Ketubot 168

Kapitel 168

א ור"ע תפיסה לא מהניא כלל אמר רבא אמר רב נחמן והוא שתפס מחיים
1 Ist denn nach R. A͑qiba das Einhaschen ganz ohne Wirkung? Raba erwiderte im Namen R. Naḥmans: Nur wenn er bei Lebzeiten eingehaschthat. –
ב ולרבי טרפון דמנחי היכא רב ושמואל דאמרי תרוייהו והוא שצבורין ומונחין ברשות הרבים אבל בסימטא לא ורבי יוחנן וריש לקיש דאמרי תרוייהו אפי' בסימטא
2 Wo müssen sie sich nach R. Tryphonbefunden haben? – Rabh und Šemuél sagten beide, nur wenn sie sich zusammengehäuft auf öffentlichem Gebiete befanden, nicht aber, wenn auf einem Seitenwege; R. Joḥanan und Reš Laqiš sagten beide, auch wenn auf einem Seitenwege.
ג דון דייני כר' טרפון ואהדריה ר"ל לעובדא מינייהו אמר ליה רבי יוחנן עשית כשל תורה
3 Einst entschieden Richter nach R. Tryphon, und Reš Laqiš hob ihre Entscheidung auf. Da sprach R. Joḥanan zu ihm: Du hast wie bei [einem Gesetze] der Toragehandelt. –
ד לימא בהא קמיפלגי דמ"ס טעה בדבר משנה חוזר ומר סבר טעה בדבר משנה אינו חוזר
4 Es wäre anzunehmen, daß ihr Streit in folgendem besteht: einer ist der Ansicht, wenn er sich in einer Lehre geirrt hat, sei [die Entscheidung] aufzuheben, und einer ist der Ansicht, wenn er sich in einer Lehre geirrt hat, sei sie nicht aufzuheben. –
ה לא דכ"ע טעה בדבר משנה חוזר והכא בהא קמיפלגי מר סבר הלכה כר"ע מחבירו ולא מרבו ומר סבר הלכה אפי' מרבו
5 Nein, alle sind der Ansicht, wenn er sich in einer Lehre geirrt hat, sei [die Entscheidung] aufzuheben, und ihr Streit besteht hierbei in folgendem: einer ist der Ansicht, die Halakha sei wie R. A͑qiba nur gegen seinen Kollegen, nicht aber gegen seinen Lehrer, und einer ist der Ansicht, die Halakha sei [wie er] auch gegen seinen Lehrer.
ו ואיבעית אימא דכ"ע הלכה כר"ע מחבירו ולא מרבו והכא בהא קמיפלגי מר סבר רבי טרפון רבו הוה ומ"ס חבירו הוה
6 Wenn du willst, sage ich: alle sind der Ansicht, die Halakha sei wie R. A͑qiba nur gegen seinen Kollegen, nicht aber gegen seinen Lehrer, und ihr Streit besteht hierbei in folgendem: einer ist der Ansicht, R. Tryphon war sein Lehrer, und einer ist der Ansicht, er war sein Kollege.
ז ואיבעית אימא דכולי עלמא חבירו הוה והכא בהא קמיפלגי מר סבר הלכה איתמר ומר סבר מטין איתמר
7 Wenn du aber willst, sage ich: alle sind der Ansicht, er war sein Kollege, und ihr Streit besteht hierbei in folgendem: einer ist der Ansicht, die Lehre laute: sodie Halakha, und einer ist der Ansicht, die Lehre laute: so hinzuneigen.
ח קריביה דר' יוחנן תפוס פרה דיתמי מסימטא אתו לקמיה דר' יוחנן אמר להו שפיר תפסתוה אתו לקמיה דרבי שמעון בן לקיש אמר להו זילו אהדור אתו לקמיה דרבי יוחנן אמר להו מה אעשה שכנגדי חלוק עלי
8 Die Verwandten R. Joḥanans haschten auf einem Seitenwege eine Waisen gehörende Kuhein, und als sie vor R. Joḥanan kamen, sprach er zu ihnen: Ihr habt sie rechtmäßig eingehascht. Hierauf kamen sie vor R. Šimo͑n b. Laqiš, und dieser sprach zu ihnen: Geht, gebt sie zurück. Als sie hierauf [wiederum] zu R. Joḥanan kamen, sprach er zu ihnen: Was kann ich tun, wenn ein Gegner gegen mich streitet.
ט ההוא בקרא דיתמי דתפסי תורא מיניה בע"ח אמר מחיים תפיסנא ליה ובקרא אמר לאחר מיתה תפסיה אתו לקמיה דרב נחמן אמר ליה אית לך סהדי דתפסיה אמר ליה לאו אמר ליה מגו דיכול למימר לקוח הוא בידי יכול נמי למימר מחיים תפיסנא ליה
9 Einst wurde bei einem Rinderhirten ein Waisen gehörendes Rind eingehascht. Der Gläubiger sagte, er habe es bei Lebzeiten [des Vaters] eingehascht, und der Rinderhirt sagte, er habe es nach seinem Tode eingehascht. Als sie hierauf vor R. Naḥman kamen, sprach er zum [Hirten]: Hast du Zeugen, daß er es eingehascht hat? Dieser erwiderte: Nein. Hierauf sprach er: Daer sagen könnte, es sei käuflich in seinen Besitz gekommen, ist er auch zu sagen berechtigt, er habe es bei Lebzeiten eingehascht. –
י והאמר ר"ל הגודרות אין להן חזקה שאני תורא דמסירה לרועה
10 Reš Laqiš sagte ja aber, beim Kleinvieh gebe es keine Ersitzung!? – Anders verhält es sich bei einem Rinde, das einem Hirten anvertraut ist.
יא דבי נשיאה תפוס אמתא דיתמי מסימטא יתיב ר' אבהו ור' חנינא בר פפי ור' יצחק נפחא ויתיב רבי אבא גבייהו אמר להו שפיר תפסיתוה אמר להו ר' אבא משום דבי נשיאה נינהו מחנפיתו להו והא דון דייני כר' טרפון ואהדריה ריש לקיש עובדא מינייהו
11 Die Leute des Fürsten haschten auf einem Seitenwege eine Waisen gehörende Magd ein. R. Abahu, R. Ḥanina b. Papi und R. Jiçḥaq der Schmied saßen beisammen, vor ihnen R. Abba, und sie entschieden: Ihr habt sie rechtmäßig eingehascht. Da sprach R. Abba zu ihnen: Weil es Leute des Fürsten sind, begünstigt ihr sie!? Einst entschieden Richter nach R. Tryphon, und Reš Laqiš hob die Entscheidung auf.
יב יימר בר חשו הוה מסיק ביה זוזי בההוא גברא שכיב ושביק ארבא א"ל לשלוחיה זיל תפסה ניהליה אזל תפסה פגעו ביה רב פפא ורב הונא ברי' דרב יהושע אמרו ליה את תופס לב"ח במקום שחב לאחרים ואמר רבי יוחנן התופס לבע"ח במקום שחב לאחרים
12 Jemar b. Ḥašu hatte von jemand Geld zu erhalten, und dieser starb und hinterließ ein Schiff. Da sprach er zu seinem Vertreter: Geh, hasche es ein. Dieser ging hin und haschte es ein. Da begegneten ihm R. Papa und R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, und sprachen zu ihm: Du haschest für einen Gläubiger ein und benachteiligst dadurch andere [Gläubiger], und R. Joḥanan sagte, wer für einen Gläubiger einhascht, und dadurch andere [Gläubiger] benachteiligt, habe nichts erworben.