Keritot 12

Kapitel 12

א תנו רבנן מותר הקטרת אחת לששים או לשבעים שנה היו מפטמין אותה לחצאין לפיכך יחיד שפיטם לחצאין חייב דברי רבן שמעון בן גמליאל שאמר משום הסגן
1 Die Rabbanan lehrten: Wegen des Überschusses mengte man einmal in sechzig oder siebzig Jahren das Räucherwerk nur zur Hälfte. Daher ist ein Gemeiner, der die Hälfte mengt, schuldig – so R. Šimo͑n b. Gamliél, der es im Namen des Priesterpräses sagte.
ב אבל שליש ורביע לא שמעתי וחכמים אומרים בכל יום מתקן במתכונתה והיה מכניס
2 Von einem Drittel oder einem Viertel aber habe ich es nicht gehört. Die Weisen sagen, er mengte jeden Tag nach Verhältnisund brachte es hinein.
ג מסייע ליה לרבא דאמר רבא שמן המשחה שפטמו לחצאין חייב דכתיב (שמות ל, לז) והקטרת אשר תעשה כל שתעשה והא אפשר דעבדה פרס בשחרית ופרס בין הערבים
3 Dies ist also eine Stütze für Raba, denn Raba sagte: Wer das Räucherwerkin Hälften gemengt hat, ist schuldig, denn es heißt:<i>und das Räucherwerk, das du zubereiten sollst</i>, alles, was du zubereiten kannst, und man kann auch die Hälfte morgens und die Hälfte abends zubereiten.
ד ת"ר היו מחזירין אותה למכתשת פעמים בשנה בימות החמה פזורה שלא תתעפש בימות הגשמים צבורה כדי שלא תפוג ריחה וכשהוא שוחק אומר הדק היטב היטב הדק דברי אבא יוסי בן יוחנן
4 Die Rabbanan lehrten: Zweimal im Jahre legte man es in den Mörser zurück; im Sommer ausgebreitet, damit, es nicht übelriechend werde, in der Regenzeit gehäuft, damit es nicht den Duft verliere. Beim Zerreiben sagte er: fein und gut, gut und fein – so Abba Jose b. Joḥanan.
ה ושלש מנין יתירין שמהן כ"ג מכניס מלא חפניו ביוה"כ נותן אותה למכתשת בערב יוה"כ ושוחקן יפה יפה כדי שתהא דקה מן הדקה כדתניא (ויקרא טז, יב) דקה מה ת"ל והלא כבר נאמר (שמות ל, לו) ושחקת ממנו הדק מה ת"ל דקה כדי שתהא דקה מן הדקה
5 Die drei überschüssigen Minen, von denen der Hochpriester seine Hände voll am Versöhnungstage hineinbringt, tue man am Vorabend des Versöhnungstages in den Mörser und zerreibe sie besonders gut, damit es das Feinste vom Feinen sei. Wie gelehrt wird:<i>Feines</i>, wozu ist dies nötig, es heißt ja bereits:<i>zerreibe davon ganz fein</i>? Es heißt daher <i>feines</i>, daß es nämlich das Feinste vom Feinen sei.
ו אמר מר כשהוא שוחק אומר היטב הדק הדק היטב מסייע ליה לר' יוחנן דאמר ר"י כשם שהדיבור רע ליין כן הדיבור יפה לבשמים
6 Der Meister sagte: Beim Zerreiben sagte er: gut und fein, fein und gut. Dies ist eine Stütze für R. Joḥanan, denn R. Joḥanan sagte: Wie schädlich das Sprechen für den Wein ist, so zuträglich ist das Sprechen für die Spezereien.
ז א"ר יוחנן י"א סממנין נאמרו לו למשה בסיני אמר רב הונא מאי קראה (שמות ל, לד) קח לך סמים תרי נטף ושחלת וחלבנה הא חמשה וסמים אחריני חמשה הא עשרה ולבונה זכה חד הא חד סרי
7 R. Joḥanan sagte: Elf Spezereien wurden Moše am Sinajgenannt. R. Hona sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers:<i>Nimm dir Gewürze</i>, zwei; <i>Stakte, Teufelsklaue und Galban</i>, das sind fünf; <i>Gewürze</i>, wiederum fünf, das sind zehn: <i>und reinen Weihrauch</i>, eines, das sind elf. –
ח ואימא סמים כלל נטף ושחלת וחלבנה פרט סמים חזר וכלל כלל ופרט וכלל אי אתה דן אלא כעין הפרט מה הפרט מפורש דבר שקיטר ועולה וריחו נודף אף כל דבר שקיטר ועולה וריחו נודף
8 Vielleicht aber wie folgt: <i>Gewürze</i>, generell, <i>Stakte, Teufelsklaue und Galban</i>, speziell, <i>Gewürze</i>, wiederum generell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nach der Spezialisierung: wie das Speziell genannte eine Sache ist, deren Rauch noch oben steigt und die duftet, ebenso alles andere, dessen Rauch nach oben steigt und das duftet!?
ט וכ"ת א"כ לכתוב קרא חד פרטא לאיי מיצרך צריכי דאי כתב נטף ה"א מין אילן אין אבל גידולי קרקע לא מש"ה כתב ושחלת ואי כתב ושחלת ה"א גידולי קרקע אין אבל מין אילן אימא לא משום הכי כתב נטף
9 Wolltest du erwidern: demnach sollte die Schrift nur eines speziell nennen, so sind alle nötig. Würde sie nur <i>Stakte</i> geschrieben haben, so könnte man glauben, nur von einem Baume, nicht aber Bodenerzeugnisse, daher schrieb sie auch <i>Teufelsklaue</i>; und würde sie nur <i>Teufelsklaue</i> geschrieben haben, so könnte man glauben, nur Bodenerzeugnisse, nicht aber von einem Baume, daher heißt es auch <i>Stakte. </i>
י וחלבנה לגופיה אתא מפני שריחה רע א"כ מקח לך נפקא ליה
10 Galban aber ist an sich nötig, weil es einen üblen Geruch hat. – Wenn dem so wäre, so würde dies aus [den Worten]<i>mmm dir</i> zu entnehmen. –
יא ואימא סמים בתראי תרין נינהו כסמים קדמאי א"כ נכתוב סמים סמים בהדי הדדי וסוף נכתוב נטף ושחלת וחלבנה
11 Vielleicht aber sind unter dem zweiten <i>Gewürze</i> zwei zu verstehen, wie unter dem ersten Gewürze:!? Wenn dem so wäre, so sollte es <i>Gewürze, Gewürze</i> nebeneinander heißen, und nachher: <i>Stakte, Teufelsklaue, und Galban</i>.
יב דבי רבי ישמעאל תני סמים כלל נטף שחלת וחלבנה פרט סמים חזר וכלל כלל ופרט וכלל אי אתה דן אלא כעין הפרט מה הפרט מפורש דבר שקיטר ועולה וריחו נודף אף כל דבר שקיטר ועולה וריחו נודף
12 In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: <i>Gewürze</i>, generell, <i>Stakle, Teufelsklaue und Galaban</i>, speziell, <i>Gewürze</i>, wiederum generell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nur nach der Spezialisierung: wie das Speziellgenannte eine Sache ist, deren Rauch nach oben steigt und die duftet, ebenso alles andere, dessen Rauch nach oben steigt und das duftet.
יג או אינו אלא כלל בכלל ראשון ופרט בפרט ראשון אמרת לאו הא אין לך עליך לדון בלשון אחרון אלא בלשון ראשון
13 Vielleicht aber ist dem nicht so, sondern generalisiert die erste Generalisierung und spezialisiert die erste Spezialisierung!? Ich will dir sagen: dem ist nicht so; du hast, dich nicht nach der letzten Fassung, sondern nach der ersten Fassung zu richten.
יד אמר מר או אינו אלא כלל בכלל ראשון ופרט בפרט ראשון אמרת לאו הא אין עליך לדון מאי קושיא הכי קא קשיא ליה סמים בתראי תרי כי סמים קדמאי תרין הדר ושני כדשנין דא"כ נכתוב קרא סמים סמים נטף ושחלת וחלבנה
14 Der Meister sagte: Vielleicht ist dem nicht so, sondern generalisiert die erste Generalisierung und spezialisiert die erste Spezialisierung!? Ich will dir sagen, du hast dich nicht &amp;c. zu richten. Wie ist diese Frage zu verstehen? – Die Frage lautet wie folgt: vielleicht sind unter dem zweiten <i>Gewürze</i> zwei zu verstehen, wie unter dem ersten <i>Gewürze</i> zwei zu verstehen sind? Hierauf erwiderte er, wie er erwidert hat: demnach sollte die Schrift [nebeneinander] geschrieben haben: <i>Gewürze, Gewürze</i>, [sodann:] <i>Stakte, Teufelsklaue und Galban</i>. –
טו ומאי פרט בפרט ראשון הכי קא קשיא ליה מיני אילנות ילפי מן נטף וגידולי קרקע ילפי משחלת ולילפי נמי מלבונה זכה דאייתי בחד צד דניתי דבר שריחו נודף ואע"פ שאין קוטר ועולה
15 Was heißt: spezialisiert die erste Spezialisierung? – Die Frage ist wie folgt zu verstehen: er folgert Baumprodukte von <i>Stakte</i> und Bodenprodukte von <i>Teufelsklaue</i>, sollte er auch von <i>reinen Weihrauch</i> folgern, das einzuschließen, was jenen nur in einer Hinsicht gleicht, was duftet, auch wenn dessen Rauch nicht nach oben steigt.
טז הדר אמר א"כ נכתוב קרא ללבונה זכה במיצעי ותילף מינה
16 Hierauf erwiderte er: demnach sollte doch die Schrift <i>Weihrauch</i> in die Mitte gesetzt haben, und man würde hiervon gefolgert haben. –
יז אי כתביה לבונה זכה במיצעי הויין תרי עשר אם כן נכתוב קרא לבונה זכה במיצעי וחלבנה לבסוף ריש לקיש אמר מגופה מה לשון קטרת דבר שקוטר ועולה
17 Hätte sie <i>Weihrauch</i> in die Mitte gesetzt, so wären es jazwölf!? – Die Schrift sollte <i>Weihrauch</i> in die Mitte setzen und <i>Galban</i> am Schlusse nennen. Reš Laqiš sagte: Dies ist aus [dem Worte] selbst zu entnehmen: was heißt Räucherwerk? Dessen Rauch nach oben steigt.
יח א"ר חנא בר בזנא א"ר שמעון חסידא כל תענית שאין בה מפושעי ישראל אינה תענית שהרי חלבנה ריחה רע ומנאה הכתוב עם סממני קטרת אביי אמר מהכא (עמוס ט, ו) ואגודתו על ארץ יסדה:
18 R. Ḥana b. Bizna sagte im Namen R. Šimo͑ns des Frommen: Ein Fasten, an dem nicht auch Abtrünnige Jisraéls beteiligt sind, ist kein Fasten, denn das Galban hat ja einen üblen Geruch, dennoch hat die Schrift es unter den Gewürzen für das Räucherwerk mitgezählt. Abajje entnimmt dies aus folgendem:<i>sein Gefüge über der Erde gegründet</i>.
יט והסך בשמן המשחה: ת"ר הסך בשמן המשחה לבהמה וכלים פטור לעובדי כוכבים ולמתים פטור בשלמא בהמה וכלים דכתיב (שמות ל, לב) על בשר אדם לא ייסך ובהמה וכלים לאו אדם הוא מתים נמי פטור דכיון דמית ליה מת מיקרי ולאו אדם אלא עובדי כוכבים אמאי פטור הא אדם נינהו
19 O<small>DER SICH MIT DEM</small> S<small>ALBÖL SCHMIERT</small>. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand ein Vieh oder Geräte mit dem Salböl schmiert, so ist er frei, wenn Nichtjuden oder Tote, so ist er frei. Einleuchtend ist dies von Vieh und Geräten, denn es heißt:<i>es soll nicht auf den Leib eines Menschen gegossen werden</i>, Vieh und Geräte aber sind keine Menschen, ebenso von Toten, daß man frei ist, denn sobald einer tot ist, ist er eine Leiche und kein Mensch, wieso aber ist er frei, wenn Nichtjuden, sie sind ja ebenfalls Menschen!? –
כ לאיי דכתיב (יחזקאל לד, לא) ואתן צאני צאן מרעיתי אדם אתם אתם קרויין אדם ואין העובדי כוכבים קרויין אדם
20 Nicht doch, es heißt:<i>ihr aber seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, Menschen seid ihr</i>; ihr heißt Menschen, die Nichtjuden aber heißen nicht Menschen. –
כא והכתיב (במדבר לא, מו) ונפש אדם ששה עשר אלף א"ל ההוא לאפוקי בהמה
21 Es heißt jaaber: <i>und sechzehntausend Menschenseelen</i>!? – Im Gegensatze zum Vieh. –
כב והכתיב (יונה ד, יא) ואני לא אחוס על נינוה וגו' ההוא לאפוקי בהמה
22 Es heißt ja aber:<i>und ich sollte Ninve nicht schonen &amp;c. Menschen</i>!? – Im Gegensatze zum Vieh.
כג ואיבעית אימא כדקתני תנא קמיה דר"א כל שישנו בסך ישנו בבל ייסך וכל שאינו בסך אינו בבל ייסך
23 Wenn du aber willst, sage ich, wie ein Jünger vor R. Elea͑zar rezitierte: Wer [dem Verbote] des Schmierens unterworfen ist, den zu schmieren ist verboten, und wer [dem Verbote] des Schmierens nicht unterworfen ist, den zu schmieren ist nicht verboten.
כד תניא אידך הסך בשמן המשחה לבהמה וכלים לעובדי כוכבים ומתים פטור למלכים ולכהנים ר"מ מחייב ור' יהודה פוטר וכמה יסוך ויהא חייב ר' מאיר אומר כל שהוא רבי יהודה אומר כזית והאמר ר"י פטור כי פטר ר' יהודה גבי מלכים וכהנים גבי הדיוט מחייב
24 Ein Anderes lehrt: Wenn jemand ein Vieh, Geräte, Nichtjuden oder Tote mit dem Salböl schmiert, so ist er frei; wenn Priester oder Könige, so ist er nach R. Meír schuldig und nach R. Jehuda frei. Wieviel muß man geschmiert haben, um schuldig zu sein? R. Meír sagt, irgend etwas; R. Jehuda sagt, im Quantum einer Olive. – R. Jehuda sagt ja, er sei frei!? – Nach R. Jehuda ist man frei, wenn Priesteroder Könige, wenn Gemeine, ist man schuldig. –
כה ר"מ ור' יהודה במאי פליגי א"ר יוסף בהא פליגי ר"מ סבר על בשר אדם לא ייסך כתיב וכתיב (שמות ל, לג) ואשר יתן ממנו על זר מה סיכה כל שהוא אף נתינה כל שהוא
25 Worin besteht der Streit zwischen R. Meír und R. Jehuda? R. Joseph erwiderte: Ihr Streit besteht in folgendem: <i>R. Meír ist der Ansicht: es heißt: es soll nicht auf den Leib eines Menschen gegossen werden, und es heißt:</i><i>wer davon auf einen Gemeinen tut</i>, wie beim Gießen jedes Quantum zu verstehen ist, ebenso beim Auftun jedes Quantum.
כו ורבי יהודה סבר ילפינן נתינה דעל זר מנתינה דעלמא מה נתינה דעלמא כזית אף נתינה דעל זר כזית אבל סיכה למימשח מלכים וכהנים דברי הכל כל שהוא
26 R. Jehuda aber ist der Ansicht, man vergleiche das Auftun[des Salböls] auf einen Gemeinen mit dem sonstigen Geben; wie beim sonstigen Geben Olivengröße erforderlich ist, ebenso das Auftun [des Salböls] auf einen Gemeinen in Olivengröße. Beim Schmieren aber, um Könige und Priester zu salben, nach aller Ansicht jedes Quantum.
כז וא"ר יוסף במאי פליגי רבי מאיר ורבי יהודה גבי מלכים וכהנים ר"מ סבר ואשר יתן ממנו על זר כתיב ומלך וכהן השתא זרים נינהו ורבי יהודה סבר בעינן עד דאיכא זר מתחלתו ועד סופו ומלך וכהן מעיקרא לאו זרים הוו
27 R. Joseph sagte ferner: Der Streit zwischen R. Meír und R. Jehuda über Könige und Priester besteht in folgendem: R. Meír ist der Ansicht, es heißt: <i>wer davon auf einen Gemeinen tut</i>, und auch König und Priester waren früher Gemeine; R. Jehuda aber ist der Ansicht, nur wer immer, von Anfang bis Ende, Gemeiner war, König und Priester aber waren vorher keine Gemeine.
כח א"ר איקא בריה דרב אמי ואזדו לטעמייהו דתניא
28 R. Iqa, Sohn des R. Ami, sagte: Sie vertreten hierbei ihre Ansichten, denn es wird gelehrt: