, dessen ganze Habe solle dem Banne verfallen</i>.
ד רבי אליעזר אמר מהכא (יהושע יט, נא) אלה הנחלות אשר נחלו אלעזר הכהן ויהושע בן נון וראשי האבות וגו' וכי מה ענין ראשים אצל אבות לומר לך מה אבות מנחילין את בניהם כל מה שירצו אף ראשים מנחילין העם כל מה שירצו
4 R. Elie͑zer entnimmt dies hieraus: <i>Das sind die Erbteile, die Elea͑zar der Priester und Jehošua͑, der Sohn Nuns, die Häupter der Stammesväter, verteilten &amp;c</i>. In welchem Zusammenhange stehen die Häupter mit den Vätern? Dies besagt dir, daß, wie die Väter ihre Kinder beliebig erben lassen können, ebenso auch die Häupter das Volk beliebig erben lassen können.
ה איבעיא להו כי התקין הלל פרוסבול לדריה הוא דתקין או דלמא לדרי עלמא נמי תקין
5 Sie fragten: Hat Hillel den Prosbul nur für seine Generation eingeführt, oder auch für die kommenden Generationen? –
ו למאי נפקא מינה לבטוליה אי אמרת לדריה הוא דתקין מבטלינן ליה אלא אי אמרת לדרי עלמא נמי תקין הא אין בית דין יכול לבטל דברי בית דין חברו אלא א"כ גדול הימנו בחכמה ובמנין מאי
6 In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich der Aufhebung; wenn du sagst, er habe ihn nur für seine Generation eingeführt, so kann er aufgehoben werden, und wenn du sagst, er habe ihn auch für die kommenden, Generationen eingeführt, so kann ein Gericht die Bestimmung eines anderen Gerichtes nur dann aufheben, wenn es jenes an Weisheit und Zahl überragt. Wie ist es nun? –
ז ת"ש דאמר שמואל לא כתבינן פרוסבול אלא אי בבי דינא דסורא אי בבי דינא דנהרדעא ואי סלקא דעתך לדרי עלמא נמי תקין בשאר בי דינא נמי לכתבו
7 Komm und höre: Šemuél sagte: Man schreibe einen Prosbul nur auf dem Gerichte zu Sura oder auf dem Gerichte zu Nehardea͑. Wenn man nun sagen wollte, er habe ihn auch für die kommenden Generationen eingeführt, so sollte man ihn auch auf anderen Gerichten schreiben. –
ח דלמא כי תקין הלל לדרי עלמא כגון בי דינא דידיה וכרב אמי ורב אסי דאלימי לאפקועי ממונא אבל לכולי עלמא לא
8 Vielleicht gilt die Einführung Hillels für die kommenden Generationen nur für Gerichte wie seines oder wie die des R. Ami und R. Asi, die befugt sind, Geld aus dem Besitze zu bringen, nicht aber für alle Welt. –
ט ת"ש דאמר שמואל הא פרוסבלא עולבנא דדייני הוא אי איישר חיל אבטליניה אבטליניה והא אין ב"ד יכול לבטל דברי ב"ד חברו אלא א"כ גדול הימנו בחכמה ובמנין הכי קאמר אם איישר חיל יותר מהלל אבטליניה
9 Komm und höre: Šemuél sagte: Der Prosbul ist eine Beschämung der Richter; wenn ich die Macht hätte, würde ich ihn abgeschafft haben. – Ein Gericht kann ja die Worte eines anderen Gerichtes nur dann aufheben, wenn es jenes an Weisheit und Zahl überragt!? – Er meint es wie folgt: wenn ich mehr Macht als Hillel hätte, würde ich ihn abgeschafft haben.
י ורב נחמן אמר אקיימנה אקיימנה הא מיקיים וקאי הכי קאמר אימא ביה מילתא דאע"ג דלא כתוב ככתוב דמי
10 R. Naḥman aber sagte: Ich würde ihn bestehen lassen. – Wieso: würde ihn bestehen lassen, er besteht ja!? – Er meint es wie folgt: ich würde eine Bestimmung treffen, daß, wenn man ihn nicht schreibt, es ebenso sei, als würde man ihn schreiben.
יא איבעיא להו האי עולבנא לישנא דחוצפא הוא או לישנא דניחותא הוא ת"ש דאמר עולא עלובה כלה שזינתה בקרב חופתה
11 Sie fragten: Ist unter ‘Beschämung’ die Unverschämtheit zu verstehen oder ist darunter die Demütigung zu verstehen? – Komm und höre: U͑la sagte: Beschämt ist die Braut, die im Hochzeitsbaldachin gehurt hat.
יב אמר רב מרי ברה דבת שמואל מאי קרא (שיר השירים א, יב) עד שהמלך במסבו נרדי נתן ריחו אמר רבא עדיין חביבותא הוא גבן דכתיב נתן ולא כתיב הסריח
12 R. Mari, Sohn der Tochter Šemuéls, sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: <i>während der König in seinem Kreise war, gab meine Narde ihren Duft</i>. Raba sagte: Dies ist noch immerhin schmeichelhaft für uns, denn es heißt gab, und nicht stank.
יג תנו רבנן הנעלבין ואינן עולבים שומעין חרפתן ואין משיבין עושין מאהבה ושמחין ביסורין עליהן הכתוב אומר (שופטים ה, לא) ואוהביו כצאת השמש בגבורתו
13 Die Rabbanan lehrten: Über die, die beschämt werden und nicht beschämen, ihre Beschimpfung anhören und nicht antworten, aus Liebe handeln und sich der Züchtigungen freuen, heißt es: <i>die ihn lieben, sind wie der Aufgang der Sonne in ihrer Pracht</i>.
יד מאי פרוסבול אמר רב חסדא פרוס בולי ובוטי
14 Was heißt Prosbul? R. Ḥisda erwiderte: Pros buli ubuti.