Ketubot 137

Kapitel 137

א תלה ליה רב לרבי ביני חטי האחין ששיעבדו מהו הוה יתיב ר' חייא קמיה אמר ליה מכרו או משכנו אמר ליה מאי נפקא מינה בין מכרו בין שמשכנו מוציאין לפרנסה ואין מוציאין למזונות
1 Rabh fügte [in einem Briefe] an Rabbi zwischen die Zeilen[folgende Frage] ein: Wie ist es, wenn die Brüder [die Güter] belastet haben? R. Ḥija saß vor ihm und fragte: Verkauft oder verpfändet? Dieser entgegnete: Welchen Unterschied gibt es denn hierbei: einerlei ob verkauft oder verpfändet, von diesen ist zur Versorgung einzufordern, nicht aber zur Ernährung. –
ב ורב אי מכרו קמיבעיא ליה נכתוב ליה מכרו אי משכנו קא מיבעיא ליה נכתוב ליה משכנו
2 Sollte doch Rabh, wenn er hinsichtlich des Verkaufes fragte, ‘verkauft’ geschrieben haben, und wenn er hinsichtlich der Verpfändung fragte, ‘verpfändet’ geschrieben haben!? –
ג רב תרוייהו קמבעיא ליה וסבר אי כתיבנא ליה מכרו הא ניחא אי שלח לי דמוציאין כל שכן משכנו אי שלח לי אין מוציאין אכתי משכנו קמיבעיא לי
3 Rabh war beides fraglich, und er dachte: schreibe ich ‘verkauft’, so gilt allerdings, wenn er mir erwidert, daß man einfordere, dies um so mehr von der Verpfändung, wenn er mir aber erwidert, daß man nicht einfordere, so bleibt es hinsichtlich der Verpfändung fraglich;
ד אי כתיבנא ליה משכנו אי שלח לי דאין מוציאין כל שכן מכרו אי שלח לי מוציאין אכתי מכרו קא מיבעיא לי אכתוב ליה שיעבדו דמשמע הכי ומשמע הכי
4 und schreibe ich ‘verpfändet’, so gilt allerdings, wenn er mir erwidert, daß man nicht einfordere, dies um so mehr vom Verkaufe, wenn er mir aber erwidert, daß man einfordere, so bleibt es hinsichtlich des Verkaufes fraglich. Ich schreibe daher ‘belastet’, worunter sowohl dieses als auch jenes zu verstehen ist.
ה ורבי יוחנן אמר אחד זה ואחד זה אין מוציאין איבעיא להו לרבי יוחנן לא שמיע ליה הא דרבי ואי שמיע ליה הוה מקבל ליה או דלמא שמיע ליה ולא מקבל ליה
5 R. Joḥanan aber sagte, [von solchen] sei weder für das eine noch für das andere einzufordern. Sie fragten: Hatte R. Joḥanan die Lehre Rabbis nicht gehört, hätte er sie aber gehört, würde er sie anerkannt haben, oder hatte er sie gehört, jedoch nicht anerkannt? –
ו ת"ש דאתמר מי שמת והניח שתי בנות ובן וקדמה הראשונה ונטלה עישור נכסים ולא הספיקה שניה לגבות עד שמת הבן
6 Komm und höre: Es wurde gelehrt: Wenn jemand gestorben ist und zwei Töchter und einen Sohn hinterlassen hat, und nachdem die erste zuvorgekommen ist und das Zehntel der Güter empfangen hat, die zweite aber zur Einforderung nicht gekommen ist, der Sohn gestorben ist,
ז אמר ר' יוחנן שניה ויתרה אמר ר' חנינא גדולה מזו אמרו מוציאין לפרנסה ואין מוציאין למזונות ואת אמרת שניה ויתרה
7 so hat die zweite, wie R. Joḥanan sagt, verzichtet. R. Ḥanina sprach: Sie sagten sogar, daß man zur Versorgung und nicht zur Ernährung einfordere, und du sagst, die zweite habe verzichtet!?
ח ואם איתא נימא ליה מאן אמרה ודלמא לעולם לא שמיע ליה וכי שמיע ליה קביל ושאני התם דאיכא רווח ביתא
8 Wenn dem nun so wäre, so sollte er ihm erwidert haben: wer sagte dies? – Vielleicht hatte er sie tatsächlich nicht gehört, und hätte er sie gehört, würde er sie auch anerkannt haben, nur verhält es sich da anders, wo Besitz vorhanden ist.
ט אמר ליה רב יימר לרב אשי אלא מעתה אשכחה מציאה בעלמא דאיכא רווח ביתא הכי נמי דלא יהבינן לה עישור נכסים אמר ליה אנא רווח ביתא מהני נכסי קאמינא
9 R. Jemar sprach zu R. Aši: Demnach erhält sie, wenn sie irgend einen Fund gemacht hat, und ihr somit Besitz zugefallen ist, nicht das Zehntel von den Gütern!? Dieser erwiderte: Ich spreche von einem Besitze aus eben diesen Gütern.
י אמר אמימר בת יורשת הויא אמר ליה רב אשי לאמימר אילו בעי לסלוקה בזוזי הכי נמי דלא מצי לסלוקה אמר ליה אין אי בעי לסלוקה בחדא ארעא הכי נמי דלא מצי מסלק לה אמר ליה אין
10 Amemar sagte: Die Tochter giltals Erbin. R. Aši sprach zu Amemar: Wenn man sie mit Geld abfinden will, kann man dies demnach nicht? Dieser erwiderte: Allerdings. – Und wenn man sie mit einem Grundstücke abfinden will, kann man dies ebenfalls nicht? Dieser erwiderte: Allerdings.
יא רב אשי אמר בת בעלת חוב הויא ואף אמימר הדר ביה דאמר רב מניומי בריה דרב ניחומי הוה קאימנא קמיה דאמימר ואתאי האי איתתא לקמיה דהות קא בעיא עישור נכסים וחזיתיה לדעתיה דאי בעי לסלוקה בזוזי הוי מסלק לה דשמעי מאחי דהוו קאמרי לה אילו הוה לן זוזי סליקנא בזוזי ואישתיק ולא אמר להו ולא מידי
11 R. Aši aber sagte: Die Tochter gilt als Gläubigerin. Und auch Amemar trat von seiner Ansicht zurück, denn R. Minjomi, der Sohn R. Niḥumis, erzählte: Einst stand ich vor Amemar, als eine Frau vor ihm erschien und das Zehntel der Güter verlangte, und ich merkte seine Ansicht, daß jene, wenn sie wollten, sie mit Geld abfinden könnten. Er hörte nämlich die Brüder zu ihr sagen: hätten wir Geld, würden wir dich mit Geld abgefunden haben, und er schwieg und sagte ihnen nichts. –
יב והשתא דאמרת בעלת חוב הויא דאבא או דאחי למאי נפקא מינה למיגבא לבינונית שלא בשבועה וזיבורית בשבועה
12 Ist sie, wo du nun ausgeführt hast, sie sei Gläubigerin, die des Vaters oder der Brüder? – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Hinsichtlich der Einforderung von Mittelmäßigemund ohne Eidoder von Schlechtem und gegen Eid.
יג מאי תא שמע דרבינא אגביה לברתיה דרב אשי ממר בריה דרב אשי בינונית ושלא בשבועה מבריה דרב סמא בריה דרב אשי זבורית בשבועה
13 Wie ist es nun? – Komm und höre: Rabina ließ die Tochter R. Ašis von Mar, dem Sohne R. Ašis, Mittelmäßiges ohne Eid, und vom Sohne R. Samas, des Sohnes R. Ašis, Schlechtes gegen Eid einfordern.
יד שלח ליה רב נחמיה בריה דרב יוסף לרבה בר רב הונא זוטא מנהרדעא כי אתיא הא איתתא לקמך אגבה עישור נכסים אפילו מאיצטרובלא אמר רב אשי כי הוינן בי רב כהנא הוה מגבינן אפילו מעמלא דביתי
14 R. Neḥemja, Sohn des R. Joseph, ließ Rabba, dem Sohne R. Hona des Kleinen aus Nehardea͑, sagen: Wenn jene Frauzu dir kommt, laß sie das Zehntel der Güter einfordern, selbst vom Mühlenuntersatze. R. Aši sagte: Als wir bei R. Kahana waren, ließen wir es sogar von der Wohnungsmiete einfordern.
טו שלח ליה רב ענן לרב הונא הונא חברין שלם כי אתיא הא איתתא לקמך אגבה עישור נכסי הוה יתיב רב ששת קמיה אמר ליה זיל אימא ליה ובשמתא יהא מאן דלא אמר ליה ענן ענן ממקרקעי או ממטלטלי ומאן יתיב בי מרזיחא ברישא
15 R. A͑nan sandte an R. Hona: Kollege Hona, Friede [sei mit dir]. Wenn jene Frau zu dir kommt, laß sie das Zehntel der Güter einfordern. Da sprach dieser zu R. Šešeth, der vor ihm saß: Geh und sprich zu ihm wie folgt, und im Banne sei, wer nicht [genau so] spricht: A͑nan, A͑nan, von unbeweglichen Gütern oder [auch] von beweglichen? Und wer sitzt beim Trauermahle obenan?
טז אזל רב ששת לקמיה דרב ענן אמר ליה מר רבה ורב הונא רביה דרבה ושמותי שמית מאן דלא אמר ליה ואי לאו דשמית לא הוה קאמינא ענן ענן ממקרקעי או ממטלטלי ומאן יתיב בי מרזיחא ברישא
16 Hierauf kam R. Šešeth zu R. A͑nan und sprach zu ihm: Der Meister ist Gelehrter, R. Hona aber ist Lehrer des Meisters, und er verhängte den Bann über den, der nicht wie folgt spricht, und hätte er nicht den Bann verhängt, würde ich es nicht gesprochen haben: A͑nan, A͑nan, von unbeweglichen Gütern oder [auch] von beweglichen? Und wer sitzt beim Trauermahle obenan?
יז אזל רב ענן לקמיה דמר עוקבא א"ל חזי מר היכי שלח לי רב הונא ענן ענן ועוד מרזיחא דשלח לי [לא ידענא] מאי ניהו א"ל אימא לי איזי
17 Hierauf ging R. A͑nan zu Mar U͑qaba und sprach zu ihm: Sehe doch der Meister, wie R. Hona mich ansprechen ließ: A͑nan, A͑nan. Und welches Bewenden hat es mit dem Trauermahle, von dem er mir sagen ließ? Dieser sprach: Erzähle mir doch,