Gittin 77

Kapitel 77

א הא מני ר"מ היא דאמר אין אדם מוציא דבריו לבטלה
1 Hier ist die Ansicht R. Meírs vertreten, welcher sagt, niemand bringe seine Worte unnütz hervor.
ב ה"נ מסתברא דקתני סיפא וכן הוא שהקדיש עצמו עושה ואוכל שלא הקדיש אלא דמיו אי אמרת בשלמא ר"מ היא שפיר
2 Dies ist auch einleuchtend, denn im Schlußsatze lehrt er: ebenso darf derjenige, der sich selber dem Heiligtume geweiht hat, arbeiten und essen, denn er hat nur seinen Geldwert geweiht. Erklärlich ist dies, wenn du sagst, hier sei die Ansicht R. Meírs vertreten,
ג אלא אי אמרת רבנן היא בשלמא עבדו לדמי קאי אלא איהו לדמי קאי
3 wenn du aber sagst, die der Rabbanan, so repräsentiert allerdings ein Sklave seinen Geldwert, aber repräsentiert etwa er selbst seinen Geldwert!?
ד לימא כתנאי המקדיש עבדו אין מועלין בו רבן שמעון בן גמליאל אומר מועלין בשערו מאי לאו בהא קמיפלגי דמר סבר קדוש ומר סבר לא קדוש
4 Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten: Wenn jemand seinen Sklaven geweiht hat, so begeht man an diesem keine Veruntreuung; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, man begehe eine Veruntreuung an seinem Haare. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, er sei geheiligt, und einer ist der Ansicht, er sei nicht geheiligt. –
ה ותסברא האי מועלין בו ואין מועלין בו האי קדוש ואינו קדוש מיבעי ליה
5 Glaubst du: wieso [streiten sie] demnach, ob man an ihm eine Veruntreuung begehe oder nicht, sie sollten doch [darüber streiten], ob er geheiligt sei oder nicht!?
ו אלא דכולי עלמא קדוש והכא בהא קמיפלגי דמר סבר עבדא כמקרקעי דמי ומר סבר כמטלטלי דמי
6 Alle sind vielmehr der Ansicht, er sei geheiligt, und ihr Streit besteht in folgendem: einer ist der Ansicht, ein Sklave gleiche Immobilien, und einer ist der Ansicht, er gleiche Mobilien. –
ז אי הכי אדמיפלגי בשערו ליפלגו בגופו
7 Weshalb streiten sie demnach über sein Haar, sie sollten doch über seine Person streiten!? –
ח אלא דכולי עלמא עבדא כמקרקעי דמי והכא בשערו העומד ליגזז קמיפלגי מ"ס כגזוז דמי ומר סבר לאו כגזוז דמי
8 Vielmehr, alle sind der Ansicht, Sklaven gleichen Immobilien, und sie streiten über das zum Abschneiden bestimmte Haar: einer ist der Ansicht, es gelte als abgeschnitten, und einer ist der Ansicht, es gelte nicht als abgeschnitten. –
ט לימא הני תנאי כהני תנאי דתנן ר"מ אומר יש דברים שהם כקרקע ואינן כקרקע ואין חכמים מודים לו כיצד עשר גפנים טעונות מסרתי לך והלה אומר אינן אלא חמש ר"מ מחייב וחכמים אומרים כל המחובר לקרקע הרי הוא כקרקע
9 Es wäre anzunehmen, daß diese Autoren denselben Streit führen wie die Autoren der folgenden Lehre: R. Meír sagt, es gebe Dinge, die Grundstücken gleichen, und dennoch diesen nicht gleich sind; die Weisen aber pflichten ihm nicht bei. Wenn beispielsweise [der eine sagt:] ich habe dir zehn beladene Weinstöcke übergeben, und der andere ihm erwidert: es waren nur fünf, so ist er, wie R. Meír sagt, [zu schwören] verpflichtet; die Weisen aber sagen, was am Boden haftet, gleiche dem Boden.
י וא"ר יוסי בר' חנינא ענבים העומדות ליבצר איכא בינייהו דרבי מאיר סבר כבצורות דמיין ורבנן סברי לאו כבצורות דמיין
10 Hierzu sagte R. Jose b. R. Ḥanina: Sie streiten über Trauben, die reif zum Ablesen sind; R. Meír sagt, sie gelten als abgelesen, und die Weisen sagen, sie gelten nicht als abgelesen. –
יא אפי' תימא רבי מאיר עד כאן לא קאמר ר"מ התם אלא בענבים דכמה דקיימין מיכחש כחישי אבל הכא כמה דקאי אשבוחי משבח
11 Du kannst auch sagen, beide seien der Ansicht R. Meírs, denn R. Meír vertritt seine Ansicht nur bei den Trauben, die, je länger sie haften bleiben, desto mehr vertrocknen, [das Haar] aber wird ja, je länger es steht, desto besser.
יב כי סליק ר' חייא בר יוסף אמר להאי שמעתא דרב קמיה דר' יוחנן א"ל אמר רב הכי והוא לא אמר הכי והאמר עולא אמר ר' יוחנן המפקיר עבדו יצא לחירות וצריך גט שחרור
12 Als R. Ḥija b. Joseph hinaufkam, trug er diese Lehre R.Joḥanan vor. Da sprach dieser zu ihm: Sagte Rabh dies? – Sagte er selber dies etwa nicht, U͑la sagte ja im Namen R. Joḥanans, daß, wenn jemand seinen Sklaven preisgibt, dieser frei werde und eines Freilassungsbriefes benötige!? –
יג הכי קאמר ליה אמר רב כוותי ואיכא דאמרי לא סיימוה קמיה א"ל ולא אמר רב צריך גט שחרור ור' יוחנן לטעמיה דאמר עולא א"ר יוחנן המפקיר עבדו יצא לחירות וצריך גט שחרור
13 Er meinte es wie folgt: sagte Rabh ebenso wie ich? Manche erklären, jener hatte es ihm nicht vollständig berichtet und er sprach zu ihm: sagte Rabh nicht, daß er eines Freilassungsbriefes benötige? R. Joḥanan vertritt hierbei seine Ansicht, denn U͑la sagte im Namen R. Joḥanans, daß, wenn jemand seinen Sklaven preisgibt, dieser frei werde und eines Freilassungsbriefes benötige.
יד גופא אמר עולא אמר ר' יוחנן המפקיר עבדו יצא לחירות וצריך גט שיחרור
14 Der Text. U͑la sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn jemand seinen Sklaven preisgibt, so wird er frei und benötigt eines Freilassungsbriefes.
טו איתיביה ר' אבא לעולא גר שמת ובזבזו ישראל נכסיו והיו בהן עבדים בין גדולים ובין קטנים קנו עצמן בני חורין אבא שאול אומר גדולים קנו עצמן בני חורין קטנים כל המחזיק בהן זכה בהן
15 R. Abba wandte gegen U͑la ein: Wenn ein Proselyt gestorben ist und Jisraéliten sein Vermögen geplündert haben, und darunter Sklaven sich befinden, einerlei ob erwachsene oder minderjährige, so haben sie ihre Freiheit erworben. Abba Šaúl sagt, die erwachsenen haben ihre Freiheit erworben, die minderjährigen aber werden von jedem, der sie in Besitz nimmt, erworben.
טז וכי מי כתב גט שחרור לאלו
16 Wer hat diesen den Freilassungsbrief geschrieben!?
יז אמר דמי האי מדרבנן כדלא גמרי אינשי שמעתא וטעמא מאי אמר רב נחמן קסבר עולא עבדו דגר כי אשתו מה אשתו משתלחה בלא גט אף עבדיו משתלחים בלא גט
17 Dieser erwiderte: Dieser Jünger glaubt, die Leute hätten keine Halakha gelernt. – Was ist hierbei der Grund? R. Naḥman erwiderte: U͑la ist der Ansicht, bei Sklaven des Proselyten verhalte es sich ebenso wie bei seiner Frau; wie seine Frau ohne Scheidebrief geschieden wird, ebenso erlangen seine Sklaven ihre Freiheit ohne Freilassungsbrief. –
יח אי הכי אפי' ישראל נמי אמר קרא (ויקרא כה, מו) והתנחלתם אותם לבניכם אחריכם לרשת אחוזה
18 Demnach sollte dies auch von einem Jisraéliten gelten!? – Die Schrift sagt: <i>ihr könnt sie euren Kindern nach euch als Eigentum vererben</i>. –
יט אי הכי המפקיר עבדו ומת נמי אלמה אמר אמימר המפקיר עבדו ומת אותו העבד אין לו תקנה דאמימר קשיא
19 Dies sollte doch auch von dem Falle gelten, wenn jemand seinen Sklaven preisgegeben hat und gestorben ist, während doch Amemar sagte, wenn jemand seinen Sklaven preisgegeben hat und gestorben ist, so gebe es für diesen Sklaven kein Mittel mehr!? – Dies ist ein Einwand gegen die Lehre Amemars.
כ אמר רבי יעקב בר אידי א"ר יהושע בן לוי הלכה כאבא שאול אמר ליה רבי זירא לרבי יעקב בר אידי
20 R. Ja͑qob b. Idi sagte im Namen des R.Jehošua͑ b. Levi: Die Halakha ist wie Abba Šaúl. R. Zera sprach zu R. Ja͑qob b. Idi: