Keritot 9

Kapitel 9

א כתב רחמנא לא תוכל לאוקמה בלאו
1 daher schrieb der Allbarmherzige: <i>du darfst nicht [verzehren]</i>, daß dies auch mit einem Verbote belegt ist.
ב ועדיין לאו שבכללות הוא אם כן נימא קרא לא תוכל לאכלם בשעריך מעשר דגנך תירושך ויצהרך למ"ל ליחודי אכילה דכל חד וחד
2 Es ist aber nur ein allgemein gehaltenes Verbot!? – Die Schrift könnte ja sagen: du darfst sie nicht in deinen Städten verzehren, wenn es aber heißt: <i>den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öls</i>, so wird das Essen von jedem einzelnen besonders geteilt.
ג א"ר יצחק האוכל לחם קלי וכרמל לוקה ג' והא אין לוקין על לאו שבכללות שאני הכא דמייתר קראי
3 R. Jiçḥaq sagte: Wer Brot, Rostkörner und Frischfrucht gegessen hat, ist dreimal zu geißeln. – Wegen des allgemein Verbotenen ist ja nicht zu geißeln!? – Anders ist es hierbei, denn es sind überflüssige Schriftworte vorhanden.
ד לימא קרא לחם ונילף קלי וכרמל מיניה איכא למיפרך מה ללחם שכן נתרבה אצל חלה
4 Die Schrift sollte es ja nur vom Brote gesagt haben, und man würde davon hinsichtlich der Rostkörner und der Frischfrucht gefolgert haben. – Es ist ja aber zu erwidern: wohl gilt dies vom Brote, das hinsichtlich der Teighebebevorzugter ist!? –
ה נכתוב קלי ולא לכתוב לחם ונילף מקלי לחם מקלי לא אתי משום דקלי איתיה בעיניה לחם לא איתיה בעיניה כרמל מקלי לא אתי משום דקלי נתרבה אצל מנחות כרמל לא נתרבה אצל מנחות
5 Sie sollte es nur von Rostkörnern und nicht vom Brote geschrieben haben, und man würde bezüglich dessen von den Rostkörnern gefolgert haben. – Von den Rostkörnern ist hinsichtlich des Brotes nicht zu folgern, weil Rostkörner sich in ihrem natürlichen Zustande befinden, das Brot aber sich nicht im natürlichen Zustande befindet. Ebenso ist hinsichtlich der Frischfrucht nicht von den Rostkörnern zu folgern, weil Rostkörner einbegriffen sind beim Speisopfer, die Frischfrucht aber nicht einbegriffen ist beim Speisopfer!? –
ו נכתוב כרמל ונילף לחם וקלי מיניה איכא למיפרך מה לכרמל שכן לא נשתנה מברייתו מן חד לא ילפי נילף חדא מן תרין
6 Sie sollte es nur von der Frischfrucht geschrieben haben, und man würde davon hinsichtlich des Brotes und der Rostkörner gefolgert haben. – Man könnte erwidern: wohl gilt dies von der Frischfrucht, die ihren natürlichen Zustand nicht verändert hat!? –
ז לא נכתוב קרא לחם ונילף מקלי וכרמל איכא למיפרך מה לקלי וכרמל דאיתנהון בעיניהון לא נכתוב קרא כרמל ונילף מלחם וקלי איכא למיפרך מה ללחם וקלי שכן נתרבו אצל מנחות
7 Wenn auch von einem nicht zu folgern wäre, so könnte man immerhin eines von zweien folgern: die Schrift sollte es nicht vom Brote geschrieben haben, und man würde bezüglich dessen von Rostkörnern und Frischfrucht gefolgert haben. – Man könnte erwidern: wohl gilt dies von Rostkörnern und Frischfrucht, die ihren natürlichen Zustand behalten haben!? – Die Schrift sollte es nicht von der Frischfrucht geschrieben haben, und man würde bezüglich dieser von Brot und Rostkörner gefolgert haben. – Man könnte erwidern: wohl gilt dies von Brot und Rostkörnern, die einbegriffen sind beim Speisopfer!? –
ח אמר לך רבי יצחק לא נכתוב קרא קלי ונילף מלחם וכרמל מאי פרכת אי פרכת מה ללחם שכן נתרבה אצל חלה כרמל יוכיח ואי משום דכרמל לא נשתנה מברייתו לחם יוכיח הלכך לוקה דמייתר
8 R. Jiçḥaq kann dir erwidern: die Schrift sollte es nicht von den Rostkörnern geschrieben haben, und man würde bezüglich dieser von Brot und Frischfrucht gefolgert haben. Was wäre dagegen zu erwidern; erwidert man: wohl gilt dies vom Brote, das hinsichtlich der Teighebe bevorzugter ist, so beweist die Frischfrucht[das Entgegengesetzte], und erwidert man: wohl von der Frischfrucht, die ihren natürlichen Zustand nicht verändert hat, so beweist das Brot[das Entgegengesetzte]. Es ist somit überflüssig, und er ist deshalb zu geißeln. –
ט ואימא קלי דמייתר מחייב חדא אכולהון מחייב חדא אם כן נכתוב קרא לחם כרמל וקלי אי נמי נכתוב קלי ולחם וכרמל אמאי כתב לקלי באמצע הכי קאמר לחם בקלי נחייב וכרמל נחייב בקלי
9 Vielleicht ist man wegen der Rostkörner, die unnötig genannt sind, einmal schuldig, und wegen aller zusammen ebenfalls nur einmal!? Wenn dem so wäre, so sollte doch die Schrift geschrieben haben: Brot, Frischfrucht und Rostkörner, oder sie sollte geschrieben haben: Rostkörner, Brot und Frischfrucht, wenn sie aber Rostkörner in der Mitte geschrieben hat, so meint sie es wie folgt: man ist wegen des Brotes wie wegen der Rostkörner schuldig, und wie wegen der Rostkörner ist man wegen der Frischfrucht schuldig.
י א"ר ינאי לעולם אל תהי גזירה שוה קלה בעיניך שהרי פיגול אחד מגופי תורה ולא לימדו הכתוב אלא מגזירה שוה
10 R. Jannaj sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; [das Verbot] des Verwerflichen ist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte esnur durch eine Wortanalogie.
יא דאמר רבי יוחנן תני זבדא בר לוי נאמר להלן (ויקרא יט, ח) ואוכליו עונו ישא ונאמר כאן (ויקרא ז, יח) והנפש האוכלת ממנו עונה תשא מה להלן כרת אף כאן כרת
11 R. Joḥanan sagte nämlich: Zabhda b. Levi lehrte: Daheißt es: <i>wer davon ißt, soll seine Sünde tragen, und dortheißt es: und die Person, die davon ißt, soll ihre Sünde tragen</i>, wie es da die Ausrottungist, ebenso auch dort die Ausrottung.
יב א"ר סימאי לעולם אל תהי גזירה שוה קלה בעיניך שהרי נותר אחד מגופי תורה ולא לימדו הכתוב אלא מג"ש
12 R. Simaj sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; [das Verbot] des Übriggebliebenen ist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte esnur durch eine Wortanalogie. –
יג מאי היא יליף קדש קדש ואוכליו עונו ישא כי את קדש ה' חלל וכתיב (שמות כט, לד) ושרפת את הנותר באש כי קדש וגו'
13 Welches Bewenden hat es damit? – Er folgert es durch [das Wort] <i>heilig</i>; <i>[es heißt:] wer davon ißt, soll seine Sünde tragen, denn er hat das Heilige des Herrn entweiht, und es heißt:</i>du <i>sollst das Übrigbleibende im Feuer verbrennen, denn es ist heilig</i>.
יד אמר אביי לעולם אל תהי ג"ש קלה בעיניך שהרי בתו מאנוסתו הן הן גופי תורה ולא לימדה הכתוב אלא מג"ש
14 Abajje sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; [das Verbot] der Tochter seiner Genotzüchtigten ist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte esnur durch eine Wortanalogie.
טו דאמר רבא אמר לי ר' יצחק בר אבדימי אתיא הנה הנה לאיסורא
15 Raba sagte nämlich: R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte mir, das Verbot sei durch [das Wort]
טז אתיא זמה זמה לשרפה
16 <i>sie</i>, und die Verbrennung sei durch [das Wort] <i>Unzucht</i>zu entnehmen.
יז אמר רב אשי אל תהי ג"ש קלה בעיניך שהרי נסקלים הן הן גופי תורה ולא לימדה הכתוב אלא מג"ש
17 R. Aši sagte: Nie sollst du [den Schluß durch] Wortanalogie unterschätzen; die Steinigungist ja eine der Grundlehren der Tora, und die Schrift lehrte es nur durch eine Wortanalogie.
יח דתניא נאמר כאן דמיהם בם ונאמר באוב וידעוני דמיהם בם מה להלן בסקילה אף כאן בסקילה:
18 Es wird nämlich gelehrt: Daheißt es: <i>Blutschuld lastet auf ihnen</i>, und beim Totenbeschwörer und Wahrsager heißt es:<i>Blutschuld lastet auf ihnen</i>, wie da durch Steinigung, ebenso auch hierbei durch Steinigung.
יט המפטם את השמן כו': ת"ר המפטם את השמן ללמוד בו למוסרו לציבור פטור לסוך חייב והסך ממנו פטור לפי שאין חייבין אלא על סיכת שמן המשחה שעשה משה בלבד
19 W<small>EH DAS</small> S<small>ALBÖL MENGT</small> &amp;<small>C</small>. Die Rabbanan lehrten: Wer das Salböl mengt, um es zu lernen, oder es der Gemeinde zu übergeben, ist frei, wenn um sich damit zu schmieren, so ist er schuldig; wer sich damit schmiert, ist frei, weil man schuldig ist nur wegen des Sichschmierens mit dem Salböl, das Mose bereitet hat.
כ אמר מר ללמוד בו ע"מ למוסרו לציבור פטור מנלן אתיא מתכונתו מן במתכונתה דקטרת וכתיב לגבי קטרת (שמות ל, לז) לא תעשו לכם לכם הוא דאסור אבל למוסרו לציבור פטור גבי שמן נמי למוסרו לציבור פטור
20 Der Meister sagte: Wenn um es zu lernen, oder es der Gemeinde zu übergeben, so ist er frei. Woher dies? – Es ist durch [das Wort] <i>Verhältnis</i> zu folgern, das auch beim Räucherwerkegebraucht wird, und beim Räucherwerke heißt es:<i>sollt ihr euch nicht machen</i>, für euch ist es verboten, wenn aber der Gemeinde zu übergeben, so ist man frei; ebenso ist man beim Salböl frei, wenn der Gemeinde zu übergeben. –
כא ותיהדר קטרת ונילף משמן מה שמן כי מפטם לחציין פטור אף קטרת נמי כי מפטם לחציין פטור אלמה אמר רבא קטרת שפטמה לחציין חייב שמן שפטמו לחציין פטור
21 Sollte man es doch ebenso hinsichtlich des Räucherwerkes vom Salböl folgern: wie man frei ist, wenn man das Salböl in Hälftenmengt, ebenso ist man frei, wenn man Räucherwerk in Hälften mengt; wieso sagte demnach Raba, wer das Räucherwerk in Hälften mengt, sei schuldig, und wer das Öl in Hälften mengt, sei frei!? –
כב אמר לך רבא גבי שמן כתיב ובמתכונתו לא תעשו כמוהו כמוהו הוא דאסור אבל חציו שפיר דמי גבי קטרת דכתיב והקטרת אשר תעשה כל עשייה דקטרת אפשר דמקטיר פרס שחרית ופרס בין הערבים
22 Raba kann dir erwidern: beim Öl heißt es:<i>in seinem Verhältnisse sollt ihr gleiches nicht machen</i>, gleiches ist verboten, in Hälften aber ist es erlaubt; beim Räucherwerke aber heißt es:<i>das Räucherwerk das du machst</i>, jedes Machen des Räucherwerkes; man kann auch die Hälfte morgens und die Hälfte abends räuchern.
כג ת"ר שמן המשחה מר דרור ה' מאות קדה ה' מאות קנמן בשם ה' מאות וקנה בשם חמשים ומאתים נמצאו כולם אלף ושבעה מאות וחמשים
23 Die Rabbanan lehrten: Das Salböl [besteht aus folgendem]: ausgeflossene Myrrhe fünfhundert, Kassia fünfhundert, wohlriechender Zimmt fünfhundert, wohlriechender Kalmus zweihundertfünfzig; es ergibt sich, daß alles zusammen eintausendsiebenhundertundfünfzig betrug.
כד תנא מניינא קמ"ל תנא הא קא קשיא ליה אימא קנה בשם כקנמן בשם מה קנמן בשם מחציתו בחמשים ומאתים אף קנה בשם מחציתו חמשים ומאתים דהוו להו תרין אלפים
24 Braucht der Autor uns denn die Gesamtzahl zu lehren!? – Dem Autor war folgendes unklar: vielleicht wohlriechender Kalmus ebensoviel wie wohlriechender Zimmt; wie vom wohlriechenden Zimmt zweihundertfünfzig die Hälfte ist, ebenso ist vom wohlriechenden Kalmus zweihundertfünfzig die Hälfte, das sind also zweitausend. –
כה ואימא ה"נ אם כן נכתוב קרא קנמן בשם וקנה בשם מחצה ומחצה חמשים ומאתים
25 Vielleicht ist dem auch so!? – Demnach müßte der Schriftvers lauten: wohlriechender Zimmt und wohlriechender Kalmus eine Hälfte und eine Hälfte, je zweihundertundfünfzig.
כו אמר ליה רב פפא לאביי כשהוא שוקל בהכרע הוא שוקל או עין בעין הוא שוקל אמר ליה רחמנא כתב בד בבד ואת אמרת בהכרע והאמר רב יהודה הקב"ה יודע הכרעות אלמא דאית בהו הכרע
26 R. Papa sprach zu Abajje: Wog er beim Wägen mit Übergewicht oder wog er genau? Dieser erwiderte: Der Allbarmherzige sagt<i>genaue Teile</i>, und du sagst, mit Übergewicht. – R. Jehuda sagte ja aber, der Heilige, gepriesen sei er, kenne das Übergewicht; demnach gab es ein Übergewicht!?
כז אלא אמר רב יהודה דקנמן בשם אמאי מייתי מחציתו דחמש מאות חמשים ומאתים בחד זימנא וחמשים ומאתים בחד זימנא כיון דכולהון ה' מאות הויין נייתי ה' מאות בבת אחת ש"מ מדקמייתי לה לקנמן בשם בתרי זימני הכרע אית ביה והקב"ה יודע בהכרעות
27 R. Jehuda sagtenämlich: Weshalb nahm er vom wohlriechenden Zimmt die Hälften von fünfhundert, einmal zweihundertfünfzig und wiederum zweihundertfünfzig, sollte er doch, da es zusammen fünfhundert sind, fünfhundert mit einem Male genommen haben!? Da er nun den wohlriechenden Zimmt in zwei Teile nahm, so geschah es wegen des Übergewichtes, und der Heilige, gepriesen sei er, kennt das Übergewicht. –
כח ומאי בד בבד אמר רבינא שלא יניח משקל במשקל וישקול
28 Was heißt demnach: <i>genaue Teile</i>? Rabina erwiderte: Daß er nicht das Gewogene als Gewicht benutze und damit wäge.
כט ת"ר שמן המשחה שעשה משה במדבר משלקו העיקרין דברי ר' יהודה א"ל רבי יוסי והלא לסוך העיקרין אינו סיפק כיצד עושה הביאו העיקרין ושלקום במים והציף עליהן שמן המשחה וקלט את הריח וקיפחו
29 Die Rabbanan lehrten: Das Salböl, das Moše in der Wüste machte, kochte er mit den Wurzeln – so R. Jehuda. R. Jose sprach zu ihm: Es würde ja nicht einmal zum Bestreichen der Wurzeln gereichthaben!? Vielmehr machte er es wie folgt; man holte die Wurzeln und kochte sie in Wasser, sodanngoß man darüber das Salböl, damit es den Duft annehme, und wischte es herunter.
ל אמר לו ר' יהודה
30 R. Jehuda sprach zu ihm: