Ketubot 209

Kapitel 209

א תשבע בסוף ולא תשבע בתחלה נחלקו עליו בני כהנים גדולים ואמרו תשבע בתחלה ובסוף אמר רבי דוסא בן הרכינס כדבריהם אמר רבן יוחנן בן זכאי יפה אמר חנן לא תשבע אלא בסוף:
1 SPÄTER<small>UND SCHWÖRE NICHT ZUNÄCHST</small>. D<small>IE</small> H<small>OCHPRIESTERSSÖHNE ABER STREITEN GEGEN IHN UND SAGEN, SIE SCHWÖRE ZUNÄCHST UND SPÄTER</small>. R. D<small>OSA B</small>. A<small>RCHINOS STIMMTE IHNEN ZU</small>. R. J<small>OḤANAN B</small>. Z<small>AKKAJ SAGTE</small>: <small>ḤANAN HAT</small> R<small>ECHT, SIE SCHWÖRE NUR SPÄTER</small>.
ב <big><strong>גמ׳</strong></big> ורמינהי שלשה דייני גזילות היו בירושלים אדמון בן גדאי וחנן המצרי וחנן בן אבישלום קשיא תלת אתרין קשיא גזירות אגזילות
2 GEMARA. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen. Drei Richter über Eigentumsvergehen waren in Jerušalem, Admon b. Gadaj, Ḥanan der Miçri und Ḥanan b. Abišalom!? Es besteht nun ein Widerspruch zwischen drei und zwei und ein Widerspruch zwischen Verordnungen und Eigentumsvergehen!?
ג בשלמא תלת אתרין לא קשיא דחשיב ליה קתני דלא חשיב ליה לא קתני אלא גזירות אגזילות קשיא
3 Allerdings ist der Widerspruch zwischen drei und zwei zu erklären: er nennt den ihm bedeutend erscheinenden und nennt nicht den ihm nicht bedeutend erscheinenden, aber der Widerspruch zwischen Verordnungen und Eigentumsvergehen besteht ja!?
ד אמר רב נחמן בר יצחק שהיו גוזרין גזירות על גזילות כדתניא קיטמה נטיעה ר' יוסי אומר גוזרי גזירות שבירושלים אומרים נטיעה בת שנתה שתי כסף בת שתי שנים ארבע כסף
4 R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Sie trafen Verordnungen über Eigentumsvergehen. Wie gelehrt wird: Biß [ein Vieh ein fremdes] Reis ab, so ist, wie R. Jose im Namen der Verordnungsrichter in Jerušalem sagte, für ein einjähriges Reis zwei Silberstücke und für ein zweijähriges vier Silberstücke zu ersetzen. –
ה ורמינהי שלשה דייני גזירות היו בירושלים אדמון וחנן ונחום א"ר פפא מאן תנא נחום ר' נתן היא דתניא רבי נתן אומר אף נחום המדי מגוזרי גזירות שבירושלים היה ולא הודו לו חכמים
5 Ich will auf einen anderen Widerspruch hinweisen: drei Verordnungsrichter waren in Jerušalem, Admon, Ḥanan und Naḥum!? R. Papa erwiderte: Der Nahum nennt, ist R. Nathan, denn es wird gelehrt: R. Nathan sagte, auch Nahum der Meder gehörte zu den Verordnungsrichtern in Jerušalem, die Weisen aber pflichteten ihm nicht bei. –
ו ותו ליכא והאמר ר' פנחס אמר רבי אושעיא שלש מאות ותשעים וארבעה בתי דינין היו בירושלים כנגדן בתי כנסיות וכנגדן בתי מדרשות וכנגדן בתי סופרים דיינין טובא הוו וכי קאמרינן אגוזרי גזירות קאמרינן
6 Gab es denn keine anderen mehr, R. Pinḥas sagte ja im Namen R. Oša͑jas, daß in Jerušalem dreihundertvierundneunzig Gerichtshöfe waren, diesen entsprechend Bethäuser, diesen entsprechend Lehrhäuser und diesen entsprechend Schulhäuser!? – Es waren viele Richter, wir aber sprechen von verordnungstreffenden.
ז אמר רב יהודה אמר רב אסי גוזרי גזירות שבירושלים היו נוטלין שכרן תשעים ותשע מנה מתרומת הלשכה לא רצו מוסיפין להם לא רצו אטו ברשיעי עסקינן אלא לא ספקו אע"פ שלא רצו מוסיפין עליהן
7 R. Jehuda sagte im Namen R. Asis: Die Verordnungs[richter] in Jerušalem erhielten ein Gehalt von neunundneunzig Minen aus der Tempelschatzkammer; waren sie nicht zufrieden, so legte man ihnen zu. – ‘Waren sie nicht zufrieden’, sprechen wir denn von Bösewichtern!? – Vielmehr, reichten sie nicht damit, so legte man ihnen zu, auch wenn sie es nicht verlangten.
ח קרנא הוה שקיל איסתירא מזכאי ואיסתירא מחייב ודאין להו דינא והיכי עביד הכי והכתי' (שמות כג, ח) ושוחד לא תקח
8 Qarna nahm einen Stater vom Rechthabenden und einen Stater vom Unrechthabenden und sprach ihnen Recht. – Wieso tat er dies, es heißt ja: <i>Bestechung sollst du nicht nehmen</i>!?
ט וכ"ת ה"מ היכא דלא שקיל מתרוייהו דלמא אתי לאצלויי דינא קרנא כיון דשקיל מתרוייהו לא אתי לאצלויי דינא וכי לא אתי לאצלויי דינא מי שרי
9 Wolltest du erwidern, nur dann, wenn man nicht von beiden nimmt, weil man verleitet werden könnte, das Recht zu beugen, während Qarna, der von beiden nahm, nicht verleitet werden konnte, das Recht zu beugen, so ist es ja auch in dem Falle nicht erlaubt, wenn man nicht verleitet wird, das Recht zu beugen!?
י והתניא ושוחד לא תקח מה ת"ל אם ללמד שלא לזכות את החייב ושלא לחייב את הזכאי הרי כבר נאמר (דברים טז, יט) לא תטה משפט אלא אפי' לזכות את הזכאי ולחייב את החייב אמרה תורה ושוחד לא תקח
10 Es wird nämlich gelehrt: <i>Bestechung sollst du nicht nehmen,</i> was lehrt dies: wenn etwa, daß man den Schuldigen nicht begünstige und den Rechthabenden nicht verurteile, so heißt es ja bereits:<i>du sollst das Recht nicht beugen;</i> vielmehr sagt die Tora: <i>Bestechung sollst du nicht nehmen,</i> selbst zur Begünstigung des Rechthabenden und Verurteilung des Unrechthabenden. –
יא הני מילי היכא דשקיל בתורת שוחד קרנא בתורת אגרא הוה שקיל ובתורת אגרא מי שרי והתנן הנוטל שכר לדון דיניו בטלין הנ"מ אגר דינא קרנא אגר בטילא הוה שקיל
11 Dies nur, wenn man es als Bestechungnimmt, Qarna aber nahm es als Belohnung. – Ist es denn als Belohnung erlaubt, wir haben ja gelernt, wer eine Belohnung für das Rechtsprechen nimmt, dessen Urteile seien nichtig!? – Dies gilt nur von einer Belohnung für das Urteil, Qarna aber nahm eine Entschädigung für den Zeitverlust. –
יב ואגר בטילא מי שרי והתניא מכוער הדיין שנוטל שכר לדון אלא שדינו דין ה"ד אילימא אגר דינא דינו דין והתניא הנוטל שכר לדון דיניו בטילין אלא אגר בטילא וקתני מכוער הדיין
12 Ist denn die Entschädigung für den Zeitverlust erlaubt, es wird ja gelehrt: Verächtlich ist der Richter, der eine Belohnung für das Rechtsprechen nimmt; jedoch ist sein Urteil gültig. Welcher Art: wenn eine Belohnung für das Urteil, wieso ist dieses gültig, es wird ja gelehrt, wer eine Belohnung für das Rechtsprechen nimmt, dessen Urteile seien ungültig; doch wohl eine Entschädigung für den Zeitverlust, und er lehrt, der Richter sei verächtlich!? –
יג הני מילי בטילא דלא מוכחא קרנא בטילא דמוכחא הוה שקיל דהוה תהי באמברא דחמרא ויהבי ליה זוזא
13 Dies nur, wenn der Zeitverlust nicht erweislich ist, Qarna aber nahm eine Entschädigung für einen erweislichen Zeitverlust, denn er prüfte die Weinlagerund erhielt Bezahlung.
יד כי הא דרב הונא כי הוה אתי דינא לקמיה אמר להו הבו לי גברא דדלי לי בחריקאי ואידון לכו דינא
14 So pflegte R. Hona, wenn man zu ihm mit einem Rechtstreite kam, zu ihnen zu sagen: Geht mir jemand, der mir meinerstatt Wasser schöpft, so werde ich euch Recht sprechen.
טו אמר רבי אבהו בא וראה כמה סמויות עיניהן של מקבלי שוחד אדם חש בעיניו נותן ממון לרופא ספק מתרפא ספק אינו מתרפא והן נוטלין שוה פרוטה ומסמין עיניהן שנאמר (שמות כג, ח) כי השוחד יעור פקחים
15 R. Abahu sagte: Komm und sieh, wie geblendet die Augen derer sind, die Bestechung nehmen. Wenn jemand Augenschmerzen hat, so zahlt er an den Arzt Geld, und noch ist es zweifelhaft, ob er genesen oder nicht genesen wird; diese aber nehmen den Wert einer Peruṭa und blenden ihre Augen, denn es heißt:<i>denn Bestechung blendet die Hellsehenden.</i>
טז תנו רבנן (דברים טז, יט) כי השוחד יעור עיני חכמים קל וחומר לטפשין ויסלף דברי צדיקים קל וחומר לרשעים מידי טפשים ורשעים בני דינא נינהו אלא הכי קאמר כי השוחד יעור עיני חכמים אפילו חכם גדול ולוקח שוחד אינו נפטר מן העולם בלא סמיות הלב ויסלף דברי צדיקים
16 Die Rabbanan lehrten:<i>Denn Bestechung blendet die Augen der Weisen,</i> und um so mehr die der Toren:<i>und verkehrt die Worte der Gerechten,</i> und um so mehr die der Frevler. – Sind denn Toren und Frevler zum Rechtsprechen geeignet!? – Er meint es vielmehr wie folgt: <i>denn Bestechung blendet die Augen der Weisen;</i> selbst ein großer Weiser, wenn er Bestechung nimmt, scheidet nicht aus der Welt ohne Herzensblendung.<i>Und verkehrt die Worte der Gerechten</i>;