Ketubot 136

Kapitel 136

א כל חדא וחדא דנפשה שקלה הכי קאמר אם באו כולם להנשא כאחת חולקות בשוה
1 Jede hat ja das ihrige zu erhalten!? – Er meint es wie folgt: wenn alle sich gleichzeitig verheiraten, teilen sie gleichmäßig.
ב מסייע ליה לרב מתנה דאמר רב מתנה אם באו להנשא כולם כאחת נוטלות עישור אחד עישור אחד סלקא דעתך אלא נוטלות עישור כאחד
2 Dies ist eine Stütze für R. Mathna, denn R. Mathna sagte: Wenn sich alle gleichzeitig verheiraten, so erhalten sie ein Zehntel. – Ein Zehntel, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, sie erhalten je ein Zehntel.
ג ת"ר הבנות בין בגרו עד שלא נישאו ובין נישאו עד שלא בגרו איבדו מזונותיהן ולא איבדו פרנסתן דברי רבי ר' שמעון בן אלעזר אומר אף איבדו פרנסתן כיצד הן עושות שוכרות להן בעלים ומוציאין להן פרנסתן
3 Die Rabbanan lehrten: Die Töchter verlieren, einerlei ob sie zuerst mannbar werden und sich nachher verheiraten, oder sich zuerst verheiraten und nachher mannbar werden, dadurch ihren [Anspruch auf] Ernährung, nicht aber auf Versorgung – so Rabbi. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, sie verlieren auch ihren [Anspruch auf] Versorgung. Was machen sie nun? – Sie mieten sich ihre Ehemänner, und diese verschaffen ihnen die Versorgung.
ד אמר רב נחמן אמר לי הונא הלכתא כרבי איתיביה רבא לרב נחמן יתומה שהשיאתה אמה או אחיה מדעתה וכתבו לה במאה או בחמשים זוז יכולה היא משתגדיל להוציא מידם מה שראוי להנתן לה טעמא דקטנה הא גדולה ויתרה
4 R. Naḥman sagte: Hona sagte mir, die Halakha sei wie Rabbi. Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Wenn eine Waise von ihrer Mutter oder von ihren Brüdern verheiratet worden ist und sie ihr hundert oder fünfzig Zuz verschrieben haben, [selbst] mit ihrer Willigung, so kann sie, sobald sie großjährig ist, von ihnen einfordern, was sie erhalten sollte. Dies gilt also nur von einer Minderjährigen, eine Erwachsene aber hat verzichtet!? –
ה לא קשיא הא דמחאי הא דלא מחאי
5 Das ist kein Einwand; das eine, wenn sie Einspruch erhobenhat, und das andere, wenn sie keinen Einspruch erhoben hat.
ו הכי נמי מסתברא דאם כן קשיא דרבי אדרבי דתניא רבי אומר בת הניזונת מן האחין נוטלת עישור נכסים ניזונת אין שאינה ניזונת לא
6 Dies ist auch einleuchtend, denn sonst würde sich Rabbi mit sich selbst in einem Widerspruche befinden. Es wird nämlich gelehrt: Rabbi sagte, eine Tochter, die von den Brüdern unterhalten wird, erhält ein Zehntel des Vermögens. Nur wenn sie unterhalten wird, sonst aber nicht!?
ז אלא לאו ש"מ הא דמחאי הא דלא מחאי ש"מ
7 Wahrscheinlich gilt das eine, wenn sie Einspruch erhoben hat, und das andere, wenn sie keinen Einspruch erhoben hat. Schließe hieraus.
ח אמר ליה רבינא לרבא אמר לן רב אדא בר אהבה משמך בגרה אינה צריכה למחות נישאת אינה צריכה למחות בגרה ונישאת צריכה למחות
8 Rabina sprach zu Raba: R. Ada b. Ahaba sagte uns in deinem Namen, wenn sie mannbar wird, brauche sie keinen Einspruchzu erheben, wenn sie sich verheiratet, brauche sie keinen Einspruch zu erheben, wenn sie aber mannbar geworden und sich verheiratet, müsse sie Einspruch erheben. –
ט מי אמר רבא הכי והא איתיביה רבא לרב נחמן יתומה ושני ליה הא דמחי הא דלא מחי לא קשיא הא דקא מיתזנא מינייהו הא דלא קא מיתזנא מינייהו
9 Kann Raba dies denn gesagt haben, Raba richtete ja gegen R. Naḥman einen Einwand [aus der Lehre] von der Waise, und dieser erwiderte ihm, das eine, wenn sie Einspruch erhoben hat, und das andere, wenn sie keinen Einspruch erhobenhat!? – Das ist kein Einwand; das eine, wenn sie von ihnen unterhaltenwird, und das andere, wenn sie nicht von ihnen unterhalten wird.
י אמר רב הונא אמר רבי פרנסה אינה כתנאי כתובה מאי אינה כתנאי כתובה אי נימא דאילו פרנסה טרפא ממשעבדי ותנאי כתובה לא טרפא ממשעבדי מאי קמ"ל הא מעשים בכל יום מוציאין לפרנסה ואין מוציאין למזונות
10 R. Hona sagte im Namen Rabbis: Die Versorgunggleicht nicht der Eheverpflichtung. – Inwiefern gleicht sie nicht der Eheverpflichtung: wollte man sagen, zur Versorgung sei auch von verkauften Güterneinzufordern, während zur Eheverpflichtung von verkauften Gütern nicht einzufordernist, so lehrt er uns ja nichts Neues, denn es sind Alltagsfälle, daß man [solche] zur Versorgung einfordert, nicht aber zur Ernährung;
יא ואלא דאילו פרנסה גביא נמי ממטלטלי ותנאי כתובה ממקרקעי גביא ממטלטלי לא גביא
11 und wollte man sagen, zur Versorgung sei auch von beweglichen Gütern einzufordern, während zur Eheverpflichtung nur von Grundstücken und nicht von beweglichen Gütern einzufordern sei,
יב לרבי אידי ואידי מיגבא גביא דתניא אחד נכסים שיש להן אחריות ואחד נכסים שאין להן אחריות מוציאין למזון האשה ולבנות דברי רבי
12 so ist ja nach Rabbi von beidem einzufordern!? Es wird nämlich gelehrt: Sowohl von Sicherheit gewährenden Gütern als auch von keine Sicherheit gewährenden Güternentnehme man zur Ernährung der Frau und der Töchter – so Rabbi. –
יג אלא מאי פרנסה אינה כתנאי כתובה לכדתניא האומר אל יזונו בנותיו מנכסיו אין שומעין לו אל יתפרנסו בנותיו מנכסיו שומעין לו שהפרנסה אינה כתנאי כתובה
13 Vielmehr, die Versorgung gleicht nicht der Eheverpflichtung hinsichtlich der folgenden Lehre. Wenn jemand [letztwillig] verfügt, seine Töchter nicht von seinen Gütern zu ernähren, so höre man nichtauf ihn, seine Töchter nicht von seinen Gütern zu versorgen, so höre manauf ihn, denn die Versorgung gleicht nicht der Eheverpflichtung.