Ketubot 135

Kapitel 135

א בטלי כסף או בטלי זהב אמר היינו דאמר רבי אלעזר בואו ונחזיק טובה לרמאין שאלמלא הן היינו חוטאין בכל יום שנאמר (דברים טו, ט) וקרא עליך אל ה' והיה בך חטא
1 ob auf silbernem oder auf goldenem Gedecke. Da sprach er: Das ist es, was R. Elea͑zar sagte: Wohlan, wir wollen den Betrügern dankbar sein; wenn nicht sie, würden wir täglich sündigen, denn es heißt: <i>wenn er über dich zum Herrn ruft, so wird an dir eine Sünde sein</i>.
ב ותני רבי חייא בר רב מדיפתי רבי יהושע בן קרחה אומר כל המעלים עיניו מן הצדקה כאילו עובד עבודת כוכבים כתיב הכא (דברים טו, ט) השמר לך פן יהיה דבר עם לבבך בליעל וגו' וכתיב התם (דברים יג, יד) יצאו אנשים בני בליעל מה להלן עבודת כוכבים אף כאן עבודת כוכבים
2 Ferner lehrte R. Ḥija b. Rabh aus Diphte: R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Wenn jemand seine Augen von der Wohltätigkeit abwendet, so ist es ebenso als würde er Götzen anbeten; hierbei heißt es:<i>hüte dich, daß nicht in deinem Herzen ein nichtswürdiger Gedanke aufsteige &amp;c</i>. und dort heißt es: <i>es sind nichtswürdige Leute aufgetreten</i>, wie dort Götzendienst, ebenso hierbei Götzendienst.
ג ת"ר המסמא את עינו והמצבה את בטנו והמקפח את שוקו אינו נפטר מן העולם עד שיבא לידי כך המקבל צדקה ואין צריך לכך סופו אינו נפטר מן העולם עד שיבא לידי כך
3 Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand ein blindes Auge, einen geschwollenen Bauch oder einen gekürzten Schenkel simuliert, so scheidet er nicht aus der Welt, ohne dazu gekommen zu sein.
ד תנן התם אין מחייבין אותו למכור את ביתו ואת כלי תשמישו ולא והתניא היה משתמש בכלי זהב ישתמש בכלי כסף בכלי כסף ישתמש בכלי נחושת
4 Dort haben wir gelernt: Man nötige ihnnicht, sein Haus oder seine [kostbaren] Geräte zu verkaufen. – Etwa nicht, es wird ja gelehrt, daß, wenn er sich goldener Geräte bedient, er sich silberner, und wenn silberner, er sich kupferner bedienen müsse!?
ה אמר רב זביד לא קשיא הא במטה ושולחן הא בכוסות וקערות מאי שנא כוסות וקערות דלא דאמר מאיסי לי מטה ושולחן נמי אמר לא מקבל עילואי אמר רבא בריה דרבה במחרישה דכספא
5 R. Zebid erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von Bett und Tisch, und eines gilt von Bechern und Schüsseln. – Becher und Schüsseln deshalb nicht, weil er sagen kann, er empfinde gegen [minderwertige] einen Widerwillen, ebenso kann er ja auch von Bett und Tisch sagen, [minderwertige] seien ihm unerträglich!? Raba, der Sohn Rabbas, erwiderte: Dies gilt von einem silbernen Kamme.
ו רב פפא אמר לא קשיא כאן קודם שיבא לידי גיבוי כאן לאחר שיבא לידי גיבוי:
6 R. Papa erklärte: Das ist kein Einwand; das eine, solange es nicht zur Einforderungkommt, das andere, wenn es zur Einforderung kommt.
ז <big><strong>מתני׳</strong></big> יתומה שהשיאתה אמה או אחיה מדעתה וכתבו לה במאה או בחמשים זוז יכולה היא משתגדיל להוציא מידן מה שראוי להנתן לה
7 <b>W</b><small>ENN EINE</small> W<small>AISE VON IHRER</small> M<small>UTTER ODER IHREN</small> B<small>RÜDERN VERHEIRATET WORDEN IST</small>, <small>UND SIE IHR HUNDERT ODER FÜNFZIG</small> Z<small>UZ VERSCHRIEBEN HABEN</small>, [<small>SELBST</small>] <small>MIT IHRER</small> W<small>ILLIGUNG</small>, <small>SO KANN SIE</small>, <small>SOBALD SIE GROSSJÄHRIG IST</small>, <small>VON IHNEN EINFORDERN</small>, <small>WAS SIE ERHALTEN</small><small>SOLLTE</small>.
ח רבי יהודה אומר אם השיא את הבת הראשונה ינתן לשניה כדרך שנתן לראשונה וחכ"א פעמים שאדם עני והעשיר או עשיר והעני אלא שמין את הנכסים ונותנין לה:
8 R. J<small>EHUDA SAGT</small>, <small>HAT</small> [<small>DER</small> V<small>ATER</small>] <small>BEREITS EINE</small> T<small>OCHTER VERHEIRATET</small>, <small>SO GEBE MAN DER ANDEREN EBENSOVIEL</small>, <small>WIE ER DER ERSTEN GEGEBEN HAT</small>. D<small>IE</small> W<small>EISEN SAGEN</small>, <small>ES KOMME VOR</small>, <small>DASS JEMAND ARM WAR UND REICH WIRD ODER REICH WAR UND ARM</small><small>WIRD</small>; <small>VIELMEHR SCHÄTZE MAN DAS</small> V<small>ERMÖGEN UND GEBE IHR ENTSPRECHEND</small>.
ט <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר שמואל לפרנסה שמין באב מתיבי הבנות ניזונות ומתפרנסות מנכסי אביהן כיצד אין אומרים אילו אביה קיים כך וכך היה נותן לה אלא שמין את הנכסים ונותנין לה מאי לאו פרנסת הבעל אמר רב נחמן בר יצחק לא בפרנסת עצמה
9 GEMARA. Šemuél sagte: Bei der Versorgung richte man sich nach dem Vater. Man wandte ein: Die Töchter sind vom Vermögen des Vaters zu ernähren und zu versorgen. Und zwar: man sage nicht, lebte ihr Vater, so würde er ihr so und soviel gegeben haben, vielmehr schätze man das Vermögen und gebe ihr entsprechend. Dies gilt wohl von der Versorgung für den Ehemann!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Nein, von ihrer eigenen Versorgung. –
י הא ניזונות ומתפרנסות קתני מאי לאו אחת פרנסת הבעל ואחת פרנסת עצמה לא אידי ואידי בפרנסת עצמה ולא קשיא הא באכילה ובשתיה והא בלבושא וכיסויא
10 Es heißt ja: zu ernähren und zu versorgen, und eines bedeutet wohl die Versorgung für den Ehemann und eines ihre eigene Versorgung!? – Nein, beides ihre eigene Versorgung, dennoch besteht kein Einwand, denn eines bedeutet Essen und Trinken und eines Kleider und Gewänder. –
יא תנן וחכ"א פעמים שאדם עני והעשיר או עשיר והעני אלא שמין הנכסים ונותנין לה מאי עני ומאי עשיר אי נימא עני עני בנכסים עשיר עשיר בנכסים מכלל דתנא קמא סבר אפילו עשיר והעני כדמעיקרא יהבינן לה הא לית ליה
11 Wir haben gelernt: Die Weisen sagen, es komme vor, daß jemand arm war und reich wird oder reich war und arm wird; vielmehr schätze man das Vermögen und gebe ihr entsprechend. Was heißt arm und was heißt reich: wollte man sagen, arm heiße, arm an Vermögen, und reich heiße, reich an Vermögen, demnach wäre der erste Autor der Ansicht, man gebe ihr, auch wenn er reich war und arm geworden, nach dem früheren Verhältnisse; er hatte ja nichts!?
יב אלא לאו עני עני בדעת עשיר עשיר בדעת וקתני שמין את הנכסים ונותנין לה אלמא לא אזלינן בתר אומדנא ותיובתא דשמואל הוא דאמר כרבי יהודה דתנן רבי יהודה אומר אם השיא בת הראשונה ינתן לשניה כדרך שנתן לראשונה
12 Wahrscheinlich heißt arm, arm an Wohlwollen, und reich, reich an Wohlwollen, und er lehrt, daß man das Vermögen schätze und ihr entsprechend gebe; demnach richte man sich nicht nach der Mutmaßung. Dies ist eine Widerlegung Šemuéls!? – Er ist der Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagt, hat [der Vater] bereits eine Tochter verheiratet, so gebe man der anderen ebensoviel, wie er der ersten gegeben hat. –
יג ונימא הלכה כרבי יהודה אי אמר הלכה כרבי יהודה הוה אמינא דוקא השיאה דגלי דעתיה אבל לא השיאה לא קמ"ל טעמא דר' יהודה דאזלינן בתר אומדנא לא שנא השיאה ולא שנא לא השיאה
13 Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. Jehuda!? – Hätte er gesagt, die Halakha sei wie R. Jehuda, so könnte man glauben, nur wenn er bereits eine verheiratet und somit seinen Willen bekundet hat, nicht aber, wenn er noch keine verheiratet hat, so lehrt er uns den Grund R. Jehudas, daß man sich nach der Mutmaßung richte, einerlei ob er bereits [eine Tochter] verheiratet hat oder nicht,
יד והאי דקתני השיאה להודיעך כחן דרבנן דאע"ג דהשיאה וגלי דעתיה לא אזלינן בתר אומדנא
14 nur lehrt er deshalb den Fall, wenn verheiratet, um die Ansicht der Rabbanan hervorzuheben: selbst wenn er eine bereits verheiratet und somit seinen Willen bekundet hat, richte man sich nicht nach der Mutmaßung.
טו א"ל רבא לרב חסדא דרשינן משמך הלכה כר' יהודה א"ל יהא רעוא כל כי הני מילי מעלייתא תדרשו משמאי
15 Raba sprach zu R. Ḥisda: Wir haben in deinem Namen vorgetragen, die Halakha sei wie R. Jehuda. Dieser erwiderte: Mögt ihr doch alle derartig schöne Dinge in meinem Namen vortragen. –
טז ומי אמר רבא הכי והתניא רבי אומר בת הניזונת מן האחין נוטלת עישור נכסים ואמר רבא הלכתא כרבי לא קשיא הא דאמידניה הא דלא אמידניה
16 Kann Raba dies denn gesagt haben, es wird ja gelehrt: Rabbi sagt, eine Tochter, die von den Brüdern unterhalten wird, erhalte ein Zehntel des Vermögens, und hierzu sagte Raba, die Halakha sei wie Rabbi!? – Das ist kein Einwand; das eine, wenn man sein Belieben kennt, das andere, wenn man es nicht kennt.
יז הכי נמי מסתברא דאמר רב אדא בר אהבה מעשה ונתן לה רבי אחד משנים עשר בנכסים קשיין אהדדי אלא לאו ש"מ הא דאמידניה הא דלא אמידניה ש"מ
17 Dies ist auch einleuchtend; R. Ada b. Ahaba sagte, daß Rabbi einst einer [Waise] ein Zwölftel des Vermögens gab, und da mithin ein Widerspruch besteht, so gilt wohl das eine, wenn man sein Belieben kennt, und das andere, wenn man es nicht kennt.
יח גופא אמר רבי בת הניזונת מן האחין נוטלת עישור נכסים אמרו לו לרבי לדבריך מי שיש לו עשר בנות ובן אין לו לבן במקום בנות כלום
18 Der Text. Rabbi sagte: Eine Tochter, die von den Brüdern unterhalten wird, erhält ein Zehntel des Vermögens. Sie sprachen zu Rabbi: Nach deiner Ansicht erhält, wenn jemand zehn Töchter und einen Sohn [hinterlassen] hat, der Sohn wegen der Töchter überhaupt nichts!?
יט אמר להן כך אני אומר ראשונה נוטלת עישור נכסים שניה במה ששיירה ושלישית במה ששיירה וחוזרות וחולקות בשוה
19 Dieser erwiderte: Ich meine es wie folgt: die erste erhält ein Zehntel des Vermögens, die andere von dem, was zurückbleibt, und die dritte von dem, was dann zurückbleibt, sodann teilen sie gleichmäßig. –