Gittin 82

Kapitel 82

א בת חורין אי אפשר שכבר חציו עבד יבטל והלא לא נברא העולם אלא לפריה ורביה שנאמר (ישעיהו מה, יח) לא תוהו בראה לשבת יצרה אלא מפני תיקון העולם כופין את רבו ועושה אותו בן חורין וכותב שטר על חצי דמיו וחזרו ב"ה להורות כדברי ב"ש:
1 EINE F<small>REIE HEIRATEN DARF ER EBENFALLS NICHT</small>, <small> DA ER ZUR</small> H<small>ÄLFTE</small> S<small>KLAVE IST; DIE</small> [H<small>EIRAT</small>]<small> GANZ UNTERLASSEN KANN ER EBENFALLS NICHT, DA DIE</small> W<small>ELT ZUR</small> F<small>ORTPFLANZUNG ERSCHAFFEN WORDEN IST, WIE ES HEISST</small>: <i>nicht zur Einöde hat er sie erschaffen, sondern daß sie bewohnt werde.</i> A<small>LS VORSORGENDE</small> I<small>NSTITUTION ZWINGE MAN VIELMEHR SEINEN</small> H<small>ERRN, IHN ZUM</small> F<small>REIEN ZU MACHEN, UND DIESER SCHREIBE IHM EINEN</small> S<small>CHULDSCHEIN ÜBER DIE</small> H<small>ÄLFTE SEINES</small> W<small>ERTES</small>. D<small>ARAUF TRAT DIE</small> S<small>CHULE</small> H<small>ILLELS ZURÜCK UND LEHRTE</small> <small>WIE</small> <small>DIE</small> S<small>CHULE</small> Š<small>AMMAJS</small>.
ב <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר המשחרר חצי עבדו רבי אומר קנה וחכ"א לא קנה
2 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand die Hälfte seines Sklaven freigelassen hat, so hat sie dieser, wie Rabbi sagt, erworben, und wie die Weisen sagen, nicht erworben.
ג אמר רבה מחלוקת בשטר דרבי סבר (ויקרא יט, כ) והפדה לא נפדתה או חופשה לא נתן לה
3 Rabba sagte: Sie streiten nur über [die Freilassung durch] Urkunde. Rabbi ist der Ansicht, [es heißt:]
ד מקיש שטר לכסף מה כסף בין כולו בין חציו אף שטר נמי בין כולו בין חציו
4 <i>und ausgelöst ist sie nicht (ausgelöst)</i> <i>und auch ein Frei[brief] ist ihr nicht gegeben worden,</i> somit wird die Urkunde mit dem [Löse]gelde verglichen; wie es durch das [Löse]geld ganz und halb erfolgen kann, ebenso kann es durch die Urkunde ganz und halb erfolgen.
ה ורבנן גמרי לה לה מאשה מה אשה חציה לא אף עבד נמי חציו לא אבל בכסף דברי הכל קנה פדויה ואינה פדויה
5 Die Rabbanan aber folgern es durch das [Wort] <i>ihr,</i> das auch bei einer Ehefrau gebraucht wird; wie es bei einer Ehefrau nicht zur Hälfte erfolgen kann, ebenso kann es beim Sklaven nicht zur Hälfte erfolgen. Wenn es aber durch [Löse]geld erfolgt ist, so hat er sie nach aller Ansicht erworben. –
ו לימא בהא קמיפלגי דמר סבר הקישא עדיפא ומר סבר גז"ש עדיפא
6 Es wäre anzunehmen, daß ihr Streit bei der ausgelösten und nicht [ganz] ausgelösten [Sklavin] in folgendem bestehe: einer ist der Ansicht, die Vergleichung sei bedeutender, und einer ist der Ansicht, die Wortanalogie sei bedeutender. –
ז לא דכולי עלמא גזירה שוה עדיפא ושאני הכא דאיכא למיפרך מה לאשה שכן אינה יוצאה בכסף תאמר בעבד שיוצא בכסף
7 Nein, alle sind der Ansicht, die Wortanalogie sei bedeutender, nur ist es hierbei anders, denn es ist zu erwidern: wohl gilt dies bei einer Ehefrau, die durch Geld nicht geschieden wird, während ein Sklave durch Geld frei wird.
ח ורב יוסף אמר מחלוקת בכסף דרבי סבר והפדה לא נפדתה פדויה ואינה פדויה ורבנן סברי דברה תורה כלשון בני אדם אבל בשטר דברי הכל לא קנה
8 R. Joseph aber sagte: Sie streiten nur über [die Freilassung durch Löse]geld. Rabbi erklärt: <i>und ausgelöst ist sie nicht (ausgelöst),</i> sie ist ausgelöst und nicht ausgelöst, während die Rabbanan erklären, die Tora gebrauche die übliche Redewendung der Menschen. Wenn es aber durch Urkunde erfolgt ist, so stimmen alle überein, daß er sie nicht erworben habe.
ט מיתיבי המשחרר חצי עבדו בשטר רבי אומר קנה וחכ"א לא קנה תיובתא דרב יוסף תיובתא
9 Man wandte ein: Wenn jemand die Hälfte seines Sklaven durch Urkunde freigelassen hat, so hat er sie, wie Rabbi sagt, erworben, und wie die Weisen sagen, nicht erworben!? Dies ist eine Widerlegung der Ansicht R. Josephs. Eine Widerlegung. –
י (נימא) בשטר הוא דפליגי אבל בכסף לא פליגי לימא תיהוי תיובתא דרב יוסף בתרתי
10 Es wäre anzunehmen, daß sie nur über die [Freilassung durch] Urkunde und nicht über die durch [Löse]geld streiten, somit wäre dies eine Widerlegung der Ansicht R. Josephs in beiden Fällen!? –
יא אמר לך רב יוסף פליגי בשטר וה"ה בכסף והא דקא מיפלגי בשטר להודיעך כחו דרבי
11 R. Joseph kann dir erwidern: sie streiten über [die Freilassung durch] Urkunde und ebenso über die durch [Löse]geld, nur führen sie deshalb den Streit über eine Urkunde, um die Ansicht Rabbis hervorzuheben. –
יב וליפלגי בכסף ולהודיעך כחן דרבנן כח דהיתירא עדיף ליה
12 Sollten sie doch über [die Freilassung durch Löse]geld streiten, um die Ansicht der Rabbanan hervorzuheben!? – Die erleichternde Ansicht ist bedeutender. –
יג ת"ש והפדה יכול לכל ת"ל לא נפדתה אי לא נפדתה יכול לכל ת"ל והפדה הא כיצד פדויה ואינה פדויה בכסף ובשוה כסף
13 Komm und höre: <i>Und ausgelöst</i>; man könnte glauben, in jeder Hinsicht, so heißt es: <i>nicht ausgelöst</i>; man könnte glauben, in jeder Hinsicht nicht ausgelöst, so heißt es: <i>und ausgelöst</i>. Wie ist dies zu erklären? Wenn sie ausgelöst und nicht [ganz] ausgelöst ist, durch Geld und Geldeswert.
יד ואין לי אלא בכסף בשטר מנין ת"ל והפדה לא נפדתה או חופשה לא נתן לה ולהלן הוא אומר (דברים כד, א) וכתב לה ספר כריתות מה להלן בשטר אף כאן בשטר
14 Ich weiß dies nur von dem Falle, wenn es durch Geld erfolgt ist, woher dies, wenn durch Urkunde? Es heißt: <i>und ausgelöst ist sie nicht (ausgelöst) und auch ein Frei[brief]ist ihr nicht gegeben worden,</i> und dort heißt es: <i>er schreibe ihr einen Scheidebrief;</i> wie dort durch Urkunde, ebenso auch hier durch Urkunde.
טו אין לי אלא חציו בכסף או כולו בשטר חציו בשטר מנין ת"ל והפדה לא נפדתה או חופשה לא נתן לה מקיש שטר לכסף מה כסף בין כולו בין חציו אף שטר נמי בין כולו בין חציו
15 Ich weiß dies nur von dem Falle, wenn es zur Hälfte durch [Löse]geld oder vollständig durch Urkunde erfolgt ist, woher dies, wenn zur Hälfte durch Urkunde? Es heißt: <i>und ausgelöst ist sie nicht (ausgelöst) und auch ein Frei[brief] ist ihr nicht gegeben worden</i>; er vergleicht die Urkunde mit dem [Löse]gelde, wie es durch das [Löse]geld ganz und halb erfolgen kann, ebenso auch durch die Urkunde ganz und halb.
טז בשלמא לרב יוסף בתר דאיתותב הא מני רבי היא אלא לרבה רישא דברי הכל וסיפא רבי
16 Allerdings ist hier nach R. Joseph, nach seiner Widerlegung, die Ansicht Rabbis vertreten, nach Rabba aber vertritt der Anfangsatz die Ansicht aller und der Schlußsatz die Ansicht Rabbis!? –
יז אמר לך רבה אין רישא דברי הכל וסיפא רבי רב אשי אמר רבי היא
17 Rabba kann dir erwidern: allerdings, der Anfangsatz vertritt die Ansicht aller und der Schlußsatz die Ansicht Rabbis. R. Aši erwiderte: Hier ist die Ansicht Rabbis vertreten. –
יח אלא מתניתין דקתני מי שחציו עבד וחציו בן חורין בשלמא לרבה מוקים לה בכסף ודברי הכל אלא לרב יוסף לימא רבי היא ולא רבנן אמר רבינא
18 Allerdings kann unsere Mišna, die von einem Halbsklaven spricht, nach Rabba auf den Fall bezogen werden, wenn es durch [Löse]geld erfolgt ist, nach aller Ansicht, nach R. Joseph aber vertritt sie die Ansicht Rabbis und nicht die der Rabbanan!? Rabina erwiderte: