Ketubot 111

Kapitel 111

א אלא תרוייהו אזלי בתר אומדנא
1 Vielmehr, beide richten sich nach der Wahrscheinlichkeit;
ב מאן דאמר הלכה שפיר מאן דאמר אין הלכה הכא נמי אומדן דעתא הוא משום איקרובי דעתא הוא והא איקרבא ליה דעתא
2 nach demjenigen, welcher sagt, die Halakha sei so, stimmt dies, aber auch derjenige, welcher sagt, die Halakha sei nicht so, richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit, denn er tat dies wegen der Zuneigung, und die Zuneigung ist erfolgt.
ג יתיב רב חנינא קמיה דרבי ינאי וקאמר הלכה כרבי אלעזר בן עזריה אמר ליה פוק קרי קראך לברא אין הלכה כרבי אלעזר בן עזריה
3 R. Ḥanina saß vor R. Jonnaj und trug vor: Die Halakha ist wie R. Elea͑zar b. A͑zarja. Da sprach dieser zu ihm: Geh, halte deinen Vortrag draußen; die Halakha ist nicht wie R. Elea͑zar b. A͑zarja.
ד אמר רב יצחק בר אבדימי משום רבינו הלכה כרבי אלעזר בן עזריה אמר רב נחמן אמר שמואל הלכה כרבי אלעזר בן עזריה
4 R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte im Namen unseres Meisters: die Halakha sei wie R. Elea͑zar b. A͑zarja. R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Elea͑zar b. A͑zarja.
ה ורב נחמן דידיה אמר אין הלכה כרבי אלעזר בן עזריה ונהרדעי משמיה דרב נחמן אמרי הלכה כרבי אלעזר בן עזריה ואע"ג דלט רב נחמן ואמר כל דיינא דדאין כרבי אלעזר בן עזריה הכי והכי תיהוי אפילו הכי הלכה כרבי אלעזר בן עזריה והלכה למעשה כרבי אלעזר בן עזריה:
5 In seinem eigenen Namen sagte R. Naḥman, die Halakha sei nicht wie R. Elea͑zar b. A͑zarja. Die Nehardee͑nser aber sagen im Namen R. Naḥmans, die Halakha sei wie R. Elea͑zar b. A͑zarja. Und obgleich R. Naḥman verwünscht und gesagt hat: einem Richter, der nach R. Elea͑zar b. A͑zarja entscheidet, geschehe dies und jenes, ist dennoch die Halakha wie R. Elea͑zar b. A͑zarja. Und die Halakha für die Praxis ist wie R. Elea͑zar b. A͑zarja.
ו בעי רבין נכנסה לחופה ולא נבעלה מהו חיבת חופה קונה או חיבת ביאה קונה
6 Rabin fragte: Wie ist es, wenn sie unter den Baldachin gekommen und nicht beschlafen worden ist: erfolgtdie Aneignung durch die Liebschaft unter dem Baldachin oder erfolgt sie durch die Liebschaft bei der Beiwohnung? –
ז תא שמע דתני רב יוסף שלא כתב לה אלא על חיבת לילה הראשון אי אמרת בשלמא חיבת חופה קונה היינו דאמר לילה הראשון אלא אי אמרת חיבת ביאה קונה ביאה בלילה הראשון איתא מכאן ואילך ליתא
7 Komm und höre: R. Joseph lehrte: Er verschrieb sie ihr nur wegen der Liebschaft in der ersten Nacht. Erklärlich ist es, daß er von der ersten Nacht spricht, wenn du sagst, die Aneignung erfolge durch die Liebschaft unter dem Baldachin, aber erfolgt denn, wenn du sagst, sie erfolge durch die Liebschaft bei der Beiwohnung, diese nur in der ersten Nacht und nicht auch weiterhin!? –
ח ואלא מאי חופה חופה בלילה איתא ביממא ליתא ולטעמיך ביאה בלילה איתא ביממא ליתא הא אמר רבא אם היה בבית אפל מותר הא לא קשיא אורח ארעא קא משמע לן דביאה בלילה
8 Erfolgt denn, wenn durch [die Liebschaft unter dem] Baldachin, diese nur nachts und nicht am Tage!? – Nach deiner Auffassung erfolgt die Beiwohnung nur nachts und nicht am Tage, während doch Raba sagte, in einem finsteren Räume sei eserlaubt!? – Das ist kein Einwand, er lehrt uns das übliche, die Beiwohnung nachts [zu vollziehen], aber hinsichtlich des Baldachins ist dies ja ein Einwand!? –
ט אלא חופה קשיא חופה נמי לא קשיא כיון דסתם חופה לביאה קיימא אורח ארעא קא משמע לן דבלילה
9 Auch hinsichtlich des Baldachins ist dies kein Einwand; der Baldachin führt zur Beiwohnung, und er lehrt uns das übliche, sie nachts [zu vollziehen].
י בעי רב אשי נכנסה לחופה ופירסה נידה מהו אם תימצי לומר חיבת חופה קונה חופה דחזיא לביאה אבל חופה דלא חזיא לביאה לא או דלמא לא שנא תיקו:
10 R. Aši fragte: wie istes, wenn sie unter den Baldachin gekommen ist und Menstruation bekommen hat: gilt, wenn du entscheidest, die Aneignung erfolge durch die Liebschaft unter dem Baldachin, dies nur dann, wenn der Baldachin zur Beiwohnung führt, nicht aber, wenn der Baldachin nicht zur Beiwohnung führt, oder gibt es hierbei keinen Unterschied. – Dies bleibt unentschieden.
יא רבי יהודה אומר רצה כותב לבתולה וכו': וסבר רבי יהודה דכותבין שובר והתנן מי שפרע מקצת חובו רבי יהודה אומר יחליף רבי יוסי אומר יכתוב לו שובר
11 R. J<small>EHUDA SAGT, WENN ER WILL, SCHREIBE ER EINER</small> J<small>UNGFRAU</small> &amp;<small>C.</small> Ist R. Jehuda denn der Ansicht, es seieine Quittung zu schreiben, wir haben ja gelernt, daß, wenn jemand einen Teil seiner Schuld bezahlt, [der Gläubiger] ihm, wie R. Jehuda sagt, [den Schuldschein] umtausche, und wie R. Jose sagt, eine Quittungschreibe!?
יב אמר רבי ירמיה כששוברתה מתוכה
12 R. Jirmeja erwiderte: Die Quittung darin.
יג אביי אמר אפילו תימא בשאין שוברתה מתוכה בשלמא התם ודאי פרעיה דלמא מירכס תברתא ומפיק ליה לשטרא והדר גבי זימנא אחרינא הכא ודאי יהב לה מילתא בעלמא היא דאמרה ליה אי נטריה נטריה אי לא נטריה איהו הוא דאפסיד אנפשיה
13 Abajje erwiderte: Du kannst auch sagen, die Quittung braucht nicht darin [enthalten zu sein]. Allerdings ist da, wenn jemand tatsächlich bezahlt, zu berücksichtigen, er könnte die Quittung verlieren und jener den Schuldschein vorzeigen und nochmals [Zahlung] einfordern, hierbei aber: gibt er ihm denn etwas!? Es sind nur Worte, die sie zu ihm spricht; verwahrt er [die Bescheinigung], so ist es recht, wenn aber nicht, so hat er selber sich geschädigt. –
יד בשלמא אביי לא אמר כרבי ירמיה לא קתני שוברתה מתוכה אלא ר' ירמיה מ"ט לא אמר כאביי גזירה שובר דהכא אטו שובר דעלמא
14 Allerdings erklärt Abajje nicht wie R. Jirmeja, weil es nicht heißt: [sie schreibe] die Quittung darin, weshalb aber erklärt R. Jirmeja nicht wie Abajje? Bei dieser Quittung sind andere Quittungen zu berücksichtigen. –
טו טעמא דכתבה ליה אבל על פה לא אמאי דבר שבממון הוא ושמעינן ליה לר' יהודה דאמר דבר שבממון תנאו קיים
15 Nur wenn sie es ihm schreibt, nicht aber, wenn es mündlich erfolgt; weshalb denn, dies ist ja eine Geldangelegenheit, und wir wissen von R. Jehuda, daß er der Ansicht ist, inbetreff der Geldangelegenheit sei eine Vereinbarunggültig!?
טז דתניא האומר לאשה הרי את מקודשת לי על מנת שאין ליך עלי שאר כסות ועונה הרי זו מקודשת ותנאו בטל דברי רבי מאיר ר' יהודה אומר בדבר שבממון תנאו קיים
16 Es wird nämlich gelehrt: Wenn jemand zu einem Weibe sagt: sei mir angetraut mit der Bedingung, daß du an mich keinen Anspruch auf Kost, Kleidung und Beiwohnung hast, so ist sie ihm angetraut und seine Bedingung ungültig– so R. Meír; R. Jehuda sagt, inbetreff der Geldangelegenheit sei seine Bedingung gültig. –
יז קסבר רבי יהודה כתובה דרבנן וחכמים עשו חיזוק לדבריהם יותר משל תורה
17 R. Jehuda ist der Ansicht, die Morgengabe sei rabbanitisch, und die Weisen haben für ihre Worte eine größere Festigung getroffen als für die der Tora. –
יח הרי פירות דרבנן ולא עבדו להו רבנן חיזוק דתנן רבי יהודה אומר לעולם הוא אוכל פירי פירות עד שיכתוב לה דין ודברים אין לי בנכסיך ובפירותיהן ובפירות פירותיהן עד עולם
18 Der Fruchtgenußist ja ebenfalls rabbanitisch, und die Rabbanan haben dabei keine Festigunggetroffen!? Wir haben nämlich gelernt: R. Jehuda sagt, er genießedie Früchte der Früchtesolange, bis er ihr schreibt: ich entsage mich des Rechtes und des Anspruches auf deine Güter, deren Früchte und der Früchte ihrer Früchte bis ins Unendliche;