Gittin 76

Kapitel 76

א וכפו את רבה ועשאה בת חורין ואמר רב נחמן בר יצחק מנהג הפקר נהגו בה
1 Herrn einer Halbsklavin sie frei zu lassen zwang, und R. Naḥmen b. Jiçḥaq sagte, weil man mit ihr Ausgelassenheit trieb!? –
ב הכי השתא התם לא לעבד חזיא ולא לבן חורין חזיא הכא אפשר דמיחד לה לעבדיה ומנטר לה
2 Was soll dies; diese war weder für einen Sklaven noch für einen Freien geeignet, jene aber konnte man für einen Sklaven bestimmen und sie bewachen.
ג גופא אמר רב יהודה אמר שמואל כל המשחרר עבדו עובר בעשה שנאמר (ויקרא כה, מו) לעולם בהם תעבודו
3 Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wer seinen Sklaven freiläßt, übertritt ein Gebot, denn es heißt: <i>ewig haltet sie zur Arbeit.</i>
ד מיתיבי מעשה בר' אליעזר שנכנס בבית הכנסת ולא מצא עשרה ושחרר עבדו והשלימו לעשרה מצוה שאני:
4 Man wandte ein: Einst kam R. Elie͑zer ins Bethaus und fand keine zehn [Personen], da ließ er seinen Sklaven frei und ergänzte mit ihm die zehn!? – Anders verhält es sich bei einem Gebote.
ה ת"ר לעולם בהם תעבודו רשות דברי רבי ישמעאל ר"ע אומר חובה ודילמא ר"א סבר לה כמאן דאמר רשות
5 Die Rabbanan lehrten: <i>Ewig haltet sie zur Arbeit</i>, dies ist freigestellt – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, Pflicht. Vielleicht war R. Elie͑zer der Ansicht desjenigen, welcher sagt, dies sei freigestellt!? –
ו לא סלקא דעתך דתניא בהדיא רבי אליעזר אומר חובה
6 Dies ist nicht einleuchtend, denn es wird ausdrücklich gelehrt: R. Elie͑zer sagt, dies sei Pflicht.
ז אמר רבה בהני תלת מילי נחתי בעלי בתים מנכסיהון דמפקי עבדייהו לחירותא ודסיירי נכסייהו בשבתא ודקבעי סעודתייהו בשבתא בעידן בי מדרשא דא"ר חייא בר אבא א"ר יוחנן שתי משפחות היו בירושלים אחת קבעה סעודתא בשבתא ואחת קבעה סעודתא בערב שבת ושתיהן נעקרו
7 Rabba sagte: Wegen der folgenden drei Dinge verlieren die Leute ihr Vermögen: weil sie ihre Sklaven freilassen, weil sie ihre Güter am Šabbath untersuchen und weil sie am Šabbath ihre Mahlzeit während [der Vorträge im] Lehrhause abhalten. R. Ḥija b. Abba erzählte nämlich im Namen R. Joḥanans: Zwei Familien waren in Jerušalem, eine pflegte ihre Mahlzeit am Šabbath abzuhalten und eine pflegte ihre Mahlzeit am Vorabend des Šabbaths abzuhalten, und beide sind ausgerottet worden.
ח אמר רבה אמר רב המקדיש עבדו יצא לחירות מאי טעמא גופיה לא קדיש לדמי לא קאמר דליהוי (דברים יד, ב) עם קדוש קאמר
8 Rabba sagte im Namen Rabhs: Wenn jemand seinen Sklaven dem Heiligtume weiht, so wird er frei. – Aus welchem Grunde? – Sein Körper wird nicht heilig und seinen Geldwert nannte er nicht, somit meinte er nur, daß er zum heiligen Volke gehören möge.
ט ורב יוסף אמר רב המפקיר עבדו יצא לחירות מ"ד מקדיש כ"ש מפקיר מאן דאמר מפקיר אבל מקדיש לא דלמא לדמי קאמר
9 R. Joseph sagte im Namen Rabhs: Wenn jemand seinen Sklaven preisgibt, so wird er frei. Nach dem, der dies von der Heiligung lehrt, gilt dies um so mehr von der Preisgabe, und nach dem, der dies von der Preisgabe lehrt, gilt dies von der Heiligung nicht, denn er kann den Geldwert gemeint haben.
י איבעיא להו צריך גט שיחרור או לא צריך ת"ש דאמר רב חייא בר אבין אמר רב אחד זה ואחד זה יצא לחירות וצריך גט שחרור
10 Sie fragten: Benötigt er eines Freilassungsbriefes oder nicht. – Komm und höre: R. Ḥija b. Abin sagte im Namen Rabhs: Sowohl dieser als auch jener erlange die Freiheit und benötige eines Freilassungsbriefes.
יא אמר רבה ומותבינן אשמעתין המקדיש נכסיו והיו בהן עבדים אין הגזברין רשאין להוציאן לחירות אבל מוכרין אותן לאחרים ואחרים מוציאין אותן לחירות רבי אומר אומר אני אף הוא נותן דמי עצמו ויוצא מפני שהוא כמוכרו לו מתני' קא רמית עליה דרב רב תנא הוא ופליג
11 Rabba sagte: Gegen jene Lehre wandten wir ein: Wenn jemand seine Güter dem Heiligtume geweiht hat und darunter sich Sklaven befinden, so dürfen die Schatzmeister sie nicht freilassen, wohl aber dürfen sie sie an andere verkaufen und diese sie freilassen. Rabbi sagte: Ich sage, auch er selber kann seinen Wert zahlen und frei werden, denn es ist ebenso, als würde [der Schatzmeister] ihn an ihn selber verkaufen. – Aus einer Barajtha ist gegen Rabh nichts einzuwenden, er ist selber Tanna und streitet gegen diese. –
יב ת"ש (ויקרא כז, כח) אך כל חרם וגו' מאדם אלו עבדיו ושפחותיו הכנענים הכא במאי עסקינן דאמר לדמי
12 Komm und höre: <i>Von Menschen</i>, das sind seine kenaa͑nitischen Sklaven und Mägde!? – Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn er ‘ihr Geldwert’ gesagt hat. –
יג אי הכי אידך נמי דאמר לדמי
13 Demnach kann ja auch jene Lehre von dem Falle sprechen, wenn er ‘ihr Geldwert’ gesagt hat!? –
יד א"ה אין הגזברים רשאין להוציאן לחירות גזברים מאי עבידתייהו
14 Wieso hieße es demnach, die Schatzmeister dürfen sie nicht freilassen, was haben die Schatzmeister mit ihnen zu tun!?
טו ותו אבל מוכרין אותן לאחרים ואחרים מוציאין אותן לחירות אחרים מאי עבידתייהו ותו רבי אומר אומר אני אף הוא נותן דמי עצמו ויוצא מפני שהוא כמוכרו לו ואי לדמי מאי מפני שהוא כמוכרו לו
15 Ferner: wohl aber dürfen sie sie an andere verkaufen und diese sie freilassen, was haben die anderen mit ihnen zu tun!? Ferner: Rabbi sagte: Ich sage, auch er selber kann seinen Wert zahlen und frei werden, denn es ist ebenso, als würde er ihn an ihn selber verkaufen. Was heißt, wenn er den Geldwert [geweiht hat], es sei ebenso, als würde er ihn an ihn selber verkaufen!? –
טז תא שמע המקדיש עבדו עושה ואוכל שלא הקדיש אלא דמיו
16 Komm und höre: Wenn jemand seinen Sklaven dem Heiligtume geweiht hat, so kann dieser arbeiten und essen, denn er hat nur seinen Geldwert geweiht!? –